Highlights im Spielplan der Oper Frankfurt im November 2021

Jamie Barton (© Breeanne Clowdus)

Wiederaufnahme Königskinder

Die aktuelle Frankfurter Inszenierung der Märchenoper Königskinder von Engelbert Humperdinck (1854-1921) feierte am 30. September 2012 Premiere im Opernhaus und lenkte damit den Blick auf ein weniger bekanntes Werk des vor hundert Jahren verstorbenen Schöpfers der ungleich populäreren Vertonung von Hänsel und Gretel.

So konnte man nach der Premiere in der Kritik der Stuttgarter Nachrichten lesen: „Kindlich, fast naiv wirkt David Böschs Zugriff, ausgesprochen präzise seine Personenführung; klar und einfach sind die Bildideen, die der Regisseur für die Bühne erdachte.“ Und der Rezensent der Rheinpfalz urteilte: „Böschs Regie findet einen sinnfälligen Mittelweg zwischen Realismus und Symbolismus, zwischen fantastischen (Alp-)Traumbildern und dem ganz banalen, elenden Tod.“ Nun wird die Produktion aus der Spielzeit 2012/13 zum zweiten Mal in fast vollständig neuer Besetzung wiederaufgenommen.

Königskinder
Oper Frankfurt
v.l.n.r. die Gänsemagd, die Hexe (am Boden sitzend) und der Spielmann
© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de

Die Handlung von Humperdincks Oper setzt sich aus Motiven verschiedener Märchen zusammen: Die Gänsemagd lebt von Kind auf bei einer Hexe im Wald, den sie wegen eines Zaubers nicht verlassen kann. Als sie sich in einen Königssohn verliebt, ist es ihr wegen des Banns unmöglich, ihm zu folgen. Der junge Mann verlässt sie enttäuscht, nicht ohne ihr vorher seine Krone zu überlassen. Derweil trifft die zurückgekehrte Hexe vor ihrer Hütte auf den Spielmann, der sie um Rat bittet: Im nahen Dorf Hellabrunn ist der Königsthron verwaist. Wie solle man einen geeigneten Herrscher finden? Die Hexe antwortet, dass derjenige, der punkt Mittag durch das Stadttor schreitet, König werden solle. Zur Überraschung aller ist es die Gänsemagd, die den Zauberbann überwinden konnte und nun – die Königskrone auf dem Kopf – dem Prinzen gegenüber tritt. Das enttäuschte Volk jagt das junge Paar zurück in den Wald. Der Spielmann macht sich auf die Suche nach den beiden, denn er hat von Anfang an trotz ihres niederen Standes im Wesen der jungen Frau eine wahrhaft königliche Würde erkannt. Doch er kommt zu spät. Hungrig hat das ahnungslose Paar bei den Bewohnern der Hütte der zwischenzeitlich verstorbenen Hexe die Krone gegen ein von der Alten vergiftetes Brot eingetauscht. Tot sinken sie in den Schnee, der Spielmann hofft auf eine glückliche Vereinigung der beiden im Jenseits.

Frankfurts Generalmusikdirektor Sebastian Weigle dirigierte bereits die Premiere dieser Produktion und kehrt nun nach einem umjubelten Gastspiel mit Mussorgskis Boris Godunow an der New Yorker Metropolitan Opera für die Wiederaufnahme zurück an das Pult seines Frankfurter Opern- und Museumsorchesters. Aus dem Ensemble steigen in den Hauptpartien Gerard Schneider (Der Königssohn), Iain MacNeil (Der Spielmann) und Katharina Magiera (Die Hexe) neu ein, wobei die zuletzt genannte Künstlerin in der Premiere bereits die Partie der Stallmagd sang. Die amerikanische Sopranistin Heather Engebretson (Die Gänsemagd) ist der einzige Gast in der neuen Besetzung. Sie debütierte an der Oper Frankfurt 2020/21 als Sophie in Massenets Werther, gefolgt von ihrem Rollendebüt als Gräfin Almaviva in Mozarts Le nozze di Figaro. Im Verlauf der aktuellen Frankfurter Spielzeit ist u.a. noch ihr Rollendebüt als Puccinis Madama Butterfly geplant.

