Highlights im Spielplan der Oper Frankfurt im Februar 23

Francesca da Rimini ~ Tiroler Festspiele Erl/Oper Frankfurt ~ Paolo und sein Double (kniend) ~ Bild: Xiomara Bender


Premiere: Francesca da Rimini

Erstmals in Deutschland wird Francesca da Rimini von Saverio Mercadante (1795-1870) – als Übernahme einer Produktion der Tiroler Festspiele Erl – an der Oper Frankfurt gezeigt. Nach der Österreichischen Erstaufführung am 28. Dezember 2022 war im Fachmagazin concerti zu lesen: „Werk und Wiedergabe von Mercadantes Moritat sind in Tirol schlichtweg sensationell. Das liegt an der poetischen Kraft der Inszenierung von Hans Walter Richter (…). Richters Inszenierung greift die Frenetik, die Exaltation und epische Breite der musikalischen Nummern mit poetischer Kraft auf.“

Das auf Dantes Göttliche Komödie Bezug nehmende Libretto des 1831 fertiggestellten Bühnenwerks verfasste Felice Romani. Die Textbücher des Dichters bildeten die Grundlage von 17 der 58 Opern Mercadantes. Die Uraufführung des Werkes des seinerzeit gefragten italienischen Komponisten erfolgte jedoch erst 185 Jahre nach der Entstehung: 2016 beim Festival della Valle d’Itria in Martina Franca.

Aus politischen Gründen wurden Francesca und Lanciotto verheiratetet, doch Francesca liebt ihren Schwager Paolo, der ihre Gefühle erwidert. Als Lanciotto siegreich aus dem Krieg zurückkehrt, entdeckt er Francesca und Paolo, die sich über der Lektüre eines Buches näher kommen. Er droht ihnen mit dem Tod. Francescas Vater Guido aber kann Lanciottos Rachepläne vereiteln, woraufhin sich Francesca in ein Kloster zurückzieht. Als sie sich für ein letztes Lebewohl mit Paolo trifft, entdeckt Lanciotto die beiden erneut und richtet seine Waffe gegen den Nebenbuhler. Jetzt realisiert sich, was Lanciotto in seiner Wut so erbarmungslos verfolgt hatte…

Der spanische Dirigent Ramón Tebar steht erstmals am Pult des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters. Neben zahlreichen Konzertverpflichtungen führte den Künstlerischen Leiter der Opera Naples in Florida im Herbst 2022 Bizets Les pêcheurs de perles an das Teatro Colón in Buenos Aires. Hans Walter Richter inszenierte an der Oper Frankfurt, wo er seit 2008 als Regieassistent engagiert ist, zuletzt Menottis The Medium. Zu seinen jüngsten Regiearbeiten zählen Adams Le Postillon de Lonjumeau in Erl und Langes Krieg. Stell dir vor, er wäre hier am Stadttheater Gießen.

Als Francesca debütiert die australische Sopranistin Jessica Pratt im Opernhaus am Willy-Brandt-Platz, die im Mai 2023 auch als Liedinterpretin hierher zurückkehren wird. Sie begann die Saison als Elvira (I puritani) in Bilbao und wird diese Partie auch konzertant am Théâtre des Champs-Elysée in Paris singen. Weitere Engagements beinhalten Amina (La sonnambula) am Teatro Real in Madrid und an der Opéra Royal de Wallonie in Liège sowie ihre Paraderolle der Lucia di Lammermoor in Las Palmas de Gran Canaria. Im April wird ihre aus Moskau stammende Fachkollegin Anna Nekhames die Titelpartie übernehmen. Das neue Ensemblemitglied der Oper Frankfurt stellte sich unlängst als Königin der Nacht vor und ist, ebenso wie ein Großteil der Besetzung, bereits mit dieser aus Erl übernommenen Produktion vertraut. Lediglich die japanisch-amerikanische Mezzosopranistin Kelsey Lauritano (Paolo), die 2020/21 vom Opernstudio in das Ensemble der Oper Frankfurt wechselte, steigt neu in die Inszenierung ein. Ebenfalls zum festen Sängerstamm gehören Theo Lebow (Lanciotto), Erik van Heyningen (Guido) und Brian Michael Moore (Guelfo) sowie Opernstudio-Stipendiatin Karolina Bengtsson (Isaura).

