Eröffnung der Frankfurter Positionen 2019

© Frankfurter Positionen 2019

11 Uraufführungen und Erstpräsentationen erkunden bis zum 08. Februar das Thema GRENZEN DER VERSTÄNDIGUNG

Frankfurt am Main, 23. Januar 2019. – Das Programm der neunten Frankfurter Positionen – Festival für neue Werke vom 24.01. bis 08.02. 2019 eröffnet das neue Tanzwerk FÚRIA von Lia Rodrigues, einer der bedeutendsten Choreografinnen Brasiliens. Bewusst hat sie vor etwa zehn Jahren das Probenzentrum ihrer Companhia de Danças nach Maré, eine der härtesten Favelas Rio de Janeiros, verlegt. Ihre neue Arbeit FÚRIA geht auf ihre Auseinandersetzung mit den Lebensbedingungen Schwarzer in Brasilien zurück und erforscht Unterschiedlichkeiten von Menschen und ihrer Körper. Die Choreografie möchte Vielfalt innerhalb von Gemeinschaften zeigen und dem gegenüberstellen, wie zugleich uniforme Menschenmassen wachsen, in denen der Verlust von Vielfalt und auch demokratischer Errungenschaften droht (24.01., 25.01., 20 Uhr, Künstlerhaus Mousonturm).

Am Freitag eröffnet die erste institutionelle Einzelausstellung der 1990 in den USA geborenen Künstlerin Bunny Rogers in Europa. Die Ausstellung mit dem Titel PECTUS EXCAVATUM im ZOLLAMT MMK lässt eine Landschaft entstehen, in der Drinnen und Draußen, Bergspitzen und Meerestiefen ineinandergleiten. Damit zeigt die Künstlerin den Rahmen unserer so präzisen wie vereinfachten Vorstellungen von Natur, in denen Wissen und Erfahrung untrennbar mit Imagination verbunden sind. Im Werk von Bunny Rogers verschmelzen immer wieder Affekt, Erfahrung, Identifizierung und Gemeinschaft, Fiktion und Realität, Digitalität und physische Präsenz zu einem gegenwärtigen Subjekt, dessen veränderte Wahrnehmung für eine ganze Generation steht. Weltweite Beachtung haben zuvor die Videoarbeiten über das Columbine High School Massaker von Bunny Rogers gefunden. Sie hat ihre neue Ausstellung in Frankfurt vorbereitet und unterrichtet während des aktuellen Wintersemesters als Gastprofessorin an der Hochschule für Bildende Künste-Städelschule.

Ein weiterer Festivalhöhepunkt ist die ungewöhnliche Klanginstallation LULLABY EXPERIENCE, die bei regelmäßig stattfindenden Live Acts zu einem szenischen Konzert wird. Für die partizipative Arbeit des Komponisten Pascal Dusapin und des Musiktheaterregisseurs Claus Guth sind Interessierte über eine App aufgerufen, Melodien aus ihrer Kindheit einzusingen, die dann in der Installation verarbeitet werden. Das Projekt ist eine Koproduktion des Ensemble Modern mit dem IRCAM Paris (Institut de Recherche et Coordination Acoustique/ Musique), wobei die App LULLABY EXPERIENCE vom IRCAM entwickelt wurde. Unter dem Titel CROSSING ROADS ist nochmals das Ensemble Modern mit einem Musiktraditionen und Klangkonzepte verbindenden Konzert zusammen mit Musikerinnen und Musikern der Initiative Bridges zu erleben (08.02., 20 Uhr Künstlerhaus Mousonturm, Konzept von Uwe Dierksen).

Ein besonderes und besonders vielschichtiges Festivalereignis ist die LANGE NACHT DER SOZIALFORSCHUNG, die 2017 ein großer Publikumserfolg war. Sie findet am 01.02. von 19 bis 24 Uhr im MUSEUM MMK FÜR MODERNE KUNST statt und bietet sozialwissenschaftliche Kurzvorträge, Kunst und Musik: Das Institut für Sozialforschung (IfS) hat einen Vortragsreigen konzipiert, bei dem Forscherinnen und Forscher mehrerer wissenschaftlicher Disziplinen bis 24 Uhr das Spannungsfeld von Demokratie und Wahrheit untersuchen und in Einzelvorträgen ihre Positionen formulieren. Parallel dazu laden Musiker des Ensemble Modern zu ihrer Interpretation von zwei Werken von Morton Feldman ein. Außerdem wird die Ausstellung von Bunny Rogers während der gesamten LANGEN NACHT DER SOZIALFORSCHUNG zugänglich sein.
Bei den Programmpunkten besteht durchgehend kostenloser Einlass und das Restaurant des Museums ist geöffnet.

