Jetske Mijnssen inszeniert »Katja Kabanowa« mit Annette Dasch an der Komischen Oper Berlin

Viviane Hagner im Sinfoniekonzert (12.11.) – Wieder da: »Die Nase« und »Anatevka«

Katja Kabanowa ~ Komische Oper Berlin ~ Vorabbild mit Jens Larsen, Magnus Vigilius, Anette Dasch, Doris Lamprecht, Ivan Tursic und Timothy Oliver ~ Foto: Jan Windszus Photography

Der November steht vor der Tür, und mit ihm die Neuproduktion eines Meisterwerks von Leoš Janáček, Viviane Hagner als Gastsolistin beim Orchester der Komischen Oper Berlin sowie mit Die Nase und Anatevka zwei hochkarätige Wiederaufnahmen.


Katja Kabanowa

»Katja Kabanowa« mit Annette Dasch ab 27. November an der Komischen Oper Berlin Regisseurin Jetske Mijnssen kehrt an die Behrenstraße zurück | Dirigentin Giedrė Šlekytė gibt ihr Berliner Opern-Debüt. Für Leoš Janáčeks war die ganze Welt Klang. Der tschechische Komponist lauschte hingebungsvoll dem Sprechen seiner Landsleute und gewann aus den Eigenarten ihrer Worte und Sprachmelodien ein musikalisches Universum. Janáčeks im tiefsten Sinne eigener Kompositionsstil synthetisiert slawisch-folkloristische Klänge mit kirchenmusikalischen Einflüssen, ausdrucksstarker Farbgebung und detailreicher Motivarbeit im Dienste des Dramas.

Basierend auf dem Drama Das Gewitter des Dichters Aleksandr N. Ostrowski schuf Janáček mit Katja Kabanowa ein meisterhaftes Musikdrama. Fast auf den Tag genau einhundert Jahre nach ihrer Uraufführung am Nationaltheater Brno erklingt die Liebestragödie in einer Neuproduktion im Haus an der Behrenstraße. Einst begann die niederländische Regisseurin Jetske Mijnssen ihre Karriere an der Komischen Oper Berlin. Nun wirft sie hier einen zeitgenössischen Blick auf Janáčeks Meisterwerk. An ihrer Seite: die litauische Dirigentin Giedrė Šlekytė, die die Dirigentenpulte der Welt im Sturm erobert und nun in ihrem Berliner Operndebüt Janáčeks Werk seine Magie entlockt. In der Titelpartie – eine der großen Frauenfiguren des modernen Musiktheaters – ist die international renommierte Sopranistin Annette Dasch zu erleben.

Katja Kabanowa

(Káťa Kabanová)

Oper in drei Akten
Von: Leoš Janáček
Libretto vom Komponisten nach Aleksandr N. Ostrowskis Schauspiel Das Gewitter

Premiere an der Komischen Oper Berlin: 27. November 21

Musikalische Leitung: Giedrė Šlekytė
Inszenierung: Jetske Mijnssen
Bühnenbild: Julia Katharina Berndt
Kostüme: Dieuweke van Reij
Dramaturgie: Simon Berger
Chöre: David Cavelius
Licht: Mark van Denesse

Besetzung:

Dikoj, ein Geschäftsmann: Jens Larsen
Boris, sein Neffe: Magnus Vigilius
Marfa Kaban, Witwe und Tichons Mutter: Doris Lamprecht
Tichon, Marfas Sohn: Ivan Turšić
Katja Kabanowa, seine Frau: Annette Dasch
Wanja Kudrjasch, Lehrer, Chemiker: Timothy Oliver
Barbara, Pflegetochter der Kabanows: Karolina Gumos
Glascha / Fekluscha: Sylvia Rena Ziegler
u. a.

Chorsolisten der Komischen Oper Berlin
Es spielt das Orchester der Komischen Oper Berlin


Konzert am 12. Nov 2021 | 20 Uhr

Prokofjew, Britten und Schostakowitsch mit Ainārs Rubiķis und Viviane Hagner

Sergej S. Prokofjews sinfonische Dichtung Rêves (op. 6), Benjamin Brittens Konzert für Violine und Orchester in d-Moll (op. 15) und Dmitri D. Schostakowitschs anspielungsreiche Sinfonie Nr. 5 in d-Moll (op. 47) stehen auf dem Programm des Orchesters der Komischen Oper Berlin unter der Leitung von Generalmusikdirektor Ainārs Rubiķis.

