Glucks »Orfeo ed Euridice« mit 3D-Reality am Staatstheater Augsburg ab 6. Mai 20

Pressekonferenz zur Vorstellung von »Orfeo ed Euridice« am Staatstheater Augsburg ~ © Jan-Pieter Fuhr

Von der Bühne in die virtuelle Unterwelt – per VR-Brille: wie das in Kürze das Publikum in der Inszenierung von Glucks »Orfeo ed Euridice« erleben kann, hat Staatsintendant und Regisseur André Bücker, gemeinsam mit der Leitenden Dramaturgin Sophie Walz und Felix Patzke, Creative Director der Agentur Heimspiel, am Montag bei einer Pressekonferenz im martini-Park vorgestellt.

»Diese Technik gibt es natürlich nicht erst seit gestern, wurde aber im künstlerischen Bereich bisher nicht annähernd in dieser Konsequenz und in diesem Umfang eingesetzt,«
kommentierte Bücker dabei die Bedeutung des Projektes.

500 VR-Brillen sind für diese Inszenierung, die am 16. Mai Premiere hat, im Einsatz. Dann erlebt das Publikum das klassische Bühnengeschehen, wird aber an drei Stellen der Inszenierung für jeweils ungefähr zehn Minuten die VR-Brille aufsetzen und die Perspektive des Orfeo einnehmen: Aus seiner Sicht taucht es in die Unterwelt hinab, in drei ganz unterschiedliche, aufwändig entworfene und digital umgesetzte Szenerien.

Nachdem André Bücker sich auch in bisherigen Inszenierungen bereits intensiv mit Video und VR auseinandergesetzt hat, sah er in der Oper »Orfeo ed Euridice« einen künstlerischen Ansatzpunkt, um VR in einer noch viel weiterreichenden Dimension zu verwenden. VR ist hier nicht aus Technikverliebtheit im Einsatz, sondern erfüllt eine dramaturgisch-inhaltliche Funktion: »Das konventionelle kollektive Theatererlebnis, bei dem das Publikum gemeinsam in einem Raum reale Darsteller*innen erlebt, wird aufgebrochen, sobald Orpheus in die Unterwelt reist. Jeder im Publikum kann nun per VR-Brille die Perspektive von Orpheus einnehmen, in die Unterwelt hinabtauchen und somit eine individuelle Perspektive in einer 360-Grad-Umgebung einnehmen.«

Virtual Reality und klassisches Musiktheater verbinden sich somit zum immersiven Gesamtkunstwerk. Der Wahrnehmungsraum wird um eine weitere Dimension erweitert, wofür sich inhaltlich der Mythos von Orpheus und seiner Reise in die Unterwelt förmlich anbieten.

Ermöglicht wurde das digital-innovative Pilotprojekt durch die Zusammenarbeit mit der Heimspiel GmbH, die hier als Koproduzent mit eingestiegen ist. Nur durch zusätzliche Akquise weiterer Spezialisten konnte die Agentur den Aufwand an technischer Expertise, Kreativität und Technologie leisten, der für eine solche VR-Schau erforderlich ist (für technische Details siehe S. 3). Heimspiel war bereits an den Inszenierungen von »Die nötige Folter« und Jules Massenets »Werther« (beides 2019) am Staatstheater Augsburg beteiligt.

Auch das Stadttheater Ingolstadt ist Koproduzent der Inszenierung. Dort wird sie in der kommenden Spielzeit (voraussichtlich April 2021) zu erleben sein. Das Theater befasst sich schon länger mit Digitalisierung und richtet in diesem Jahr bereits zum dritten Mal den »Futurologischen Kongress« aus. Dr. Judith Werner, stellvertretende Intendantin des Stadttheater Ingolstadt, findet, dass die Augsburger Inszenierung daher gut zu ihrem Haus passt. Denn auch in Ingolstadt geht es darum, in welcher Form VR für das Theater einen Mehrwert darstellt, was für neue Erzählebenen möglich sind.

Unter der Leitung von Wolfgang Katschner d mit Mitgliedern der lautten compagney Berlin gestalten die Augsburger Philharmonikern den Orchesterpart der Oper. Durch dieses Knowhow an historisch informierter Musizierpraxis und die einmaligen Klangfarben der Originalklang-Instrumente, wird die Inszenierung auch musikalisch um eine Dimension erweitert, freut sich auch die Leitende Dramaturgin Sophie Walz.

