Festspielhaus St. Pölten: Start in die neue Spielzeit 2020/2021

Festspielhaus St. Pölten (© Stefan Kristoferitsch)

Indie-Pop meets Märchenklassiker: Am 26., 27. und 28. September startet die Saison 2020/2021 mit einem extravaganten Musiktheater aus den Händen des revolutionären Theatermachers Robert Wilson gemeinsam mit dem exzentrischen Duo CocoRosie. Bis Juni 2021 bietet die 24. Festspielhaus-Saison zahlreiche Highlights aus Tanz, zeitgenössischem Ballett und Circus, sowie aus Orchester-, Unterhaltungs- und Kammermusik. Ein vielfältiges Angebot für Kinder und Familien ist ebenso zentraler Bestandteil der Programmierung wie das mehrtägige Workshop-Festival Jugendklub. Das Festspielhaus stärkt mit fünf internationalen Koproduktionen in der neuen Saison sein Standing als viel beachtetes Tanzhaus. Elf Österreich-Premieren zeichnen in der Saison 2020/2021 einen Querschnitt durch das Schaffen zeitgenössischer Tanz- und Circus-Compagnien von Frankreich und der Schweiz über den Senegal und Südafrika bis nach Australien, Japan und Südkorea. Der Große Saal wird in der Saison 2020/2021 mit 49 Eigenveranstaltungen bespielt. 10 Veranstaltungen finden im Kleinen Saal, 8 im Bühnensetting sowie 2 Open-Air am Festspielhaus-Vorplatz statt. Das Festspielhaus heißt in der kommenden Spielzeit außerdem rund 22 Kooperations- und Gastveranstaltungen willkommen. Ab 10. März 2020 mussten aufgrund der bundesweiten Verordnung zur Eindämmung des Coronavirus alle darauf folgenden Veranstaltungen der Saison 2019/2020 abgesagt werden.

DIE SAISON 2020/2021 IM ÜBERBLICK

Theaterdirektor, Choreograf, Lichtdesigner und Videokünstler – Robert Wilson, das künstlerische Multitalent aus Texas, eröffnet gemeinsam mit der US-amerikanischen Band CocoRosie die neue Spielzeit. Das Festspielhaus St. Pölten präsentiert Wilsons neuesten Coup Jungle Book/Das Dschungelbuch als Österreich-Premiere und versetzt sein Publikum ab 10 Jahren ins Staunen. Im Oktober 2020 folgt mit der Österreich-Premiere von Das Frühlingsopfer/common ground[s] ein weiteres Highlight im Spielplan. Germaine Acogny, die „Mutter des zeitgenössischen Tanzes in Afrika“ und Malou Airaudo präsentieren Pina Bauschs legendäre Choreografie Das Frühlingsopfer mit TänzerInnen unterschiedlicher afrikanischer Länder. Im November 2020 steht mit Schwanensee ein absoluter Ballett-Klassiker auf dem Programm. Der französische Choreograf Angelin Preljocaj kleidet Tschaikowskis schaurig-schönen Welterfolg in zeitgenössisches Gewand. Die TänzerInnen seiner Compagnie Ballet Preljocaj tanzen in der Österreich-Premiere zur Livemusik des Tonkünstler-Orchesters unter der Leitung von Yannis Pouspourikas (empfohlen ab 10 Jahren). Mit der tänzerischen Weltreise D‘Est en Ouest (Österreich-Premiere) für alle ab 6 Jahren kommt die französische Choreografin Josette Baïz im Advent ans Festspielhaus St. Pölten. Die Gründerin der Groupe Grenade bringt 30 TänzerInnen im Alter von 7 bis 18 Jahren mit Werken sechs ikonischer zeitgenössischer ChoreografInnen zusammen. Ebenfalls im Dezember 2020 geben das Ballett der Bühne Baden und das Europaballett St. Pölten ein Gastspiel im Festspielhaus: Mit Ludwig van tanzt wird dem Meisterkomponisten rund um seinen Geburtstag ein tänzerisches Denkmal gesetzt. Die südkoreanische Ausnahmechoreografin Eun-Me Ahn, einstige Vertraute von Pina Bausch, schafft mit Dragons ein zeitgenössisches Portrait ihres Heimatkontinents im Spannungsfeld zwischen Avantgarde und Tradition. Die Eun-Me Ahn Company läutet mit der Österreich-Premiere im Jänner 2021 das neue Tanzjahr im Festspielhaus St. Pölten ein. Die letzte Königin Frankreichs ist titelgebend für Thierry Malandains Gastspiel im Februar 2021. Das Malandain Ballet Biarritz tanzt in Marie Antoinette (Österreich-Premiere) zur Musik von Joseph Haydn und Christoph Willibald Gluck – live gespielt vom Tonkünstler-Orchester unter der Leitung von Igor Dronov. Vom vorrevolutionären Frankreich zum ältesten japanischen Buch über die Entstehung der Welt: Der Choreograf Damien Jalet kooperiert für seine neue Kreation Planet [wanderer] (Österreich-Premiere) mit dem bildenden Künstler Kohei Nawa und zeigt eine eindringliche Performance über die tragische Liebesgeschichte von Mensch und Erde. Er gilt als Erneuerer des neoklassizistischen Balletts: Der 2007 verstorbene Maurice Béjart hinterließ mit dem Béjart Ballet Lausanne eine erstklassige Compagnie, die das Erbe der Tanzikone um die Welt trägt. Im Mai 2021 zeigt die Schweizer Truppe den dreiteiligen Abend Syncope/Béjart fête Maurice/Boléro als Österreich-Premiere. Das südafrikanische Vuyani Dance Theatre unter Gregory Maqoma bringt Cion: Requiem of Ravel‘s Bolero (Österreich-Premiere im Mai 2021) zur Aufführung im Festspielhaus. Ravels Musik erklingt zu dieser politisch aufrüttelnden Performance live als A-cappella-Version. Internationaler zeitgenössischer Tanz für junges Publikum findet seit der Spielzeit 2019/2020 systematisch Platz in der Festspielhaus-Programmierung. Im Oktober 2020 gastiert die französische Compagnie Art Move Concept rund um Soria Rem und Mehdi Ouachek mit der Österreich-Premiere FLI (ab 6 Jahren) und die kanadische Truppe Cas Public bringt im Februar 2021, gemeinsam mit dem belgischen Kopergietery, Neun (ab 7 Jahren) erstmals nach Österreich. Aus den Niederlanden gastieren Ryan Djojokarso und Bram Jansen mit dem Tanztheater Du bist dran! (Österreich-Premiere im April 2021, ab 6 Jahren).

Der fünfte Kontinent beeindruckt mit drei hochkarätigen zeitgenössischen Circus-Performances im Festspielhaus St. Pölten. Gravity & Other Myths aus Adelaide zeigt im Oktober 2020 A Simple Space und im Dezember 2020 Out of Chaos. Der in Brisbane beheimatete Circa Contemporary Circus gibt im März 2021 Leviathan zum Besten.

