Festivalteam der Ruhrtriennale blickt zufrieden auf die erste Ausgabe unter neuer Intendanz

Barbara Frey, Intendantin der Ruhrtriennale 2021-2023, in der Jahrhunderthalle Bochum © Daniel Sadrowski

Kurz vor Ende der diesjährigen Ruhrtriennale am 25. September blickt das Team um die neue Intendantin und Theaterregisseurin Barbara Frey zufrieden auf das Festival.

„Der Wunsch nach einem intensiven und künstlerisch inspirierenden Erlebnis ist für uns in Erfüllung gegangen,“ so eine vorläufige Bilanz von Barbara Frey, Intendantin der Ruhrtriennale 2021-2023. „Wir konnten – trotz der Dynamik der andauernden Pandemie – ein internationales Festival der Künste mit Kunstschaffenden sowohl aus einer Vielzahl von Ländern als auch der Region realisieren. Die Sehnsucht des Publikums nach unmittelbar erlebbarer Kunst zeigte sich auch in der hohen Kartennachfrage und war uns eine große Freude. Für das uns entgegengebrachte Vertrauen möchte ich mich gleichermaßen bei unserem Publikum, den Künstlerinnen und Künstlern sowie dem gesamten Team herzlich bedanken.“

Zu den Veranstaltungen der letzten Festivalwoche, für die es sich Restkarten zu sichern gilt, zählen das Konzert „Spettro“ des Komponisten und Musikers Fritz Hauser am 22. September im Rahmen der Reihe „MaschinenHausMusik“, das Popkonzert von Perera Elsewhere am 23. September und „Fumeux Fume“ mit dem Huelgas Ensemble am 24. und 25. September. Für diejenigen, die für das ausverkaufte Konzert „Nachtraum“ am 25. September keine Karten mehr erwerben konnten, besteht die Möglichkeit, die Veranstaltung zu einem späteren Zeitpunkt auf WDR 3 zu hören.

Darüber hinaus sind folgende Arbeiten noch bis Festivalende geöffnet – allesamt verstehen sich auch als Einladung zum Verweilen wie die Pappelwaldkantine sowie die Festivalbibliothek vor der Jahrhunderthalle Bochum: „21 – Erinnerungen ans Erwachsenwerden“ des Künstlers Mats Staub zeigt ein Jahrhundert in bewegenden Porträts und ist in seiner imposanten Größe in der Turbinenhalle an der Jahrhunderthalle Bochum zu sehen. Entstanden auf verschiedenen Kontinenten, sind den auf Film gebannten Erinnerungen, vom Beginn des zweiten Weltkriegs bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie, weitere Geschichten von elf Menschen aus dem Ruhrgebiet hinzugefügt worden. Als Beitrag zur diesjährigen Ruhrtriennale lädt Urbane Künste Ruhr zu der Installation „Absorption“ noch bis zum 25. September in das ehemalige Allbauhaus in der Essener Innenstadt ein. Die Arbeit des US-Amerikaners Asad Raza überzeugt durch eine große sinnliche Kraft und basiert auf dem Kultivieren von Erde. Während der Ausstellungslaufzeit ist ein Team von „Cultivators“ vor Ort, das unter wissenschaftlicher Begleitung die Erde filtert, in ihre Bestandteile zerlegt, analysiert und neu mischt. Die neue Erde wird an Besucherinnen und Besucher, Kleingartenvereine und soziale Einrichtungen weitergegeben.

Jenseits der Spielstätten, kostenfrei, zumeist an frischer Luft und rund um die Uhr, per Straßenbahn, Fahrrad oder zu Fuß, allein oder gemeinsam laden uns regionale Kunstschaffende dazu ein, die Wege zwischen den Spielorten der Ruhrtriennale in Bochum, Duisburg, Essen und Gelsenkirchen zu entdecken. Einzig nötig für das „Wege“-Projekt: ein Smartphone und Kopfhörer.

Die Ruhrtriennale 2021 schafft mit verschiedenen digitalen Angeboten bis Festivalende erweiterte Zugänge zur Kunst. Ein künstlerisches Projekt ist weiterhin ausschließlich digital zu erleben: „Aparición“, zu Deutsch „Erscheinung“, von Regina José Galindo. Die performative Arbeit der guatemaltekischen Aktionskünstlerin, als Auftragswerk der Ruhrtriennale im Ruhrgebiet fortgeschrieben, macht auf die hohe Zahl der Frauenmorde und häusliche Gewalt gegen Frauen aufmerksam.

Das Musiktheater „Bählamms Fest“, das – sehr nachgefragt – bis zum 22. August in der Jahrhunderthalle Bochum zu erleben war, steht als Video-on-Demand-Angebot zur Verfügung. Auch das Konzert „Point Line Area“ von Fritz Hauser mit mehreren Dutzend Schlagzeugerinnen und Schlagzeugern ist als Video-on-Demand erlebbar, genauso wie das bildreiche dokufiktionale Schauspiel „La Luna en el Amazonas“ von Mapa Teatro.

