Igor Strawinskys »The Rake’s Progress« ab 9. Juli am Staatstheater Mainz

The Rake's Progress ~ Staatstheater Mainz ~ Vorabbild ~ © Andreas Etter

Tom Rakewell führt ein solides Leben mit seiner Verlobten Ann Trulove und deren Vater. Eines Tages steht der zwielichtige Nick Shadow mit der Nachricht vor der Tür, Tom habe reich geerbt. Tom kann der Versuchung nicht widerstehen, mit Shadow eine Reise anzutreten, die ihn auf verhängnisvolle Abwege führt: Er vergisst seine geliebte Ann, treibt sich in Bordellen herum und verhökert das gesamte Erbe. Zwar gewinnt er im letzten Kartenspiel gegen den Teufel, aber das kostet ihn den Verstand und er landet schließlich im Irrenhaus.

Der Pakt mit dem Teufel, die verkaufte Seele: Immer wieder und in unterschiedlichen Formen setzte sich Igor Strawinsky in seinem Schaffen mit dem faustischen Motiv auseinander. The Rake’s Progress gleicht einer irren Geisterbahnfahrt ins Verderben. Für das Spiel mit Ironie, Parodie und einem Panoptikum an Figuren fand Strawinsky in W. H. Auden und Chester S. Kallman zwei kongeniale Librettisten, die die perfekte Balance zwischen historischem Ton, Travestie und subtilen Anspielungen trafen. Kompositorisch spielt Strawinsky in diesem Werk leidenschaftlich virtuos mit der Operngeschichte, ist es doch eine Hommage v.a. an Mozart und die klassische Periode.

Rezitative, Arien und Ensembles atmen den Geist des ausgehenden 18. Jahrhunderts – und sind dennoch im zeitgemäßen Kontext des 20. Jahrhunderts platziert.

Immo Karaman, der international für seine psychologisch-scharfen Ausdeutungen und seinen unerbittlichen Blick auf die Verschrobenheiten des Menschlichen in zahlreichen Operninszenierungen begeistert gefeiert wird, nimmt sich nun einmal mehr einer Oper an, deren Protagonistinnen sowohl Abgründe als auch zutiefst Liebevoll-Menschliches in sich tragen: Strawinskys Oper The Rake’s Progress ist ein gefundener Leckerbissen für einen Regisseur, der sich auf das pralle Figurenkabinett einlässt und ihnen szenisch zu Leibe rückt. So darf der Zuschauer die Hauptfigur Tom Rakewell auf seinen Abwegen in eine Welt voller Zerrspiegel begleiten, in der Sein und Schein nicht zu unterscheiden sind.


The Rake’s Progress

Oper in drei Akten
Von: Igor Strawinsky

Uraufführung: 11. September 1951 (Venedig, Teatro la Fenice)

Premiere am Staatstheater Mainz: Samstag, 9. Juli 22 (Großes Haus)

Musikalische Leitung: Daniel Montané
Inszenierung: Immo Karaman
Bühne: Rifail Ajdarpasic
Kostüme & Choreografie: Fabian Posca
Licht: Frederik Wollek
Projektionsdesign: Philipp Contag-Lada
Chor: Sebastian Hernandez-Laverny
Dramaturgie: Sonja Westerbeck

Besetzung:

Anne Trulove: Dorin Rahardja / Alexandra Samouilidou
Mother Goose: Katja Ladentin
Baba: Verena Tönjes
Tom Rakewell: Daniel Jenz / Vassily Solodkyy
Sellem: Alexander Spemann
Nick Shadow: Peter Felix Bauer
Trulove: Stephan Bootz
Wärter: Seok-Gill Choi

Nächste Vorstellungstermine: 13.07.2022 und 17.07.2022.

staatstheater-mainz.de