Die Festspielhaus-Saison bringt 2020/2021 große Stimmen aus Jazz und Weltmusik in den Großen Saal sowie internationale Newcomer OnStage auf die Festspielhaus-Bühne. So sind im Oktober 2020 Hubert von Goisern, im November 2020 Dee Dee Bridgewater und im Dezember 2020 Helge Schneider zu Gast. Weiters begeistern u.a. Cameron Carpenter im Februar 2021, Etta Scollo im März 2021, Dobet Gnahoré im April 2021, Philipp Hochmair im Mai 2021 sowie Chilly Gonzales im Juni 2021.

Das Tonkünstler-Orchester startet Anfang Oktober mit Carl Orffs Carmina Burana, einer der populärsten Kompositionen des 20. Jahrhunderts, in die symphonische Konzertsaison. Am Pult steht Chefdirigent Yutaka Sado, der in der Saison 2020/2021 noch drei weitere Montagskonzerte leitet: Brahms und Rachmaninow im Februar 2021, Mahler 1 im März 2021 sowie Richard Strauss‘ Alpensinfonie im Juni 2021. Insgesamt stehen 12 symphonische Konzerte sowie drei Plugged-In Abende mit den GastkünstlerInnen Vocal Sampling, Camané und Ankathie Koi auf dem Programm.

Aufgrund der Sars-CoV-2-Pandemie mussten in der Saison 2019/2020 23 Eigenveranstaltungen abgesagt werden. Mit Stand 15. April 2020 konnten für sechs dieser Veranstaltungen Ersatztermine in der Saison 2020/2021 sowie 2021/2022 gefunden werden. Es ist davon auszugehen, dass sich die Auswirkungen des Virus (u.a.: verhinderte Probenzeit/ verschobene internationale Premieren/eingeschränkte Reisetätigkeit) auf bisher noch kaum absehbare Weise auch im Programm der Saison 2020/2021 niederschlagen werden.

INTERNATIONALE KOPRODUKTIONEN

In der Saison 2020/2021 ist das Festspielhaus St. Pölten Koproduzent für fünf ausgewählte Projekte (Vergleich Saison 2019/2020: eine Koproduktionen) und leistet damit einen wertvollen Beitrag für das internationale Tanzschaffen. Gemeinsam mit großen Partnern wie dem Londoner Sadler‘s Wells, den Pariser Tanz-Institutionen Théâtre de la Ville und Théâtre National de Chaillot sowie dem Théâtre de la Ville de Luxembourg, ist das Festspielhaus zu einem wichtigen und gefragten Partner in einem europäischen Netzwerk koproduzierender Häuser und Festivals avanciert. „Das Festspielhaus St. Pölten ist nicht nur ein wichtiges ‚europäisches Tanzhaus‘ (Martin Schläpfer), sondern auch ein weltweit gefragtes Koproduktionshaus, das in der Spielzeit 2020/2021 außergewöhnliche Tanz- und Musiktheaterproduktionen von Robert Wilson, Germaine Acogny, Angelin Preljocaj, Eun-Me Ahn und Damien Jalet zusammen mit internationalen Partnern aus der Taufe hebt. Koproduktionen und Artist-In-Residencies ermöglichen durch Planungssicherheit und durch Disposition von räumlichen und zeitlichen Ressourcen mithin die spannendsten Neukreationen im zeitgenössischen Tanz und Circus, die wir erleben dürfen. Wir sind stolz, dass das Festspielhaus St. Pölten hier zu einer international viel beachteten und wertgeschätzten Institution geworden ist.“ (Brigitte Fürle)

Das Festspielhaus St. Pölten eröffnet die Saison 2020/2021 mit einer aufsehenerregenden Koproduktion, die vom Coming of Age des wohl berühmtesten Findelkindes der Literaturgeschichte erzählt. Basierend auf Erzählungen und Gedichten des britischen Autors Rudyard Kipling (1894) schuf der texanische Ausnahmekünstler Robert Wilson ein mitreißendes Musiktheater für alle ab 10 Jahren. Jungle Book/Das Dschungelbuch ist nach Peter Pan (2013), Pushkin‘s Fairy Tale (2015) und Edda (2017) die bereits dritte Zusammenarbeit Wilsons mit dem exzentrischen US-amerikanischen Folk-Duo CocoRosie. Ein Cast von neun MusikerInnen und PerformerInnen bringen die knallig-bunte, bildstarke Show von Mowgli und seinen Dschungel-Freunden an drei Spieltagen im September (26. & 27. September 2020, Schulvorstellung am 28. September 2020) auf die Festspielhaus-Bühne. Robert Wilson über seine neue Kreation: „‚Jungle Book‘ ist eine Arbeit für alle Altersstufen. Mir gefiel schon immer, was Baudelaire sagte: ‚Genie ist die willentlich zurückeroberte Kindheit.‘“ (Premiere: 26. April 2019, Luxembourg)

Die Fachzeitschrift tanz sieht die Gründerin der legendären senegalesischen École des Sables, Germaine Acogny, als Bewahrerin der Tradition und Visionärin ihrer Verlängerung ins Zeitgenössische. Zuletzt in der Saison 2015/2016 zu Gast im Festspielhaus, kehrt die Ikone des afrikanischen Tanzes am 10. Oktober 2020 mit einem aufsehenerregenden Doppelabend zurück nach St. Pölten. Das Frühlingsopfer/common ground[s] ist das Ergebnis eines 2019 gestarteten Austauschprojekts zwischen der Pina Bausch Foundation und der École des Sables. Im ersten Teil des Abends ist Pina Bauschs 1975 uraufgeführte Choreografie zu Igor Strawinskis Le Sacre du printemps zu sehen. Der wegweisenden Kreation der deutschen Jahrhundert-Choreografin wird dank 28 TänzerInnen verschiedener afrikanischer Länder neues Leben eingehaucht. Im zweiten Teil des Abends ertanzen Germaine Acogny und Malou Airaudo, ehemalige Tänzerin des Tanztheater Wuppertal Pina Bausch, in der Neukreation common ground[s] ihre eigenen Geschichten, Gefühlswelten sowie eine namensgebende „gemeinsame Basis“. (Aufgrund der SARS-CoV-2 Pandemie wurde die Uraufführung am 25. März 2020 in Dakar abgesagt.

