Festivalkatalog der Ruhrtriennale sichern: bildstark und vielstimmig

Jahrhunderthalle Bochum © Jörg Brüggemann/Ostkreuz

Der Festivalkatalog der Ruhrtriennale 2022 ist soeben erschienen und lädt auf 244 Seiten zu einer bildstarken und vielstimmigen Erkundung des diesjährigen Festivalprogramms ein. Der bilinguale Katalog – die Texte erscheinen sowohl in deutscher als auch in englischer Sprache – versteht sich als ein Kunstbuch, das das vom 11. August bis 18. September stattfindende international ausgerichtete Festival der Künste der Metropole Ruhr flankiert. Die Gestaltung der Publikation entstand unter der Art Direktion von Marìa José Aquilanti und Ann Christin Sievers.

Im Mittelteil und damit zentral ist die eigens für das Magazin entwickelte Bildstrecke des Berliner Künstlers Mischa Leinkauf und dessen Blick auf das Revier platziert. Seine Perspektive aus teils spektakulärer Höhe sucht „Altbekanntes anders zu verwinkeln“, wie es im Katalog heißt. Der Sprache der Fotografie wurde mit den „Blackouts“ der Duisburger Dichterin Lütfiye Güzel die Sprache des Wortes hinzugefügt. Das Interesse, Neues im Alten sichtbar zu machen, eint beide Kunstschaffende.

Ein ausführlicher Magazinteil mit 17 Gesprächen, Interviews und Essays aus Kunst, Programmgestaltung, Dramaturgie und Wissenschaft bietet eine Fülle von Anregung, weiterführender Information und Angeboten zur Einordnung künstlerischer Positionen, spürt thematische Querverbindungen zwischen einzelnen Produktionen nach und fordert zu einer Weitung jenseits eingeübter Gewohnheiten auf.

Als Print-Version oder Download kostenfrei unter www.ruhrtriennale.de/festivalkatalog.

Eine einladende Anleitung zum Erleben von Neuer Musik gibt die Dozentin und Autorin Barbara Balba Weber, indem sie dafür plädiert: „Wissen Sie nichts.“ Oder: „Unterwerfen Sie sich dieser Musik. Nehmen Sie ihr Leben mit ins Konzert und werfen Sie es unter die Musik.“ Ein zuweilen munteres Gespräch über Schnitzlers „Weites Land“, über Wahrnehmung und der „Entfremdung vom Lebendig sein“ führen die Düsseldorfer Künstlerin Katharina Fritsch und Barbara Frey, Theaterregisseurin und Intendantin der Ruhrtriennale. Barbara Frey inszeniert „Das weite Land“ in Koproduktion mit dem Burgtheater Wien bei der diesjährigen Festival-Ausgabe.

Sowohl die seit zwei Jahren andauernde Pandemie und ihre Auswirkung auf Kunst, Gesellschaft und Individuum als auch der Krieg in der Ukraine durchzieht eine Vielzahl von Beiträgen: Das Gespräch mit dem Filmkünstler Julian Rosefeldt über dessen jüngste Arbeit „Euphoria“ macht nicht nur sein Interesse am Aufeinanderprallen widersprüchlicher Stimmen deutlich. In der ab dem 25. August auf Zollverein in Essen präsentierten Film-Installation entfalten sich „sowohl die Positionen der neoliberalen Marktwirtschaft ihre Verführung und Überzeugungskraft als auch die ihrer Kritiker“. Rosefeldt und sein Filmteam mussten Kiew kurz vor Ausbruch des Krieges in der Ukraine verlassen, dort beheimatete Kolleg:innen zurücklassen.

Die dänische Choreografin Mette Ingvartsen hingegen feiert mit der Wiederaufnahme von „to come (extended)“ die „Freude als Form des Widerstandes gegen die allgemeine Unterdrückung des Körpers“. Sie begreift ihre vor fünf Jahren entstandene Arbeit heute und mit der Erfahrung der Pandemie als ein „Statement gegenüber unserer aktuellen Situation“: „Es gibt nicht ein einziges Solo in der gesamten Performance, sondern ausschließlich kollektive Bewegungen innerhalb von Gruppenkonstellationen.“

Ähnliches erfährt man in dem liebevollen Gespräch zwischen Joke Laureyns und Kwint Manshoven der belgischen Company kabinet k über die Besonderheit in der Zusammenarbeit mit einem generationenübergreifenden Ensemble bei „promise me“ – zu sehen ab dem 9. September auf PACT Zollverein. Ausgehend vom Bewegungsprinzip des Kippens, erzählen die Choreograf:innen von dieser so kraftvollen Haltung sowohl im Leben als auch in der Kunst: „Stelle Risiko über Stabilität. Neugierde über Angst. Zusammengehörigkeit über Selbsterhalt.“

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