Komische Oper Berlin mit Monumentalwerk »Das Floß der Medusa« im Flughafen Tempelhof

Das Floß der Medusa ~ Komische Oper Berlin im Flughafen Tempelhof ~ Vorabfoto ~ «Foto: Jan Windszus Photography

Raus aus dem Haus, rein in die Kieze! In den kommenden Jahren steht jeweils zum Spielzeitbeginn eine große Produktion an außergewöhnlichem Ort auf dem Spielplan der Komischen Oper Berlin. Erste Station: Flughafen Tempelhof (Hangar 1). Erstes Werk: Hans Werner Henzes Menschlichkeitsbefragung Das Floß der Medusa. 83 Chorsänger:innen, über 40 Statist:innen, 20 Chorknaben, 82 Musiker:innen und drei Solist:innen erzählen in dieser überlebensgroßen Inszenierung von Regisseur Tobias Kratzer vom bedrohlichen Diktat der Knappheit und dem Willen zu überleben.

150 Menschen treiben auf hoher See einer ungewissen Zukunft entgegen. Kaum Platz und zu wenig Nahrung bietet das dürftige Floß der havarierten »Medusa«. Offiziere und Kommandanten auf dem seetauglicheren Rettungsboot haben das Tau zum Floß längst gekappt, um sich selbst zu retten und überlassen den Rest der Besatzung ihrem Schicksal. Unter den Verratenen und Unterdrückten bricht der Kampf ums nackte Überleben aus. — 1816 kenterte das französische Schiff »Medusa« auf hoher See vor der Küste Senegals. Nur wenig Menschen konnten sich retten, und zwar auf unsagbare Weise. Der französische Maler Théodore Géricault hielt das Ereignis in einem eindrücklichen Gemälde fest, das bei seiner Ausstellung im Pariser Salon 1819 für einen Skandal sorgte, der bis heute nachhallt.

Ebenso skandalös war Hans Werner Henzes und Librettist Ernst Schnabels »Oratorio volgare e militare«. 1968, in einer Zeit der revolutionären Studentenproteste trafen sie mit diesem Che Guevara gewidmeten Werk den Nerv der Zeit. Denn Das Floß der Medusa ist ein musikalisches Bekenntnis gegen die Herrschaft des Menschen über den Menschen. Seine klanglich aufgewühlte Komposition zeigt das Unrecht hochdramatisch und drastisch. Ein Meilenstein des Musiktheaters des 20. Jahrhunderts, im Glauben daran, dass Wegsehen keine Lösung ist.

Die Ko-Intendant:innen Susanne Moser und Philip Bröking: »Das wird für die Komische Oper Berlin in vielerlei Hinsicht ein außergewöhnliches Ereignis! Wir sind sehr froh, dass unser erster ‚Satellit‘ im Flughafen Tempelhof starten kann! Denn wie bereits die Eröffnungspremiere der Spielzeit 2022/23 — Luigi Nonos Intolleranza 1960 — hat auch Das Floß der Medusa nichts von seiner Aktualität eingebüßt und wird durch die besondere Inszenierung noch intensiver erfahrbar gemacht: Regisseur Tobias Kratzer legt den humanistischen Kern von Henzes Vertonung dieses brutalen Falls der Klassenherrschaft frei und überträgt ihn in einer bildgewaltigen Inszenierung auf den riesigen Hangar des Flughafens Tempelhof. – Wir danken der Tempelhof GmbH für ihre Unterstützung.«

Seit der Schließung des Flughafens im Jahr 2008 beherbergen die sieben Hangars wechselweise Geflüchtete, Sozialprojekte und Kulturveranstaltungen. Das Bühnenbild von Rainer Sellmaier holt den Ozean in den 6000 m² großen Hangar und bietet Henzes revolutionärem Werk zwischen zwei Zuschauertribünen den Raum, aus jeder möglichen Perspektive betrachtet zu werden.


Das Floß der Medusa

Oratorium in zwei Teilen (1968)
Von: Hans Werner Henze
Dichtung von: Ernst Schnabel
In deutscher Sprache

MUSIKALISCHE LEITUNG Titus Engel
INSZENIERUNG Tobias Kratzer
BÜHNENBILD UND KOSTÜME Rainer Sellmaier
DRAMATURGIE Julia Jordà Stoppelhaar
CHÖRE David Cavelius
LICHT Olaf Freese

BESETZUNG:

LA MORT Gloria Rehm
JEAN-CHARLES Günter Papendell
CHARON Idunnu Münch

Chorsolisten und Komparserie der Komischen Oper Berlin und Vocalconsort. Kinderchor Staats- und Domchor. Es spielt das Orchester der Komischen Oper Berlin.

Achtung! Nur sechs Termine in zwei Wochen! Premiere am 16. September, weitere Vorstellungen am 23., 26., 28., 30. September und 2. Oktober, jeweils 20.00

komische-oper-berlin.de