Komische Oper Berlin bietet weiterhin einen Online-Spielplan und eine digitale Ausstellung

Lonely House ~ Komische Oper Berlin ~ Katharine Mehrling und Barrie Kosky ~ Foto: Agentur Baganz

Nach aktueller Lage ist der Spielbetrieb offiziell bis einschließlich 10. Januar geschlossen, was sich darüber hinaus ergibt, zeigt sich wohl nach dem 5. Januar. Auch wenn derzeit nicht davon ausgegangen werden kann, dass ab Ende Januar wieder gespielt werden darf, werden die Proben für die nächste plamäßig angesetzte Neuproduktion fortgeführt. Tobias Kratzer nähert sich Johann Strauss’ Operette Der Zigeunerbaron an. Bis es wieder losgehen kann, bleibt für das Publikum das digitale Angebot der der Komischen Oper Berlin bestehen.

Digitale Ausstellung zum Architekturwettbewerb

Ursprünglich war sie als analoge Ausstellung auf dem Messegelände angekündigt, doch wegen Beginn des Lockdowns wenige Tage nach Bekanntgabe der prämierten Entwürfe wurde sie nun digital realisiert: die Präsentation aller Entwürfe der beiden Wettbewerbsphasen des Architekturwettbewerbs zu Umbau und Erweiterung der Komischen Oper Berlin.

Noch bis zum 31. Januar 2021 ist es möglich, sich ein umfassendes Bild vom Wettbewerbsverfahren und von der Vielfalt der eingereichten Entwürfe zu machen, auch über den umfassend publizierten Gewinnerentwurf von kadawittfeldarchitektur und die weiteren von der Jury prämierten Entwürfe hinaus.

Zur Online-Präsentation: wettbewerbe-aktuell.de
Weitere Informationen: stadtentwicklung.berlin.de

Highlights

Gespannt wird derzeit auf Neuigkeiten in Hinblick auf den aktuellen Lockdown und die Schließungen der Kulturinstitutionen gewartet. Aktuell ist unklar, wann die Theater und Opernhäuser wieder öffnen können. Daher beschränken sich die Hinweise auf das Programm, das feststeht: Neben der digitalen Ausstellung erwartet die Freund*innen der Komischen Oper Berlin bis zum 29. Januar ein neuer Stream sowie drei weitere Streams-on-demand im Online-Spielplan.

Wieder im Stream: Semele

Als Georg Friedrich Händel im Februar 1744 dem Publikum in Covent Garden sein neuestes Oratorium, Semele, präsentierte, zeigte sich selbst die liberale Londoner Bürgerschaft ob des schlüpfrigen Sujets leicht irritiert. Erwartet hatte es an dieser Stelle einen biblischen Stoff – der Fastenzeit entsprechend. Letztlich ließ sich das Publikum aber von der saftigen Handlung und Händels mit reichen Chören durchwirkten Musik überzeugen.

Zur Handlung: Jupiter entführt an ihrem Hochzeitstag seine Geliebte, die Königstocher Semele. Juno, die eifersüchtige Gattin des Göttervaters, setzt alles daran, der hemmungslosen Affäre ein Ende zu setzen. Getarnt als deren jüngere Schwester Ino überredet sie Semele, Jupiter dazu zu bringen, sich in seiner wahren göttlichen Gestalt zu zeigen. Nur so könne Semele die ersehnte Unsterblichkeit erlangen. Semeles Ehrgeiz ist schließlich stärker als Jupiters Widerstand und ihr Schicksal besiegelt: In den sengenden Strahlen des Gottes verbrennt sie zu Staub.

Die Produktion von Semele aus dem Jahr 2018 ist Teil der erfolgreichen Barockopern-Serie der Komischen Oper Berlin. Angeführt von Nicole Chevalier in der Titelpartie ist unter der musikalischen Leitung von Barockspezialist Konrad Junghänel ein hochkarätiges Ensemble – darunter Allan Clayton als Jupiter – in einer Inszenierung von Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky zu erleben. Das Oratorium in englischer Sprache gehört, wenngleich in Deutschland selten gespielt, weltweit zu den populärsten Werken des Komponisten.

Viel Lob von den Kritiker*innen: »magische Momente« [Berliner Zeitung], »tief traurig und tief beeindruckend« [rbb inforadio], »ein ausnahmslos großartiges Ensemble« [taz] – um nur einige zu nennen.

Besetzung: Philipp Meierhöfer (Cadmus, König von Theben), Nicole Chevalier (Semele, seine Tochter), Katarina Bradić (Ino, ihre Schwester), Allan Clayton (Jupiter, König der Götter), Ezgi Kutlu (Juno, seine Frau) u. a.

Semele ist seit dem 3. Januar 2021 für einen Monat als Stream verfügbar.

