Heute beginnt das internationale Kulturfestival KUNSTFEST WEIMAR zum Thema »Sehnsucht nach morgen«

Angélica Liddell: TEREBRANTE (© Ximena Garrigues and Sergio Moya)

Am heutigen 24. August 22 beginnt um 18.00 Uhr das KUNSTFEST WEIMAR 2022 mit dem traditionellen Gedächtnis-Buchenwald-Konzert in der Herderkirche.

Um 20.30 Uhr wird die israelische Starkünstlerin Sigalit Landau auf dem Theaterplatz die Uraufführung ihrer großformatigen Videoinstallation »Der Olivenhain« präsentieren. Darin zeigt die Künstlerin in vertikalem Format Aufnahmen überlebensgroßer Olivenbäume – von unterschiedlichem Alter, verschiedener Art und Größe. Die Bäume werden von großen mechanischen »Händen« geschüttelt. So werden die Zuschauer:innen damit konfrontiert, wie das faszinierende, archaische Symbol heute den Gesetzen von Effizienz und Ökonomie unterworfen ist.

Der international tätige, israelische Choreograph Nir de Volff hat dazu eine performative Choreografie entwickelt. Das musikalische Programm des Eröffnungskonzerts wird das renommierte spanische Alte Musik-Ensemble Musica Ficta bestreiten, das sephardische Volksweisen und das Requiem 1605 von Tomas Luis de Victoria vortragen wird.

Die Gedenkrede wird Jens-Christian Wagner, Direktor der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora halten. Grußworte werden der serbische Schriftsteller, Weimarer Ehrenbürger und Zeitzeuge Ivan Ivanji und der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow sprechen.

Ebenfalls anwesend sein werden die Schirmherrin des KUNSTFESTS WEIMAR Anja Siegesmund, Ministerin für Umwelt, Energie und Naturschutz des Landes Thüringen, und Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Thüringer Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei. Aus Berlin werden Doron Lebovich, Kulturattaché der israelischen Botschaft, und der spanische Botschaftsrat für Kultur Juan-Manuel Vilaplana López anwesend sein.

Bodo Ramelow betonte bereits vorab: »Das diesjährige Kunstfest bietet mit seiner Vielfalt der künstlerischen Formen wie Theater, Tanz und Konzerte, bildende Künste, Performance, Film und Literatur den Raum, die vielfältigen Fragen unserer Zeit zu erforschen und zu diskutieren. Vielfalt findet sich auch bei der Auswahl der Kulturschaffenden: international gefeierte Künstlerinnen und Künstler sind neben jungen, regionalen Künstlerinnen und Künstlern zu erleben. Durch diese Vielfalt bewahrt das Kunstfest seinen Status als künstlerisch bedeutendstes überregionales Festival Thüringens und ist kultureller Höhepunkt des Weimarer Sommers.«

Das KUNSTFEST WEIMAR wird bis zum 10. September an 15 Spielorten in Weimar und 14 thüringenweit rund 140 Veranstaltungen ausrichten. Unter den 45 künstlerischen, diskursiven und partizipativen Projekten sind 16 Ur- bzw. deutsche Erstaufführungen zu finden.

Höhepunkte des Programms sind die Uraufführung des von Partnern aus vier Kontinenten koproduzierten Augmented Reality-Parcours »Animate« des US-amerikanischen Multimedia-Künstlers Chris Salter (26. August bis 04. September, KET-Halle), mit dem das KUNSTFEST seine Auseinandersetzung mit der drohenden Klimakatastrophe fortsetzt.

Die Klimakrise ist auch Thema des von Autor Thomas Köck selbst inszenierten Uraufführung »Solastalgia« in Koproduktion mit dem Schauspiel Frankfurt (07. und 08. September, e-werk weimar).

Im Musiktheater steht neben der Uraufführung »Welcome to Paradise Lost« von Jörn Arnecke zu einem Libretto von Falk Richter (3. und 10. September, e-werk weimar), das Arienprojekt »Aria di Potenza« des jungen, polnischen Regisseur Krystian Lada im Mittelpunkt (02. September, DNT): Aktuelle politische Reden werden darin paraphrasiert oder ironisch durchbrochen mit populären Arien des Opernrepertoires, dargeboten von drei an den großen Opernbühnen der Welt gefragten Solist:innen.

Mit dem das ganze Festival durchlaufenden Projekt »Werwolfkommandos« setzt das KUNSTFEST seine Beschäftigung mit Prozessen gegen Rechts und der juristischen Aufarbeitung rechter Gewalt fort (25. August bis 10. September).

Die spanische Performance-Legende Angélica Liddell gastiert am 04. September im DNT mit ihrem neuesten, bildmächtigen Performance-Projekt »Terebrante« erstmals in Deutschland, in dem sie sich mit dem Flamenco, einem der zentralen Kulturgüter ihrer spanischen Heimat auseinandersetzt. Den Schmerz zelebriert sie darin als Ursprung der Schöpfung und des Tanzes – allerdings erklingt an dem Abend kein einziger Ton Flamenco.

Rolf C. Hemke erläuterte die Themenwahl »Sehnsucht nach morgen« wie folgt: »Das Motto trägt die Spannung unserer Epoche in sich. Als zeitgenössisches Festival reflektiert das KUNSTFEST immer die Gegenwart, gleichzeitig will es Fest sein. Doch wie lässt sich in dieser Zeit feiern? Wie schafft man es, der Schwere der brisanten Themen gerecht zu werden und trotzdem Unterhaltung zu bieten? Defätismus ist keine Lösung. Wir versuchen den Kopf oben zu behalten und Denkanstöße zu geben.«

Das gesamte Festivalprogramm auf kunstfest-weimar.de.