Herbstfestspiele Baden-Baden 2019: Mit Gershwin in die Kirche

Tag der Deutschen Einheit 3. Oktober 2019, 14 Uhr, evangelische Stadtkirche am Augustaplatz

Simon Höfele (© Sebastian Heck)

Mit Gershwin in die Kirche – Simon Höfele und Sebastian Küchler-Blessing geben ein nicht alltägliches Konzert für Trompete und Orgel

Simon Höfele und Sebastian Küchler-Blessing: Nicht nur wer sich für Trompete und Orgel interessiert, kommt um diese Namen nicht herum: Beide sind noch keine 30 Jahre alt und schon mehrfach ausgezeichnet und international gefragt. Im Rahmen der Herbstfestspiele spielen sie am 3. Oktober 2019, 14 Uhr in der Stadtkirche Baden-Baden Werke für Trompete und Orgel von Albinoni bis Gershwin.

Der 25-jährige Simon Höfele ist einer der erfolgreichsten Trompeter der jungen Generation: Er ist BBC Radio 3 New Generation Artist, ECHO- Rising Star und vom Konzerthaus Dortmund als Künstler in der Reihe „Junge Wilde“ gefördert. Als Solist spielte Höfele unter anderem mit dem Royal Concertgebouw Orchestra, dem BBC Philharmonic, den Orchestern des SWR, MDR und NDR oder dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin zusammen und trat international in renommierten Häusern wie der Wigmore Hall London, der Tonhalle Zürich, im Konzerthaus Wien, in der Elbphilharmonie, im Münchner Prinzregententheater und bei Festivals wie dem Cheltenham Music Festival, dem Festival de Radio France et Montpellier Languedoc-Roussillon, dem Rheingau Musik Festival und den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern auf. Neben dem bekannten Trompetenrepertoire widmet sich Simon Höfele mit großer Begeisterung der zeitgenössischen Musik, so etwa Matthias Pintschers Doppelkonzert für zwei Trompeten, das er 2012 zusammen mit Reinhold Friedrich und dem Schleswig-Holstein Festival Orchester uraufführte.
Seinen ersten Trompetenunterricht erhielt Höfele mit sieben Jahren in seiner Heimat Darmstadt, fünf Jahre später wurde er Jungschüler von Reinhold Friedrich, der ihn als 14-Jährigen in seine Trompetenklasse an der Musikhochschule Karlsruhe aufnahm. Mittlerweile unterrichtet er auch selbst als Visiting artist des Royal Birmingham Conservatoire und bei verschiedenen Meisterkursen.
Neben seinen musikalischen Projekten engagiert sich Simon Höfele auch kulturpolitisch und gründete den Verein „Kunstverlust“, für den er als Fotograf Menschen porträtiert, die sich aktiv für Kunst und gegen deren Zerstörung einsetzen.
Der Essener Domorganist Sebastian Küchler-Blessing tritt europaweit in den großen Konzerthäusern und Kathedralen wie dem Kölner Dom, der Elbphilharmonie, dem Konzerthaus Berlin und KKL Luzern. Er gastiert regelmäßig beim Leipziger Bachfest, dem Rheingau Musik Festival und dem Schleswig-Holstein-Musikfestival. Von Publikum und Fachwelt hochgeschätzt auch als Improvisator und Kammermusiker, führte ihn seine Arbeit mit Musikern wie Gustavo Dudamel, Hartmut Haenchen und Reinhold Friedrich und Ensembles wie dem Windsbacher Knabenchor, Luzerner Sinfonieorchester oder dem Stuttgarter Kammerorchester zusammen.


Sebastian Küchler-Blessing
(© Bistum Essen / Nicole Cronauge)

Der 28-jährige Sebastian Küchler-Blessing begann bereits mit zwölf Jahren aufgrund seiner überragenden Erfolge beim Wettbewerb „Jugend musiziert“ Kulturpreisträger der Stadt Rottweil. In Karlsruhe, Trossingen und Freiburg studierte er Klavier, Orgel und Musiktheorie und lehrt selbst Orgel und liturgisches Orgelspiel/Improvisation an der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf. Sebastian Küchler-Blessing ist Leipziger Bach-Preisträger, gewann den Mendelssohn-Preis und mit dem ersten Preis der Internationalen Orgelwoche Nürnberg, einen der renommiertesten Orgelwettbewerbe überhaupt. Er ist Preisträger der Improvisationswettbewerbe Schwäbisch Gmünd und Herford und gewann als bisher einziger Organist den Publikumspreis der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern.

Für das Baden-Badener Konzert haben Simon Höfele und Sebastian Küchler-Blessing Werke des Spätbarocks und der Moderne gewählt, die am 3. Oktober in der evangelischen Stadtkirche am Augustaplatz in der Kombination Trompete und Orgel erklingen. Das d-Moll-Konzert von Tomaso Albinoni, das zu den berühmten Trompetenkonzerten zählt, ist in seiner Urfassung ein Oboenkonzert. Albinoni hat mit Vivaldi und Corelli das italienische Solokonzert mitbegründet. Sein Konzert op. 9 /2 stammt aus einer 1722 herausgegebenen Sammlung von Konzerten für eine oder zwei Oboen und Streicher und zeichnet sich durch lange Melodien aus.

Das einzige Werk des Konzerts für Solo-Trompete ist „Paths“, des japanischen Komponisten Toru Takemitsu. Es wurde 1994 von Hakan Hardenberger uraufgeführt, dem das Stück gewidmet ist. Takemitsu nennt sein fünfminütiges Werk eine „Hommage an Witold Lutosławski“. Und obwohl es ein Solostück ist, bilden „Paths“ dennoch ein imaginäres Duett, bei dem der Ausführende ständig zwischen der offenen und der gedämpften Trompete wechseln muss.

Seine „Legende“ schrieb der rumänische Komponist George Enescu 1906 für Trompete und Klavier. Das rhapsodische Werk, das zum Bedeutendsten zählt, was für die Trompete komponiert wurde, ist im Klaviersatz oft akkordisch gehalten und somit gut auf der Orgel spielbar. Die Musik steht in einem Stil, der an Enescus Lehrer Gabriel Fauré erinnert, jedoch mit seinen langen exotisch ausgezierten Melodiebögen unverkennbar seinen Schöpfer verrät.

Mit besonderer Spannung dürfte George Gershwins berühmte, 1924 uraufgeführte „Rhapsody in blue“ erwartet werden, bei der eine Bearbeitung für Trompete und Orchester des sowjetischen Trompeters Timofei Alexandrowitsch Dokschizer von dem Organisten des heutigen Konzerts Sebastian Küchler-Blessing noch einmal für Trompete und Orgel gesetzt wurde. Spätestens bei diesem Werk wird deutlich, wie unvoreingenommen heutige Musiker dem Phänomen „Transkription“ gegenüberstehen – und wie weit Simon Höfele und Sebastian Küchler-Blessing die erhabene Aura, die traditionell mit der Kombination Trompete-Orgel verbunden ist, spielerisch ins Heute transportieren.

Weitere Informationen und Tickets: festspielhaus.de
Persönliche Beratung und Reservierungen: Tel. 07221 / 30 13 101