Highlights im Spielplan der Oper Frankfurt im Juni und Juli 2022

Iain MacNeil (© Barbara Aumnüller ~ szenenfoto.de)


Premiere Ulisse

Am 22. September 1968 wurde Ulisse von Luigi Dallapiccola (1904-1975) an der Deutschen Oper Berlin zur Uraufführung gebracht. Der Odysseus-Mythos beschäftigte den italienischen Komponisten sein ganzes Leben lang, und so verfasste er das Libretto seiner letzten Oper selbst, inspiriert von Dante Alighieris Divina Commedia und ausgehend von unzähligen Bearbeitungen des Stoffes. Odysseus erscheint darin als ein zerrissenes Individuum auf der rastlosen Suche nach (Selbst-) Erkenntnis. Das über mehrere Jahre hinweg entstandene Werk wird von einem Netz an Zwölfton-Reihen durchzogen, die allesamt aus der als „Mare I“ benannten Ur-Reihe hervorgehen. Die 13 Episoden der Handlung zeichnen sich durch eine je eigene Klangfarbe aus: Im Zentrum der symmetrisch angeordneten Bilderfolge steht die dunkel instrumentierte Hades-Szene.

Im Reich der Phäaken gestrandet, lässt Odysseus verschiedene Stationen seiner Irrfahrt Revue passieren: Die verführerisch-selbstvergessene Welt der Lotophagen, die intellektuell prägende Liaison mit der Zauberin Kirke sowie den Gang in den Hades, wo er seiner verstorbenen Mutter begegnet. Zurück in seiner Heimat Ithaka wird Odysseus zunächst nicht wiedererkannt und als „Niemand“ verspottet. Der Schmerz über den Identitätsverlust treibt ihn zur Rache: Er tötet die Freier, welche um seine Ehefrau Penelope werben, bevor er zu seiner letzten Expedition aufbricht. Allein auf weiter See glaubt er schließlich, die Existenz einer höheren Ordnung zu erkennen, in der seine inneren Ambivalenzen aufgehoben sind.

Der Italiener Francesco Lanzillotta stellte sich erstmals 2018/19 mit der konzertanten Aufführung von Verdis La traviata an der Oper Frankfurt vor. Der musikalische Leiter des Macerata Opera Festivals debütierte unlängst mit La Bohème an der Bayerischen Staatsoper und zählt Engagements an der Wiener Staatsoper sowie dem Teatro Massimo in Palermo zu seinen aktuellen Aufgaben.

Tatjana Gürbaca
(© Tobias Kruse – Ostkreuz)

Tatjana Gürbaca gibt ihr Debüt im Haus am Willy-Brandt-Platz. Die europaweit gefragte Regisseurin setzte sich bereits 2003 erfolgreich mit Dallapiccolas Einakter Il prigioniero an der Volksoper Wien auseinander.

In der Titelpartie debütiert der kanadische Bariton Iain MacNeil, der seit der Spielzeit 2019/20 das hiesige Ensemble verstärkt und zuletzt u.a. als Spielmann (Königskinder) begeisterte. Der belgische Tenor Yves Saelens (Demodokos / Teiresias) war zuletzt 2019/20 als Bajazet in Händels Tamerlano im Bockenheimer Depot (Wiederaufnahme im Dezember 2022) zu Gast. Die französisch-zypriotische Sopranistin Sarah Aristidou (Nausikaa) debütierte 2020/21 als Zerbinetta (Ariadne auf Naxos; konzertant) am Main. Aktuell erneut in der Partie der Sorceress (Dido and Aeneas) zu erleben, kehrt der mehrfach ausgezeichnete St. Petersburger Countertenor Dmitry Egorov (Telemachos) hierher zurück. Alle weiteren Partien sind mit (ehemaligen) Mitgliedern des Ensembles, Opernstudios und Chores der Oper Frankfurt besetzt.

Ulisse

Oper in einem Prolog und zwei Akten
Von: Luigi Dallapiccola

Premiere an der Oper Frankfurt: Sonntag, 26. Juni 22 (Frankfurter Erstaufführung)

Musikalische Leitung: Francesco Lanzillotta
Inszenierung: Tatjana Gürbaca
Bühnenbild und Licht: Klaus Grünberg
Kostüme: Silke Willrett
Chor: Tilman Michael
Dramaturgie: Maximilian Enderle

Besetzung:

Odysseus: Iain MacNeil
Kirke / Melantho: Katharina Magiera
Kalypso / Penelope: Juanita Lascarro
Demodokos / Teiresias: Yves Saelens
Nausikaa: Sarah Aristidou
Alkinoos: Andreas Bauer Kanabas
Antikleia: Claudia Mahnke
Antinoos: Danylo Matviienko
Eurymachos: Jaeil Kim
Peisandros: Sebastian Geyer
Eumäos: Brian Michael Moore
Telemachos: Dmitry Egorov
Erste Magd: Marvic Monreal°
Zweite Magd: Stefanie Heidinger
Lotophagin: Julia Bell

