Erfolg I: »Johanna – geboren um Liebe zu geben« ab 30. Oktober 20 in der Naxoshalle FFM

JOHANNA – GEBOREN UM LIEBE ZU GEBEN? ist die erste Folge der dreiteiligen Stückentwicklung ERFOLG I-III, in der sich Regisseurin Carolin Millner und das Produktionsteam ELEGANZ AUS REFLEX mit den 1920er Jahren und dem damals erstarkenden Nationalsozialismus in Deutschland beschäftigen und Parallelen aus der Vergangenheit in die Gegenwart zu den Themen Feminismus, Demokratie und Diversität ziehen wollen. Grundlage hierfür ist Lion Feuchtwangers gleichnamiger Roman, in dem er die damalige Gesellschaft anhand realer Vorbilder porträtiert.

Die Premiere von ERFOLG I ist am 30. Oktober 2020 um 20 Uhr im studioNAXOS.
Weitere Aufführungen: 1. November sowie 5. bis 7. November, jeweils 20 Uhr

In ERFOLG I wird der fließende Übergang von privaten und gesellschaftlichen Konflikten beleuchtet. Damals wie heute ist das Leben der Menschen geprägt durch die Geschehnisse auf der großen politischen Bühne. Jede*r Einzelne kann sich in diesem gesellschaftlichen Gefüge positionieren, kämpfen oder sich beugen, für Solidarität und Menschlichkeit einstehen oder mit einer menschenverachtenden Ideologie zum eigenen Vorteil gemeinsame Sache machen.

Johanna Krain ist eine beispielhafte Figur dafür, dass unermüdlicher Aktivismus, politische Kunst und ein Beharren auf Gerechtigkeit eine solche Positionierung zur Gesellschaft und zum vorherrschenden politischen wie kulturellen (Werte-)System erforderlich und realisierbar ist. Sie kämpft gegen das Weltbild eines in den 1920er Jahren aufkeimenden Nationalsozialismus, stellt sich zugleich aber auch gegen die Repräsentanten eines Patriarchats, deren Beschlüsse tief in ihr Privatleben eingreifen. Johanna Krains Kampf ist auch ein feministischer – wie viel wirkungsvoller wären Johanna Krains’ Aktionen, wäre sie ein Mann?

Durch die Auseinandersetzung mit ihrer Figur beschäftigt sich ELEGANZ AUS REFLEX vor allem auch mit dem Verhältnis von politischen Systemen zur Geschlechterdebatte.

Mitwirkende:

Regie: Carolin Millner
Bühne und Kostüm: Maylin Habig & Nils Wildegans
Dramaturgie: Theresa Selter
Produktionsleitung: Bettina Földesi
Regieassistenz: Ivana Mitric
Spieler*innen: Sarah Gailer, Florian Mania, Andrea Spicher

studioNAXOS // Naxoshalle, Waldschmidtstr. 19, 60316 Frankfurt am Main
Reservierungen unter studionaxos.de
Eintrittspreis: solidarisches Preissystem

Die Produktion entstand in Kooperation mit studioNAXOS. Sie wird gefördert vom Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main im Rahmen der institutionellen Förderung, vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst und von der maecenia Frankfurter Stiftung.

Am 16. Oktober um 18 Uhr findet eine offene Arbeits- und Gesprächswerkstatt im Foyer der Naxoshalle zu ERFOLG I statt. Anhand der Frauenfigur Johanna Krain in Lion Feuchtwangers Romans ERFOLG wird der Frage nachgegangen, ob es einen Bayerischen Feminismus gibt und was ihn ausmachen könnte. Eine Frau, die sich selbst nicht als Feministin bezeichnen würde und es aus heutiger Perspektive doch vielleicht ist? Was für ein Feminismus ist das dann und inwiefern ist er auch sozialistisch? In Bayern wurde die Räterepublik durch den Kommunisten Kurt Eisner ausgerufen und München galt als Hochburg der Frauenbewegung in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts. Inwiefern ist das an dieser Frauenfigur zu erkennen?
Mit einem Textauszug wird die Grundlage gegeben, um alle Interessierten aktiv am Gespräch teilnehmen zu lassen. Der Abend gibt gleichzeitig Einblicke in die Herangehensweisen von ELEGANZ AUS REFLEX an Inszenierungen.

