Es geht los – Internationale Schillertage am NTM

20. Internationale Schillertage am Nationaltheater Mannheim ~ ››Fieber« - Von 20. bis 30. Juni 2019

Nationaltheater Mannheim Fassade 2014 (© Christian Kleiner)

Die 20. Internationalen Schillertage finden von 20. bis 30. Juni 2019 am Schauspiel des Nationaltheaters Mannheim statt. ››Fieber« ist ihr Thema, angelehnt an die Malaria, die Schiller in Mannheim befiel, anspielend auf den gesellschaftlichen Fieberwahn, den Schiller Ende des 18. Jahrhunderts dem Europa seiner Tage attestierte, und fragend nach den Fieber- und Erregungskurven unserer Zeit.

››Von Schillers Werk ausgehend zeigen wir, wie Künstler*innen heute auf unsere überhitzte Gesellschaft reagieren. Dabei schauen wir über den europäischen Tellerrand hinaus und beschäftigen uns – auch außerhalb der eigentlichen Theaterräu me – mit den verschiedensten Genres«, so Christian Holtzhauer, Schauspielintendant und Künstlerischer Leiter der Schillertage.

Kulturbürgermeister Michael Grötsch: »Die Schillertage sind zu einem renommierten, von Theaterfreunden und Fachpublikum hoch geschätzten Festival geworden. Mit ihrer Jubiläumsausgabe erfahren die 20. internationalen Schillertage eine Weiterentwicklung – sie werden noch internationaler, innovativer, vielleicht auch noch wagemutiger. Vor allem stellen sie sich den aktuellen Herausforderungen unserer Zeit und verlieren doch das Werk Schillers als Ausgangspunkt nicht aus dem Blick. ich freue mich, dass Christian Holtzhauer beim ersten Festival unter seiner Leitung an den vielen neuralgischen Punkten unserer Zeitläufte ansetzt und Friedrich Schiller in den verschiedensten Theaterformen als Arzt, Dichter und Philosoph zu Diagnose und Heilung befragt.«

Eröffnet werden die 20. internationalen Schillertage am 20. Juni mit einer Neuproduktion des NTM: Schillers Königinnendrama »Maria Stuart« inszeniert Claudia Bauer, die nach 2017 in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal mit einer Regiearbeit zum Berliner Theatertreffen eingeladen ist. Clemens Bechtel entwickelt für die Schillertage in der Multihalle im Herzogenriedpark als szenischen Parcours sein Überwachungsstück »Mannheim 2.480 oder die subjektive Sicherheit«, und Carina Riedl inszeniert für das Nationaltheater den Roman ››Tram 83« des kongolesischen Schriftstellers Fiston Mwanza Mujila, der einen Eindruck des modernen Afrikas gibt.

Das Kollektiv Studio Beisel überträgt seine Marburger lnszenierung ››Die Räuber« auf den Mannheimer Stadtraum, während die südafrikanische Künstlerin Stacy Hardy ihre Lecture Performance ››My Country ls Full Of Holes And Sols My Body« ebenfalls für Mannheim weiterentwickelt – eine Arbeit über ihre Tuberkuloseerkrankung und über Diskriminierung, nicht nur durch Krankheitszuschreibungen.

Zu den Gastspielen zählt der internationale Theaterabend ››Odisseia«, in dem die Theatergruppe Cia. Hiato Homers Epos aus der Sicht der Wartenden zeigt und mit persönlichen Erfahrungen der Schauspieler*innen verschränkt. Außerdem sind ››Don Karlos« (Düsseldorfer Schauspielhaus) in der Regie von Alexander Eisenach, ››Kabale und Liebe« (Staatsschauspiel Dresden), inszeniert von dem Georgier Data Tavadze, und ››Die Räuber« (Schauspiel Köln) in der lnszenierung von Shooting Star Ersan Mondtag zu Gast. Mit dem viralen Tanzstück ››TO DA BONE«, einer Ensemblechoreografie für Jumpstyle-Tänzer*innen, präsentiert sich das französische Kollektiv (LA) HORDE.

Die beiden Choreografen Christoph Winkler und Robert Ssempijja fragen mit einem weiteren Tanzstück, ››Die Bretter, die die Welt bedeuten/Embawo Ezitegeza Ens«, nach kultureller Dominanz, nicht nur auf Theaterbrettern. Mit der Solo-Tanzperformance ››It’s Going To Get Worse And Worse And Worse, My Friend« übersetzt die Tänzerin Lisbeth Gruwez die Gewalt religiös-politischer Rhetorik in Bewegung.

ln dem Chortheaterstück »Hymne an die Liebe« legt die polnische Regisseurin Marta Górnicka, die bereits für den Deutschen Theaterpreis ››Der Faust« nominiert war, mit ihrem Chor der Frauen die Verrohung von Sprache offen. Dries Verhoevens Videoinstallation »Guilty Landscapes« wird mit der Episode l über eine Textilfabrik im chinesischen Hangzhou während des gesamten Festivalzeitraums in der Mannheimer Abendakademie zu sehen sein. Und schließlich findet im Anschluss an die Vorführung von Josie Rourkes Filmdebüt ››Maria Stuart, Königin von Schottland« eine Diskussion über Frauen und Macht statt.

Anlässlich des Festivaljubiläums beschäftigen sich die Schillertage auch mit der Schrift ››Über die ästhetische Erziehung des Menschen, in einer Reihe von Briefen«, in der Schiller sich mit der gesellschaftlichen Wirkung von Kunst auseinandersetzt: 27 internationale Autor*innen haben neue Briefe über die Rolle der Kunst verfasst, die als Buch zu den Schillertagen erscheinen und in einer Lesung vorgetragen werden.

Auf dem Theatervorplatz erschaffen die Leipziger Künstler Kai-Hendrik Windeler und Sven Bergelt die NTM-Arena – das Festivalzentrum, in dem auch die kostenlosen Schill-Out-Konzerte stattfinden. lm SWR2 Forum werden mit dem Kulturpartner SWR2 wie in den Vorjahren die brennenden Fragen der Zeit diskutiert, und Stipendiat*innen bilden sich in diesem Jahr in einer Festivalakademie fort. Eine neu eingerichtete Stadt-Jury wird am Ende des Festivals öffentlich ihre Sicht auf das Programm präsentieren.

Veranstaltungsorte sind neben den Theaterräumen des NTM auch die Disco Zwei, das EinTanzHaus, die Mannheimer Abendakademie, das Cineplex Planken, das Cinema Quadrat, die Multihalle im Herzogenriedpark, der Stadtraum als solcher, der Bunker unter dem NTM und die NTM-Arena als Festivalzentrum.

Die ››20. Internationalen Schillertage« werden ermöglicht und gefördert durch die Stadt Mannheim, das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.
Ein besonderer Dank geht an die Heinrich-Vetter-Stiftung und an die Freunde und Förderer des Nationaltheaters Mannheim e. \/.
Ein weiterer Dank gilt der B25-Agentur Callies 8« Schewe, John Deere, Lotto Baden-Württemberg und der Karin und Carl-Heinrich Esser Stiftung für die freundliche Unterstützung.
Medienpartner: SWR 2, Mannheimer Morgen

schillertage.de