HfMDK Frankfurt gedenkt Hans Zender

Hans Zender (zweiter v.l.) 1992 im Kleinen Saal der HfMDK mit Tonmeister Christoph Schulte (dritter v.l.) und der damaligen Kompositionsklasse: (v.l.n.r.) Christian Banasik, Hanspeter Kyburz. Vincent Grüger, John Gomez, Dáníel Péter Bíró, Johannes Quint. Alexander Stankovski und Isabel Mundry (Foto: Privat/HfMDKFFM)

Er war Komponist, Dirigent und ein charismatischer Hochschullehrer – von 1988 bis 2002 lehrte Hans Zender als Professor für Komposition an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK). In seinen letzten Jahren, in denen er krankheitsbedingt fast nichts mehr sehen und komponieren konnte, war das Schreiben über Musik ein wesentlicher Lebensinhalt des Musikdenkers und Musikphilosophen. Am vergangenen Dienstag ist Hans Zender im Alter von 82 Jahren gestorben. Zahlreiche namhafte Komponistinnen und Komponisten haben bei ihm studiert: u.a. Isabel Mundry, Arnulf Hermann, Hanspeter Kyburz, José M. Sánchez-Verdú und Hans Thomalla. Er war einer der wichtigsten Kompositionslehrer seiner Generation.

So beschreibt Johannes Quint, ehemaliger Student Hans Zenders an der HfMDK und heute Professor für Musiktheorie an der Hochschule Köln in Aachen sowie Lehrbeauftragter für Musiktheorie und Komposition an der HfMDK, seinen ehemaligen Lehrer: „Wenn ich mich an meine Zeit als Kompositionsstudent bei Hans Zender erinnere, denke ich als erstes an einen unglaublich neugierigen, begeisterungsfähigen und motivierenden Lehrer. Zender war absolut undogmatisch und offen für die unterschiedlichsten musikalischen Perspektiven. Darüber hinaus ermöglichte er uns durch seine engste Verbindung zur interpretatorischen Praxis diverse Projekte, durch die die Arbeit unserer damaligen Kompositionsklasse in die Öffentlichkeit getragen wurde. Am beeindruckendsten war für mich sein intellektueller Horizont: Immer hat er in großen Zusammenhängen gedacht und zwar sowohl historisch-musikalisch als auch synchron disziplinübergreifend. ‚Wer nur von Musik etwas versteht, versteht auch von Musik nichts!‘. Diese Idee von Eisler konnte man von ihm im denkbar umfassenden Sinne lernen.“

Als Komponist und Musikdenker hat er die zeitgenössische Musik durch viele neue Impulse belebt, entwickelt und bereichert. Dabei war auch die Frankfurter Zeit an der HfMDK nicht unbedeutend für sein Kompositionsschaffen.

Christoph Schulte, seit 1990 Tonmeister der HfMDK, Leiter des damaligen Live-Elektronikstudios und Assistent von Zender, erinnert sich: „Hans Zender schrieb damals an seinem zweiten Bühnenwerk Don Quijote; die hier verwendete komplexe Live-Elektronik haben wir über einen längeren Zeitraum an der HfMDK im Kleinen Saal gemeinsam mit Mitgliedern des von ihm mit initiierten Ensemble Modern entwickelt. Nach der Uraufführung ließ Zenders Interesse an der Live-Elektronik nach und er begann mit umfassenden Studien zur Mikrotonalität. Dazu haben wir ein zweimanualiges Zwölftelton-Instrument entwickelt, mit dem sich die Abweichung der reinen Obertöne vom temperierten System darstellen ließ und damit neue tonale Systeme erschlossen werden konnten. Diese sind insbesondere in Zenders Spätwerk überall hörbar.“

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