Francesca da Rimini

Dramma per musica in zwei Akten

Von: Saverio Mercadante
Text: Felice Romani
Uraufführung: 2016, Palazzo Ducale, Martina Franca

Premiere/Deutsche Erstaufführung an der Oper Frankfurt: Sonntag, 26. Februar 23
Übernahme einer Produktion der Tiroler Festspiele Erl

Musikalische Leitung: Ramón Tebar
Inszenierung: Hans Walter Richter
Bühnenbild: Johannes Leiacker
Kostüme: Raphaela Rose
Licht: Jan Hartmann
Chor: Tilman Michael
Dramaturgie: Mareike Wink

Besetzung:

Francesca: Jessica Pratt / Anna Nekhames
Paolo: Kelsey Lauritano
Lanciotto: Theo Lebow
Guido: Erik van Heyningen
Isaura: Karolina Bengtsson°
Guelfo: Brian Michael Moore

°Mitglied des Opernstudios

Chor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

Weitere Vorstellungen: 5. (18 Uhr), 11., 15., 18., 25. März, 2. (18 Uhr), 8. April 2023
Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19 Uhr
Preise: € 16 bis 190 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)


1. Wiederaufnahme: Der ferne Klang

Der ferne Klang von Franz Schreker (1878-1934) wurde am 18. August 1912 am Frankfurter Opernhaus uraufgeführt. Bereits 1901 hatte Schreker mit der Komposition seiner ersten abendfüllenden Oper begonnen, nachdem er den Text in nur wenigen Wochen verfasst hatte. Nahezu die Hälfte aller Opern des Österreichers, der mit einer Ausnahme gleichzeitig Komponist und Librettist all seiner Bühnenwerke war, wurde in Frankfurt ur- bzw. erstaufgeführt.

Der ferne Klang
Oper Frankfurt
Fritz (Ian Koziara) und Grete Graumann (Jennifer Holloway)
© Barbara Aumüller ~ szenenfoto.de

Das Werk, welches zunächst als unaufführbar galt, Schreker jedoch schlagartig berühmt werden ließ, kehrte anlässlich der Frankfurter Premiere am 31. März 2019 erstmals nach 1945 an den Ort seiner Uraufführung zurück (Besprechung). Anschließend lautete die Radiokritik im Kulturfrühstück auf hr2-kultur: „Diese Oper ist eine poetische Liebeserklärung im phantasmagorischen Gewand, man verlässt das Opernhaus mit einer Überraschung: Welch große Gefühle habe ich hier erlebt!“

Zum Inhalt: Der junge Komponist Fritz lässt seine heimliche Verlobte Grete zurück, um sich auf die Suche nach dem Erfüllung verheißenden „fernen Klang“ zu begeben. Die verzweifelte Grete folgt ihm, kann ihn jedoch nicht mehr einholen und erwägt daraufhin den Freitod. Ein Jahrzehnt später veranstaltet sie in einem Halbwelt-Etablissement in Venedig einen poetischen Wettkampf, dessen Preis eine Nacht mit ihr ist. Fritz, der vergebens nach dem „fernen Klang“ suchte, erscheint zufällig und wird sogleich zum Sieger erklärt. Gretes Situation realisierend, verlässt er sie ein weiteres Mal. Sie folgt einem Grafen, der sich aber nach wenigen Jahren von ihr trennt – fortan lebt sie als Großstadtprostituierte. Fritz’ erfolgversprechende Oper „Die Harfe“ wird aufgeführt; auch Grete befindet sich unter den Zuhörern. Das Stück fällt durch, und der verzweifelte Komponist bereut sein einstiges Verhalten gegenüber Grete. Als es zum Wiedersehen kommt, währt das Glück nur einen Augenblick: In den Armen der Geliebten sterbend, glaubt der entkräftete Tonsetzer, den sehnsüchtig verfolgten Klang so intensiv wie nie zuvor wahrzunehmen.

Die musikalische Leitung liegt bei Florian Erdl, der in der Premierenserie GMD Sebastian Weigle assistierte und eine Aufführung übernahm. Zuletzt war er hier 2021/22 für Vorstellungen der Wiederaufnahmeserie von Mozarts Così fan tutte engagiert. Der Erste Kapellmeister des Stadttheaters Pforzheim zählt dort Hänsel und Gretel zu seinen aktuellen Aufgaben.

Damiano Michieletto gab mit der Schreker-Produktion 2018/19 sein Hausdebüt und kehrte in der darauffolgenden Spielzeit für Rossinis Otello zurück. Jüngst inszenierte der italienische Opernregisseur Strauss’ Rosenkavalier am Théâtre Royal de la Monnaie in Brüssel und legte mit Janáčeks Jenůfa sein Hausdebüt an der Staatsoper Berlin vor.

Die amerikanische Sopranistin Jennifer Holloway (Grete) gastierte in der Premierenserie erstmals im Haus am Willy-Brandt-Platz, wo sie in dieser Spielzeit noch als Chrysothemis (Elektra) zu erleben sein wird. Zukünftige Engagements führen sie als Salome an die Deutsche Oper Berlin. Der aus Chicago stammende Tenor Ian Koziara (Fritz) ist ebenso bereits mit der Produktion vertraut. Das ehemalige Mitglied des Lindemann Young Artist Development Program der Metropolitan Opera übernimmt hier im Juli die Partie des Chabel in Rudi Stephans Die ersten Menschen.

