Land Hessen und Stadt Marburg stocken Finanzierung des Landestheaters Marburg auf

»Die Schneekönigin« hatte am 10. November 2019 Premiere am Landestheater Marburg (© www.janbosch.de)

Wiesbaden/Marburg. Das Land Hessen und die Stadt Marburg erhöhen die Finanzierung des Landestheaters Marburg im kommenden Jahr um insgesamt mehr als 600.000 Euro. Damit soll das Landestheater seinen kulturpolitischen Auftrag besser erfüllen können, auch in den vielen Kommunen ohne eigenes Ensembletheater im ländlichen Raum zu gastieren. Das Land und die Stadt teilen sich die Finanzierung des Theaters im Verhältnis 59 zu 41; entsprechend sind im Entwurf des Landeshaushalts zusätzliche 355.600 Euro vorgesehen, die Stadt erhöht ihren Beitrag im Haushaltsentwurf des Oberbürgermeisters für 2020 um 247.111 Euro. Der Etat des Landestheaters betrug einschließlich eigener Einnahmen 2019 knapp 3,9 Millionen Euro und wird 2020 auf rund 4,5 Millionen Euro steigen.

Beeindruckendes künstlerisches Niveau

„Das Landestheater Marburg hat unter seinen Intendantinnen Eva Lange und Carola Unser ein beeindruckendes künstlerisches Niveau erreicht“, erklärt Kunst- und Kulturministerin Angela Dorn. „Dieses Niveau wollen wir sichern und vor allem ermöglichen, dass es sich der Aufgabe eines Landestheaters gemäß auch in der Fläche Hessens entfalten kann. Mit attraktiven Theateraufführungen vor Ort stärken wir den ländlichen Raum. Was in Kunst und Kultur und gerade im Theater passiert, hat eine wichtige Rolle für unsere Demokratie. Theater steht für Offenheit, Vielfalt und Toleranz. Wir wollen dem Theater Freiheit und Verlässlichkeit geben, und wir wollen ermöglichen, dass möglichst viele Menschen daran teilhaben können. Darüber hinaus verbessern wir auch die Situation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die eine Mindestgage erhalten. Wir werden für das gesamte künstlerische Personal eine Gagen-Untergrenze einführen, die um 300 Euro über der vom Tarifvertrag NV Bühne vorgesehenen Mindestgage von 2.000 Euro liegt. Das ist ein erster Schritt, um die häufig problematische Einkommenssituation vieler Künstlerinnen und Künstler zu verbessern. Ich danke der Stadt Marburg sehr herzlich, dass sie uns in diesen Zielen unterstützt.“

Theater muss eine herausragende Rolle spielen

„In einer Stadt, die so tickt wie Marburg – in einer Universitätsstadt mit einer langen Kulturtradition und großer Diskussionsfreude – muss Theater eine herausragende Rolle spielen“, erklärt Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies. „Mit den beiden Intendantinnen und einem motivierten Team auf und hinter der Bühne freuen wir uns über ein hochklassiges Theater, das ganz in der Tradition Erwin Piscators als Ort der gesellschaftlichen Auseinandersetzung und im besten Sinne für Weltverbesserung steht. Wir freuen uns, dass wir gemeinsam mit dem Land mit der Erhöhung der Förderung für das Hessische Landestheater Marburg die Arbeitsbedingungen und damit das Theater insgesamt weiter verbessern können.“

Ländlichen Raum mit hochwertiger Kultur versorgen

Landestheater haben im Unterschied zu den ortsfesten Stadt- und Staatstheatern den Auftrag, neben ihrer Sitzstadt vor allem den ländlichen Raum mit hochwertiger darstellender Kunst zu versorgen. Das Hessische Landestheater Marburg ist das einzige hessische Theater in dieser Betriebsform. Der Löwenanteil der Erhöhung soll deshalb Stellen im Bereich Technik, Werkstätten und Dramaturgie/Vermittlung finanzieren, um einen angemessenen Theater- und insbesondere Gastspielbetrieb zu ermöglichen. Auch für Theaterpädagogik und Kulturelle Bildung soll Personal eingestellt werden.

Gehälter und Gagen sollen steigen

Von den zusätzlichen Mitteln soll das Landestheater auch die Bezahlung über das Mindestgagenniveau des bundesweiten Tarifvertrages anheben. Zum einen soll das Theater so konkurrenzfähig bleiben, zum anderen wollen Land und Stadt eine Vorbildrolle im fairen Umgang mit den Kulturschaffenden einnehmen. Sowohl die Gehälter der eigenen Beschäftigten als auch die Gagen für Gäste sollen steigen.

hltm.de / hessen.de