Highlights im Spielplan der Oper Frankfurt im September 21

Innenansicht der Oper Frankfurt (© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de)

Amadigi

Opera seria in drei Akten von Georg Friedrich Händel

Premiere / Frankfurter Erstaufführung: Samstag, 25. September 21 (Bockenheimer Depot)
Weitere Vorstellungen: 27., 29. September, 1., 3. (18.00 Uhr), 4., 6., 7. Oktober 21
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.00 Uhr
Preise: € 25 bis 80 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)
Mit freundlicher Unterstützung des Frankfurter Patronatsvereins – Sektion Oper

Musikalische Leitung: Roland Böer
Inszenierung: Andrea Bernard

Mitwirkende: Brennan Hall (Amadigi), Kateryna Kasper (Oriana), Elizabeth Reiter (Melissa), Beth Taylor (Dardano)

Am 25. Mai 1715 wurde Amadigi, die fünfte Londoner Oper von Georg Friedrich Händel (1685-1759), am King’s Theatre am Haymarket uraufgeführt. Das Libretto der Zauberoper, die sich großer Beliebtheit erfreute, verfasste vermutlich Nicola Francesco Haym, der für nahezu ein Dutzend der den Händel-Opern zugrunde liegenden Texte verantwortlich zeichnete. Es geht zurück auf die fünfaktige Tragédie lyrique Amadis de Grèce des französischen Dichters Antoine Houdar de la Motte. Aufgrund der kleinen Besetzung wird Amadigi als persönlichste Oper des Barockkomponisten bezeichnet. Im Rahmen der Frankfurter Erstaufführung befindet sich das Publikum des Bockenheimer Depots mitten im Bühnenraum.

Der gallische Prinz Amadigi und Dardano, Prinz von Thrakien, sind im Reich der Zauberin Melissa gefangen und planen ihre Flucht. Beide sind in Oriana, die sich ebenfalls in Melissas Gefangenschaft befindet, verliebt. Dardano verrät seinen Rivalen, so dass dieser nicht entkommen kann. Die Zauberin versucht vergebens, Amadigi zu verführen. Nach bestandener Prüfung sind Oriana und Amadigi für kurze Zeit glücklich vereint, bevor sie erneut getrennt werden. Der hoffnungslose Amadigi klagt sein Leid einer täuschenden Quelle, die ihm Orianas Untreue anzeigt, woraufhin er das Bewusstsein verliert. Es kommt zum Streit zwischen Amadigi und Oriana, die ihn für tot hielt. Melissa kann gerade noch Amadigis Selbstmord verhindern. Sie verleiht Dardano die Gestalt Amadigis, so dass er sich Oriana nähern und diese sich mit dem vermeintlichen Geliebten versöhnen kann. Melissa bedroht ihre Mitwerberin, doch die Pläne der rachsüchtigen Zauberin gehen nicht auf – nach dem Verlust ihrer Zauberkraft nimmt sie sich das Leben.

Roland Böer
Foto: Marco Mazzolai

Die musikalische Leitung liegt bei Roland Böer, welcher der Oper Frankfurt anfangs als Solorepetitor und von 2002 bis 2008 als Kapellmeister verbunden war. Hier gastierte er zuletzt für die Wiederaufnahmen von Händels Xerxes (2019/20) und Berlioz’ La damnation de Faust (2018/19). In der aktuellen Spielzeit wird er zudem für die Uraufführung von Hauke Berheides The People Out There an den Main zurückkehren. Von 2009 bis 2020 übernahm der Dirigent die musikalische Leitung des Cantiere Internazionale d’Arte di Montepulciano, dessen Künstlerischer Direktor er zudem ab 2015 war. Der italienische Regisseur Andrea Bernard gibt sein Hausdebüt an der Oper Frankfurt. Jüngste Engagements führten ihn für Rossinis L’italiana in Algeri an das Theater Orchester Biel Solothurn sowie für Donizettis Don Pasquale an das Teatro del Maggio Musicale in Florenz. 2016 erhielt er für seine Inszenierung von Verdis La traviata den 9. Europäischen Opernregie-Preis in Berlin. In der Titelpartie des Amadigi kehrt der junge amerikanische Countertenor Brennan Hall nach seinem gefeierten Europa-Debüt 2019/20 als Andronico in Händels Tamerlano – ebenfalls im Bockenheimer Depot – zurück. Als Dardano ist die junge schottische Mezzosopranistin Beth Taylor erstmals am Main zu Gast. Das Ensemblemitglied der Deutschen Oper Berlin wird zudem die Partie des Falliero (Bianca e Falliero) im Opernhaus übernehmen. In den weiteren Partien debütieren aus dem Frankfurter Ensemble die Sopranistin Kateryna Kasper (Oriana) und ihre amerikanische Fachkollegin Elizabeth Reiter (Melissa).