Die dritte Festspielhaus-Koproduktion der Saison 2020/2021 bringt eine der wohl schönsten und gleichzeitig traurigsten Geschichten des klassischen Ballett-Repertoires auf die Bühne. Der französische Choreograf Angelin Preljocaj zeigt nach Les Nuits (2013), Suivront mille ans de calme (2014), Snow White (2015) und Roméo et Juliette (2018) seine bereits fünfte Kreation kurz nach deren Uraufführung in St. Pölten (Österreich-Premiere am 21. & 22. November 2020). Mit seiner in Aix-en-Provence beheimateten Compagnie Ballet Preljocaj und in Zusammenarbeit mit dem Tonkünstler-Orchester unter der Leitung von Yannis Pouspourikas setzt Preljocaj das Augenmerk auf den Mythos der Schwanentänzerin. „Eine neue Kreation im Festspielhaus St. Pölten zu präsentieren ist stets eine Freude für meine Compagnie und mich. Brigitte Fürle ist eine treue Partnerin, sie verfolgt und unterstützt meine Arbeit bereits seit langer Zeit […]. Ich schätze das neugierige und offene österreichische Publikum sehr, das für jede meiner gezeigten Produktionen Enthusiasmus bekundete. Ich bin schon sehr gespannt auf die Reaktionen, wenn wir unsere Schwanensee-Interpretation in St. Pölten zeigen.“ (Angelin Preljocaj) (Premiere: 12. September 2020, Aix-en-Provence)

Für seine vierte Koproduktion in der Saison 2020/2021 blickt das Festspielhaus nach Fernost und präsentiert mit Eun-Me Ahn Südkoreas wohl renommierteste zeitgenössische Tänzerin und Choreografin in der niederösterreichischen Landeshauptstadt. In traditionellem koreanischen Tanz ausgebildet, zog es die 1963 in Seoul geborene Ahn rasch nach New York, Frankreich und Deutschland, wo sich eine tiefe Freundschaft zu Pina Bausch entwickelte. Für ihre neueste Kreation Dragons (Österreich-Premiere am 29. Jänner 2021) beschäftigt sich die exzentrische Choreografin mit der Generation Z: Wie schaut die Welt für die heute 20-Jährigen aus, für junge Menschen, die ihr gesamtes Leben noch vor sich haben? Fünf Millenials aus unterschiedlichen asiatischen Ländern, alle jedoch im chinesischen Zeichen des Drachen geborene TänzerInnen, erzählen mit ihren Körpern vom Spannungsfeld zwischen dem Bewahren jahrtausenderalter Tradition und dem gleichzeitigen Streben nach Neuem. (Premiere: 03. September 2020, Seoul)

Der belgisch-französische Choreograf Damien Jalet zeigt seine in Zusammenarbeit mit dem japanischen bildenden Künstler Kohei Nawa entstandene Kreation Planet [wanderer] zum ersten Mal in Österreich und beschließt mit dieser interdisziplinären Arbeit den Festspielhaus-Kooperationsreigen. Jalet hat bereits für sein Epos Vessel die Zusammenarbeit mit Nawa gesucht – Planet [wanderer] ist die Fortsetzung der beiden Künstler auf deren Suche nach Verschmelzung, Kreuzung und Überschreitung von Tanz und bildender Kunst. „Planet [wanderer] erzählt auf metaphorische, poetische Weise von der komplexen Beziehung des Menschen zur Landschaft. Der Zusatz [wanderer] verweist auf die Herkunft des Worts Planet und ist inspiriert von den Zen-Steingärten Kyotos, der vulkanischen Natur Japans, vom romantischen Maler Caspar David Friedrich; aber auch von Wanderbewegungen, die am Ursprung der Menschheit stattfanden oder die aufgrund radikaler Umweltveränderungen in der heutigen Welt entstehen werden.“ (Damien Jalet)

Anmerkung: Aufgrund der SARS-CoV-2 Pandemie wurde die ursprünglich am 24. September 2020 in Paris angesetzte Uraufführung von Planet [wanderer] auf Herbst 2021 verschoben. Die Österreich-Premiere verschiebt sich infolgedessen von 19. März 2021 auf Herbst 2021 und somit in die Saison 2021/2022.

TANZ

Ersatztermin für die Corona-bedingte Absage in der Saison 2019/2020: Doris Uhlich wirkte bereits als Artist in Residence am Festspielhaus und lädt am 21. Oktober 2020 mit ihrem vielgetourten Stück Every Body Electric Menschen mit physischen Beeinträchtigungen dazu ein, ihre tänzerischen Potentiale unter Beweis zu stellen.

Nachdem Germaine Acogny & Malou Airaudo sowie Angelin Preljocaj ihre neuen Kreationen als Festspielhaus-Koproduktionen im Oktober und November 2020 präsentiert haben, zeigt die französische Choreografin Josette Baïz mit ihrer Compagnie Groupe Grenade am 05. Dezember 2020 eine choreografische Weltreise von Ost nach West. Die Österreich-Premiere D‘Est en Ouest, de Melbourne à Vancouver wird getanzt von einem Ensemble aus 30 TänzerInnen von 7 bis 18 Jahren und vereint Ausschnitte von Arbeiten weltweit renommierter ChoreografInnen: Louder! Can you hear me (2006) von Eun-Me Ahn (Südkorea), Kaash (2002) von Akram Khan (Großbritannien/Bangladesh), Grace Engine (2008) von Crystal Pite (Kanada), Speak Low If You Speak Love … (2015) von Wim Vandekeybus (Belgien), Monger (2008) von Barak Marshall (USA) sowie Attractor (2017) von Lucy Guerin (Australien). Die Verbindung zwischen den ausgewählten ChoreografInnen sieht Baïz in der „erstaunlichen Modernität“, die ihre Werke an den Tag legen. Die Originalität, Neuartigkeit, die besondere Rhythmik und Energetik der sechs Kreationen fordern die PerformerInnen dazu auf, über sich hinauszuwachsen und sind gerade deshalb, so Baïz weiter, besonders gut für junge TänzerInnen geeignet. (Premiere: 02. November 2018, Aix-en-Provence)

Gegen Ende des Beethoven-Jahres gastiert die Bühne Baden, gemeinsam mit dem Europaballett St. Pölten, mit dem Gastspiel Ludwig van tanzt im Festspielhaus St. Pölten. Der Choreograf Michael Kropf nähert sich am 18. Dezember 2020 assoziativ-biografisch dem Komponisten-Genie.