Weiterhin konnten sieben Aufzeichnungen von Ruhrtriennale-Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem ARD-Radiofestival sowie Kulturradio WDR 3 im Rahmen der WDR 3 Kulturpartnerschaft realisiert werden: Die Konzerte mit dem Trio Full Blast um die Saxophon-Legende Peter Brötzmann, „Stil ist Gewalttat” mit dem Ensemble Modern und „Visionary Architects” der Bochumer Symphoniker sind in der ARD Audiothek und via Festival-Website auf www.ardradiofestival.de nachzuhören. Wer die Dialogreihe zur Natur des Menschen verpasst hat, der kann den klugen Gästen – leichtgängig moderiert durch den Schriftsteller Lukas Bärfuss – bei „WDR 3 Forum” im Podcast auf wdr3.de zuhören.

Kurz vor Ende des sechswöchigen Festivals wird eine Gesamtauslastung von annähernd 90 Prozent erwartet. Bei rund 20.000 ausgegebenen Tickets und weiteren rund 40.000 Nutzerinnen und Nutzern der digitalen Audio- und Videoangebote sowie von Formaten bei freiem Eintritt an verschiedenen Spielorten besuchten rund 60.000 Menschen die diesjährige Ruhrtriennale.

Das vorausschauend geplante Programm erlebte seit seiner Veröffentlichung im Mai keine wesentlichen coronabedingten Veränderungen und konnte pandemiegerecht durchgeführt werden. Insbesondere das in einem qualifizierten Hygienekonzept enthaltene, gemeinsam mit den zuständigen Behörden und der Hochschule für Gesundheit in Bochum entwickelte abgestufte Maßnahmenpaket versetzte das Festival in die Lage, angesichts der pandemischen Dynamik flexibel handeln zu können.

Sehr zufrieden zeigt sich Dr. Vera Battis-Reese, Geschäftsführerin der Kultur Ruhr GmbH. „Wir freuen uns sehr, dass rund 60.000 Menschen das Programm der Ruhrtriennale unter der neuen Intendanz von Barbara Frey erleben konnten. Wir sind unseren zahlreichen Partnern, unseren Förderern und dem gesamten Team für die Ermöglichung dieses herausragenden Festivals in einem besonderen Jahr außerordentlich dankbar.“

Barbara Frey und ihr künstlerisches Team befragten gegenwärtige Bruchlinien, verunsicherte historische Konstruktionen von Identität, kollektive und individuelle Erinnerung, die Geister und ruhelosen Toten sowie das Verhältnis des Menschen zur Natur. Die Ruhrtriennale 2021 ist die erste Ausgabe unter der Intendanz der Schweizer Theaterregisseurin. Das jährliche Festival der Künste, vom 14. August bis zum 25. September 2021 an neun Spielorten in den Städten Bochum, Duisburg, Essen und Gladbeck beheimatet, feierte ein Programm an den Schnittstellen von Musiktheater, Konzert, Schauspiel, Tanz, Performance, Installation, Literatur und Dialog, ergänzt durch digitale Angebote.

Die Ruhrtriennale 2021 umfasste 37 Produktionen und Projekte, darunter elf Eigen- und Koproduktionen. Mit acht Uraufführungen, fünf deutschen Erstaufführungen sowie vier Übernahmen aus dem Programm der Ruhrtriennale 2020 lud das international ausgerichtete Festival sein Publikum in insgesamt 114 Veranstaltungen zu verschiedensten künstlerischen Erfahrungen ein. Mehr als 600 Kunstschaffende aus rund 30 Ländern waren beteiligt.

Programmdetails und inhaltliche Hintergrund-Informationen sind im Rahmen des Magazins auf ruhr3.com/magazin und im Festivalkatalog mit einer durch die Ruhrtriennale beauftragten Fotostrecke des Künstlers Tobias Zielony nachzulesen.

Die Ruhrtriennale – das Festival der Künste – lädt zeitgenössische Kunstschaffende ein, die monumentale Industriearchitektur der Metropole Ruhr zu bespielen. Hallen, Kokereien, Maschinenhäuser, Halden und Brachen des Bergbaus und der Stahlindustrie verwandeln sich jedes Jahr in beeindruckende Spielorte für Kunst an den Schnittstellen von Musiktheater, Schauspiel, Tanz, Performance und Bildender Kunst. Die Programmausrichtung wird maßgeblich von der Intendanz bestimmt, die alle drei Jahre neu berufen wird. Die Intendantin der Festivalausgabe von 2021–2023 ist die Theaterregisseurin Barbara Frey.

ruhrtriennale.de