L’italiana in Londra

Intermezzo in musica in zwei Teilen von Domenico Cimarosa

Premiere / Frankfurter Erstaufführung:
Sonntag, 26. September 21

Weitere Vorstellungen: 1., 9., 15., 24. (15.30 Uhr), 30. (18.00 Uhr) Oktober, 5. November 2021
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr
Preise: € 15 bis 182 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)
Mit freundlicher Unterstützung des Frankfurter Patronatsvereins – Sektion Oper

Musikalische Leitung: Leo Hussain
Inszenierung: R.B. Schlather

Mitwirkende: Angela Vallone (Livia), Bianca Tognocchi (Madama Brillante), Theo Lebow (Sumers), Iurii Samoilov (Milord Arespingh), Gordon Bintner (Don Polidoro)

L’italiana in Londra, die zwölfte Oper von Domenico Cimarosa (1749-1801), gilt als erster internationaler Erfolg des aus der Nähe von Neapel stammenden Komponisten. So war das heitere Intermezzo in musica nach seiner Uraufführung 1778 am Teatro Valle in Rom bald in ganz Europa zu erleben. Zu diesem Umstand trugen nicht nur die liebevoll ausgearbeiteten, ihre Interpreten charakterisierenden Arien und Duette bei, sondern auch die Ensembles, innerhalb derer die Handlung vorangetrieben wird. Dies sorgte für große Begeisterung, und erst mit Il matrimonio segreto 1792 konnte Cimarosa den Erfolg von L’italiana in Londra noch übertreffen.

Vor Jahren hat sich der englische Milord Arespingh in Genua in die junge Adelige Livia verliebt, doch der Vater des Lords durchkreuzte die Pläne der beiden Liebenden, indem er den Sohn zurück nach England und von dort aus nach Jamaika beorderte. Livia folgte dem Geliebten, aber da sie ihn in London nirgends finden konnte, fühlte sie sich hintergangen. Im Hotel von Madama Brillante fand sie eine Anstellung. Schnell wurde sie nicht nur zur Vertrauten ihrer Chefin, sondern auch zum umschwärmten Mittelpunkt der dort logierenden Herren, als da wären der holländische Kaufmann Sumers und der italienische Filou Don Polidoro. Es dauert nicht lange, da taucht auch Arespingh im Hotel auf. Die ihr Inkognito wahrende Livia kann nur langsam von der Unschuld des Lords überzeugt werden. Als das Mädchen überdies verhaftet werden soll, kann Arespingh Livias Vater als Drahtzieher entlarven und damit erneut die Hand der jungen Dame gewinnen. Polidoro tröstet sich mit Madama Brillante, und auch Sumers ist zufrieden. In einer Nebenhandlung geht es zudem um einen magischen Stein, der angeblich unsichtbar macht. Damit führen Madama Brillante und ihre Gäste Don Polidoro hinters Licht…

R.B. Schlather
Foto: Zach Grossm

Die musikalische Leitung dieser Neuproduktion hat der international tätige Dirigent Leo Hussain. Nach seinem Debüt an der Oper Frankfurt 2010/11 mit Ravels L’Heure espagnole und de Fallas La vida breve stand der Brite später bei Weinbergs Die Passagierin am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters. Für die Regie kehrt der amerikanische Regisseur R.B. Schlather nach Frankfurt zurück, wo er 2019/20 mit Händels Tamerlano im Bockenheimer Depot sein Europa-Debüt gab; nun wird er erstmals im Opernhaus inszenieren. Mit seiner konzentrierten Handschrift, die stets nah an den Figuren bleibt, und der Vorliebe für die Werke des Barock hat er sich nicht nur in seiner Heimat einen Namen gemacht. Die Besetzung besteht aus den Ensemblemitgliedern Angela Vallone (Livia), Bianca Tognocchi (Madama Brillante), Theo Lebow (Sumers), Iurii Samoilov (Milord Arespingh) und Gordon Bintner (Don Polidoro).


Norma

Tragedia lirica in zwei Akten von Vincenzo Bellini

Zweite Wiederaufnahme: Sonntag, 12. September 21 (15.30 Uhr)

Weitere Vorstellungen: 18. (18.00 Uhr), 22., 25. September, 3. (18.00 Uhr) Oktober, 16., 20., 26. (18.00 Uhr) Dezember 21
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr
Preise: € 15 bis 149 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Musikalische Leitung: Erik Nielsen
Inszenierung: Christof Loy

Mitwirkende: Ambur Braid (Norma), Stefano La Colla (Pollione), Dshamilja Kaiser / Bianca Andrew (Adalgisa), Andreas Bauer Kanabas (Oroveso), Karolina Bengtsson (Clotilde), Carlos Andrés Cárdenas (Flavio)

Norma
Oper Frankfurt
Norma (Ambur Braid)
© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de


Nachdem die Übernahme einer Koproduktion der Norma von Vincenzo Bellini (1801-1835) mit Den Norske Opera & Ballet in Oslo aus künstlerischen Gründen nicht zustande kam, sprang der renommierte Regisseur Christof Loy kurzfristig ein, um seine Sicht auf das Meisterwerk in Frankfurt zu realisieren. Wenngleich er sich schon lange Gedanken zu dieser Oper gemacht hatte, kam es bisher nie zu einer Umsetzung. Dann aber war die Begeisterung bei Publikum und Presse groß. So urteilte etwa die Radiokritikerin von SWR2 nach der Premiere am 10. Juni 2018: „Solche tragischen Zwischentöne zu erzählen, ist typisch für den Bühnenpsychologen Christof Loy. Er hat Bellinis pompösen ‚Gallier gegen Römer‘-Stoff auf seinen Kern reduziert – und bietet in Frankfurt zeitlos-packende Kammerspiele statt archaische Druidenkult- und Römer-Helm-Klischees.“

