Festspielhaus Baden-Baden: Philippe Jaroussky singt Lieder von Franz Schubert

Jérôme Ducros und Philippe Jaroussky (© Simon Fowler)

Philippe Jaroussky gilt als einer der besten Countertenöre der Gegenwart. In seinem aktuellen Programm widmet er sich einer persönlichen Leidenschaft: der deutschen Romantik. In Begleitung des Pianisten Jérôme Ducros gastiert er am Freitag, 7.Februar 2020 um 20 Uhr im Festspielhaus Baden-Baden mit Liedern von Franz Schubert.

Eigentlich sind für Countertenöre barocke Arien naheliegendes Repertoire, doch Philippe Jaroussky will sich keineswegs darauf beschränken lassen. Schließlich sind die Kastratenstimmen, für die Händel, Porpora und ihre Zeitgenossen komponierten, mit denen eines Countertenors ohnehin nicht gleichzusetzen. So öffnete sich Jaroussky bereits vor einigen Jahren Liedern des französischen Fin de Siècle und versprach damals: „In zehn Jahren gebe ich einen Schumann-Schubert-Rezital. Versprochen.“ Nur fünf Jahre hat es gedauert und er setzt seinen Plan in die Tat um: Am 7. Februar überrascht der französische Countertenor das Publikum im Festspielhaus mit einem Programm, in dem er mit Werken von Franz Schubert das deutsche Lied erobert.

Der 1978 geborene Philippe Jaroussky studierte Violine, Klavier und Komposition an den renommierten französischen Musikakademien von Versailles und Boulogne. Sein Gesangsstudium begann er 1996 bei Nicole Fallien, daran schlossen sich Studien in Alter Musik bei Michel Laplenie und Kenneth Weiss an der Pariser Ecole de Musique National-Régional an.

Sein vielfältiges Repertoire umfasst sowohl die Raffinesse des italienischen Seicento mit Monteverdi, Sances und Rossi als auch die schillernde Virtuosität mit Händel und Vivaldi. Neben bekannten Arien der Barockzeit widmet er sich auch vergessenem Repertoire, französischen Liedern und zeitgenössischen Werken. So komponierte u.a. Marc-André Dalbavie für ihn „Sonnets de Louise Labé“. Darüber hinaus war er Teil der Uraufführung von Kaija Saariahos „Only the Sound Remains“ am Het Muziektheater Amsterdam. Philippe Jaroussky arbeitet mit führenden Barockorchestern zusammen und feiert in renommierten Konzerthäusern – wie etwa im Eröffnungskonzert der Elbphilharmonie – und bei namhaften Festivals große Erfolge. Im Jahr 2002 gründete er das Ensemble Artaserse, mit dem er europaweit konzertiert. 2017 eröffnete er die Académie Musicale Philippe Jaroussky, welche Kinder im Zugang zu klassischer Musik und talentierte junge Musikerinnen und Musiker durch umfangreichen Unterricht und Prüfungsvorbereitungen unterstützt. Das französische Kultusministerium erhob Philippe Jaroussky zum Officier de l‘Ordre des Arts et des Lettres.

Mühelos klettert seine Stimme in hohe Sopranlagen und bewältigt virtuoseste Koloraturen nuancenreich und mit schwebender Leichtigkeit. Kein Wunder, dass Philippe Jaroussky bereits zahlreiche Preise erhielt. So wurde er bereits vier Mal bei den Victoires de la Musique als „Sänger des Jahres“ ausgezeichnet. Ebenfalls wurde er dreifach mit einem ECHO Klassik ausgezeichnet, erstmals 2008 als erster Countertenor in der Geschichte des Preises. Des weiteren zeugen Goldene Schallplatten in Frankreich, Diapason d’Or, Choc du Monde de la Musique und Gramophone Award von seinen Erfolgen.

Der Philippe Jaroussky begleitende Pianist Jérôme Ducros studierte Klavier bei François Thinat, Gérard Frémy und Cyril Huvé. Der Gewinner der Umberto Micheli International Piano Competition ist sowohl als Komponist als auch als vielseitiger Pianist tätig. Des weiteren veröffentlichte Jérôme Ducros eine Reihe von theoretischen Werken über die musikalische Sprache und ihre Bedeutung. Als vielgefragter Kammermusiker spielt er regelmäßig auf Konzerten und bei Aufnahmen mit – neben Philippe Jaroussky – Renaud und Gautier Capuçon, Jérôme Pernoo und Bruno Philippe. Ducros ist als Pianist auf den größten Bühnen weltweit zu erleben, wie der Berliner Philharmonie, dem Musikverein Wien, Wigmore und Carnegie Hall, dem Concertgebouw, dem Gran Teatre del Liceu Barcelona, dem Mariinskytheater oder der Tokyo City Opera.

Wenn von frühreifen Genies die Rede ist, zitiert man zuerst gerne Mozart, der im Alter von 35 Jahren starb. Doch auch Schubert ist in seiner Art einzigartig, schrieb er doch rund sechshundert Lieder und veränderte damit die Geschichte der Vokalmusik, bevor er mit nur 31 Jahren starb. Die deutsche Volkskunst ist von einer langen lyrischen Tradition geprägt und die Idee, seine inneren Qualen mit der Stimme auszudrücken und dabei die Schönheit der deutschen Sprache zu verherrlichen, liegt schon dem Minnesang des 12. Jahrhunderts zugrunde, ebenso Volks- und Kirchenliedern. Dabei ist der Text eines Liedes – im Gegensatz zu manchen Opern – nie ein Vorwand, sondern fester Bestandteil des Werks und steht in ständigem Dialog mit der Partitur. Dem hat Schubert insbesondere Rechnung getragen, indem er für seine Lieder überwiegend bedeutende Autoren wählte. Über die Sprache hinaus, erweisen sich Schuberts Lieder als charakteristisch für den deutschen romantischen Geist. Wäre er ein Maler, dienten ihm die verschiedenen Gesangstechniken gewissermaßen als Pinsel und die komplexe Sinnlichkeit des Klaviers als Hintergrund. Seine Farbenpalette – um im Bild zu bleiben – bewegt sich zwischen den dunklen Blautönen, dem ungreifbaren Schwarz der Dämmerung und dem malvenfarbenen Dunst der Zauberwälder der Phantasie. Die Faszination seiner Lieder liegt demnach wohl in der Tiefe verborgen – unter der Partitur, unter dem Text, unter der Musik selbst. Schon Pierre Boulez postuliert: „Die Geschichte der Musik wäre die nicht gleiche, wenn Schubert nicht gelebt hätte.“ Schön, dass wir heute seine Musik genießen können.

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