Beteiligte Expertin: Koschka Linkerhand
Moderation: Carolin Millner
Mäzenin: Frankfurter Stiftung maecenia

ELEGANZ AUS REFLEX

besteht aus den Künstler*innen Carolin Millner (Regie), Maylin Habig (Bühne/Kostüm), Magdalena Wabitsch (Schauspiel) und Nils Wildegans (Bühne/Kostüm), Fee Römer (Dramaturgie), Bettina Földesi (Produktionsleitung).

ELEGANZ AUS REFLEX steht für eine Form des Sprechtheaters, die in enger Verbindung zu Performance und installativer Kunst steht und sich in seinen Stückentwicklungen mit historisch-politischen Themenkomplexen auseinandersetzt. In Abgrenzung zu einer journalistischen Herangehensweise wird assoziativ gearbeitet, subtile Verbindungen ins Heute geschlagen und Welten entwickelt, die zwischen einem Blick in die Vergangenheit und einer utopisch-dystopischen Zukunft oszillieren. ELEGANZ AUS REFLEX glaubt daran, dass subversive Kritik von Gegenwart nicht ohne den Blick in die Vergangenheit auskommt. Ziel ist es, für den jeweiligen Themenkomplex eine eigene Erzählform und spezifische Ästhetik zu entwickeln. ELEGANZ AUS REFLEX arbeitet Recherche-basiert zu motivischen oder thematischen Setzungen (wie zuletzt zur DDR) und mit professionellen Schauspieler*innen. Inhaltliches Interesse der Arbeit sind Identitäts- Wahrheits- und Erinnerungspolitiken und die gesellschaftlichen wie individuellen Verhältnisse zu diesen Themen. Außerdem interessieren die Themen Verlust und die Ökonomisierung aller Lebensbereiche. Oft wird mit Archivmaterial gearbeitet und Filme, Theaterstücke, Romane, Sachbücher, Tagebucheinträge und Briefwechsel aus der Geschichte verwendet. Dabei wird immer versucht ein oder mehrere Narrative zu finden, die als roter Faden durch den Abend führen. Wichtig sind dabei die performativen Qualitäten des “Unspektakulären”, des natürlich-konfrontativen Sprechens, um eine Aktivierung im Sehen, im Zuhören und im Anteilnehmen bei den Zuschauer*innen anzuregen, sowie subtiler Humor.

Das vorheriges Projekt, die DDR-Pentalogie ROT ODER TOT fand überregional Beachtung, wurde durch die Bundeszentrale für politische Bildung gefördert, war für den Citoyen Preis der Stadt Frankfurt nominiert und erhielt den Jury-Preis beim Made Festival 2019 in Frankfurt.

studioNAXOS

ist ein freies Produktionshaus für zeitgenössisches Theater, Performance und Musik in der Frankfurter Naxoshalle. Es entstand 2014 aus dem Zusammenschluss von Studierenden der Hessischen Theaterakademie und hat sich in Zeiten großer Raumnot der Theaterschaffenden in Frankfurt als freies Produktionshaus in der Stadtgesellschaft und darüber hinaus einen Namen gemacht: Produktionen aus dem studioNAXOS-Produktionsverbund waren in den letzten drei Jahren bei allen wichtigen deutschen Newcomer-Festivals vertreten (Körber-Festival, Radikal Jung, Out Now! Festival, Fast Forward Festival, Impulse Festival etc.) und wurden in zahlreiche andere Theater zu Gastspielen eingeladen. studioNAXOS kooperiert mit vielen lokalen Partnern und Förderinstitutionen wie dem Lichter Filmfest oder den Goethe-Festwochen und wird seit 2018 von der Stadt Frankfurt institutionell gefördert. Seit 2018 ist studioNAXOS im deutschlandweiten Netzwerk Freier Theaterhäuser (NFT) und seit 2020 ein assoziierter Partner der Hessischen Theaterakademie (HTA).

Mehr Infos unter studionaxos.de oder info@studionaxos.de.
studioNAXOS wird getragen vom Naxos-Bund zur Förderung junger Künstler*innen aus Hessen e. V.