Chor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

°Mitglied des Opernstudios

Weitere Vorstellungen: 1., 7., 10. (18 Uhr), 15., 18., 21. Juli
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19 Uhr
Preise: € 15 bis 182 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)
Mit freundlicher Unterstützung des Frankfurter Patronatsvereins – Sektion Oper


Wiederaufnahme: Dido and Aeneas / Herzog Blaubarts Burg

Sonntag, 5. Juni 2022
Details


Wiederaufnahme: Il trittico

Die Inszenierung der unter dem Titel Il trittico zusammengefassten drei Einakter von Giacomo Puccini (1858-1924) aus der Spielzeit 2007/08 stammt von Claus Guth und war einer der großen Publikumserfolge dieser Saison. In der Sicht des in Frankfurt geborenen Regisseurs tauchen die Toten der Einakter auch in den jeweils anderen Stücken auf und fungieren dadurch – weißgekleidet und für die übrigen Protagonisten unsichtbar – als Klammer, welche sich um die drei Werke schließt. Die Presse rühmte nach der Premiere am 13. Januar 2008 die „hinreißende Theatralität“ (FAZ) der Produktion und sprach wieder einmal vom „Frankfurter Musiktheater-Glück“ (BR-Klassik / Leporello).

Il trittico ~ Gianni Schicchi
Oper Frankfurt
Gianni Schicchi (Željko Lučić)
© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de

Zum Inhalt: Il tabarro (Der Mantel) erzählt die Dreiecksgeschichte zwischen der jungen Giorgetta, deren älterem Ehemann Michele – dem Kapitän eines Schleppkahns – und dessen Nebenbuhler Luigi, welche für diesen tödlich endet. Suor Angelica (Schwester Angelica) ist in einem Kloster angesiedelt. Dorthin zog sich die Heldin einst auf Druck ihrer adeligen Familie nach der Geburt ihres unehelichen Kindes zurück und muss nun durch ihre hartherzige Tante erfahren, dass ihr Sohn bereits vor Jahren verstorben ist. Daraufhin begeht Angelica Selbstmord. Heiter verläuft die Geschichte des florentinischen Schlitzohrs Gianni Schicchi, der von der raffgierigen Familie Donati angeheuert wird, um das Erbe des kürzlich verstorbenen Buoso zu sichern. Durch einen Trick gelingt es ihm, sowohl das Vermögen des Alten an sich zu bringen als auch seiner Tochter Lauretta zu ihrem Liebesglück zu verhelfen.

Im Zuge der dritten Wiederaufnahme dieser Produktion gibt es ein Wiedersehen und -hören mit zwei ehemaligen Ensemblemitgliedern, die erneut jene Partien übernehmen, in denen sie schon in der Premiere und der zweiten Wiederaufnahme das Publikum begeisterten: Željko Lučić als Michele und Gianni Schicchi sowie Elza van den Heever als Giorgetta und zum zweiten Mal in dieser Produktion als Suor Angelica. Beide Künstler*innen gehörten seinerzeit zu den absoluten Lieblingen des Frankfurter Publikums.

Ihre Frankfurt- und Rollen-Debüts als Gäste geben die brasilianische Mezzosopranistin Victória Pitts (Fürstin und Zita) und der aus Kasachstan stammende Tenor Kudaibergen Abildin (Rinuccio). Während zu ihren jüngsten Aufgaben Berta in Rossinis Il barbiere di Siviglia am Teatro Comunale di Modena und am Teatro Municipale in Reggio Emilia zählt, wird er als zukünftiges Ensemblemitglied ab der Spielzeit 2022/23 in Partien wie Tamino (Die Zauberflöte), Lukasch (Die Zauberin) und Lenski (Eugen Onegin) zu erleben sein. Die griechische Sopranistin Penny Sofroniadou gibt als Lauretta gleichfalls ihr Haus-Debüt. Seit der Spielzeit 2020/21 gehört sie zum festen Sängerstamm am Theater Hagen.

Aus dem Ensemble übernimmt Kammersängerin Barbara Zechmeister erstmals die Partie der Äbtissin. Der italienische Tenor Stefano La Colla debütiert als Luigi und begeisterte hier bereits als Pollione (Norma) sowie Mario Cavaradossi (Tosca). Weitere Engagements führten ihn zuletzt als Radamès (Aida) u.a. an die Staatsoper Hamburg, die Semperoper Dresden, die Deutsche Oper Berlin und das Teatro San Carlo in Neapel sowie als Calaf (Turandot) nach Tokio. Alle weiteren Partien sind mit Mitgliedern des Frankfurter Ensembles, Opernstudios und Chores besetzt. Am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters steht mit dem italienischen Dirigenten Pier Giorgio Morandi ein gern gesehener Gast, der hier kürzlich die Wiederaufnahmeserie von Verdis La forza del destino leitete. Jüngste Gastengagements beinhalten u.a. Turandot beim Spring Festival Tokio und La Bohème am Teatro Regio in Turin.

