Gastspiel aus Belarus am Staatstheater Augsburg beim Brechtfestival 2022

Patrick Rupar, Natalie Hünig, Kai Windhövel, Andrej Kaminsky, Jenny Langner, Thomas Prazak, Christina Jung, Pascal Riedel in »Voices. Stimmen aus dem neuen Belarus«. © David Ortmann

Am Mittwoch, dem 23.2.22 um 20 Uhr gastiert das belarussische Künstler:innen-Kollektiv Kupalaucy im Rahmen des diesjährigen Brechtfestivals am Staatstheater Augsburg. Die in ihrem Heimatland wegen eben jener Inszenierung verfolgte Gruppe Kupalaucy bringt »Fear/Furcht« nach Bertolt Brecht zum ersten Mal live auf die Bühne, in belarussischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Das Staatstheater Augsburg setzt damit sein intensives Engagement für die Freiheit der Kunst in Belarus fort. Begleitend zum Gastspiel am 23.2.22 sind die beiden digitalen Lesungen »Voices. Stimmen aus dem neuen Belarus« und »Insulted. Belarus« von Andrei Kureichik, die das Staatstheater im Februar und November 2021 produziert hat, kostenfrei zugänglich unter staatstheater-augsburg.de.

Karten für das Gastspiel sind online über das Brechtfestival erhältlich: brechtfestival.de

»Fear/Furcht« | nach Bertolt Brecht | Mi 23.2.22 20 Uhr | martini-Park

Über »Fear/Furcht«:

Ende März 2021 sorgt eine freie Theatergruppe aus Belarus im Netz für Aufsehen. Kupalaucy, die sich aus ehemaligen Künstler:innen des Janka Kupala Nationaltheaters gegründet haben, zeigen auf YouTube eine Szenenfolge aus »Furcht und Elend des Dritten Reiches«. Die Gruppe ergründet mit Brechts Szenensammlung das Wesen des Faschismus. Die Inszenierung setzt keine Bezüge zur Gegenwart, doch Betroffene erkennen darin eindeutige Parallelen zur Situation im eigenen Land. Die dortige Regierung setzt alles daran, kritische Stimmen im Keim zu ersticken. Kupalaucy können auf den Minsker Bühnen nicht spielen. Die Gruppe ist auf der schwarzen Liste der Regierung und hat Auftrittsverbot. Proben finden im Ausland und im Untergrund statt. Beim Brechtfestival wird »Fear/Furcht« erstmals live auf der Bühne zu sehen sein.

Über »Voices. Stimmen aus dem neuen Belarus«:

Am 27.11.21 rief Swjatlana Zichanouskaja, oppositionelle Bürgerrechtlerin und mutmaßliche Siegerin der Präsidentschaftswahl in Belarus 2020, zu einem Tag der Solidarität mit Belarus und den politischen Gefangenen des Regimes unter Alexander Lukaschenko auf. Das Staatstheater Augsburg solidarisierte sich aus diesem Anlass mit der Aufnahme eines neuen Stückes von Andrei Kureichik: »Voices. Stimmen aus dem neuen Belarus«. Der dokumentarische Text auf Grundlage von veröffentlichten Interviews, Zeugenaussagen und Briefen von Belaruss:innen, die während der Revolution 2020 Opfer des politischen Terrors in Belarus wurden, wurde von Mitgliedern des Schauspielensembles als Videobeitrag in 14 Clips veröffentlicht, abrufbar unter staatstheater-augsburg.de.

Über »Insulted. Belarus«:

Das Stück des bekannten belarussischen Theater- und Drehbuchautors Andrei Kureichik über die politischen Ereignisse seines Landes im Jahr 2020 ging als digitaler Aufschrei für Solidarität um die Welt. Auch das Staatstheater Augsburg beteiligte sich in Form einer Zoom-Lesung daran, deren Mitschnitt online unter staatstheater-augsburg.de zugänglich ist. Regisseur Andreas Merz-Raykov geht mit seiner inszenierten Lesung der Frage nach, wie Theater politische Vorgänge spiegeln kann, wenn diese noch mitten im Gange sind.