„Ich habe kein Talent zum Hassen“: Menasse im Gespräch mit Schriftsteller Robert Schindel

ZDF/3sat-Film der Mainzer Stadtschreiberin Eva Menasse

Robert Schindel und Eva Menasse ~ © ZDF/Thomas Gutberlet

Die österreichische Schriftstellerin Eva Menasse ist in diesem Jahr Stadtschreiberin der Stadt Mainz. Teil dieser von ZDF, 3sat und der Stadt Mainz verliehenen Auszeichnung ist die Möglichkeit, einen Film nach freier Themenwahl zu gestalten. Eva Menasse hat sich für ein Gespräch mit dem österreichischen Schriftsteller Robert Schindel entschieden, den sie seit ihrer Jugend kennt und der ein Freund der Familie ist. „Ich habe kein Talent zum Hassen“ ist am Sonntag, 17. November 2019, 12.20 Uhr, als Erstausstrahlung in 3sat zu sehen sowie am Sonntag, 24. November 2019, um 0.45 Uhr in einer gekürzten Fassung im ZDF.

„Ich habe kein Talent zum Hassen, aber verachten kann ich schon“, sagt Robert Schindel im Gespräch. Im Spätsommer 2019 haben sich Eva Menasse und Robert Schindel, der mit Werken wie „Gebürtig“ und „Der Kalte“ große Erfolge feierte, in Wien getroffen. Bei ihrem Treffen entwickeln die beiden neue Perspektiven auf Europa im 20. Jahrhundert und blicken auf aktuelle Entwicklungen in Österreich. Entstanden ist dabei ein intensives Gespräch über gemeinsame und unterschiedliche Erfahrungen mit jüdischer Herkunft, kollektivem Gedächtnis, Politik und literarischer Betrachtung.

Robert Schindels Eltern kämpfen als jüdische Kommunisten gegen die Nationalsozialisten, er selbst wird in den späten 1960er-Jahren Anführer der Wiener Studentenproteste. Als undogmatischer Beobachter seiner Heimat wird Schindel nicht müde, Antisemitismus und Rassismus in der Gesellschaft zu benennen – aber seine Sprache, ob in seinen Gedichten, Essays oder Romanen, ist stets poetisch, nie programmatisch. Er ist ein politisch wacher Dichter, aber kein politischer Dichter. Schindel befreit sich von allen Dogmen durch Lektüre der Weltliteratur ebenso wie durch die relativ späte Beschäftigung mit seiner jüdischen Herkunft, die er – wenn schon nicht als religiöses Bekenntnis – schließlich als kulturelles Erbe annehmen kann.

Die preisgekrönte Schriftstellerin Eva Menasse, 1970 in Wien geboren, lebt in Berlin und 2019 auch immer wieder als Stadtschreiberin in Mainz. Sie arbeitete nach ihrem Studium der Germanistik und Geschichte an der Universität Wien zunächst als Journalistin unter anderem bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, bevor ihr 2005 mit dem österreichisch-jüdischen Familienepos „Vienna“ ein fulminantes Debüt als Schriftstellerin gelang. Ihr jüngster Erzählband „Tiere für Fortgeschrittene“ (2017) handelt von Lebenslügen und Lebensillusionen des aufgeklärten Bürgertums.

Bereits am Freitag, 15. November 2019, 19.20 Uhr, zeigt das 3sat-Magazin „Kulturzeit“ Ausschnitte aus der Dokumentation, anschließend begrüßt Peter Schneeberger Eva Menasse zum Gespräch im Studio.

zdf.de