22 klassisch ausgebildete TänzerInnen, durch ihren künstlerischen Leiter jedoch zeitgenössisch geprägt: Das 1988 gegründete Malandain Ballet Biarritz unter der Leitung von Thierry Malandain bringt am 13. Februar 2021 das Leben der letzten französischen Königin als Österreich-Premiere auf die Bühne. Marie Antoinette, eine der schillerndsten und gleichzeitig kontroversesten Persönlichkeiten des vorrevolutionären Frankreichs, verkörperte in ihrem turbulenten Leben eine Vielzahl an Rollen: Herrscherin, Ikone, Feindbild und Opfer. Zu Musik von Marie Antoinettes Zeitgenossen Joseph Haydn und Christoph Willibald Gluck, live gespielt vom Tonkünstler-Orchester unter der Leitung von Igor Dronov, entblättert der renommierte französische Choreograf in neoklassischer Formensprache vielfältige Facetten des Lebens von Marie Antoinette und lässt dabei das Bild von einer einsamen, leidenschaftlichen und kunstsinnigen Frau erkennen. (Premiere: 29. März 2019, Versailles)

Das Béjart Ballet Lausanne gastiert am 06. Mai 2021 zum ersten Mal im Festspielhaus St. Pölten und zeigt den dreiteiligen Abend Syncope/Béjart fête Maurice/Boléro als österreichische Erstaufführung. Gil Roman, künstlerischer Leiter der Compagnie und Choreograf von Syncope, setzt seiner Kreation die Frage „Wo waren wir, als wir nicht da waren?“ voran. In einer surrealen Parallelwelt, die aus der Musik Chopins und den Beats von City-Percussion erwächst, spürt er dem Prinzip der Synkope nach – ob als plötzlicher Verlust des Bewusstseins oder als Rhythmus „außerhalb der Zeit“. Begegnungen mit dem OEuvre Maurice Béjarts markieren den zweiten Teil des Abends: In Béjart fête Maurice verschmelzen choreografische Highlights der Tanzikone zu einer raffinierten Revue, die mit Ravels Boléro ihre Krönung findet. (Premieren: Syncope 18. Dezember 2010, Lausanne; Béjart fête Maurice 16. Dezember 2016, Lausanne; Boléro 10. Jänner 1961, Brüssel)

Mit Gregory Maqoma holt das Festspielhaus einen Protagonisten der Tanzszene Südafrikas nach St. Pölten. Cion: Requiem of Ravel‘s Bolero erzählt eine durch die Zeiten gültige Geschichte über die Fähigkeit des Menschen zusammenzustehen, um die Last der Trauer zu teilen. Inspiriert von Toloki, einem professionellen Totenkläger in mehreren Romanen von Zakes Mda sowie von der Musik Maurice Ravels, reflektiert das getanzte Requiem den Tod in einer Welt voller Gier und Machtgelüste. Maqomas Vuyani Dance Theatre wird am 28. Mai 2021 von einem Chor begleitet, der Ravels Musik in einer eindringlichen A-cappella-Version zu Gehör bringt. (Premiere: 24. Mai 2017, Johannesburg)

FRESH: TANZ FÜR JUNGES PUBLIKUM

Drei Österreich-Premieren, drei internationale Compagnien, die mit außergewöhnlichen Performances zeitgenössischen Tanz für junges Publikum ans Festspielhaus bringen. Die renommierten französischen Hip-Hopper Soria Rem und Mehdi Ouachek eroberten die Bühnen der Welt und haben sich 2009 zur Compagnie Art Move Concept zusammengeschlossen. Am 18. Oktober 2020 zeigen die beiden TänzerInnen ihre fünfte gemeinsame Arbeit FLI (ab 6 Jahren) im Festspielhaus St. Pölten. Gemeinsam mit virtuosen KünstlerInnen aus dem Bereich des abstrakten Hip-Hop, des zeitgenössischen Tanzes und des zeitgenössischen Circus, erzählen sie anhand des verrückten Clowns Fli eine Geschichte für Kleine, die groß träumen und für Große, die das innere Kind in sich suchen.

Aus Kanada gastiert die von Choreografin Hélène Blackburn 1989 gegründete Compagnie Cas Public mit Neun (ab 7 Jahren) am 28. Februar 2021. In Kooperation mit dem belgischen Performing Arts Centre Kopergietery erarbeitet, nimmt Blackburn die Hörbehinderung des Performers Cai Glover als Ausgangspunkt für ihre neue Kreation. Die fünf Sinne bestimmen die Wahrnehmung der Welt, die uns umgibt. Was jedoch, wenn ein Sinn ausfällt? Wie erlebt man beispielsweise Ludwig van Beethovens 9. Symphonie, wenn man – wie der Komponisten einst selbst – mit zunehmender Taubheit zu kämpfen hat?

Die beiden niederländischen Theatermacher Ryan Djojokarso und Bram Jansen/Jong Korzo production lassen ihre fünf TänzerInnen in Du bist dran! (ab 6 Jahren) ein sportlich-dynamisches Bühnenspiel performen. Am 18. April 2021 müssen dafür jedoch zu allererst Spielregeln gefunden werden: Wer ist dran? Wer darf wen fangen? Wer behält den Überblick, wenn sich Regeln ändern?

Im Vorfeld der jeweiligen Sonntagsvorstellungen werden spielerische, bewegte Einführungen mit den Kulturvermittlerinnen des Festspielhaus St. Pölten angeboten. An den darauffolgenden Montagen (FLI am 19. Oktober 2020, Neun am 01. März 2021, Du bist dran! am 19. April 2021) finden Schulvorstellungen mit anschließenden Publikumsgesprächen und Workshops statt.

Ersatztermin für die Corona-bedingte Absage in der Saison 2019/2020: #ALLETANZEN

Sylvain Émards großes Community-Tanzprojekt
Neben zahlreichen Veranstaltungsabsagen, zwang das Coronavirus im März 2020 auch das größte Community-Projekt der Saison 2019/2020 in die Knie. Nachdem im Jänner 2020 die mehrtägigen Castings für Sylvain Émards Le Grand Continental: alle tanzen bereits absolviert waren – es wurden rund 200 LaientänzerInnen ausgewählt – mussten sämtliche, ab Mitte März 2020 stattfindenden Probenphasen, abgesagt werden. Das großangelegte Tanzprojekt konnte jedoch in die Saison 2020/2021 gerettet werden: Die abschließende Tanz-Performance, Highlight eines intensiven, mehrmonatigen Probenprozesses, findet am 28. Mai 2021 statt. Alle bereits gecasteten TeilnehmerInnen sind herzlich dazu eingeladen, weiterhin am Projekt teilzunehmen. Um mögliche Ausfälle im Cast zu kompensieren, werden weitere Castings abgehalten. Infos zum weiteren Projektverlauf sollen folgen.

Le Grand Continental
Nach Montréal, Mexico City, Seoul, Santiago de Chile und Wellington lässt Sylvain Émards partizipatives Open-Air-Spektakel Le Grand Continental: alle tanzen am 28. Mai 2020 (17.30 & 22.00 Uhr) das Herz des Kulturbezirk St. Pölten zu einer riesigen Bühne werden. Bei freiem Eintritt performen 150 bis 200 lokal gecastete LaientänzerInnen (von 10 bis 75 Jahren) Émards charakteristische Liaison aus traditionellen Elementen des Line Dance und zeitgenössischem Tanz.

Der kanadische Choreograf Sylvain Émard kreierte erstmals 2009 für das Montréal Festival TransAmériques mit 65 Laientänzerinnen und -tänzern Le Grand Continental, eine von Line Dance inspirierte zeitgenössische Choreografie. Zwei Jahre später verdreifachte sich der Cast in Le Grand Continental XL, um sich im Jahr 2017 bei Le Super Méga Continental mit 327 Teilnehmenden und 21.000 begeisterten Zusehern sogar noch einmal zu verdoppeln. Das Projekt erfreute sich eines dermaßen großen Erfolgs und Zuspruchs vonseiten des Publikums, dass das Konzept u. a. in Boston, Seoul, Wellington, Mexiko City und Santiago de Chile mit einem lokalen Cast von 75 bis 160 Laien weitergeführt wurde.