Il Trittico

Il tabarro (Der Mantel) – Suor Angelica (Schwester Angelica) – Gianni Schicchi
Drei Operneinakter von Giacomo Puccini

Dritte Wiederaufnahme Il trittico (Das Triptychon) an der Oper Frankfurt: Freitag, 8. Juli 22

Musikalische Leitung: Pier Giorgio Morandi
Inszenierung: Claus Guth
Szenische Leitung der Wiederaufnahme: Caterina Panti Liberovici
Bühnenbild: Christian Schmidt
Kostüme: Anna Sofie Tuma
Licht: Olaf Winter
Chor: Tilman Michael
Kinderchor: Álvaro Corral Matute
Dramaturgie: Norbert Abels

Besetzungen:

Il tabarro:

Michele: Željko Lučić
Giorgetta: Elza van den Heever
Luigi: Stefano La Colla
Frugola: Katharina Magiera
Tinca: Michael McCown
Talpa: Alfred Reiter
Liederverkäufer: Jonathan Abernethy
Ein Liebespaar: Nombulelo Yende° / Jaeil Kim

Suor Angelica:

Suor Angelica: Elza van den Heever
La zia principessa (Fürstin): Victória Pitts
La Badessa, Äbtissin: Barbara Zechmeister
La suora zelatrice: Marvic Monreal°
La maestra delle novizie, Lehrmeisterin: Enikö Boros
Suor Genovieffa: Monika Buczkowska
Suor Osmina: Karolina Bengtsson°
Suor Dolcina: Nombulelo Yende°
Suora Infermiera, Pflegerin: Claudia Kamaris
Le cercatrici, Almosensucherinnen / Le converse, Laienschwestern: Michaela Schaudel / Anna-Katharina Hilpert
Una novizia: Alketa Hoxha

Gianni Schicchi

Gianni Schicchi: Željko Lučić
Rinuccio: Kudaibergen Abildin
Zita: Victória Pitts
Lauretta: Penny Sofroniadou
Gherardo: Jonathan Abernethy
Nella: Monika Buczkowska
Gheradino: Elisabeth Magel / Wolodimir Sayfulin
Betto di Signa: Thomas Faulkner
Simone: Alfred Reiter
Marco: Liviu Holender
Ciesca: Katharina Magiera
Spinelloccio, Arzt: Thomas Charrois
Notaio: Pilgoo Kang°
Guccio, Färber: Pavel Smirnov
Pinellino, Schuster: Garegin Hovsepian

Chor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

°Mitglied des Opernstudios

Weitere Vorstellungen: 11., 14., 17. (18 Uhr), 20. Juli 2022
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19 Uhr
Preise: € 15 bis 116 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)


Liederabend Konstantin Krimmel (Bariton) und Ammiel Bushakevitz (Klavier)

Das Lied ist sein Metier! Davon zeugt nicht zuletzt sein 2019 veröffentlichtes, hoch gelobtes Album Saga. Auch die zahlreichen Preise des deutsch-rumänischen Baritons, der in Ulm geboren wurde und in Stuttgart studierte, sprechen für sich: Konstantin Krimmel gewann u.a. den Deutschen Musikwettbewerb und den Internationalen Helmut Deutsch Liedwettbewerb sowie den Internationalen Haydn Wettbewerb für klassisches Lied und Arie Rohrau. Der Sänger begeisterte Kritik und Publikum auch bei seinen jüngsten Auftritten in der Kölner Philharmonie, an der Deutschen Oper und im Konzerthaus Berlin, beim Heidelberger Frühling, bei der Schubertíada in Barcelona, beim Tetbury Music Festival und beim Oxford Liedfestival. Nach seinen gefeierten Interpretationen von Roberto / Nardo (La finta giardiniera) und Zoroastro (Händels Orlando) am Theater Heilbronn sowie Leporello (Don Giovanni) in Severodonetsk war Konstantin Krimmel jüngst als Jesus in der szenischen Aufführung von Bachs Matthäus-Passion am Hessischen Staatstheater Wiesbaden und am Concertgebouw Amsterdam zu erleben.

Dienstag, 19. Juli 2022, um 19.30 Uhr im Opernhaus
Lieder von Franz Schubert, Pavel Haas, Hugo Wolf und Eusebius Mandyczewski
Preise: € 15 bis 105 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)
Mit freundlicher Unterstützung der Rentenbank, Förderbank für die Agrarwirtschaft und den ländlichen Raum


Karten für die genannten Veranstaltungen sind bei den bekannten Vorverkaufsstellen, online unter oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.