In der Sparte Theater sind neue Stücke von Konstantin Küspert, Ferdinand Schmalz, Jetse Batelaan und Nis-Momme Stockmann zu sehen. Das neue Theaterstück von Konstantin Küspert, SKLAVEN LEBEN, setzt sich im Kontext des Festival-Themas mit Echoräumen selektiver Wahrnehmung in unserem Alltag auseinander (25., 26.01.). Ebenfalls im Schauspiel Frankfurt werden als Gastspiele die Uraufführungsinszenierung von DAS IMPERIUM DES SCHÖNEN (06., 07.02.) von Nis-Momme Stockmann (Schauspiel Stuttgart) und die Probenfassung der Uraufführung DER TEMPELHERR (31.01.) von Ferdinand Schmalz (Deutsches Theater Berlin) gezeigt. Die Produktion (…..) von Jetse Batelaan richtet sich an Menschen ab 12 Jahre und wird im Künstlerhaus Mousonturm uraufgeführt (31.01., 01., 02. 02.).

Mit der Erstellung neuer Performances wurden folgende Künstlerinnen und Künstler beauftragt: Daniel Cremer, Nicolas Henry und das Duo Susanne Zaun und Marion Schneider. Das neue Werk THE MIRACLE OF LOVE / DAS WUNDER DER LIEBE (ab 27.01. mehrere Termine) von Daniel Cremer befasst sich unter Zuhilfenahme einer erfundenen Kunstsprache mit einer vollkommen befriedigenden Liebesbeziehung und wird im Künstlerhaus Mousonturm uraufgeführt.

Die Performance von Susanne Zaun und Marion Schneider mit dem Titel ES IST DOCH EINE SCHÖNE SACHE, ÜBER KANZLERKANDIDATEN ZU REDEN UND DABEI BLUTWURST ZU ESSEN (05., 07.02.) befasst sich mit dem Verhältnis von Körper und Macht und ist ebenfalls im Künstlerhaus Mousonturm zu sehen. Der französische Künstler und Fotograf Nicolas Henry stellt seine lebendige Installation A PLACE IN THE SUN – COSTUMES AND HEROES IN THE POST-COLONIAL ERA (29.01., 02.02.) im Frankfurt LAB vor.

Die FRANKFURTER POSITIONEN – Festival für neue Werke präsentieren in zweijährigem Turnus Uraufführungen von der BHF BANK Stiftung eigens in Auftrag gegebener Werke zeitgenössischer Künstlerinnen und Künstler mehrerer Sparten zu einem Thema. Für die Ausgabe 2019 unter dem Titel GRENZEN DER VERSTÄNDIGUNG haben sich die ausgewählten Künstlerinnen und Künstler sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit dem aktuell viel diskutierten Thema der Verständigungsbereitschaft der politischen Akteure befasst und beleuchten die Frage, ob wir in einem „postfaktischen Zeitalter“ leben, aus unterschiedlichsten Blickwinkeln.

Informationen über das vollständige Programm können auf der Website und dem in der Stadt und an den Veranstaltungsorten ausliegenden Programmheft entnommen werden.

Alle künstlerischen Positionen des Festivals wurden von unabhängigen Fachjurys ausgewählt. Die Vortragenden der LANGEN NACHT DER SOZIALFORSCHUNG wurden vom Programmbeirat des Instituts für Sozialforschung vorgeschlagen. Frankfurter Positionen sind eine Initiative der BHF BANK Stiftung. Für die Ausgabe von 2019 hat ein Netzwerk mit insgesamt 16 Institutionen kooperiert:
BHF BANK Stiftung – Deutsches Theater Berlin – Ensemble Modern – Frankfurt LAB – Galerie Parisa Kind – Goethe-Universität Frankfurt am Main – Hochschule für Musik und Darstellende Kunst (HfMDK) Frankfurt am Main – Institut für Sozialforschung (IfS) – Institut de Recherche et Coordination Accoustique/Musique (Ircam) – Künstlerhaus Mousonturm – MUSEUM MMK FÜR MODERNE KUNST– Schauspiel Frankfurt – Schauspiel Stuttgart – S. Fischer Verlag – Hochschule für Bildende Künste-Städelschule – Verlag der Autoren

Medienpartner hr2-kultur

www.frankfurterpositionen.de