Das Erfolgsrezept Émards ist gleichermaßen simpel wie wirkungsvoll: In einer dreimonatigen intensiven Probenzeit lernen sich die lokal und unabhängig von Alter, Statur und tänzerischer Erfahrung gecasteten TeilnehmerInnen kennen – sie trainieren, lachen und schwitzen gemeinsam und testen ihre persönlichen Grenzen aus, um letztlich etwas Großartiges zu schaffen.

Nach der Europa-Premiere bei den Potsdamer Tanztagen im Jahr 2018, kommt das Projekt in der Ausprägung Le Grand Continental XL in der Saison 2020/2021 als erst zweite Kreation am europäischen Kontinent ans Festspielhaus St. Pölten. In einem mehrmonatigen Prozess von Februar bis Mai 2021 erarbeiten die LaientänzerInnen mit Sylain Émard den großen Open-Air-Showdown.

ZEITGENÖSSISCHER CIRCUS

Mit drei außergewöhnlichen Circus-Produktionen zeigt sich der fünfte Kontinent in der Saison 2020/2021 von seiner akrobatischen Seite. Gravity & Other Myths aus dem südaustralischen Adelaide kommt mit gleich zwei Produktionen im Herbst nach St. Pölten: In A Simple Space (ab 10 Jahren) erobern sieben AkrobatInnen am 30. Oktober 2020 sowohl die Vertikale als auch die Horizontale und gehen dabei im intimen Bühnen-Setting mit dem Publikum auf Tuchfühlung. Statt Make-up-Maskerade, ablenkender Effekte und theatraler Überspitzung kommen die ArtistInnen von Weltrang den ZuschauerInnen in Rundumbestuhlung so nah wie nie zuvor und erzählen, neben aller Virtuosität und Präzision, in einer entwaffnenden Ehrlichkeit auch von der Realität des Scheiterns. (Premiere: März 2013, Adelaide)

Out of Chaos… lautet das Motto des zweiten Gastspiels von Gravity & Other Myths am dritten Adventwochenende. Die Compagnie kehrt nur wenige Wochen nach ihrem Auftritt im Oktober am 12. und 13. Dezember 2020 mit ihrer neuesten Kreation zurück ans Festspielhaus und wagt eine 70-minütige, spektakuläre Entdeckungsreise mitten ins Chaos von Leben und Sein. Regisseur Darcy Grant lässt unser scheinbar geordnetes Verständnis vom Hier und Jetzt gekonnt auf die unbändige, schöpferische Kraft des Chaos treffen und formt daraus eine Geschichte über die großen Zusammenhänge: Wie fügen sich Menschen und Planeten ineinander? Wie Publikum, PerformerInnen, Sound- und Lichtdesign? Wie formen uns unsere Gedanken und definieren auf diese Weise, wie wir unsere Welt verstehen? (Premiere: 01. März 2019, Adelaide)

Dem Festspielhaus-Publikum bereits bestens vertraut ist Circa Contemporary Circus aus dem australischen Brisbane. Die virtuosen ArtistInnen sorgten in den vergangenen Spielzeiten u.a. mit Circa‘s Peepshow (Saison 2019/2020) und Karneval der Tiere (Saison 2016/2017) für beste Unterhaltung. In Koproduktion mit La Strada Graz und in Zusammenarbeit mit dem Festspielhaus gastiert die preisgekrönte Compagnie unter der Leitung von Yaron Lifschitz im Frühling 2021 mit Leviathan in St. Pölten. Was diese Kreation besonders macht, ist das Aufeinandertreffen von 18 Circa-ArtistInnen mit drei Gruppen von jeweils sechs heimischen KünstlerInnen. Gemeinsam mit dem österreichischen Cast bestehend aus Jugendlichen, Circus-ArtistInnen und TänzerInnen bildet das Circa-Ensemble den Körper des Leviathan, jenes biblisch-mythologischen Monsters, das laut Thomas Hobbes über allem steht und die Welt lenkt. In beeindruckenden Bildern wird am 13. & 14. März 2021 gezeigt, was durch Zusammenhalt erreicht werden kann. (Premiere: Februar 2020, Perth)

UNTERHALTUNGSMUSIK

Jazz, Weltmusik und Klassik im Crossover
Jazz, Weltmusik und Klassik im Crossover bilden neben zeitgenössischen Tanz und Orchestermusik die dritte Programmsäule des Festspielhauses. Musikkuratorin Constanze Eiselt holt in der Saison 2020/2021 Top-Acts nationaler und internationaler Musikgrößen nach St. Pölten. Die Genres sind dabei so vielfältig wie die InterpretInnen selbst: Der Bogen spannt sich von Alpenrock, Indie und Jazz über Soul, Tango Nuevo und Ragtime bis hin zu Chanson, Afropop, House, Techno und A-cappella.

Von den Anfängen als Alpenrocker mit dem Hiatamadl über seine Expeditionen nach Tibet und Afrika, seine Linz-Europa-Tour auf einem umgebauten Lastschiff bis zum bahnbrechenden Erfolg von Brenna tuats guat: Den Anfang der Unterhaltungsmusik-Konzertreihe bestreitet niemand Geringerer als Hubert von Goisern. Nach einer mehrjährigen Schaffenspause begibt sich der Ausnahmemusiker mit einem brandneuen Album im Gepäck auf eine ausgedehnte Tour im deutschsprachigen Raum und tritt am 16. Oktober 2020 ins Rampenlicht des Festspielhaus St. Pölten.

Die japanische Musikerin Hiromi gilt als eine der weltweit besten Jazzpianistinnen unserer Zeit. Am 23. Oktober 2020 präsentiert sie präzise Interpretationen bestehender Werke und aufsehenerregende Eigenkompositionen aus ihrem neuen Album Spectrum.

Memphis… Yes I‘m Ready – mit einer bewegenden Liebeserklärung an ihre Heimatstadt in Albumformat kehrt Jazzlegende Dee Dee Bridgewater am 07. November 2020 ins Festspielhaus zurück: „Ich will dieser Stadt, die wir Soulsville nennen, Ehre erweisen. Sie war immer ein Teil von mir“, so Bridgewater. Zwischen R‘n‘B und Soul angesiedelt, erforscht die dreifache Grammy-Gewinnerin auf ihrer neuesten Platte teilweise unbekannte Regionen ihrer Vokalperformance.