Der österreichisch-neuseeländische Bass Anthony Robin Schneider (Wirt) verstärkt seit 2019/20 das Ensemble der Oper Frankfurt und wird im April in der Titelpartie von Händels Hercules debütieren. Ein Wiedersehen gibt es mit der schwedisch-ungarischen Sopranistin Clarry Bartha (Ein altes Weib), von 1987 bis 1994 Frankfurter Ensemblemitglied, die hier zuletzt 2012 als Adelaide in Strauss’ Arabella auftrat. Nahezu alle weiteren Partien sind mit Mitgliedern des Ensembles der Oper Frankfurt besetzt, die – mit Ausnahme von Magnùs Baldvinsson (Der alte Graumann) und Iain MacNeil (Der Baron) – neu in die Produktion einsteigen, ebenso wie die ehemalige Opernstudio-Stipendiatin Karolina Makuła (Eine Spanierin).

Der ferne Klang

Oper in drei Aufzügen von Franz Schreker

1. Wiederaufnahme an der Oper Frankfurt: Sonntag, 5. Februar 23 (18:00 Uhr)

Musikalische Leitung: Florian Erdl
Inszenierung: Damiano Michieletto
Szenische Leitung der Wiederaufnahme: Caterina Panti Liberovici
Bühnenbild: Paolo Fantin
Kostüme: Klaus Bruns
Licht: Alessandro Carletti
Video: Roland Horvath / Carmen Zimmermann
Chor: Tilman Michael
Dramaturgie: Norbert Abels

Besetzung:

Grete Graumann: Jennifer Holloway
Fritz: Ian Koziara
Wirt des Gasthauses »Zum Schwan«: Anthony Robin Schneider
Ein Schmierenschauspieler: Mikołaj Trąbka
Der alte Graumann / 2. Chorist: Magnús Baldvinsson
Seine Frau: Juanita Lascarro
Dr. Vigelius: Thomas Faulkner
Ein altes Weib: Clarry Bartha
Mizi: Anna Nekhames
Milli / Die Kellnerin: Nombulelo Yende°
Mary: Bianca Tognocchi
Eine Spanierin: Karolina Makuła
Der Graf: Liviu Holender
Der Baron: Iain MacNeil
Der Chevalier / 1. Chorist: Brian Michael Moore
Rudolf: Danylo Matviienko
Ein zweifelhaftes Individuum: Istvan Balota
Ein Polizeimann / Ein Diener: Jonathan Macker
Die alte Grete: Steffie Sehling
Der alte Fritz: Micha B. Rudolph

Weitere Vorstellungen: 11., 17., 19. (15.30 Uhr; mit kostenloser Betreuung von Kindern zwischen 3 und 9 Jahren), 24. Februar 2023

Falls nicht anders angegeben, beginnen diese Vorstellungen um 19.30 Uhr

Preise: € 16 bis 121 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)

Chor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester

°Mitglied des Opernstudios


Liederabend Andreas Bauer Kanabas (Bass) und Daniel Heide (Klavier)

Franz Schuberts Schwanengesang u.a.

Seit der Spielzeit 2013/14 ist Andreas Bauer Kanabas Frankfurter Ensemblemitglied und hat mit seiner markanten Bassstimme Partien wie Komtur, Osmin, König Philipp II., Jacopo Fiesco, den Wassermann oder die Titelpartie von Herzog Blaubarts Burg interpretiert. Zu seinen Wagner-Partien zählen Daland, Heinrich der Vogler, Landgraf Hermann von Thüringen und König Marke. In dieser Spielzeit war er außerdem als Veit Pogner und Sarastro zu erleben; zudem wird er als Adahm in Die ersten Menschen in einer weiteren Neuinszenierung auftreten.

Andreas Bauer Kanabas (Bass) und Daniel Heide
(Foto: Guido Werner)

Einen Querschnitt aus seinem Repertoire kann man auf seiner Debüt-CD Love And Despair (Oehms-Classics) hören. Andreas Bauer Kanabas ist auch international gefragt, von der Wiener Staatsoper, der Mailänder Scala und der Opéra National in Paris bis hin zum New National Theatre in Tokio. Mit Schuberts letztem Liederzyklus Schwanengesang auf Texte von Heinrich Heine, Ludwig Rellstab und Johann Gabriel Seidl präsentiert er sich in Frankfurt nun erstmals als Liedsänger. Dieses Programm wird zeitnah auch auf CD (AVI) erscheinen.

Dienstag, 21. Februar 2023, um 19.30 Uhr im Opernhaus
Preise: € 16 bis 109 (12,5% Vorverkaufsgebühr nur im externen Vorverkauf)


Karten für die genannten Veranstaltungen sind bei den bekannten Vorverkaufsstellen, online unter www.oper-frankfurt.de oder im telefonischen Vorverkauf 069 – 212 49 49 4 erhältlich.