Giora Feidman übergibt seine Klarinette an das Jüdische Museum Berlin

Giora Feidman und Sergej Tcherepanov (© Mehran Montazer)

Anlässlich seines 75-jährigen Bühnenjubiläums tritt Giora Feidman am 26. Juli 2022 im Jüdischen Museum Berlin auf. Nach dem Konzert wird der Klezmer-Musiker seine Klarinette der Sammlung des Museums übergeben. Das Jüdische Museum Berlin wird die Klarinette in der 2020 neu eröffneten Dauerausstellung zeigen – der Eintritt in die Dauerausstellung ist seit 2021 kostenlos.

Giora Feidman ist seit Jahrzehnten einer der bekanntesten Klezmer-Musiker der Welt. In Deutschland machte ihn seine Rolle im Zeitgeschichtsdrama „Ghetto“ des israelischen Dramatikers Joshua Sobol, in der Bundesrepublik 1984 von Peter Zadek an der Freien Volksbühne in West-Berlin inszeniert und als Stück des Jahres gefeiert, auf einen Schlag berühmt. Seine Musik war in der BRD seitdem omnipräsent – in nichtjüdischen wie in jüdischen Kontexten. Bis heute hat der „King of Klezmer“ über 40 CDs veröffentlicht und musikalische Beiträge zu vielen Filmen geliefert, beispielsweise zu „Schindlers Liste“. Feidman erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. den renommierten deutschen Musikpreis Echo Klassik und das Bundesverdienstkreuz, letzteres für seine Verdienste um die Beziehungen zwischen Juden und Deutschen.

„Meine Eltern wanderten von Bessarabien nach Buenos Aires aus, wo ich 1936 geboren bin“, erzählt Giora Feidman. „Aus Osteuropa brachten sie die jüdischen Melodien und Lieder mit, die mich seit meiner Kindheit begleiten – in Argentinien, später in Israel, Deutschland und der ganzen Welt. Seit 75 Jahren singe ich sie mit meiner Klarinette auf der Bühne, sie verbindet mich mit Gott.“

Die Klarinette, die Feidman dem JMB schenken wird, hat er 2018 bauen lassen. „Sie hat einen wunderschönen, üppigen und vollen Ton. An der klanglichen Weiterentwicklung des Modells war ich selbst beteiligt“, schwärmt er. „Ich schenke dem JMB dieses wertvolle Instrument, weil ich den Auftrag und die Arbeit dieses besonderen Hauses unterstützen möchte. Der Besuch der neuen Dauerausstellung im vergangenen Jahr hat mich tief berührt.“

Hetty Berg, Direktorin des Jüdischen Museums Berlin, freut sich sehr über die Schenkung: „Feidman hat in Deutschland einen Klezmer-Boom ausgelöst. Eine ganze Generation verband mit seiner Klarinettenmusik „das Jüdische“, auch wenn es sich beim Klezmer um eine musikalische Tradition handelt, die zunächst nichts mit dem deutsch-jüdischen Erbe zu tun hatte und erst durch das Revival damit verknüpft wurde. Seine Klarinette ergänzt unsere Sammlung damit um ein Musikinstrument, das nicht nur für eine jüdische Musikrichtung, sondern auch für ein Wiederaufleben jüdischer Kultur in Deutschland steht. Deswegen zeigen wir es in unserer neuen Dauerausstellung.“

Das JMB stellt die Klarinette im Segment „Das jüdische Objekt“ aus. Dort geht es konzeptionell um die Frage, was eigentlich das „Jüdische“ an einem Objekt ist oder sein könnte. Die Objekte werden immer durch ein Zitat von Besitzer*innen bzw. Stifter*innen kontextualisiert. „Feidmans Klarinette passt sich hier perfekt ein“, so Hetty Berg. „Was ist jüdisch an einer Klarinette? Zunächst einmal nichts – aber durch Feidmans Musik und seine musikalische Mission wird sie jüdisch.“

Eintrittskarten für das Konzert am 26. Juli 2022 sind bei eventim erhältlich (43,35 € / ermäßigt 21 €, jeweils plus Versandkosten) sowie an der Abendkasse. Das Konzert findet in Kooperation mit MACC Management GmbH statt.

Jüdisches Museum Berlin: jmberlin.de
Twitter: twitter.com
Instagram: instagram.com
Facebook: facebook.com
YouTube: youtube.com