Komische Oper Berlin startet mit »Der ›Zigeuner‹baron« in den Juni

In einer Neufassung von Tobias Kratzer

Der ›Zigeuner‹baron ~ Komische Oper Berlin ~ Graf Peter Homonay (Dominik Köninger) und Sándor Barinkay (Thomas Blondelle) ~ Foto: Monika Rittershaus

In der vergangenen Woche wurde es angekündigt, nun wird es konkreter: Die Komische Oper Berlin startet am 6. Juni mit der aus dem Januar verschobenen Premiere von Johann Strauss’ »Der ›Zigeuner‹baron« in einen neu zusammengestellten Juni-Spielplan, der mit einer Vorstellung genau dieser Neuproduktion von Tobias Kratzer am 1. Juli endet.

Parallel zu den letzten Proben zur ersten Premiere wird am 1. Juni auch Open Air mit einem neuen Tango-Hinterhofkonzert-Programm gestartet.

Schon der Titel bietet ausreichend Anlass für kontrovers geführte Debatten: Für seine Rückkehr an die Komische Oper Berlin hat sich Tobias Kratzer »Der ›Zigeuner‹baron« von Johann Strauss ausgesucht – ein Werk, an dem ihn nicht nur die musikalische Qualität reizt, sondern auch die Fragen, die Titel und Libretto unweigerlich aufwerfen. In seiner Neufassung verdichtet der Regisseur das Werk auf seine musikalische Essenz und die zeitlosen Themen, die es behandelt: Ausgrenzung und Integration, Heimatlosigkeit und Entwurzelung und das Auffinden einer neuen Heimat – und die zerstörerische und doch auf fatale Weise einheitsstiftende Wirkung von Krieg. Für Tobias Kratzer, der 2017 mit Zoroastre am Haus debütierte, bietet das Stück »eine hervorragende Folie für das, was Theater auch sein kann: Es werden einem auf der Bühne exemplarisch verschiedene Konfliktsituationen vorgeführt, mit denen man sich auch in der eigenen Gesellschaft auseinanderzusetzen hat.«

Eine explosive Mischung am Vorabend eines gesellschaftlichen Umbruchs bildet den Hintergrund für zwei (vermeintlich) interkulturelle bzw. klassenübergreifende Liebesgeschichten: Ein mittelloser, junger Emigrant, der in seine Heimat zurückkehrt und den elterlichen Besitz nur mehr als Ruine vorfindet; ein großtuerischer, reicher Schweinezüchter, der sich eben dieses Besitzes bemächtigt hat; ein Adliger, der sich als konservativer Sittenwächter geriert und sich dabei auf »die gute alte Zeit« beruft, und eine von der Gemeinschaft ausgeschlossene Minderheit, die von der privilegierten Schicht kollektiv als »Zigeuner« bezeichnet wird, die aber gemeinsam mit den Herrschenden in den Krieg zieht und ihn letztlich für diese gewinnt. Indem Tobias Kratzer die Handlung der Operette aus der Sicht des in der Vergangenheit verhafteten k.u.k.-Offiziers Graf Homonay perspektiviert, fordert er das Publikum zugleich auf, eine eigene Perspektive auf das Werk einzunehmen.

Unter der musikalischen Leitung von Operettenspezialist Stefan Soltész ist ein spielfreudiges Ensemble zu erleben, angeführt von Thomas Blondelle, Dominik Köninger, Mirka Wagner (im Wechsel mit Nadja Mchantaf), Helene Schneiderman, Alma Sadé und Philipp Meierhöfer.

Weitere Vorstellungen am 26. und 28. Juni sowie 1. Juli 2021. Zu welchen Rahmenbedingungen die Premiere sowie die Folgevorstellungen stattfinden können, richtet sich nach den Auflagen der zuletzt gültigen SARS-CoV-2-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung.

Zur Neuproduktion ist ein Begleitprogramm geplant, das die Fragen, die unter anderem der Titel des Werks aufwirft, kritisch zur Diskussion stellt.

Weitere Informationen: komische-oper-berlin.de