hr „Hauptsache Kultur“ über das erste deutsche Intendantinnen-Duo in Marburg

Zwei historische Bildbände über Darmstadt und Wiesbaden, die „Krimi-Königin“ Nele Neuhaus und das erste deutsche Intendantinnen-Duo in Marburg – das sind die Themen der aktuellen Ausgabe von „Hauptsache Kultur“ am Donnerstag, 24. Januar, um 22.45 Uhr im hr-fernsehen.

Wie sahen hessische Ortschaften vor dem Krieg aus – und wie haben sie sich seitdem verändert? Mit solchen Fragen beschäftigt sich der Dreieicher Hobby-Historiker Henning Jost. Vor Kurzem hat er zwei neue Bildbände herausgegeben: mit bisher unveröffentlichten Aufnahmen von Darmstadt und Wiesbaden. Seit über 20 Jahren sammelt Jost historische Farbdias und Postkarten von Städten. Angefangen hat alles während seines Zivildienstes in Dreieich, bei dem er sich um bettlägerige Schwerstbehinderte gekümmert hat. Um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen, brachte er ihnen alte Fotos seiner Großeltern mit und ließ sich von ihnen erklären, was wo stand in Dreieich. Das Eis war gebrochen. Der erste Bildband über Dreieich, den Jost gemeinsam mit einem Freund herausgab, wurde zum lokalen Bestseller. Inzwischen hat er zwölf Bildbände zu Städten in ganz Deutschland veröffentlicht.

In seinen neuesten Büchern – „Das alte Darmstadt in Farbe“ und „Das alte Wiesbaden in Farbe“ – lässt der 41-Jährige durch gesammelte Farbaufnahmen die beiden sehr unterschiedlichen Städte wiederaufleben: Darmstadt, die Hauptstadt des Großherzogtums Hessen, im Zweiten Weltkrieg größtenteils zerstört und schon immer eine von Gegensätzen geprägte Stadt; Wiesbaden, die alte Kurstadt mit ihren Prachtbauten, die ihren Stolz auch aus ihrer Tradition bezieht. „Hauptsache Kultur“ hat Henning Jost getroffen, die Orte der alten Farbaufnahmen mit der Gegenwart verglichen und den Architekturprofessor Werner Durth zum unterschiedlichen Charakter der Städte befragt.

Die Buchcharts gestürmt dank „Muttertag“ – Die Krimi-Königin Nele Neuhaus
Mit ihrem neuesten Roman hat sie einen persönlichen Rekord aufgestellt: Acht Wochen lang thronte Nele Neuhaus auf der Nummer eins der Bestseller-Liste. Damit ist die Bad Sodenerin Deutschlands amtierende Krimi-Königin. Ihre Tatorte findet sie im heimischen Taunus. Im neunten Band mit dem Titel „Muttertag“ geht es um einen Serienmörder. Seine Opfer sind Frauen, die alle am titelgebenden Tag im Mai verschwanden. Die Krimi-Reihe von Nele Neuhaus um die Ermittler Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff haben den Taunus weltberühmt gemacht. Sie erscheinen in 32 Ländern. Nicht nur Fans aus Hessen und Deutschland, auch Leser aus dem Ausland kommen in den Taunus, um sich die Schauplätze anzusehen. Nele Neuhaus lebt seit ihrer Kindheit im Taunus und fing dort schon als Elfjährige an zu schreiben. Erst Pferdebücher, später Krimis, die sie dann im Eigenverlag drucken ließ und über die Verkaufstheke ihres damaligen Mannes, eines Fleischfabrikanten, verkaufte. Nach dem zweiten Band ihrer Bodenstein-Kirchhoff-Krimis wurde der Ullstein-Verlag auf sie aufmerksam – der Beginn einer rasanten Karriere. „Hauptsache Kultur“ ist mit der Bestseller-Autorin auf Zeitreise gegangen: an die Orte im Taunus, die für sie als Autorin eine wichtige Rolle spielten, und hat geschaut, was hinter dem Erfolg von Nele Neuhaus steckt.

Frauenpower in Marburg – Wie das erste deutsche Intendantinnen-Duo die Theaterszene aufmischt
Alleine hätte es keine von ihnen gewagt, sich auf die frei werdende Intendantenstelle am Hessischen Landestheater in Marburg zu bewerben. Zu zweit dagegen sehr wohl. Und sie haben sich mit ihrem auf Diskurs zielenden Konzept gegen knapp 60 andere Bewerber durchgesetzt: Eva Lange und Carola Unser. Das erste weibliche Intendantinnen-Duo Deutschlands – das sich aber vor allem als politisch aktives Duo versteht. Seit der aktuellen Spielzeit leiten die beiden Mittvierzigerinnen die Landesbühne. Aber sie inszenieren auch selbst, übernehmen Teile der Dramaturgie und andere Aufgaben, so dass ihre zwei Gehälter Land und Stadt im Endeffekt nicht mehr kosten. Kennengelernt haben sie sich bei ihrer Zusammenarbeit am Theater in Wilhelmshaven und festgestellt, dass sie beide im besten Sinne politisches Theater machen wollen: gerade jetzt, in Zeiten von erstarkendem Populismus. In Marburg einen Raum zu schaffen, in dem sich die unterschiedlichsten Menschen treffen, ist ihr Ziel: vom Professor bis hin zum Geflüchteten. Schließlich sei „kulturelle Teilhabe“ neuerdings sogar in der hessischen Verfassung festgeschrieben. Die patriarchalisch geprägten Strukturen am Theater brechen sie offensiv auf: Sie bezahlen Schauspielerinnen das gleiche Gehalt wie ihren männlichen Kollegen; sie schaffen familienfreundlichere Arbeitsbedingungen, spielen mehr Stücke von Autorinnen, holen auch andere Regisseurinnen ans Haus. Interessant dabei, dass beide früher Theologie studiert haben und von einer gewissen „Demut“ ihrem Schaffen gegenüber sprechen – das krasse Gegenteil vom Mythos des allmächtigen „Regiegenies“, den so manchen ihrer männlichen Kollegen umgibt. „Hauptsache Kultur“ hat die beiden Intendantinnen getroffen und mit ihnen über politisches Theater, eine Quote für die Bühne und den Unterschied zwischen katholischem und evangelischem Inszenierungsstil gesprochen.

Außerdem bei „Hauptsache Kultur“:
– Komiker on Tour – Jan Böhmermann auf Konzertreise mit dem Rundfunk-Tanzorchester Ehrenfeld
– #gehessisch – Das Schlimmste aus der Kulturwoche in 90 Sekunden

„Hauptsache Kultur“ berichtet über Kulturhighlights in Hessen, über Trends und Tendenzen, über Skandale und Flops. Das aktuelle Kulturmagazin stellt aufregende Macher der hessischen Kulturszene vor, blickt hinter die Kulissen, mischt sich meinungsstark in Debatten ein: aktuell, überraschend, kontrovers. Präsentiert wird das Kulturmagazin von Cécile Schortmann.

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