Konzertante Oper »Idomeneo«, Krönungsmesse und »Jupitersinfonie« bei den Baden-Badener Herbstfestspielen

Mit Thomas Hengelbrock auf dem Mozart–Olymp

Regula Mühlemann (© Henning Ross / Sony Classical)

Den „Idomeneo“ hat Mozart zeitlebens als sein bestes Bühnenwerk betrachtet. Nun eröffnen Thomas Hengelbrock, der Balthasar-Neumann-Chor und das Balthasar-Neumann-Ensemble mit der konzertanten Oper die Baden-Badener Herbstfestspiele.

Neben den „Idomeneo“-Aufführungen am 21. und 23. Oktober 2021, jeweils 18 Uhr, gibt es zwei weitere Konzerte der Balthasar- Neumann-Ensembles mit Musik von Wolfgang Amadeus Mozart: Am Freitag, 22. Oktober 2021 musizieren sie unter der Leitung von Duncan Ward die „Krönungsmesse“. In der Sonntags-Matinee am 24. Oktober entführen Thomas Hengelbrock, Regula Mühlemann und das Balthasar-Neumann- Ensemble mit Mozarts Sinfonie Nr. 39, der Konzertarie „Bella Mia Fiamma“ und dem letzten, strahlenden Werk des Komponisten „Jupitersinfonie“ auf den Olymp des musikalischen Geistes.

Michael Spyres
© Marco Borrelli

Gewaltige Musik, gewaltige Stimmen: gewaltiges Opus

Den Beginn macht Mozarts französischste Oper: „Idomeneo“, von ihm selbst als seine bedeutendste erachtet. Sie steckt voller musikalischer Revolutionen, die der Komponist, aus Paris abreisend und entflammt von den neuesten französischen Moden, sich überall abgeschaut hatte: Handlung und Form aus Paris, die Sprache aus Italien, … – Mozart bediente sich bei den Besten, um sein Bestes zu schaffen. Das inspiriert bis heute. Den Idomeneo – sein Rollendebüt! – gibt der weltweit gefeierte Tenor Michael Spyres.

Ihm zur Seite als Idamante Rachel Frenkel, Regula Mühlemann als Ilia und Nicole Chevalier als Elettra. Unter der musikalischen Leitung von Thomas Hengelbrock wird auf der Festspielhausbühne musikalisch eine Geschichte erzählt, die dramatischer kaum sein könnte: Auf der Heimfahrt vom zerstörten Troja ist Idomeneo in einen Seesturm geraten. Aus Todesangst hat er dem Gott des Meeres gelobt, ihm den ersten Menschen, dem er nach seiner Rettung begegnen würde, zu opfern. Am Strand angekommen, trifft Idomeneo ausgerechnet auf seinen Sohn Idamante und die Götter beharren auf Vollzug des Versprechens. Idomeneo verschweigt jedoch sein Gelübde und versucht es mit einer List: Er befiehlt, Idamante solle Prinzessin Elettra per Schiff nach Hause begleiten um dem Opfer zu entgehen. Aber ein menschenfressendes Seeungeheuer blockiert den Hafen. Idamantes, der sich in seines Vaters Abwesenheit in die gefangen gehaltene Trojanerprinzessin Ilia verliebt hat, bekämpft erfolgreich das Ungeheuer. Dann – denn mittlerweile weiß er um das Gelübde seines Vaters – will er sich dem Meeresgott Poseidon opfern. Für ihn wiederum will Ilia sich opfern. Angesichts von so viel Opfermut erlösen uns Mozart und sein Librettist mit einem ‚deus ex machina‘, es ergeht das Orakel: „Idomeneo steige vom Thron / es herrsche Idamantes / Ilia sei ihm Gemahlin / Poseidon ist versöhnt“.

Der Sturm, den Mozarts Musik in „Idomeneo“ so eindringlich heraufbeschwört, tobt nicht nur im Freien, sondern auch in allen Figuren der Oper. Ob Vater und Sohn, ob die beiden auswärtigen Königstöchter Ilia und Elettra, die nach dem traumatisierenden Krieg auf bessere Tage hoffen – sie alle sind Natur- wie Gefühlsgewalten hilflos ausgeliefert. Das kommt in anspruchsvollen Arien, differenzierten Rollenporträts, einem virtuosen Orchesterpart und einigen großen Chorszenen, die zu den beeindruckendsten in Mozarts Schaffen gehören, wirkungsvoll zur Geltung.

Freudig beseelt in lautem Jubel

Mögen die Chöre jubilieren! Eher freudig beseelt als zurückhaltend fromm sind die Kirchenwerke Mozarts, die der Dirigent Duncan Ward mit den Balthasar Neumann-Solisten, -Chor und -Ensemble am Freitag, 22. Oktober 2021 im Festspielhaus vorstellen wird. Nach den fantastischen, in Händels Nachfolge stehenden „Vesprae“ erklingt Mozarts „Krönungsmesse“.

Woher die Bezeichnung „Krönungsmesse“ stammt, lässt sich nicht eindeutig nachweisen. Der Überlieferung nach wurde sie für die Feier geschrieben, die alljährlich zur Erinnerung an die Krönung des Gnadenbildes in der Wallfahrtskirche Maria Plain bei Salzburg stattfand. Dies erklärt auch den festlichen Charakter der Komposition, der sich in der reichen Orchesterbesetzung äussert.  Zum ersten Mal dürfte sie im Rahmen der Krönungsfeierlichkeiten für Kaiser Franz II. verwendet worden sein und sie wurde schnell zur bevorzugten Komposition für Gottesdienste bei Kaiser- und Königskrönungen sowie bei Dankgottesdiensten. Ihre Popularität ist gut nachvollziehbar: An festlichem Schwung, an Kontrastreichtum, an Vielfalt der auf engstem Raum entwickelten musikalischen Gedanken übertrifft die „Krönungsmesse“ die meisten ihrer Vorgänger, eine innerhalb dieses Genres unvergleichliche Rarität.

Strahlende Sonntags-Matinee

Am 24. Oktober, 11 Uhr, steht Mozarts festlicher 39. Sinfonie die wild expressive Konzertarie „Bella mia Fiamma“ gegenüber, bevor die Matinee mit der „Jupitersinfonie“ strahlend schließt.

Das Abschluss-Konzert des Mozart-Wochenendes im Festspielhaus wird dargeboten von Sopranistin Regula Mühlemann, Thomas Hengelbrock und dem Balthasar-Neumann-Ensemble.

Entstanden ist die Jupitersinfonie in einem Schaffensrausch im privaten und öffentlichen „Lockdown“. In Österreich herrschte 1788 Wirtschaftskrise, man stand im Krieg gegen das Osmanische Reich; Inflation, Hunger, Epidemien und Revolten hatten das künstlerische Leben Wiens zum Erliegen gebracht. Trotzdem merkt man der Sinfonie die bedrückenden Zeitumstände nicht an, im Gegenteil: Mit der „Jupiter“-Sinfonie kam der Götterliebling endgültig auf dem Olymp an. Im Finale der „Jupitersinfonie“ gelingt Mozart scheinbar mühelos die Synthese aus Altem und Neuem, aus Strenge und übersprudelnder Vitalität.

Weitere Informationen und Tickets: festspielhaus.de

Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101