Mit Peter Simonischek kehrt ein veritabler Publikumsliebling zurück ans Festspielhaus und erzählt im Advent von der langsamen Zeit und vorweihnachtlicher Entschleunigung. Mit dem Blechbläserensemble Federspiel und dem oberösterreichischen Chor Academy Singers spannt sich der musikalische Bogen am 29. November 2020 von klassischen Weihnachtsliedern über Raritäten aus der Volksmusik bis zu spanischen „villancicos navideños“ und modernen Klangexperimenten.

Helge Schneider ist Kult. Der Meister des Non-Sense wirft mit seinem Programm Die Wiederkehr des blaugrünen Smaragdkäfers erneut mehr Fragen auf, als es Antworten gibt. Seine unberechenbaren Gedankengänge winden sich am 08. Dezember 2020 im Festspielhaus zwischen absurdem Theater, Jazz und kritischer Auseinandersetzung mit der Welt.

Mit dem Quinteto Astor Piazzolla erlebt man das Erbe des weltberühmten, 1921 in Argentinien geborenen Komponisten, am 23. Jänner 2021 im originalgetreuen Klang. Als einzige Formation, die Zugriff auf den gesamten künstlerischen Nachlass hat, ergründen die fünf brillanten Musiker im Programm 100 Jahre Astor Piazzolla die Vielfalt eines einzigartigen Gesamtwerks.

Die Roaring Twenties sind zurück: Für die Erfolgsserie Babylon Berlin gegründet, hat sich das Moka Efti Orchestra vom Filmgeschäft emanzipiert und lässt mit mitreißenden Interpretationen aus Swing, Jazz und Ragtime aufhorchen – am 19. Februar 2021 gemeinsam mit der Künstlerin Severija im Festspielhaus St. Pölten.

Cameron Carpenter gilt als avantgardistischer Ausnahmekünstler und visionärer Musik-philosoph, der die Pfeifenorgel aus der Kirche raus und in den Konzertsaal hinein gebracht hat. Mit seiner eigens angefertigten „International Touring Organ“ spielt sich Carpenter am 26. Februar 2021 durch Klassik und Moderne.

Etta Scollo landete mit Oh! Darling einen Nummer-eins-Hit im Österreich der Achtzigerjahre. In ihrem neuen Album Il Passo Interiore singt die „Stimme Siziliens“ am 12. März 2021 u.a. vom Schicksal und von Menschlichkeit in Zeiten humanitärer Krisen.

Jedermann als postapokalyptische Rockversion mit Orchester: Der vielseitige Schauspieler Philipp Hochmair gastiert mit der Philharmonie Salzburg und der Band Die Elektrohand Gottes am 01. Mai 2021 und zeigt sein gefeiertes Projekt Jedermann Reloaded im Festspielhaus. Über hundert Jahre nach Hugo von Hofmannsthal inszeniert Hochmair seinen Jedermann als Rockstar und offenbart, wie zeitlos diese Figur und ihre Sinnsuche sind: Was geschieht mit einem Menschen in der Stunde seines Todes? Wohin verschwinden seine Bedürfnisse, seine Gier nach Geld und Rausch? Und was bleibt von diesem Leben zurück?

Die Münchner Erfolgsformation Jazzrausch Bigband sorgt für musikalische Ekstase, wenn sie orchestrale Opulenz auf House und Techno treffen lässt. Am 08. Mai 2021 werden hierfür die vordersten Sitzreihen im Festspielhaus einer Tanzfläche weichen.

Monteverdi trifft auf Nat King Cole: Das achtköpfige A-cappella-Ensemble VOCES8 lässt in seinem neuesten Projekt Sing Joyfully Werke zeitgenössischer KünstlerInnen auf Komponisten der Renaissance wie Orlando Gibbons und William Byrd treffen. Das facettenreiche Repertoire des Oktetts ist am 20. Mai 2021 zu erleben.

Ersatztermin für die Corona-bedingte Absage in der Saison 2019/2020: Der virtuos-exzentrische kanadische Pianist Chilly Gonzales beehrt, stilecht und seinem Image getreu in Bademantel und Pantoffeln gekleidet, am 02. Juni 2021 St. Pölten. Ob er nun Evergreens aus Pop und Rock am Kragen packt und sie durch die Untiefen der Klassik-Welt zieht, oder Pop-Meilensteine von Nirvana bis Britney Spears zerlegt – Chilly Gonzales begeistert auf höchstem Niveau

ONSTAGE-KONZERTE

Stehkonzerte in hipper Clubatmosphäre: Im OnStage-Setting bei geschlossenem Eisernen Vorhang wird die Hinterbühne zum Dancefloor. So kann am 27. November 2020 zur Musik des österreichischen Indie-Rock-Duos Cari Cari getanzt werden, während Dobet Gnahoré, Königin eines zukunftsgerichteten Afropops, den Sound der Elfenbeinküste am 28. April 2021 nach St. Pölten bringt.

TONKÜNSTLER-ORCHESTER

Mit Carl Orffs szenischer Kantate Carmina Burana beginnt am 05. Oktober 2020 die neue Konzertsaison des Tonkünstler-Orchesters im Festspielhaus St. Pölten. In der Saison 2020/2021 begegnet das klassische symphonische Repertoire einigen Wieder- und Neuentdeckungen. Die großen Traditionen der Symphonik spiegeln sich in Meisterwerken von Franz Schubert, Johannes Brahms, Anton Bruckner, Antonín Dvořák und Gustav Mahler wider. Highlights der Orchestermusik wie Antonín Dvořáks neunte Symphonie Aus der Neuen Welt (30. November 2020), Gustav Mahlers erste Symphonie (22. März 2021) und Franz Schuberts Große C-Dur-Symphonie (14. Dezember 2020) begegnen herausragenden Orchesterwerken wie Igor Strawinskis Le Sacre du Printemps (21. Dezember 2020) und der Scheherazade (10. Mai 2021) von Nikolai Rimski-Korsakow. Aufführungen von Werken des chinesischen Komponisten Qigang Chen (10. Mai 2021) und des Franzosen Bruno Mantovani (07. Juni 2021) sichern der Musik der Zeitgenossen wieder ihren Platz im Konzertprogramm. Herausragende DirigentInnen leiten auch in der Saison 2020/2021 Konzerte der Tonkünstler: In den Abonnementreihen im Festspielhaus St. Pölten debütieren Mei-Ann Chen (30. November 2020), Long Yu (10. Mai 2021) und Patrick Hahn (26. April 2021). Robert Trevino (09. November 2020), Krzysztof Urbański (21. Dezember 2020), Jun Märkl (12. April 2021) und François Leleux (31. Mai 2021) kehren als Gastdirigenten zum Orchester zurück. Renommierte GastsolistInnen präsentieren Virtuosenkonzerte aus vier Jahrhunderten, darunter Bestseller wie das dritte Klavierkonzert von Sergej Rachmaninow, gespielt von Alexander Ullman (22. Februar 2021). Alice Sara Ott (31. Mai 2021) kehrt mit dem zweiten Klavierkonzert von Camille Saint-Saëns zu den Tonkünstlern zurück, Emmanuel Tjeknavorian (21. Dezember 2020) mit dem ersten Violinkonzert von Max Bruch. Zum ersten Mal gastieren die Brüder Lucas & Arthur Jussen (12. April 2021) beim Orchester und gestalten das Konzert für zwei Klaviere, Schlagzeug und Orchester von Béla Bartók. Der Schlagzeuger Colin Currie (07. Juni 2021) wird mit der österreichischen Erstaufführung von Bruno Mantovanis Allegro barbaro für Schlagwerk und Orchester erwartet. Außerdem stehen traditionell drei Aufführungen des Neujahrskonzerts unter der bewährten Leitung von Alfred Eschwé (01. und 06. Jänner 2021) am Programm.

