Ernst von Siemens Kunststiftung ermöglicht zwei bedeutende Kunstwerke

Camille Claudel (1864−1943), „L’Implorante“ (petite modèle), Bronze, Entwurf 1898 (Guss wohl um 1905). H. 28 cm, Bezeichnet: C. Claudel/3/ EUG. BLOT © Foto courtesy of Bowman Sculpture Gallery, London, UK

Bedeutende Werke für Gotha und die Alte Nationalgalerie Berlin zum 40. Jubiläum der Ernst von Siemens Kunststiftung

Anlässlich ihres 40. Gründungsjubiläums präsentierte die Ernst von Siemens Kunststiftung (EvSK) am Vormittag zwei bedeutende Kunstwerke, deren Rückkehr bzw. Ankauf sie ermöglicht hat. So erhält die Stiftung Friedenstein Gotha heute die nach dem Zweiten Weltkrieg abhanden gekommene Ölskizze „Der Heilige Gregorius von Nazianz“ von Peter Paul Rubens aus der Zeit um 1620 zurück. Die Alte Nationalgalerie Berlin kann sich über die Bronzeskulptur „L’implorante“ von Camille Claudel in einem frühen Guss von 1905 als Zuwachs für ihre bedeutende Skulpturensammlung freuen.

Die Ölskizze „Der Heilige Gregorius von Nazianz“ des niederländischen Malers Peter Paul Rubens kehrt nun auf den Friedenstein zurück.
Peter Paul Rubens, St. Gregorius Nazianzenus, 1621
Öl auf Holz, 48 x 62 cm
© Christie’s Images 2024

Darüber hinaus gab die EvSK einen Einblick in ihre Arbeit, die in den letzten vier Jahrzehnten zahlreichen deutschen Museen und Sammlungen mit rund 185 Mio. Euro in den Bereichen Ankäufe, Restaurierungen, Ausstellungen und wissenschaftliche Erforschung zugutekam. Die Stiftung wurde 1983 durch den Industriellen und Mäzen Ernst von Siemens (1903–1990) gegründet und residiert heute im Magnus-Haus an der Berliner Museumsinsel, in dem Werner von Siemens einst das Physikalische Colloquium besuchte.

Immer wieder Gotha: Spektakuläre Rückführung einer seit dem Zweiten Weltkrieg verlorenen Rubensskizze!

Fünf zusammengehörende Rubensskizzen, die sich teilweise schon ab dem frühen 18. Jahrhundert in den Sammlungen von Schloss Friedenstein Gotha befanden, gingen mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs verloren. Drei Skizzen gelangten über Coburg nach Amerika und in die Schweiz, zwei Skizzen mit der Roten Armee nach Russland und von dort 1958 wieder zurück nach Gotha. Die lebendige Skizze des Hl. Gregor von Nazianz, der dem Teufel den Bischofsstab in den Rachen rammt, kehrt heute nach einer Einigung mit dem Buffalo AKG Art Museum aus den USA zurück.

Frauen im Fokus: Camille Claudel kommt in die Neue Nationalgalerie Berlin!

Die Ernst von Siemens Kunststiftung hat in den letzten Jahren vermehrt Ausstellungen und Forschung zu Künstlerinnen, frühen Kunstkritikerinnen, Restauratorinnen und Museumsdirektorinnen gefördert. Einige Namen der in den Fokus genommenen Frauen und Künstlerinnengruppen zeigen, was für ein spannendes Feld sich dabei eröffnet hat: Lilly Reich, Lotte Laserstein, Rosa Schapire, Rachel Ruysch, Galka Scheyer, Catherina Treu, Margarethe Klimt, Charlotte Moorman, Angelina Hieronymi, Johanna Hofmann-Stirnemann, „Frauen des Informel“, „die modernen Frauen des Ateliers Elvira“, „Frauen der Städelschule und des Städelmuseums“. Jetzt ist aus Mitteln der Ernst von Siemens Kunststiftung und des Vermächtnisses L. Koltermann zudem eine wichtige Neuerwerbung gelungen: Camille Claudels „L’implorante“ kommt in einem sehr frühen Guss von 1905 in die Alte Nationalgalerie. Die hochbegabte Künstlerin, Schülerin von Auguste Rodin, stellt hier auf expressive Weise eigene Gefühle, ihre Verzweiflung dar.

Einblick in weitere Handlungsfelder

Ein weiteres Hintergrundpapier gibt einen Einblick in die Handlungsfelder und Statistik der Ernst von Siemens Kunststiftung und stellt neue Themengebiete und Förderrichtlinien vor. So konnte der „Marienthaler Psalter“ aus dem frühen 13. Jahrhundert in letzter Minute für die Öffentlichkeit bewahrt werden, ein Vorgang, der die Verantwortung kirchlicher Sammlungen für ihre Bestände und die Notwendigkeit neuer Fördergrundlagen der EvSK deutlich machte. Darüber informiert die Beilage „Kirchliches Kulturgut in Gefahr!“ aus dem Jahresbericht 2022/2023.

Neue Themen jenseits des Mainstreams sind langfristige Förderungen, wie zum Hofebenisten José Canops in Madrid, seinem für Sachsen tätigen Kollegen Jean Pierre Latz oder zu dem Thema „Hofzwerge“, denen 2026 in Kassel eine eigene Ausstellung gewidmet wird. Zwölf ausgewählte Beispiele für richtungsweisende Kunsterwerbungen werden in einem „Best of“-Hintergrundpapier vorgestellt und geben einen Einblick in den breiten Wirkungskreis der Ernst von Siemens Kunststiftung.

Statt einer wuchtigen Festschrift hat sich die EvSK schließlich für eine Sonderbeilage in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung entschieden, die am 22. Juni erscheint und auf zehn Seiten das vielfältige und bunte Spektrum der Stiftungsarbeit vorstellt.

Weitere Informationen:

ernst-von-siemens-kunststiftung.de
friedensteine.de