Königskinder

Märchenoper in drei Aufzügen
Von: Engelbert Humperdinck

2. Wiederaufnahme an der Oper Frankfurt: 6. November 21

In deutscher Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln
Musikalische Leitung: Sebastian Weigle
Regie: David Bösch

Mitwirkende: Gerard Schneider (Der Königssohn), Heather Engebretson (Die Gänsemagd), Iain MacNeil (Der Spielmann), Katharina Magiera (Die Hexe), Magnús Baldvinsson (Der Holzhacker), Jonathan Abernethy (Der Besenbinder), Franz Mayer (Der Ratsälteste), Božidar Smiljanić (Der Wirt), Kelsey Lauritano (Die Wirtstochter), Judita Nagyová (Die Stallmagd), Carlos Andrés Cárdenas (Der Schneider) u.a.

Weitere Vorstellungen: 11., 14. (18.00 Uhr), 19., 21. (15.30 Uhr) November 2021
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.00 Uhr

Preise: € 15 bis 116 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)


Vierte Wiederaufnahme: Carmen

Carmen von Georges Bizet (1838-1875) in der Sicht von Barrie Kosky gehörte zu den Höhepunkten der Spielzeit 2015/16. Kosky, seit 2012/13 Intendant und Chefregisseur der Komischen Oper Berlin, wird dort ab Sommer 2022 nur noch in der zuletzt genannten Position tätig sein. Die Frankfurter Carmen ist in einer von Kosky, dem Dirigenten der Premierenserie Constantinos Carydis sowie dem Herausgeber der kritischen Ausgabe, Michael Rot, eigens erstellten Fassung zu erleben, die Elemente der „großen Oper“ mit denen des Varieté und der Revue im Geiste Offenbachs kombiniert und zudem mit atemberaubenden Tanzszenen anreichert. Die Inszenierung riss das Publikum förmlich von den Sitzen. Viele, die das populäre Werk gut zu kennen glaubten, sahen es plötzlich in völlig neuem Licht. Auch die Pressevertreter waren begeistert, was sich nach der Premiere am 5. Juni 2016 in Kritiken mit Schlagworten wie „kultverdächtig“ (www.musik-heute.de), „brillant und böse“ (Der Tagesspiegel), „Weltklasse-produktion“ (Rhein-Zeitung) und „Höhepunkt der Saison“ (www.concerti.de) entlud.

Carmen
Oper Frankfurt
Carmen und Don José
© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de

Zum Inhalt: Der pflichtbewusste Sergeant Don José verliebt sich in die verführerische Carmen, Arbeiterin in einer Zigarettenfabrik. Ihr zuliebe desertiert er von der Armee und schließt sich – entgegen den Bitten seiner Jugendliebe Micaëla, mit ihr in sein Dorf zurückzukehren – einer Schmugglerbande an. Angewidert von seiner schon bald aufflammenden Eifersucht wendet sich Carmen dem Torero Escamillo zu und gibt dem verzweifelten José den Laufpass. Zutiefst gekränkt sucht dieser eine letzte Aussprache, doch von Carmens Beharren auf ihre Freiheit provoziert ersticht er die Geliebte.