Den Solopart von Brittens Violinkonzert, das mit seinen Doppelgriff-Kaskaden, wahnwitzig schnellen Tongirlanden, Arpeggien und wilden Sprüngen höchste Virtuosität erfordert und zugleich eine tief gehende Bekenntnismusik ist, übernimmt die in Berlin lebende Violinistin Viviane Hagner, die seit ihrem Debüt mit dem Israel Philharmonic Orchestra unter Zubin Mehta im Alter von dreizehn Jahren zu den führenden Geigenvirtuos*innen ihrer Generation gehört. Brittens Jugendwerk, das der Komponist rückblickend zu seinen besten Werken zählte, entstand 1938/39 vor allem in den USA, wohin der bekennende Pazifist während des Kriegs geflüchtet war, und wurde 1940 in New York uraufgeführt. Nur wenige Jahre zuvor, 1937, feierte Schostakowitschs Fünfte in Leningrad ihre Erstaufführung. Obwohl nicht mehr zu klären sein wird, ob der Komponist, der nach seiner Oper Lady Macbeth von Mzensk bei Stalin in Ungnade gefallen war, das Werk als demonstrative Anpassung ans stalinistische System schrieb oder als eine zynische Antwort darauf meinte: Es wurde von offizieller Seite als »schöpferische Antwort eines sowjetischen Künstlers auf berechtigte Kritik« gefeiert, sein Ruf bei der Führung war wieder hergestellt. Zwei herausragende Werke also, die vor dem Hintergrund zweier unterschiedlicher politischer Weltanschauungen entstanden – und so jedes für sich auch etwas über die Geschichte ihrer Entstehungszeit erzählen.


Salon am 8. Nov 2021 | 19:30 Uhr; Grenzen und Grenzenlosigkeit

Salon über Sinn und Nutzen von Beschränkungen

Grenzenlosigkeit scheint das Synonym für erstrebenswerte Freiheit ohne jede Einschränkung zu sein. Aber funktioniert menschliches Leben überhaupt ohne die Feststellung gewisser Grenzen? Wer definiert diese Grenzen? Wo werden die Grenzen zur Einengung, wo können sie aber wiederum auch befreiend sein? Ist es nicht die Grenzenlosigkeit der modernen Gesellschaft, die manchen in die Verirrung radikaler Ideologien mit ihren klar beschriebenen Grenzen treibt? Und welche Rolle spielen Grenzen in der Kunst?

Im Salon der Komischen Oper Berlin und der Schering Stiftung sind im November die Ingenieurin und Biomedizinerin Prof. Dr. Simone Schürle-Finke (ETH Zürich) und die Politikwissenschaftlerin Prof. Dr. Marianne Braig (FU Berlin) zu Gast. Die Moderation liegt in den Händen von Maximilian Hagemeyer und Ulrich Lenz (Komische Oper Berlin).


Die Nase | Wieder da!

Die surrealistische Geschichte um die Verlustängste und die Paranoia des kleingeistigen Emporkömmlings Platon Kusmitsch Kowaljow wird in Barrie Koskys Inszenierung zum absurden revueartigen Kaleidoskop der Eitelkeiten, einer verstörenden Mischung aus Wozzeck und Alice im Wunderland, die ihre ganz eigene »sinnlose« Logik besitzt. In Die Nase zeigt Ensemblemitglied Günter Papendell als Kowaljow in Dmitri Schostakowitschs eigenwilliger Vertonung der grotesk-absurden Erzählung von Nikolai Gogol eine weitere Facette seines Könnens. Wiederaufnahme: 31. Oktober 21


Anatevka | Wieder da!

Der Vollblutschauspieler Max Hopp als Milchmann Tevje und Dagmar Manzel als dessen resolute Ehefrau Golde in dem Stück, das in der Inszenierung Der Fiedler auf dem Dach von Walter Felsenstein mit über 500 Aufführungen in die Annalen des Hauses an der Behrenstraße eingegangen ist. Nach seiner triumphalen West Side Story brachte Barrie Kosky 2017 erstmals seit 1988 eines der erfolgreichsten Musicals der Welt zurück auf die Bühne der Komischen Oper Berlin, zum 70. Geburtstag des Hauses – erneut mit durchschlagendem Erfolg.


Das vollständige Programm findet sich unter komische-oper-berlin.de