ID_Frankfurt e.V. fordert Nachbesserungen bei den Soforthilfe-Maßnahmen von Land und Stadt

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Die Maßnahmen im Zuge der COVID19-Pandemie treffen alle Teile der Gesellschaft, aber nicht alle gleichermaßen: Im Bereich der darstellenden Künste sind freiberuflich tätige Künstler*innen, Produktionsleiter*innen und Kunstvermittler*innen von der Krise existenziell bedroht — viel stärker als große Institutionen und deren festangestellte Mitarbeiter*innen.

ID_Frankfurt (Independent Dance and Performance e.V.) ist ein gemeinnütziger Verein, der sich seit 2009 für die Verbesserung der Arbeitssituation freischaffender Künstler*innen, Theoretiker*innen und Vermittler*innen in Choreografie und Performance einsetzt. Viele der Mitglieder arbeiten über ihre künstlerische Aktivität hinaus in Projekten der kulturellen Bildung. Sie sind nicht nur durch abgesagte Proben und Veranstaltungen, sondern ebenso von den Schulschließungen und ausgesetzten Workshops in Bildungseinrichtungen und Kulturinstitutionen betroffen.

Der ID_Frankfurt stellt fest, dass die Soforthilfe-Maßnahmen der hessischen Landesregierung für freischaffende Künstler*innen und Kunstvermittler*innen nicht greifen und fordert daher nachdrücklich und umgehend eine Anpassung der Maßnahmen, die den Arbeitsrealitäten von Künstler*innen und Kunstvermittler*innen gerecht wird. Beispielhaft sind hier die Soforthilfe-Programme in NRW, Bremen und Berlin, die unbürokratisch einen nicht rückzahlbaren Zuschuss (u.a. bei Honorarausfällen) gewähren.

Entgegen der von Angela Dorn (Hessische Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst) in Aussicht gestellten Hilfen, decken die in Hessen beschlossenen Maßnahmen vor allem laufende Betriebskosten von kleineren Unternehmen ab. Sie sollen Liquiditätsengpässe ausgleichen, so beispielsweise Gehälter von Angestellten, fortlaufende Mieten von (nicht privaten) Räumlichkeiten, Instandhaltungskosten und weitere Betriebsnebenkosten. Der überwiegende Anteil an Künstler*innen und Kunstvermittler*innen der freien Darstellenden Künste jedoch arbeitet als Solo-Selbstständige*r oder in der Organisation einer GbR. Der Arbeitsalltag spielt sich hierbei – neben Probenprozessen und Aufführungen – ohnehin im Home-Office ab. Existenziell wird die freie Tanz- und Performanceszene momentan von Honorarausfällen getroffen, die durch konkrete Absagen von Auftritten und Veranstaltungen zum jetzigen Zeitpunkt in hoher Summe entstanden sind und auch in langer Sicht durch Verschiebungen von Veranstaltungen entstehen werden. Allein bis zum Sommer wird die freie Szene Hessen, wie eine Umfrage des Landesverbandes laPROF zeigt, mit Honorarausfällen von bis zu 3,8 Millionen Euro rechnen müssen.

Der ID_Frankfurt begrüßt ausdrücklich, dass das Kulturamt Frankfurt einen Notfallfonds einrichtet, der zunächst eine rückzahlbare Zuwendung zwischen 500 und höchstens 5.000 Euro gewährt. Zugleich fordert er, dass die Rückzahlung bei nachweisbaren Honorarausfällen nachträglich aufgehoben wird — eine Regelung, wie sie beispielsweise in NRW und Berlin praktiziert wird, denn gerade Rückzahlungen in Form eines Darlehens können in den prekären Arbeitsverhältnissen von Künstler*innen eine schwerwiegende Last darstellen.

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