Jubiläumsausgabe des Heidelberger Frühling erfolgreich zu Ende gegangen

Nach zwei entfallenen Coronajahrgängen konnte das Festival vom 26. März bis 24. April seinen 25. Geburtstag feiern | Das Programm „re:start“ mit Angeboten bei freiem Eintritt in allen Stadtteilen erreichte etwa 10.000 Menschen | Spendenaktion für die Ukraine brachte bis heute 20.152 Euro ein

In diesen Stunden geht das Internationale Musikfestival Heidelberger Frühling 2022, das den 25. Geburtstag des Festivals gefeiert hat, mit einem „AbschlussFEST“ zu Ende. Insgesamt standen 161 Veranstaltungen an 74 Spielorten mit über 500 Künstler*innen auf dem Programm. 68 Veranstaltungen fanden im Rahmen des Programms „re:start“ bei freiem Eintritt statt. Es war die erste Ausgabe des Heidelberger Frühling seit 2019, die wieder wie geplant stattfinden konnte. Die Jahrgänge 2020 und 2021 mussten coronabedingt abgesagt werden. Zum ersten Mal fand das Festival ohne seine Hauptspielstätte Stadthalle Heidelberg statt, die derzeit saniert wird. Neue Hauptspielorte waren die Aula der Neuen und die Aula der Alten Universität Heidelberg. Der Festivalzeitraum wurde außerdem um den einstigen Schwerpunkt „Neuland.Lied“ verkürzt, der von 11. bis 19. Juni erstmals als eigenständiges Liedfestival ausgetragen wird. Das Programm dieser Festivalpremiere wird am 06. Mai veröffentlicht, der Ticketvorverkauf startet am 09. Mai.

Intendant Thorsten Schmidt, der den Heidelberger Frühling 1997 mitgegründet hat, bilanziert: „Diese Jubiläumsausgabe des Heidelberger Frühling hatte nach zwei coronabedingt abgesagten Festivaljahrgängen eine besondere Tragweite. Dass das Festival nun nach vier Wochen so erfolgreich zu Ende geht, ist ein Zeichen dafür, welchen Stellenwert Kultur und insbesondere Festivals für die Menschen haben. Die wiederlangte Möglichkeit über die Musik zusammenfinden, sich immer wieder zu begegnen und über das Gehörte und erlebte auszutauschen, hat nach drei Jahren ohne Festival zu einer Atmosphäre geführt, die von großem Glück und Dankbarkeit geprägt war. Dabei gab es während des gesamten Festivals intensive Momente des Innehaltens und der Erschütterung. Das Grauen des Geschehens in der Ukraine war durch programmatische Bezüge immer wieder präsent.

Ein Heidelberger Frühling an neuen Orten, in anderen Räumlichkeiten, mit vielseitigen Formaten und ohne jegliche coronabedingte Veranstaltungsausfälle grenzt unter den Voraussetzungen der letzten Monate fast schon an ein Wunder. Wir haben uns als Festival in die ganze Stadt hineinbewegt und haben allein mit unserem Programm „re:start“ 10.000 Menschen erreicht, von denen viele vorher noch nie mit dem Heidelberger Frühling in Berührung gekommen sind. Dieser ‚Frühling‘ mit einem begeisterten Festivalpublikum war getragen von Aufbruchsstimmung. Und diese Begeisterung und Dankbarkeit des Publikums für einen Neustart des Heidelberger Frühling sind das schönste Geschenk zum 25. Geburtstag des Festivals.“

Zu Beginn des Festivals wurde eine Spendenaktion für die Ukraine gestartet: Statt Blumengeschenke für die Festivalkünstler*innen am Ende der Konzerte spendet der Heidelberger Frühling den Betrag zugunsten des Heidelberger Spendenfonds Flucht und Migration – ein ökumenisches Projekt der Evangelischen und der Katholischen Stadtkirche in Heidelberg. Die gespendeten Mittel fließen in Hilfsprojekte vor Ort in der Ukraine, aber auch hier in Heidelberg. In den Spielstätten waren Spendenboxen aufgestellt, sodass sich das Publikum dem Spendenengagement anschließen konnte. Insgesamt kamen so bis jetzt 20.152 Euro zusammen. Die Spendenmöglichkeit bleibt weiterbestehen (Informationen unter www.heidelberger-fruehling.de).

Der 27. Heidelberger Frühling findet vom 18. März bis 22. April 2023 statt. Ab dieser kommenden Saison tritt Igor Levit als Co-Künstlerischer Leiter des Festivals an die Seite von Intendant Thorsten Schmidt. Das Programm wird voraussichtlich am 20. Oktober 2022 veröffentlicht.