Zum Online-Spielplan: komische-oper-berlin.de/programm/online-spielplan

Noch im Stream: Cendrillon

Der bekannte Aschenputtel-Stoff in seiner französischen Fassung als hochromantische Oper: Jules Massenet schuf Cendrillon an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und traf den Nerv einer Zeit radikaler gesellschaftlicher und technischer Umbrüche, in der die Sehnsucht nach kleinen Fluchten aus einer Wirklichkeit, die die Menschen überfordert, ins schier Unendliche wuchs. Er konzentrierte sich in seiner zauberisch-traumhaften Version der Geschichte ganz auf das gefährdete Glück des Liebespaares. Regisseur Damiano Michieletto erzählte 2016 die Fabel von Mädchen, Märchenprinz und Tanz im »gläsernen Pantoffel« für ein erwachsenes und junges Publikum: als Teil der neidvoll-harten Realität einer Ballettschule, in der die Leistungsansprüche der Erwachsenen auf die Träume von jungen Menschen treffen – und in der nach einem Unfall der Prima Ballerina Märchenhaftes geschieht. Die musikalische Leitung der aufgezeichneten Premieren-Vorstellung lag in den Händen von Henrik Nánási.

»Ein großer Abend ist hier gelungen, fern vom konventionellen Cinderella-Kitsch«, urteilte Der Tagesspiegel anlässlich der Premiere.

Besetzung: Nadja Mchantaf (Cendrillon/Aschenputtel), Agnes Zwierko (Madame de la Haltière), Karolina Gumos (Le Prince Charmant), Mari Eriksmoen (La Fée) u. a.

Cendrillon ist bis zum 20. Januar 2021 als Stream-on-Demand verfügbar.

Zum Online-Spielplan: komische-oper-berlin.de/programm/online-spielplan

Als Stream-on-Demand: Lonely House

Ein Live-Konzert in Zeiten der Pandemie: In der leeren Komischen Oper Berlin präsentieren Sängerin und Schauspielerin Katharine Mehrling und Intendant Barrie Kosky am Klavier französische und amerikanische Lieder und Songs aus Weills Exil in Paris und New York – eine emotionale Reise voller Lachen und Weinen mit Liedern eines der bedeutendsten Komponisten des 20. Jahrhunderts.
Verfügbar bis 22. Jan 2021.
Zum Online-Spielplan: komische-oper-berlin.de

Noch im Online-Spielplan: Les Contes d’Hoffmann

Intendant und Chefregisseur Barrie Kosky inszenierte Jacques Offenbachs Les Contes d’Hoffmann 2015 als verstörenden Albtraum eines Künstlers, der sich in den eigenen Fantasien verliert. Mozarts Don Giovanni wird in Hoffmanns gesteigertem Empfinden zum Ausgangspunkt einer vom Wahnsinn getriebenen Reise durch bizarre Welten. Seine abgöttische Bewunderung für die Sängerin der Donna Anna gebiert immer neue Frauenbilder: die seelenlose Puppe Olympia, die todkranke Sängerin Antonia, die herzlose Kurtisane Giulietta. Die drei Frauengestalten, oft von mehreren Sängerinnen dargestellt, werden verkörpert von nur einer Sopranistin: Nicole Chevalier, die für ihre herausragende Leistung mit dem FAUST-Theaterpreis 2016 als beste Sänger-Darstellerin ausgezeichnet wurde und die die Partien auch in der für Anfang dieser Spielzeit geplanten Wiederaufnahme hätte übernehmen sollen.

Gesungen wird die Opéra fantastique im Haus an der Behrenstraße in französischer Sprache mit deutschen Zwischentexten aus der Feder E.T.A. Hoffmanns. Das Werk ist in einer Fassung zu erleben, die auf einen frühen Entwurf Offenbachs zurückgeht und mit Texten Hoffmanns ergänzt wird. In Koskys Inszenierung ist zum ersten Mal in der 130-jährigen Aufführungsgeschichte der Oper die Titelpartie in den ersten beiden Akten mit einem Bariton besetzt – so wie Offenbach es ursprünglich vorgesehen hatte. Am Pult steht bei der Premierenaufzeichnung Stefan Blunier.

Anlässlich der Premiere kam Deutschlandfunk zu dem Fazit: »… ein grandioser Theaterabend, der die Obsessionen dieses Hoffmann herausstellt, wie besessen er diesen verschiedenen Frauenfiguren hinterherirrt und sich dort verirrt in seiner eigenen Phantasie …«

Besetzung: Uwe Schönbeck (Hoffmann 1), Dominik Köninger (Hoffmann 2), Edgaras Montvidas (Hoffmann 3), Nicole Chevalier (Stella/Olympia/Antonia/Giulietta), Karolina Gumos (La Muse/La mère d’Antonia), Dimitry Ivashchenko (Lindorf/Coppélius/Le docteur Miracle/Dapertutto) u. a.

Les Contes d’Hoffmann ist bis zum 27. Januar 2021 als Stream-on-Demand verfügbar.

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