Herrnhuter Weihnacht – Das neue Album mit dem Vocal Concert Dresden

© Berlin Classics

Im nächsten Jahre feiert die Herrnhuter Brüdergemeine ihr 300jähriges Bestehen. Die Gründung wird auf den Graf von Zinzendorf zurück geführt, der in der sächsischen Region Oberlausitz einige Brüder aufnahm. Heute leben, durch Auswanderung, Vertreibung, Krieg und Umbruch auf der ganzen Welt ca. 1,1 Millionen Gemeindemitglieder. Aufgeteilt sind sie in 19 Provinzen, deren Vertreter alle sieben Jahre zu einer Unitätssynode zusammenkommen.

Peter Kopp, Gründer des Vocal Concert Dresden, hat die musikalische Geschichte der Brüdergemeine erforscht und Material zusammen getragen. Daraus ist diese Aufnahme entstanden. Es ist ein Weihnachtsalbum, deren Titel der berühmte Herrnhuter Stern schmückt. Fast alle Titel sind bisher noch nie aufgenommen worden, denn dieser musikalische Schatz wurde weltweit in vielen Fällen nicht schriftlich festgehalten. Einige Lieder sind sogar erst in der „Neuen Welt“ entstanden und wurden von dort in die Oberlausitz zurückgebracht. Eine spannende Geschichte!

Im kommenden Jahr wird die UNESCO die Herrnhuter Brüdergemeine zum Weltkulturerbe erklären. Das Album „Herrnhuter Weihnacht“ erschien am 12.11.2021 auf Berlin Classics.

Chor Vocal Concert in der Skulpturensammlung der SKD
Foto: Frank Höhler

300 Jahre Herrnhut – eine Musikbrücke von der Oberlausitz in die Welt

Schon seit Jahren macht sich Peter Kopp mit seinem Vocal Concert Dresden einen Namen durch diskografische Veröffentlichung höchst interessanter und bisher wenig beachteter Zusammenstellungen und Programmen. Nach Werken der Dresdner Hofmusik oder venezianischen Kostbarkeiten war es zuletzt Freimaurer-Musik des 18. Jahrhunderts. Nun also Musik der Herrnhuter Brüdergemeine. Deren historische Bedeutung und internationale Strahlkraft, die von einem beschaulichen Dorf in der Oberlausitz wortwörtlich in die gesamte Welt ausgeht, feiert im nächsten Jahr nicht nur 300-jähriges Bestehen, sondern wird zum UNESCO-Weltkulturerbe ernannt.

Nachdem die in ihrer Heimat verfolgten „Böhmischen Brüder“, eine vorreformatorische Bewegung in Böhmen und Mähren, 1722 auf dem Besitz des Grafen von Zinzendorf in der Oberlausitz eine Siedlung „unter des Herren Hut“ gründeten, legten sie den Grundstein für ein noch heute lebendiges Zentrum des Glaubens und den Ausgangspunkt für ein internationales Beziehungsnetz. Denn bald schon gründeten sich andernorts weitere Brüdergemeinden: von London über Berlin, in Holland, Dänemark, North Carolina und Pennsylvania, auf Grönland und in der Karibik.

Die Brüdergemeine war von Anfang an eine singende Gemeinde. „Singstunden“, „Liederpredigt“ und Neukompositionen Herrnhuter Musiker spielten dabei ebenso eine Rolle wie ein kreativer und undogmatischer Umgang mit Gemeindegesängen. Zum Beispiel wurden nicht nur die fortlaufenden Strophen einzelner Lieder gesungen, sondern thematisch zusammengehörige Verse, manchmal sogar nur einzelne Zeilen verschiedener Lieder aneinandergefügt, welche die Gemeinde offenbar zum großen Teil auswendig beherrschte. „Die Herrnhuter haben Musices von allen Instrumenten unter sich, die theils für Virtuosen passieren können, und wird man in mancher Fürstlichen Capelle keine so solide Music antreffen“, so ein Zeitgenosse.

Durch Auswanderung und Mission der Brüder nach Nordamerika hinterließen sie dort einen faszinierenden Musikschatz, der als einer der Grundpfeiler der nordamerikanischen Musikgeschichte gilt. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert konnte man in den Siedlungen der Brüdergemeine, dort „Moravians“ genannt, hochwertiger Musik aus Europa begegnen. Die Moravians wurden so zu einer Musik-Brücke zwischen Europa und der Neuen Welt. Bemerkenswert an dieser Verbindung ist, dass auch Kompositionen, die in fernen Gebieten entstanden, nach Deutschland mitgebracht und hier wiederum in das Repertoire aufgenommen wurden. Dies dürfte im 18. Jahrhundert ein absolutes Alleinstellungsmerkmal der Herrnhuter gewesen sein.

Der Entstehung des Programms sind intensive Recherchen in den Archiven der Herrnhuter Brüdergemeine in der Oberlausitz, aber auch in Übersee vorangegangen. Bei fast allen Werken handelt es sich um Weltersteinspielungen, die teilweise sogar rekonstruiert werden mussten. Damit gibt Peter Kopp, langjähriger Chordirigent des Dresdner Kreuzchores, mittlerweile Rektor der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik in Halle (Saale), mit Vocal Concert Dresden, dem Dresdner Instrumental-Concert und weiteren musikalischen Gästen einen einmaligen Einblick in die Herrnhuter Musik des 18. und frühen 19. Jahrhunderts und damit in eine faszinierende regionale Musikkultur, die dennoch internationale Verbreitung gefunden hat.

Ungeachtet ihres hohen Repertoirewertes präsentiert diese Produktion festliche weihnachtliche Musik. Der Liebhaber barocker Weihnachtsmusik wird damit ebenso angesprochen wie der Hörer, der sein musikalisches Spektrum erweitern möchte.


HERRNHUTER WEIHNACHT

Vocal Concert Dresden
Dresdner Instrumental-Concert
Peter Kopp
– Leitung

John Gambold jr. (1760–1795):
Macht hoch die Tür

Johannes Renatus Verbeek (1748-1820):
Uns ist ein Kind geboren

Peter Mortimer (1750–1828):
Den Hirten dort auf Bethle‘ms Feld

Johann Gottfried Weber (1739–1797):
Mein Herz dichtet ein feines Lied

Johann Ludwig Freydt (1748–1807):
Den aller Welt Kreis nie beschloss

Christian Ludwig Brau (1746–1777):
O verehrungswürd‘ge Nacht

John Antes (1740–1811):
Loveliest Immanuel

David Moritz Michael (1751–1827):
Hail Infant newborn

Christian Gregor (1723–1801):
Christ-Nachts-Music am 24sten December 1765

1 CD: Best. Nr. 0302307BC
Label: Berlin Classics
Vertrieb: Edel:Kultur
VÖ: 12.11.2021

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