ZUM PROGRAMM

Die Jubiläumsausgabe stand unter dem Leitmotto „FESTspiel“ und führte damit das Thema aus der vergangenen Saison weiter. Der Heidelberger Frühling wollte damit einen Blick auf die Ursprungsidee von Festspielen werfen, – was sie leisten sollen, welche Rolle sie in unserer Gesellschaft spielen.

Der Heidelberger Frühling legte in seinem Jubiläumsjahr deswegen das Programm „re:start“ auf und schaffte damit gemeinsam mit jungen Künstler*innen und Ensembles eine Vielzahl von Musikangeboten im gesamten Stadtgebiet bei freiem Eintritt. „re:start“ feierte Kultur als Basisfunktion, die der Bevölkerung ohne Eintrittsbarrieren und ohne Distanz zwischen Publikum und Bühne zugänglich sein und die Stadtgesellschaft verbinden sollte. Ermöglicht wurde „re:start“ durch den Fonds Stiftung Zukunftsmusik, der nach der Festivalabsage 2021 von den Hauptpartnern HeidelbergCement (Gründungspartner), MLP, Octapharma und SAP sowie der Musikstiftung Heidelberg initiiert wurde, um vor allem jungen Künstler*innen eine Zukunftsperspektive zu geben.

Zu Gast im Heidelberger Frühling 2022 waren vor allem Künstler*innen, die den Heidelberger Frühling als Wegbegleiter*innen in den letzten 25 Jahren geprägt haben: u.a. Martin Grubinger, Igor Levit, Thomas Quasthoff, Gabriela Montero, Carolin Widmann, Fazıl Say, Antoine Tamestit, das Mahler Chamber Orchestra, das Danish String Quartet oder das Fauré Quartett, das ebenfalls sein 25-jähriges Bestehen feierte. Thomas Hampson musste seinen Liederabend aufgrund von Long-Covid-Symptomen an den Sängerkollegen Günther Groissböck abgeben, der kurzfristig einspringen konnte.

Der Kammermusikschwerpunkt im Festival „Standpunkte“, dessen prägender Kopf der zukünftige Co-Künstlerische Leiter des Festivals Igor Levit ist, fand zum Thema „Entgrenzung“ mit 13 Veranstaltungen statt. Neben Igor Levit gestalteten das Programm u.a. sein Schüler Mert Yalniz, Iveta Apkalna, Frank Dupree, Fabian Müller, das Klangforum Heidelberg mit einem Uraufführungswerk der schwedischen Komponistin Lisa Streich, das von SWR2 mitgeschnitten wurde und am 13. Juni als Abendkonzert ausgestrahlt wird, oder Jonathan Powell, der die deutsche Erstaufführung des Mammut-Klavierwerks „Sequentia Cyclica“ von Kaikhosru Sorabji vollbrachte.

Auf dem Festivalprogramm standen insgesamt sieben Uraufführungen. Darunter das 2. Klavierkonzert des Amerikaners William Bolcom, das Igor Levit gewidmet und durch den Heidelberger Frühling in Auftrag gegeben wurde, gefördert von Dietrich Götze. Das Werk wurde am 20. April 2022 von Igor Levit und dem Mahler Chamber Orchestra unter der Leitung von Elim Chan uraufgeführt.

Der Heidelberger Frühling führte 2022 neue Reihen und Formate ein: Gemeinsam mit den Kuratoren Max Czollek und Daniel Gerzenberg entstand die vierteilige Programmreihe „Lieder für das Jetzt“ als Projekt des Internationalen Liedzentrums Heidelberg, die sich unter verschiedenen Aspekten mit der Verbindung von zeitgenössischer Lyrik und dem Lied auseinandergesetzt hat. Davon inspiriert ist Max Czollek der Herausgeber des aktuellen Akzente-Hefts des Hanser Verlags zum Thema „Lieder“.

Außerdem neu waren die Reihe „SPRINGboard“, die junge Künstlerpersönlichkeiten präsentiert und moderiert wurde von den Classic Scouts, der Jugendgruppe des Festivals, das After-Work-Format „FEIERabend“ im Unternehmenssitz von Festival-Gründungspartner HeidelbergCement sowie das Gesprächsformat „Auf ein Wort mit…“ im Künstlerhotel Europäischer Hof Heidelberg.

