Herbert Schuch & Gülru Ensari mit neuem Album

© CAvi-music / SWR2

Das Piano-Duo Herbert Schuch und Gülru Ensari haben sich erst in Deutschland kennen gelernt, nachdem sie in Salzburg und Köln ihre Ausbildungen abgeschlossen hatten. Herbert Schuch wurde in Rumänien geboren, Gülru Ensari in Istanbul. Die Kindheit der beiden konnte unterschiedlicher nicht sein und dennoch gab es immer die verbindende Musik.

Mit ihrem neuen Album In Search Of begeben sich die beiden Pianisten zurück in ihre Vergangenheit und erforschen gemeinsame Erfahrungen und Erlebnisse. Dabei begegnen ihnen Tschaikowski, Dvořák, Brahms und der türkische Komponist Oǧuzhan Balcı.

Das Album In Search Of erscheint am 18.02.2022 auf dem Label CAvi-music.

Eine Reise in die Kindheit

Herbert Schuch und Gülru Ensari sind ein Duo der Gegensätze: Das Rumänien der bleiernen 80er Jahre unter Ceausescu war Herbert Schuchs Heimat in seinen Kinderjahren. Hinter dem Eisernen Vorhang spielte sich das Leben im Privaten ab – der große Garten der Familie war sein Rückzugsort und der Plattenspieler der Eltern, über den die unterschiedlichste Musik gehört wurde, Jahrzehnte später Auslöser von Kindheitserinnerungen. Gülru Ensari dagegen wurde in Istanbul geboren. Eine Kindheit in einer ins Uferlose anwachsenden Megacity, McDonalds und turbokapitalistischer Konsum (die Türkei gleicht in vielerlei Hinsicht mehr den USA, als man sich das gemeinhin vorstellt). Auch diese Zeit war erfüllt von Musik, denn ihre Mutter, eine professionelle Pianistin und Hochschuldozentin, hatte früh mit der musikalischen Ausbildung von Gülru begonnen. Vor zehn Jahren schließlich wurden Gülru Ensari und Herbert Schuch, inzwischen in Köln und Salzburg ausgebildete Pianisten, ein Paar.

Gülru Ensari & Herbert Schuch
Foto: Felix Broede

Jetzt erst entdeckten sie für sich das Repertoire für Klavierduo und begannen, gemeinsam Konzerte zu geben. Dies ist insofern ungewöhnlich, da meistens Geschwister oder Paare, die schon zu Studienzeiten früh miteinander gespielt haben, die erfolgreichen Klavierduos bilden.

Neben ihren solistischen und kammermusikalischen Karrieren haben Herbert Schuch und Gülru Ensari inzwischen drei Alben zusammen aufgenommen. Schon auf ihren beiden ersten CDs „Go East“ und „Dialoges“ gingen sie der Frage nach ihrer musikalischen Vergangenheit nach. Mit ihrem neuen Album „In Search Of“ begeben sich die beiden in ihre jeweilige Kindheit zurück und entdecken Musik, von der sie geprägt wurden. „Wir wollen auch unsere Zuhörer einladen, sich auf eine Reise in die Kindheit zu begeben“, sagt Gülru. Getriggert durch die gefühlte Zeitlosigkeit des ersten Corona-Lockdowns, wurde diese Suche nach Kindheitserinnerungen ursprünglich durch die Geburt ihrer gemeinsamen Tochter Kayra ausgelöst.

Fündig wurden sie sofort bei Tschaikowskis Ballett „Der Nussknacker“. „Wir haben festgestellt, dass wir beide dieses Ballett live gehört haben, als wir klein waren“, sagt Herbert Schuch. Ähnlich verhält es sich mit ausgewählten Ungarischen Tänzen von Brahms: In Herberts Familie war das Ungarische stets präsent, zum einen als Zweitsprache der Minderheiten in Rumänien, die Herberts Eltern fließend sprechen, als auch in Form von ungarischen Operettenmelodien und Arrangements, die bei geselligen Familienzusammenkünften gespielt, gesungen und getanzt wurden. Bei Gülru waren es die ersten Gehversuche am Klavier mit der Mutter, die diese berühmten Stücke unauslöschlich in ihr Gedächtnis eingebrannt haben.

Diese werden mit Antonin Dvořáks Slawischen Tänzen verwoben – eine Reverenz an die ungewöhnliche Beziehung der beiden Komponisten, denn Dvořák dürfte einer der ganz wenigen Komponisten sein, die Brahms aus vollem Herzen geschätzt und bewundert hat. Hier verbinden Herbert Schuch und Gülru Ensari ihre eigene(n) Geschichte(n) mit der Begegnungs- und Aneignungsgeschichte dieser beiden Komponisten: denn Dvořáks Werk sollte ursprünglich die berühmten Tänze von Brahms „imitieren“, wurde aber ganz eigenständige, urwüchsige Musik aus dem slawischen Raum. Hier wird aus der Begegnung zweier Künstler eben keine Imitation oder Angleichung, sondern Dvořák behält seine ganz eigene Individualität, so wie auch Herbert und Gülru versuchen, bei allem Abstimmungen über musikalische Fragen als Duo nie die eigene Individualität aufzugeben, sondern im Gegensatz diese positiv mit in die Interpretation einfließen zu lassen.

Die vorliegende Aufnahme schließt mit dem Auftragswerk „Sarmal“ (zu Deutsch: Spirale) des türkischen Komponisten Oğuzhan Balcı. Dieser wurde als Geiger von Gülru Ensaris Mutter oft am Klavier begleitet. Später, als auch Gülru Klavier studierte, stand er als Konzertmeister und Dirigent bei Orchesterkonzerten an ihrer Seite und wurde ein Begleiter und eine prägende Figur ihrer musikalischen Jugend.

So ist ein vielseitiges Album entstanden, das ohne die unterschiedliche Herkunft der Musiker niemals so hätte zusammengestellt werden können. Alles fließt aus unterschiedlichen Richtungen zusammen in die vier Hände von Herbert Schuch und Gülru Ensari, wird verwoben und neu erfunden. Die verschiedenen Einflüsse vermischen sich und es entsteht etwas Neues, in Bewegung befindliches, denn die Suche ist noch lange nicht beendet. Noch spannender wird es sicherlich in ein paar Jahren, wenn die kleine Tochter der Familie Ensari-Schuch, Kayra, eventuell auch ein Instrument spielt. Dann wird sich zeigen, wie ihre Eltern sie geprägt haben.


IN SEARCH OF

Herbert Schuch – Klavier
Gülru Ensari – Klavier


Antonin Dvořak (1841-1904)
Slowenische Tänze, op 72
Nr. 1, 2. 5, 7

Johannes Brahms (1833-1897)
Ungarische Tänze, Wo0 1
Nr. 1, 2, 4, 6, 11

P. I. Tschaikovsky (1840-1893)
Nußknacker-Suite, Op. 71 A (1892)
Arr. von Nicolas Economou

Oǧuzhan Balcı (1977)
Sarmal, for Piano four Hands (2020)
Ersteinspielung, Gülru Ensari & Herbert Schuch gewidmet


1 CD: Best. Nr. CAvi8553214
Label: CAvi-music
Vertrieb: Bertus Musikvertrieb
VÖ: 18.02.2022

Eine Koproduktion mir SWR2