HfK-Musikstudentin Erika Tandiono punktet beim Bovicelli-Gesangswettbewerb

„Ich schätze die Freiheit, Verzierungen zu machen“

Erika Tandiono ( © Studioline Claus Mangelsen)

„Das hat sie wirklich großartig gemacht. Ich bin sehr stolz auf Erika“, sagt Bettina Pahn von der Hochschule für Künste (HfK) Bremen. Die Dozentin für Historischen Gesang ist voll des Lobes für ihre Studentin Erika Tandiono. Die Sopranistin wurde im Juni beim internationalen „Bovicelli-Wettbewerb“ mit dem „Young Talent Award“ ausgezeichnet.„Ich habe nicht damit gerechnet“, sagt die aus der indonesischen Stadt Surabaya stammende Musikerin.„Der Preis ist eine schöne Überraschung.“ Zwei der Preise gehen an die weltberühmte schola cantorum basiliensis, einer an die Alte Musik-AbteilungderHfK.

Wettbewerb feierte Premiere

Der Wettbewerb wurde erstmals ausgeschrieben und fand wegen der Corona-Pandemie virtuell statt. Sängerinnen und Sänger aus aller Welt hatten bei der Musikakademie Schloss Weißenbrunn um die 90 Videos eingereicht. Benannt ist der Wettbewerb nach dem Italiener Giovanni Battista Bovicelli. Der Sänger, Komponist, und Musiktheoretiker lebte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts und entwickelte einen neuen Verzierungsstil. Damit prägte er die Diminutions- und Verzierungspraxis der Spätrenaissance und des Frühbarock. Ein wichtiges Lehrwerk ist seine Schrift „Regole, passagi di musica, madrigali et motetti passeggiati” (Venedig,1594). Hinter dem Begriff Diminution steckt das Verkleinern von Notenwerten und das Umspielen und Variieren von Melodien.

Viel Unterstützung seitens der Lehrenden

Erika Tandiono überzeugte die Jury mit ihren eigenen Diminutionen zu Orlando di Lassos Lied „Susanne un jour“. „Die Diminuitionen auszuarbeiten, hat vier oder fünf Tage gedauert”, sagt Tandiono. „Ich habe mir viele Gedanken gemacht.” Bei der Umsetzung habe sie viel Unterstützung seitens der HfK erhalten, z.B. von Michael Fuerst. ..Er hat mir dabei geholfen, den Kontrapunkt zu verstehen.” Bettina Pahn unterstützte sie bei der gesangstechnischen Umsetzung der schwierigen Verzierungen, die doch im Endeffekt fließend, leicht und wortunterstützend klingen sollen. Pahn lobt Tandionos Auftritt in den Videos. Sie sei ausdrucksstark im Singen, nicht „fest“ geworden und habe als eine der wenigen Teilnehmenden auswendig gesungen. „Aufnahmen sind anstrengender als ein echtes Konzert”, meint die Protagonistin.

Mit Ruhe und Erzählkraft

Schulen Alter Musik wie Bovicellis „Regole, passagi die musica.” sind für Pahn wahre Schätze. „Heutzutage hat es sich noch nicht durchgesetzt, gesangstechnisch nah an den Quellen zu arbeiten, aber es lohnt die Mühe, die Schulen auf diese Hinweise zu untersuchen.” Sie möchte,dass lhre Studentinnen und Studenten mit gutem Körper- und Atembewusstsein singen Lernen- im Duktus Alter Musik, mit Ruhe und Erzählkraf“. Für die Entwicklung der Studierenden und jetzt für die erfolgreiche Teilnahme Erikas am Wettbewerb hat sich das Jahr innovativer Lehre, das Bettina Pahn an der HfK gestaltet hat, mit „Gesangstechnik und Übungen aus Alten Gesangsschulen” ausgezahlt. In ihrer Gesangsklasse sind derzeit 12 Studierende. Pahn unterrichtet Tandiono seit Herbst 2018. „Sie ist fleißig, mutig und wissbegierig. Erika hat sich unglaublich entwickelt.” Wegen der Kontaktbeschränkungen hat Pahn ihre Studentinnen und Studenten in diesem Semester nur via Skype unterrichtet. „lch finde das wirklich anstrengend. Trotzdem haben wir einige Facetten sehr gut erarbeiten können.“ Ruf bis nach Australien Die HfK-Abteilung für Alte Musik hat weltweit einen guten Ruf. „Eine Freundin in Melbourne hat mir Bremen empfohlen”, erinnert sich die Sängerin. Ln Australien hat Tandiono ihr klassisches Gesangsstudium mit dem Bachelor abgeschlossen, in Bremen macht die 30-Jährige ihren Master in Alter Musik. „lch habe schon im Kindergarten viel gesungen”, gesteht sie lachend. Zum klassischen Gesang kam sie im Alter von 17 Jahren. Tandiono mag Bettina Pahns Art zu unterrichten. „Sie ist schon streng, aber sie ist auch freundlich und sehr ermutigend. lch finde es gut, wie sie ihre Meinung ausdrückt. Und sie unterrichtet fantastisch via Skype.” Alte Musik ist für Erika Tandiano eine Herzensangelegenheit. „Ich liebe die Harmonie, das ist sehr kompliziert, Weil es sehr ausdrucksvoll ist. Es gibt viel du denken und zu entdecken. Und ich schätze die Freiheit, Verzierungen zu machen und kreativ zu sein.”

Video der Preisträgerin: https://Www.hfk-bremen.de/auszeichnungen/erika-tandiono-gewinnt-bovicelli-Wettbewerb


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