KUNSTFEST WEIMAR 2021 vom 25. August bis 11. September

© Kunstfest Weimar

Rund 75 Programmpunkte wird das KUNSTFEST WEIMAR 2021 während des Festivalzeitraums vom 25. August bis 11. September umfassen und ein weiteres Jahr der Pandemie trotzen: Interdisziplinäre Aufführungen und Ausstellungen, Screenings und Interventionen, Debatten und Lesungen — darunter 15 Uraufführungen, 3 Europäische und 6 Deutsche Erstaufführungen an 23 Spielorten in Weimar und 25 thüringenweit. Insgesamt rund 165 Veranstaltungen plant das Festivalteam. Am Donnerstag, den 1. Juli., stellte Rolf C. Hemke, künstlerischer Leiter des größten Festivals für die zeitgenössischen Künste im Osten Deutschlands, das Hauptprogramm vor — gleichzeitig begann der Ticketvorverkauf. Unter der Überschrift »Bundesgeistesschau« widmet sich das KUNSTFEST WEIMAR erneut der Reflexion des Zustands unserer Gesellschaft und Demokratie — den Blick fest auf das Ende der Pandemie gerichtet.

Rolf C. Hemke erläuterte die Themenwahl so: »Wir beziehen uns dabei sowohl auf die in Erfurt in diesem Jahr veranstaltete Bundesgartenschau, als auch auf die alte Rivalität zwischen Erfurt als neuer, und Weimar als historischer thüringischer Landeshauptstadt. Wir reflektieren mit unserer »Bundesgeistesschau« nicht nur die historische Weimarer Geistesgröße. Unser Anliegen ist die Verhandlung zentraler gesellschaftlicher und politischer Themen nach der Pandemie — szenisch und diskursiv: z. B. nach dem Wohin in unserer Wachstumsgesellschaft, gerade im Hinblick auf den Klimawandel und die Vernichtung unserer natürlichen Lebensgrundlagen.«

Den bereits im Vorfeld angekündigten Uraufführungen der Oper »Electric Saint« (5. und 12. September) von Ex-Police-Drummer Stewart Copeland und Jonathan Moore und des aufwändigen, 17-tägigen dokumentarisch-performativen Reenactments »438 Tage NSU-Prozess — Eine theatrale Spurensuche« von Nuran David Çalış (25. August — 11. September) stehen weitere bedeutende Uraufführungen zur Seite: Der Reigen beginnt mit dem Eröffnungsprojekt »And when we change …«, einem Tanzparcours der südafrikanischen Starchoreografin Robyn Orlin zum Verhältnis Mensch und Natur im Park an der Ilm (25. und 26. August) und im Erfurter egapark der BUGA (28. und 29. August).

Die an den großen Häusern gefragte Regisseurin Marie Bues inszeniert die Uraufführung »Und alle Tiere rufen: Dieser Titel rettet die Welt auch nicht mehr« des zweifachen Mülheimer Dramatiker-Preisträgers Thomas Köck — ein vielstimmiges Requiem-Manifesto der ausgestorbenen Arten. Der VR-Performance-Parcours »Landscapes and Bodies« des Kollektivs Kötter/Isreal/Limberg, eine Art begehbarer Dokumentarfilm in fünf Teilen, fragt nach den Folgen des globalen Raubbaus an der Natur durch Rohstoffgewinnung.

Passend zu diesem Themenschwerpunkt hat erneut Thüringens Umweltministerin Anja Siegesmund die Schirmherrschaft des KUNSTFESTS WEIMAR übernommen. Sie sagte zum Auftakt der Pressekonferenz: »Ich freue mich sehr, dass das Kunstfest wieder stattfindet und sich das Theater behauptet, gegen alle Widrigkeiten der Pandemie. Mehr Kunst tut unserer Demokratie gut. Und wieder ist ein tolles Programm entstanden, das wichtige Themen unserer Zeit in den Mittelpunkt stellt: Etwa die Herausforderungen der Klimakrise oder unseren Umgang mit Müll. Darüber sollten wir nachdenken und miteinander im Gespräch sein: Woher kommt unsere Energie, wohin geht unser Müll, wie sind wir in Zukunft unterwegs? Das Theater bietet hier besondere Blickwinkel. Ich danke alle Beteiligten und bin sehr gerne Schirmherrin des Festivals.«

Rolf C. Hemke erläutert: »Unsere Experimentierfreude kennt keine Grenzen — wir spielen mit unterschiedlichen Ästhetiken und entwickeln ganz neue Formen: Von Tanz, Schauspiel, Oper über Konzerte zwischen großer Sinfonik und Moderne, Jazz und Pop, bildende Kunst, Literatur und Film bis zur VR-Performance, zum Live-Hörspiel und diskursiven wie partizipativen Formaten ist alles zu erleben. Gleichzeitig begeben wir uns auf die Suche nach sicheren Orten der Begegnung, wir spielen Drinnen und Draußen — und an vielen ungewöhnlichen Orten: Die Berliner Opernkompagnie Novoflot bespielt mit ihrer Musiktheater-Uraufführung sogar das hiesige Wimaria-Stadion. Unsere Gastkünstler* innen und Kompanien kommen aus der ganzen Welt: Aus Taiwan und Indonesien, dem Libanon, Iran oder dem Kongo und aus ganz Europa.« Auch sein regionales Engagement nimmt das KUNSTFEST WEIMAR besonders ernst: Das Performance-Projekt mit zugehörigem Ausstellungsreigen »THÜRINGEN — Die ganze Wahrheit« wird bis in die entlegensten Winkel Thüringens reisen und in insgesamt 20 Städten und Dörfern stattfinden.

kunstfest-weimar.de