PLUGGED-IN MIT DEN TONKÜNSTLERN

Die Plugged-In-Konzerte des Tonkünstler-Orchesters sind Garant für unkonventionelle musikalische Begegnungen und spannende Crossover-Erlebnisse mit nationalen und internationalen Größen aus Pop, Jazz oder Weltmusik. In der Saison 2020/2021 begrüßt das Residenzorchester an drei Abenden außergewöhnliche VokalkünstlerInnen. Unter dem Motto Cuban Voices eröffnet die kubanische A-cappella-Formation Vocal Sampling die Konzertreihe am 13. Oktober 2020 mit temperamentvollen Arrangements, am Pult der Tonkünstler steht Timothy Redmond. Mit Fado de Lisboa bringt der portugiesische Fado- Star Camané am 27. März 2021 die sanfte Melancholie der „Saudade“ zum Klingen. Die Tonkünstler stehen an diesem Abend unter der Leitung ihres langjährigen Gastdirigenten Wayne Marshall. Die Wahlwienerin Ankathie Koi, eine der spannendsten Erscheinungen der österreichischen Musikszene, beschließt die Reihe am 21. April 2021 mit Elektro-Pop und 80er-Jahre-Beats. Herbert Pichler dirigiert das Tonkünstler-Orchester.

KAMMERMUSIK

Sechs Kammermusik-Abende sind in der Saison 2020/2021 Garant für musikalischen Genuss in der traulich-unmittelbaren Atmosphäre des Kleinen Saals. Den Anfang machen Raphaela Gromes am Violoncello und Julian Riem am Klavier mit Werken von Jacques Offenbach, dessen Ruf als Cello-Virtuose nur allzu oft verkannt wird, und Johannes Brahms.

Höhepunkt des Abends am 05. November 2020 ist jedoch Richard Strauss‘ lange Zeit als verschollen geglaubte Sonate in F-Dur aus dem Jahr 1881.

Zum Ende des Beethovenjahrs 2020 widmet sich das Kreisler Trio Wien den Anfängen des großen Komponisten. Virtuos führt das renommierte Kammermusikensemble durch dessen Serenade aus den 1790er-Jahren und lässt auch Beethovens Septett in Es-Dur, das von Mozarts Divertimenti hörbar inspiriert ist, erklingen. Tobias Artner liest am 03. Dezember 2020 zudem aus Beethovens Briefen und dem Heiligenstädter Testament.

Ein literarisches und klangliches Kaleidoskop der Liebe mit Werken von Boccaccio und Dante über Christine Lavant und Ingeborg Bachmann bis hin zu Gabriel Fauré und Christoph Willibald Gluck: Cornelius Obonya und das Ensemble Wild gastieren am 11. Februar 2021 mit dem Abend Liebe soll sein!

Mit Ray Chen an der Violine und Alice Sara Ott Klavier sorgen am 17. März 2021 zwei Publikumslieblinge für exquisites Hörvergnügen im Kleinen Saal. Auf dem Programm stehen Werke von Edvard Grieg, Igor Strawinski und César Franck.

Vor über 40 Jahren von Dirigent Bijan Khadem-Missagh gegründet, avancierte das Festival Allegro Vivo zum Aushängeschild für das exzellente Niveau der niederösterreichischen Musikkultur. Unter der nunmehrigen Leitung von Vahid Khadem-Missagh präsentiert die Academia Allegro Vivo am 15. April 2021 Las Cuatro Estaciones Porteñas des Tango-Nuevo-Begründers Astor Piazzolla. Aber auch Beethovens Kreutzer-Sonate sowie die Suite Nr. 3 von Ottorino Respighi werden zu hören sein.

Ersatztermin für die Corona-bedingte Absage in der Saison 2019/2020: Der japanische Pianist Nobuyuki Tsujii sorgte bereits 2018 als Gastsolist des Tonkünstler-Orchesters für Begeisterungsstürme. Am 19. Mai 2021 kehrt der blinde Publikumsliebling im Rahmen eines Kammermusikabends zurück ans Festspielhaus.

KULTURVERMITTLUNG

Das viertägige Kreativ-Workshop-Festival Jugendklub findet bereits zum zwölften Mal statt und macht von 29. Oktober bis 01. November 2020 das Festspielhaus, den Kulturbezirk und die Stadt St. Pölten zur Bühne für junge Kreative. Aus einem Angebot von zehn Workshops aus den Bereichen Tanz & Schauspiel, Parkour & Freerunning, Musik & Songwriting sowie Kunst & Design können Gleichgesinnte zwischen 15 und 25 Jahren unter professioneller Anleitung von KünstlerInnen ihre Talente erproben und neue Ausdrucksformen für sich entdecken.

Über Altersgrenzen und soziale Hintergründe hinweg öffnet sich das Festspielhaus St. Pölten mit seinem breitgefächerten, künstlerischen Kulturvermittlungsprogramm für alle Menschen. In regelmäßig stattfindenden Workshops werden etwa die Mitglieder von vier Communities aktiv: Im Atelier für Alle treffen leidenschaftliche TänzerInnen jeden Alters aufeinander, der Chor 50 plus vereint seit zehn Jahren begeisterte SängerInnen ab 50 (+/-), im Weltchor wird die gesangliche und menschliche Diversität zelebriert und ihre Freude an Tanz und Bewegung teilen SeniorInnen bei Tanz 60 plus. Ihre Kreationen zeigen die TeilnehmerInnen bei diversen Veranstaltungen in der Stadt St. Pölten sowie bei Partnerinstitutionen.

Jungen Tanzschaffenden – Young Professionals – wird über die ganze Saison hinweg mit den Masterclasses (regular 2-3 Stunden sowie intensive 4-5 Stunden) eine Möglichkeit geboten, gemeinsam mit den internationalen Compagnien auf den Festspielhaus-Probebühnen zu trainieren. Nach ausgewählten Tanzabenden bieten Moderierte Stammtische dem Publikum die Möglichkeit, das Gesehene gemeinsam zu besprechen und Eindrücke zu teilen.