Die vierte Frankfurter Wiederaufnahme dieser Erfolgsproduktion, welche 2018/19 mit großem Publikumszuspruch auch leihweise am Royal Opera House Covent Garden in London zu sehen war, hätte eigentlich bereits in der Spielzeit 2020/21 gezeigt werden sollen, musste jedoch wegen der Pandemie auf die aktuelle Saison verschoben werden. Nun wechseln sich Kapellmeister Simone Di Felice und Gastdirigentin Giedrė Šlekytė am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters ab. Während zu den jüngsten Aufgaben des Italieners an seinem Stammhaus Händels Radamisto (2019/20) gehört, gab die aus Litauen stammende Musikerin hier 2020/21 ihr Hausdebüt mit Francis Poulencs Dialogues des Carmélites. Im Laufe der Zeit haben zahlreiche Mitglieder der Oper Frankfurt bereits in dieser Inszenierung gesungen, weswegen nur wenige „Neueinsteiger“ zu verzeichnen sind: Als Gast erstmals mit dabei ist die aus Guatemala stammende Sopranistin Adriana González (Micaëla) und aus dem Ensemble der US-amerikanische Tenor Brian Michael Moore (Remendado). Während sie das hiesige Publikum kürzlich als Mozarts Figaro-Gräfin begeisterte, begann er die aktuelle Saison als Hirte in Strawinskys Oedipus Rex und als Narraboth in Strauss’ Salome. Aus dem Opernstudio der Oper Frankfurt neu besetzt sind Karolina Bengtsson (Frasquita), Karolina Makuła (die sich als Mercédès erstmals mit Ensemblemitglied Cecelia Hall abwechselt) und Gabriel Rollinson (Zuniga). Alle weiteren Partien inklusive der Doppelbesetzungen verkörpern Sänger*innen, die bereits mit der Produktion vertraut sind, angeführt von Zanda Švēde als Carmen und AJ Glueckert als Don José.

Carmen

Opéra comique in drei Akten von Georges Bizet
4. Wiederaufnahme an der Oper Frankfurt: 12. November 21

In französischer Sprache mit deutschen und englischen Übertiteln

Musikalische Leitung: Simone Di Felice / Giedrė Šlekytė
Regie: Barrie Kosky

Mitwirkende: Zanda Švēde (Carmen), AJ Glueckert (Don José), Adriana González (Micaëla), Kihwan Sim / Gordon Bintner / Andreas Bauer Kanabas (Escamillo), Mikołaj Trąbka / Iurii Samoilov (Moralès / Dancaïro), Brian Michael Moore / Michael Porter (Remendado), Karolina Bengtsson (Frasquita), Karolina Makuła / Cecelia Hall (Mercédès), Gabriel Rollinson / Božidar Smiljanić (Zuniga)

Weitere Vorstellungen: 26. November, 10., 12. (18.00 Uhr), 15., 31. Dezember 2021, 9. (18.00 Uhr), 13. Januar 2022

Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.00 Uhr
Preise: € 15 bis 149 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)


Liederabend Jamie Barton (Mezzosopran) und Jake Heggie (Klavier)

Dienstag, 30. November 2021, um 19.30 Uhr im Opernhaus

Liedern von Henry Purcell, Franz Schubert, Johannes Brahms, Florence Price und Jake Heggie

Preise: € 15 bis 105 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Sie gehört fraglos zu den Ausnahmekünstlerinnen: Mit großer Stimme und feinem Sinn für Sprachen brilliert Jamie Barton. In ihrem letzten Liederabend an der Oper Frankfurt im Winter 2015 sorgte sie für begeisterte Kritiken und ein jubelndes Publikum.

Ihr hiesiger Auftritt als Cornelia in Händels Giulio Cesare in Egitto wurde gleichermaßen gefeiert.

Jamie Barton singt nicht nur an den renommierten Opernhäusern der USA wie der Santa Fe Opera, der Lyric Opera Chicago, in Atlanta und an der Metropolitan Opera New York, sondern tritt auch an den führenden europäischen Häusern auf, u.a. als Fenena (Nabucco) am Royal Opera House London, als Leonor in La favorite am Teatro Real in Madrid, als Azucena (Il trovatore) an der Bayerischen Staatsoper in München sowie als Brangäne (Tristan und Isolde) beim Festival d’Aix-en-Provence.

Die Gewinnerin der BBC Cardiff Singer of the World Competition 2013 und des International Opera Award 2014 gilt mittlerweile als international gefeierte Mezzosopranistin. Höchste Zeit, Jamie Barton in ihrem zweiten Frankfurter Liederabend gemeinsam mit dem Pianisten und Komponisten Jake Heggie zu erleben.


Karten für die genannten Veranstaltungen sind bei den bekannten Vorverkaufsstellen, online unter oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.