Die Zusammenarbeit mit zahlreichen Institutionen und Partnern vor Ort prägt den Heidelberger Frühling: 2022 fanden Kooperationen mit dem Festival Enjoy Jazz, mit den Klangkörpern Philharmonisches Orchester Heidelberg, Heidelberger Sinfoniker und KlangForum Heidelberg oder mit dem Haus der Astronomie statt. Auch die Universität Heidelberg ist wichtiger Partner und öffnete die Aula der Neuen und die Aula der Alten Universität während der sanierungsbedingten Schließzeit der Stadthalle Heidelberg als neue Hauptspielstätten und zentrale Orte des Festival Campus rund um den Universitätsplatz. Auch das Festival Zentrum fand hier in Form einer eigens errichteten Glasorangerie seine Heimat. Ergänzend dazu fand der Heidelberger Frühling eine Heimat in den Kirchen und weiteren Veranstaltungsräumen im gesamten Stadtgebiet.

Finanziert wird der Heidelberger Frühling durch eine ausgewogene Mischung aus Förderungen durch Privatpersonen und Unternehmen, Zuschüssen der Stadt Heidelberg und des Landes Baden-Württemberg, Drittmittel sowie Einnahmen aus dem Kartenverkauf.

Unter den Förderern sind zuvorderst der Freundeskreis Heidelberger Frühling e. V., der Haupt- und Gründungspartner HeidelbergCement sowie als weitere Hauptpartner der Finanz- und Vermögensberater MLP, das Biotechnologieunternehmen Octapharma und die SAP SE zu nennen. 

Die Klaus Tschira Stiftung ermöglicht neben langjährigen Konzertförderungen den Aufbau des Internationalen Liedzentrums Heidelberg.

Ebenfalls langjährige, engagierte private Mäzene sind Dr. Renate Keysser-Götze und Dr. Dietrich Götze in Verbindung mit der Athenaeum-Stiftung, Dr. h.c. Manfred Lautenschläger in Verbindung mit der Manfred Lautenschläger Stiftung, Dr. Jobst Wellensiek, Günter Reimann-Dubbers und Hans-Joachim Wessendorf.

Zu den privaten Förderern zählen des weiteren Dr. Manfred Fuchs, Dr. Hans-Peter Wild, die Familie Bruder, Drs. Karin und Peter Koepff sowie Sigrid Dulger in Verbindung mit der Viktor und Sigrid Dulger Stiftung.

Zur Gruppe der Gold Förderer zählt neben den langjährigen Partnern sovanta AG und Leonie Wild-Stiftung seit 2021 auch S-Immobilien Sparkasse Heidelberg.

Der Europäische Hof Heidelberg ist auch 2022 das Künstlerhotel des Heidelberger Frühling.  

Die Musikstiftung Heidelberg, die insbesondere dank der langjährigen Förderung durch Dr. Manfred Lautenschläger mit seiner gleichnamigen Stiftung den Aufbau der Lied Akademie ermöglichte, unterstützt 2022 neben der Lied Akademie auch weitere Projekte des Internationalen Liedzentrums Heidelberg.

Gemeinsam mit der Musikstiftung Heidelberg haben die vier Hauptpartner HeidelbergCement AG (Gründungspartner), MLP SE, Octapharma AG und SAP SE 2021 zudem den Fonds Stiftung Zukunftsmusik zur Förderung junger Künstler*innen initiiert.

Dank der Unterstützung durch die EPPLE Holding setzte der Heidelberger Frühling 2022 den Veranstaltungszyklus fort, der sich dem Thema „Architektur und Musik“ widmet.

Die Universität Heidelberg und den Heidelberger Frühling verbindet eine langjährige, enge Zusammenarbeit, die seit der Schließung der Stadthalle für das Festival von besonderer Tragweite ist. Die Bespielung der Spielorte des Festival Campus wurde möglich gemacht dank der engen und großzügigen Kooperation mit der Universität Heidelberg und der kollegialen Kooperation mit den Kirchengemeinden der Stadt.

Eine begleitende Berichterstattung war durch die langjährigen Medienpartner Rhein-Neckar-Zeitung, SWR2 und Deutschlandfunk Kultur gesichert. SWR2 hat insgesamt fünf Festivalkonzerte mitgeschnitten.


*** 25 Jahre Heidelberger Frühling ***

Heidelberger Frühling: 26. März – 24. April 2022
Digitalprogramm »Lasst uns spielen!« on-demand fruehling25.de
LIED ME! 9 Kurzfilme über das Lied lied-me.art

heidelberger-fruehling.de