»Harbour Front Sounds« bringt Kunstschaffende aus den Bereichen Literatur und Musik auf Hamburger Bühnen

GUTE TEXTE, SCHÖNE TÖNE

Elbphilharmonie Hamburg (© Iwan Baan)

»Harbour Front Sounds«, das Beiboot zum bestens etablierten Hamburger Literaturfestival »Harbour Front«, geht nach seinem Debüt 2020 in die zweite Runde: Vom 9. bis 14. September finden in beiden Sälen der Elbphilharmonie sowie im Großen Saal der Laeiszhalle insgesamt 15 Lesungen und Vorträge renommierter Autorinnen und Autoren statt, die sich bei ihren Auftritten ebenso prominente und inspirierende Kolleginnen und Kollegen aus der Musik auf die Bühne holen. Mit dabei sind u.a. Anna Prohaska und Annette Dasch, Jörg Widmann und PeterLicht, Stefan Weinzierl und Willy Vlautin. Wolfgang Niedeckens Hommage an Bob Dylan ist bereits ausverkauft, für die übrigen Veranstaltungen sind noch Tickets erhältlich.

»Harbour Front Sounds«, kuratiert vom Team der Elbphilharmonie in Zusammenarbeit mit dem »Harbour Front Literaturfestival«, präsentiert zum Auftakt am 9. September im Großen Saal mit Sebastian Krumbiegel den Frontmann der Vokal-Pop-Band Die Prinzen. Haltung und Unterhaltung sowie Courage in der Musik – das sind die Themen des Gesprächs, das er mit dem Linken-Politiker Gregor Gysi, der NDR-Fernsehjournalistin Anja Reschke sowie der Moderatorin und Autorin Mo Asumang führt. Ein paar Songs hat Krumbiegel selbstverständlich auch im Gepäck (9.9., 20.30 Uhr, Großer Saal).

Die Star-Sopranistin Anna Prohaska ist auf zwei Veranstaltungen mit sehr unterschiedlichen musikalischen Beiträgen zu erleben: Bei der Lesung der Autorin, Kolumnistin («Süddeutsche Zeitung«) und Friedenspreisträgerin Carolin Emcke singt sie, begleitet vom La Folia Barockorchester Dresden, Arien und Songs von Dietrich Buxtehude bis zu den Beatles (10.9. 20.00 Uhr, Großer Saal).

Ein Gesprächskonzert bringt sie zwei Tage später im Kleinen Saal mit dem Philosophen Peter Sloterdijk und dem Komponisten und Klarinettisten Jörg Widmann zusammen. Die drei unterhalten sich dort über Widmanns Oper »Babylon«, zu der Sloterdijk das Libretto schrieb und bei deren Uraufführungsserie in München 2012 Anna Prohaska die Rolle der Priesterin Inanna sang. Hier wie auch in Schuberts Spätwerk »Der Hirt auf dem Felsen« musizieren Widmann und Prohaska mit Daniel Gerzenberg, Klavier (12.9., 19.30 Uhr, Kleiner Saal).

Mit Liedern von Schubert, Mahler und Schumann liefert die Sopranistin Annette Dasch (Klavier: Christoph Reuter) musikalische Kontrapunkte zum Themenabend »Mensch, Erde! Wir könnten es so schön haben« von und mit Eckart von Hirschhausen, in dem es um drei große Gegenwartsthemen geht – die Pandemie, die Klimakrise und das Artensterben (11.9., 15 Uhr, Großer Saal).

Die Lesung der großen Schauspielerin Hannelore Hoger aus Briefen, Kurzgeschichten und Gedichten über die Liebe, Evergreen-Thema (nicht nur) der Literatur, begleitet Siegfried Gerlach mit Klavierstücken zwischen Klassik und Jazz (11.9., 15 Uhr, Kleiner Saal).

Das Trio Orientación um die deutsche Weltmusik-Legende Roman Bunka (Embryo, Dissidenten) an der Oud liefert einen mediterranen Soundtrack zu Daniel Specks Lesung aus seinem neuen Roman »Jaffa Road«. Das Gespräch mit dem Autor übernimmt Katty Salié, bessere Hälfte des Moderatorenduos der Kultursendung »ZDF aspekte« (10.9, 19.30 Uhr, Kleiner Saal).

