Komische Oper Berlin: 3 Premieren bis Jahresende, ein Blick in die Zukunft und die Pläne für Januar bis April

Komische Oper Berlin ~ Perspektive Unter den Linden (Entwurfsplanung; © kadawittfeldarchitekte)n)

Mögliche architektonische Visionen für die Zukunft der Komischen Oper Berlin sind seit dem gestrigen Dienstag bekannt: Der im Dezember 2019 von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen ausgelobte offene, zweiphasige Realisierungswettbewerb »Umbau und Erweiterung Komische Oper Berlin« wurde nach zweitägiger Sitzung des Preisgerichts am 24. und 25. Oktober 2020 entschieden und die Preisträger-Büros am Dienstag der Öffentlichkeit präsentiert. Ziel des Wettbewerbs war es, gestalterisch, funktional und wirtschaftlich überzeugende Entwürfe zu erhalten, die sich architektonisch mit dem denkmalgeschützten Ensemble auseinandersetzen und die Komische Oper Berlin als Solitär im Stadtraum wirken lassen. Im Rahmen des Wettbewerbes überzeugte der Entwurf von kadawittfeldarchitektur aus Aachen die Jury und wurde mit dem 1. Preis ausgezeichnet. Mehr dazu weiter unten.

Mit der Premiere von Barrie Koskys Neuinszenierung von Offenbachs Großherzogin von Gerolstein verabschiedet die Komische Oper Berlin an diesem Wochenende den Oktober. Nur zwei Wochen später feiert mit Mondnacht am 14. November ein Liederabend der besonderen Art Premiere: Chorleiter David Cavelius hat zwei Liedersammlungen von Robert Schumann für die Chorsolisten der Komischen Oper Berlin bearbeitet. Sie werden auf der Bühne von Barrie Kosky und Klaus Grünberg in Szene gesetzt. Zuvor wirft das Orcherster unter der Leitung seines Generalmusikdirektors Ainārs Rubiķis einen genauen Blick auf Igor Strawinskys Schaffen im europäischen Exil, bei »IGOR II – Frankreich« am 5. und 8. November. Und im Dezember folgen mit Iphigenie auf Tauris (5.12.) und Die Blume von Hawaii (20.12.) zwei weitere Premieren.

Übrigens: Voraussichtlich am 5. November geht der berarbeitete Spielplan für die Monate Januar bis April online. An dieser Stelle sei bereits verraten, dass ein Neujahrskonzert geplant ist und dass die Premiere von Der Zigeunerbaron am 31. Januar 2021 in einer Inszenierung von Tobias Kratzer im Spielplan bleibt. Viele Produktionen können in überarbeiteten Fassungen gespielt werden, einige Inszenierungen lassen sich aber unter den aktuellen Bedingungen auch in diesem Zeitraum nicht auf die Bühne bringen. Welche genau, das soll Anfang November bekanntgegeben werden.

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Architekturwettbewerb entschieden ~ »Wunderbar, sinnlich und zugleich funktional …« – ein Blick in die Zukunft

»Obwohl oder gerade weil wir derzeit in einer Pandemie leben, ist es sehr wichtig, über die Zukunft nachzudenken und von ihr zu träumen,« sagt Barrie Kosky anlässlich des Abschlusses des Realisierungswettbewerbs zu Umbau und Erweiterung Komische Oper Berlin. »Daher freut es mich überaus, dass wir mit dem Siegerentwurf bereits heute die Zukunft der Komischen Oper Berlin gestalten können. Dieser wunderbare, sinnliche und zugleich funktionale Entwurf von kadawittfeldarchitektur erfüllt alle für die Komische Oper Berlin wesentlichen Kriterien: Er präsentiert sich als vielfältiges Chamäleon, als ein Haus der Metamorphosen, der Diversität und der Innovation. Er tritt in Dialog mit der Geschichte der Komischen Oper Berlin und lässt drei Jahrhunderte wie ein Kontrapunkt in- und auseinander fließen: den Zuschauerraum des Metropol-Theaters, die Nachkriegsarchitektur von Felsensteins Komischer Oper und das 21. Jahrhundert. Und er schafft einen Ort für das Musiktheater des 21. Jahrhunderts: Einladend, zugewandt und offen – nach innen und in die Straßen der Stadt hinein. Mit diesem Entwurf erhalten die Komische Oper Berlin, ihr Publikum und die Stadt Berlin neue Proben- und Arbeitsräume, Foyers, Restaurants und Terrassen und damit einen Begegnungsort für Künstler*innen und Zuschauer*innen an einer der prominentesten Adressen der Stadt. Der Siegerentwurf war von Anfang an unser Favorit und ich freue mich sehr über dieses Ergebnis. Herzlichen Glückwunsch, kadawittfeldarchitektur!«

In der ersten Phase wurden aus 63 ausgewählten Entwürfen 16 Arbeiten zur weiteren Bearbeitung der zweiten Phase ausgewählt. Die Wettbewerbsjury unter Vorsitz des Stuttgarter Architekten Stefan Behnisch entschied nach ausführlicher Diskussion am 24. und 25. Oktober über die 3 Preisträger sowie 3 Anerkennungen.

Im Anschluss an den Wettbewerb wird mit den 3 Preisträgern ein formalisiertes Verhandlungsverfahren unter Berücksichtigung weiterer Auswahlkriterien durchgeführt und über die konkrete Auswahl und Beauftragung eines Generalplanungsteams verhandelt, welches im zweiten Quartal 2021 in die konkrete Planung einsteigen soll. Nach Auszug des Ensembles der Komischen Oper Berlin ist geplant, das Bestandsgebäude im Sommer 2023 für vertiefte Bestandsuntersuchungen und die Vorbereitung und Durchführung der Baumaßnahmen an die Bauverwaltung zu übergeben.