Virtual Reality – das wird im Staatstheater Augsburg kein vorübergehendes Highlight sein, sondern vielmehr in die Zukunft weisen, meint André Bücker: »Das soll nicht nur ein einmaliges künstlerisches Ereignis sein, sondern das soll uns auch weiterführen. Wir wollen uns auch in den nächsten Jahren weiter mit den ästhetischen Möglichkeiten dieser Techniken beschäftigen, was auch der Startschuss für eine Fünfte Sparte sein soll. Dabei beschäftigt uns: Wie kann die digitale Sparte eines Staatstheaters aussehen? Was für Möglichkeiten und Aspekte gibt es? Schon in der kommenden Spielzeit werden wir mit einer neuen künstlerischen Produktion in diese Richtung weitergehen.«


Orfeo ed Euridice

Oper in drei Akten

Von: Christoph Willibald Gluck
Libretto: Ranieri de’ Calzabigi

Uraufführung 1. Fassung: 5. Oktober 1762 (Wien)
Uraufführung 2. Fassung: 2. August 1774 (Paris)

Premiere am Staatstheater Augsburg: 16. Mai 20 (martini-Park)

Musikalische Leitung: Wolfgang Katschner
Inszenierung: André Bücker
Bühne: Jan Steigert
Kostüme: Lili Wanner
Video: Heimspiel / Christian Felder, Christian Schläffer
Einstudierung der Chöre: Carl Philipp Fromherz
Dramaturgie: Sophie Walz

Besetzung:

Orfeo
: Kate Allen / Natalya Boeva
Euridice: Jihyun Cecilia Lee
Amor: Olena Sloia

lautten compagney Berlin
Augsburger Philharmoniker
Opernchor des Staatstheater Augsburg

Weitere Vorstellungen:
So 20.5.2020 19:30 | martini-Park
So 24.5.2020 19:00 | martini-Park
Do 28.5.2020 19:30 | martini-Park
Sa 6.6.2020 19:30 | martini-Park
So 14.6.2020 15:00 | martini-Park

Technische Details – VR-Realisierung /
heimspiel GmbH
Weltneuheit mit Steuerung von über 500 VR Brillen im Theatersaal über ein High Density WLAN Netzwerk
– Teilweise in Computerspiele-Engine (unreal engine) und in herkömmlicher 3D-Software erstellt, stereoskopischer 360°Grad-Animationsfilm
– Bewegungen der Figuren wurden teilweise im Motion capture-Verfahren aufgezeichnet
– Vergleichbar mit »realem« Bühnenbau
– 3 Teile, insgesamt ca. 29 min VR-Erlebnis

– Zweiter Akt (knapp 13 Minuten) hat 21.000 Einzelbilder
– 1 Bild = ca. 50 MB
– 1 Bild zu erzeugen (=rendern) benötigt ca. 4-8 min

Rechenleistung
– Rendern wird aufgeteilt auf viele einzelne Computer, um diese Masse zu erzeugen
– Insgesamt hat die zweite Szene 1 Terrabyte an Einzelbildern

Menpower – heimspiel GmbH
F
elix Patzke – Produktionsleitung
Frank Patzke – C4d / 3D-Artist
Peter Patzke – Audioproduktion
Mareike Patzke – Grafikdesign
Andreas Förder – Projektleitung
Joshua Dengel – Houdini Artist / 3D-Artist
Jerome Bauer – C4d / Unreal Engine / 3D-Artist
Max Schwugier – C4d / 3D-Artist
Christian Felder – VR Regie
Christian Schläffer – VR Creative Director
Andreas Probst – Unreal Engine Artist
Akira Endo – C4d / 3D-Artist
Frank Brodkorb – C4d / 3D-Artist
Adrian Sonpanya Unreal Engine Artist
Aleksander Großmann – Unreal Engine / Playersoftware
Thomas Jahn – Unreal Engine / 3D-Artist
Maria Wagner – Controlling

Die Inszenierung erfolgt in Koproduktion mit der Agentur Heimspiel und dem Stadttheater Ingolstadt.

staatstheater-augsburg.de