Im von Rom besetzten Gallien unterhält die Druidenpriesterin Norma eine geheime Liebesbeziehung zum feindlichen Prokonsul Pollione, dem Vater ihrer beiden Kinder. Als sich der Soldat jedoch in die junge Priesterin Adalgisa verliebt, ist Norma am Boden zerstört. Der Versuch ihrer schuldlosen Rivalin, die beiden Kontrahenten zu versöhnen, misslingt. Norma schwört Rache und ruft ihr Volk zum Kampf gegen die Römer auf. Dem inzwischen gefangengenommenen Pollione droht der Tod. Norma erklärt, dass eine Priesterin ihren Eid gebrochen habe und zusammen mit dem Römer sterben soll. Nach einigem Zögern gibt sie sich selbst als die Frevlerin zu erkennen. Gemeinsam mit Pollione, dessen Liebe zu ihr neu erwacht ist, besteigt sie den Scheiterhaufen.

Erstmals bei dieser Produktion aus der Spielzeit 2017/18 steht anlässlich ihrer zweiten Wiederaufnahme Erik Nielsen am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters. Der Oper Frankfurt war er von 2002 bis 2012 anfangs als Solorepetitor und später als Kapellmeister verbunden. Seit 2015 ist der Amerikaner Chefdirigent des Symphonieorchesters Bilbao und bekleidete außerdem von 2016 bis 2018 den Posten des Musikdirektors am Theater Basel. Gastengagements führten ihn u.a. an die Semperoper Dresden, die Deutsche Oper Berlin, das Opernhaus Zürich und das Teatro dell’Opera di Roma. An der Bayerischen Staatsoper München dirigierte er 2019 Křeneks Karl V. und kehrte kürzlich als Einspringer für Valery Gergiev mit Wagners Das Rheingold dorthin zurück; einem Werk, das er zudem bei den Tiroler Festspielen in Erl dirigierte. Neubesetzungen finden sich auch bei den Sängerinnen und Sängern: So gibt die seit 2018/19 zum Ensemble gehörende kanadische Sopranistin Ambur Braid ihr Debüt in der Titelpartie. Zu ihren jüngsten Aufgaben an ihrem Stammhaus zählen u.a. Strauss’ Salome und Ariadne (konzertant) sowie Madame Lidoine in Poulencs Dialogues des Carmélites. Erstmals besetzt sind auch der seit 2013 dem Ensemble angehörende Bass Andreas Bauer Kanabas (Oroveso) sowie die Opernstudio-Mitglieder Karolina Bengtsson (Clotilde) und Carlos Andrés Cárdenas (Flavio). Der premierenbewährte italienische Tenor Stefano La Colla kehrt als Pollione auch für die zweite Wiederaufnahme nach Frankfurt zurück, ebenso wie die seit der ersten Wiederaufnahme mit der Produktion vertraute deutsche Mezzosopranistin Dshamilja Kaiser von der Oper Graz. Mit ihr wechselt sich als Adalgisa ihre neuseeländische Fachkollegin Bianca Andrew aus dem Ensemble ab.


Liederabend mit Martin Mitterrutzner (Tenor) und Gerold Huber (Klavier)

Martin Mitterrutzner
© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de

Update vom 10. September 21: Der erste Liederabend der Saison 2021/22 am Dienstag, dem 14. September 2021, um 19.30 Uhr im Frankfurter Opernhaus wird aus familiären Gründen nicht von der französischen Sopranistin Sabine Devieilhe gestaltet, sondern von dem Tiroler Tenor Martin Mitterrutzner, der von 2011 bis 2018 zum Ensemble der Oper Frankfurt gehörte. Zusammen mit dem Pianisten Gerold Huber bringt er den Liedzyklus Die schöne Müllerin op. 25, D. 795 von Franz Schubert (1797-1828) zu Gehör.

Zu Mitterrutzners letzten Frankfurter Aufgaben gehörte u.a. 2018/19 die Partie des Grimoaldo in Händels Rodelinda. An der Bayerischen Staatsoper gastierte er jüngst als Arbace in Mozarts Idomeneo. In der Spielzeit 2021/22 wird er als Mozarts Belmonte (Die Entführung aus dem Serail) und Tamino (Die Zauberflöte) sowie als Don Ramiro in Rossinis La Ceneretola an die Dresdner Semperoper zurückkehren. Kürzlich erschien seine aktuelle CD Heut’ ist der schönste Tag mit Tenorschlagern der 1930er Jahre bei SWR Music.


Karten für die genannten Veranstaltungen sind bei den bekannten Vorverkaufsstellen, online unter oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.