Der großartige Romancier, Songschreiber und Sänger Willy Vlautin aus Portland in Oregon würzt die Lesung aus seinem Erfolgsroman »Don’t Skip Out on Me« (»Ein feiner Typ«) und dem neuen Buch »Nacht wird es immer« mit einer Handvoll Songs, die er selbst vorträgt. Die deutschen Texte liest die Schauspielerin und Boy-Gobert-Preisträgerin Josefine Israel, die Gesprächsleitung liegt bei Bernhard Robben (11.9., 19.30 Uhr, Kleiner Saal).

Die Verfilmung des Jahrhundertromans »Die Blechtrommel« von Günter Grass (Regie: Volker Schlöndorff) bescherte dem deutschen Film 1979 den allerersten Auslands-Oscar. Die wortmächtige Musikalität der Sprache hat nun den Perkussionisten Stefan Weinzierl zu einer Konzertlesung inspiriert, bei der er auf einer Vielzahl an Instrumenten wie Marimba, Vibrafon, Congas und Drum-Kit die Geschichte des Trommlers Oskar Matzerath mit einer eigenen Klangspur versieht. Auszüge aus dem Roman liest der gleichfalls hochmusikalische Schauspieler Devid Striesow, der um ein Haar Jazzgitarrist geworden wäre (11.9., 20 Uhr, Laeiszhalle).

»Flucht. Eine Menschheitsgeschichte« lautet der lakonische Titel eines preisgekrönten Buchs, das der Historiker Andreas Kossert im vergangenen Jahr veröffentlicht hat. Über Flucht und Verlust, Neuanfänge und Identitätswechsel und die aus Fluchtgeschichten kaum wegzudenkende Bedeutung von Musik spricht Kossert mit der Schriftstellerin Olga Grjasnowa. Der bosnische Songschreiber und Sänger Damir Imamović gibt dem Gespräch durch seine intensiven Lieder zur Gitarre zusätzliches emotionales Gewicht (12.9., 11 Uhr, Kleiner Saal).

Der Indiesong-Schreiberheld und Autor PeterLicht, der die ersten Jahre seiner um die Jahrtausendwende begonnenen Karriere in weitestgehender Anonymität verbracht hat, trifft sich mit dem Lokalmatador des Hamburger Songschreiberwesens Olli Schulz zu einem musikalisch-literarischen Gedankenaustausch unter dem Titel »Ja, okay, aber« auf der Bühne der Laeiszhalle (12.9., 20 Uhr).

Roger Willemsen, Fernsehmoderator, Feuilletonist und Autor, hat vor seinem allzu frühen Tod 2016 eines seiner letzten Lese-Programme zusammen mit den Musikerinnen Franziska Hölscher (Violine) und Marianna Shirinyan (Klavier) konzipiert: »Landschaften«. Willemsens Texte über einige dieser Landschaften liest der Berliner Schauspieler Ulrich Matthes, signifikante Musikstücke hierzu spielt das Duo Hölscher/Shirinyan (13.9., 19.30 Uhr, Kleiner Saal).

Der Hamburger Vielseitigkeitskünstler Heinz Strunk, mit seinem neuen Roman »Es ist immer so schön mit dir« soeben für den Deutschen Buchpreis 2021 nominiert, begleitet sich zur Lesung von Passagen aus dem Werk selbst auf der Querflöte (13.9., 20 Uhr, Großer Saal).

Zur selben Zeit laden Strunks langjähriger Bühnen-Mitstreiter Rocko Schamoni und der Sänger und Gitarrist Jan Plewka (Selig) zu einer Hommage an Rio Reiser in die Laeiszhalle. Reiser (1950–1996) war Songschreiber, Texter und Sänger von Ton, Steine, Scherben und später eminent erfolgreich als Solokünstler. Sein Ruhm und Einfluss auf nachwachsende Generationen scheint mit jedem Jahr größer zu werden (13.9., 20 Uhr, Laeiszhalle).

Zum Finale von »Harbour Front Sounds« widmen sich der Erfolgsautor Ferdinand von Schirach und der Pianist William Youn dem Thema »Variationen«: Schirach durch eine Auswahl von Textstellen aus seinem umfangreichen Oeuvre, Youn am Klavier mit den Goldberg-Variationen von Bach (14.9., 20 Uhr, Großer Saal).


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