»Engel in Amerika« am Theater Magdeburg

Ein zweiteiliges Sittengemälde der USA der 80er-Jahre

Tony Kushner liefert in seinem preisgekrönten Theaterstück eine scharfsinnige Analyse der Gesellschaft zur Reagan-Ära in den USA. Der Zweiteiler wird in Magdeburg von Schauspieldirektor Tim Kramer inszeniert, der sowohl als Schauspieler als auch als Regisseur Erfahrung mit dem Stück hat. Premiere des ersten Teils ist Fr. 28. 2. um 19.30 Uhr im Schauspielhaus. Die Premiere von Teil II ist dann Sa. 29. 2. um 19.30 Uhr.

Prior Walter ist schwul und an AIDS erkrankt. Sein jüdischer Partner Louis verlässt ihn deshalb. Louis findet Zuflucht beim mormonischen Anwalt Joe, der mit seiner Frau Harper in strenger mormonischer Ehe lebt, aber mit Louis in größter Heimlichkeit seine unterdrückte Homosexualität auslebt. Joe ist Schützling des erzkonservativen Anwalts Roy Cohn. Der Vertreter der New Yorker Republikaner und Antiheld ist die einzig reale Person im Stück. Cohn lässt sich von seinem Hausarzt lieber Leberkrebs diagnostizieren, als zuzugeben, dass er AIDS hat. Drei lose Handlungsstränge, die Tony Kushner mit faszinierender psychologischer Präzision zu einem Sittengemälde der USA in den 80ern verwebt. Eine Zeit, in der die AIDS-Krise auf die konservative Regierung Ronald Reagans traf, der diese Problematik ignorierte. Das Stück «Engel in Amerika» erlebt im zweiten Teil »Perestroika« seine Höhepunkte. Gott hat sich längst verabschiedet aus dieser Welt und die Engel in höchster Ratlosigkeit zurückgelassen. Verzweifelt stürzen diese auf die Erde herab auf der Suche nach einem Propheten.

Tony Kushner wurde für seinen 1993 geschriebenen Zweiteiler mit Auszeichnungen wie dem renommierten Pulitzer-Preis überhäuft. 2003 wurde der Stoff mit Darsteller*innen wie Meryl Streep zu einer sechsteiligen Miniserie verfilmt. Dass ihn das Stück bis heute verfolgt und ihn sogar historisch überrollt, hätte sich Autor Tony Kushner nicht träumen lassen: »Leider haben die vergangenen Jahre die erwähnten apokalyptischen Vorahnungen des Stücks, die für das zeitgenössische Publikum düster und bedrohlich erschienen, mehr oder weniger bestätigt«, sagte er kürzlich. Seine Beobachtungen haben – gerade zu Zeiten populistischer Machthaber wie Donald Trump, dem Ziehsohn von Roy Cohn – nichts von ihrer Aktualität eingebüßt.

Für den Magdeburger Schauspielchef Tim Kramer ist die Kernaussage des Stücks »trotzdem leben«: trotz Krankheit und dem Gefühl, nicht in gesellschaftliche Normen zu passen. Für die Gestaltung des Bühnenraums ist Kramers langjähriger Bühnenbildner Gernot Sommerfeldt verantwortlich. Mit einem Rundhorizont entsteht optisch der Eindruck eines unbegrenzten Raums. Kramer ist es wichtig, den Zuschauer*innen Raum für Assoziationen zu lassen. Und so sind auch die Kostüme von Natascha Maraval eher zeitlos gehalten: »Wir müssen uns als Handwerker sehen und die fantastische Geschichte glaubwürdig erzählen«, betont Regisseur Tim Kramer.

Am 14. 3. können sich die Zuschauer*innen auf einen besonderen Leckerbissen freuen: Dann werden beide Teile an einem Tag gezeigt. Zwischen den beiden Vorstellungen übernimmt das neue Theatercafé mit Cheeseburger und Pommes die passende kulinarische Versorgung. Bons hierfür können an der Theaterkasse erworben werden.


Engel in Amerika

Von: Tony Kushner
Deutsch von: Frank Heibert

Premiere am Theater Magdeburg: 28. (Teil I) und 29. (Teil II) Februar 20 (Schauspielhaus Bühne)

Regie: Tim Kramer
Bühne: Gernot Sommerfeldt
Kostüme: Natascha Maraval
Musik: Karolin Killig
Dramaturgie: Laura Busch

Besetzung:

Hannah etc.: Iris Albrecht
Engel etc.: Maike Schroeter
Harper etc.: Anja Signitzer
Roy Cohn etc.: Christoph Bangerter
Bélize etc.: Rahul Chakraborty
Louis Ironson etc.: Christoph Förster
Joe etc.: Andreas C. Meyer
Prior Walter etc.: Ralph Opferkuch

Weitere Vorstellungen: Sa. 14. 3. 16.00 Uhr (Teil I) / Sa 14. 3. 19.30 Uhr (Teil II) / Sa. 21. 3. (Teil I) / So. 22. 3 (Teil II)

theater-magdeburg.de