Bei vielen Veranstaltungen werden kostenlose Einführungen geboten, welche von aufschlussreichen Vorträgen und Gesprächen mit KünstlerInnen bis zu bewegten Einführungen mit den KulturvermittlerInnen reichen. Backstage-Führungen vor den Konzerten der OnStage-Reihe und Erlebnis-Hausführungen komplettieren das vielfältige Angebot.

Seit über 15 Jahren baut das Tonkünstler-Orchester mit den Tonspielen eine Brücke zwischen klassischer Musik und jungem Publikum. In moderierten und inszenierten Konzerten wird Musik mit allen Sinnen erlebbar. Die Konzertreihe startet mit einem multimedialen Konzerterlebnis rund um das Element Wasser am 12. November 2020: In Johanna Doderers Komposition Der große Regen ist es ein innerer Regen, ein alles überschwemmender musikalischer Gedanke. Der junge deutsche Komponist Sven Daigger vertont ein Gedicht von Christian Morgenstern, das die zerstörerische Kraft des Meeres heraufbeschwört. Und der chinesische Komponist Tan Dun widmet sich im spektakulären Water Concerto seinen Kindheitserinnerungen und verwendet dafür höchst ungewöhnliche „Wasserinstrumente“. Wasser.fest, unter der Konzeption von Axel Petri-Preis, ist für alle von 11 bis 99 Jahren empfohlen.

In einer Mischung aus Schauspiel und Konzert sorgt der beliebte Kinderbuchklassiker Es klopft bei Wanja in der Nacht am 15. Dezember 2020 für große Abenteuer! Regisseurin Annechien Koerselman inszeniert das Kammerspiel mit zwei Musikern der Tonkünstler für Kinder von 04 bis 07 Jahren.

Einen sprichwörtlichen Kampf gegen Windmühlen führt Don Quichotte in einem Konzert mit Schauspiel am 26. Jänner 2021 unter der Regie von Nina Kupczyk. Das Tonkünstler- Orchester steht unter der Leitung von Lorenz C. Aichner und spielt Werke von u.a. Richard Strauss.

In Lilly Axsters fantasievoller wie skurriler Geschichte Wenn ich groß bin, möchte ich frau*lenzen entwirft die achtjährige Protagonistin eine eigene Welt, in der sie so manch brenzlige Situation meistern muss und königlich über sich hinauswachsen wird. In der Produktion des Dschungel Wien verwandelt sich das liebevoll gezeichnete Kinderbuch auf der Bühne in ein lebendiges Schauspiel für Groß und Klein. Im Rahmen von KiJuBu finden von 23. bis 26. März 2021 Vormittags-Schulvorstellungen, Workshops und Publikumsgespräche statt. Eine Familienvorstellung steht am 26. März 2021 um 16.00 auf dem Programm. Für alle ab 6 Jahren.

BILANZ DER SAISON 2019/2020

Im Zeichen des Coronavirus
Die weltweite Ausbreitung des Coronavirus (SARS-CoV-2) veranlasste die österreichische Bundesregierung im März 2020 zu bisher kaum dagewesenen Einschränkungen des öffentlichen Lebens: Das Festspielhaus St. Pölten musste daraufhin etappenweise alle Veranstaltungen bis zum Saisonende im Juni 2020 absagen. Insgesamt wurden 23 Eigenveranstaltungen (ohne Kulturvermittlungsangebot) im Zeitraum vom 10. März bis 05. Juni 2020 abgesagt. Mit Buchungsstand 10. März 2020 sind davon Kartenerlöse in Höhe von EUR 312.665,50 betroffen. So dispositionell möglich, wird aktuell an der Verschiebung einzelner Veranstaltungen in die Saisonen 2020/2021 sowie 2021/2022 gearbeitet.

Der Vergleichszeitraum für die vorläufige Saisonbilanz wird infolgedessen vom standardmäßigen 31. März auf den 10. März (Veröffentlichung des Erlasses der Bundesregierung) vorverlegt. In der Saison 2019/2020 konnte mit EUR 634.085,76 das hohe Niveau der Kartenerlöse aller Eigenveranstaltungen gehalten werden (Vgl. 2018/2019 mit Stichtag 10. März 2019: EUR 638.799,64). Gleichermaßen pendelte sich die Anzahl der BesucherInnen mit 27.611 auf das Level der vorangegangenen Saison ein (Vgl. 2018/2019 mit Stichtag 10. März 2019: 27.733). Mit 85,4% liegt die Auslastung aller Eigenveranstaltungen mit Stichtag 10. März 2020 leicht unter dem Wert der vorangegangenen Saison (88,7%). Laut Prognosen hätte die Auslastung aller Eigenveranstaltungen zu Saisonende 2019/2020 ohne Corona-bedingte Absagen ziemlich exakt an das hohe Niveau der Saison 2018/2019 (Stichtag 30. Juni 2019: 88,2%) herangereicht.

Das Festspielhaus St. Pölten wird in der Saison 2020/2021 69 Eigenveranstaltungen aus Tanz, Ballett, Orchester- und Kammermusik sowie Jazz, Weltmusik und zeitgenössischem Circus präsentieren, davon finden 49Veranstaltungen im Großen Saal, 10 im Kleinen Saal, 8 auf der Bühne sowie 2 Open-Air am Festspielhaus-Vorplatz statt. Als Gastgeber für weitere 22 Kooperations- und Fremdveranstaltungen öffnet das Festspielhaus in der Saison 2020/2021 seine Türen.

Festspielhaus St. Pölten

Das Festspielhaus St. Pölten ist ein Ort der aktiven Begegnung von Tanz, Musik und Architektur. Renommierten Künstlerpersönlichkeiten wird eine Bühne in einer der markantesten Theaterbauten Österreichs geboten, die durch die zeitlos-elegante Formsprache des Architekten Klaus Kada besticht. Internationale Größen des zeitgenössischen Tanzes, Stars aus Jazz und Weltmusik und nicht zuletzt das Tonkünstler-Orchester als hauseigenes Residenzorchester bieten ein weit über Landes- und Bundesgrenzen hinweg beachtetes Programm. Darüber hinaus bereichern zeitgenössische Circuscompagnien, Kammermusikensembles, OnStage-Konzerte sowie Familienvorstellungen den an Vielseitigkeit kaum zu überbietenden Spielplan. Über diese hochkarätige und international relevante Programmierung hinaus bietet ein facettenreiches Kulturvermittlungsangebot dem Publikum über jegliche Altersgruppen oder sozialen Hintergründe hinweg die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden, mitzuwirken und in einen unmittelbaren Austausch mit den KünstlerInnen zu treten.

Diese Grundhaltung spiegelt sich auch in der zeitgenössischen Architektur des Gebäudes wider: Mit den zahlreichen Blickfeldern nach außen und ins Innere öffnet sich das Festspielhaus St. Pölten in alle Richtungen. Nicht nur im Hinblick auf Kunst und Kultur, sondern auch gegenüber all jenen Menschen, die es besuchen und mitgestalten.

festspielhaus.at