Elbphilharmonie Hamburg: Zu Ostern Eine »BuDDha Passion«

Elbphilharmonie Hamburg (© Iwan Baan)

Der chinesische Weltstar Tan Dun eröffnet am Gründonnerstag 2020 das Festival »Seidenstrasse« in der Elbphilharmonie, das sechs Tage lang die Vielfalt der Klänge aus den Regionen entlang der historischen Handelsroute feiert

Hamburg, den 22. Oktober 2019: Eine Vielzahl an Musikern mit Wurzeln in China, in der Mongolei, in Usbekistan, Turkmenistan, Kirgisistan, Afghanistan, dem Iran, Griechenland, Italien und Deutschland trifft beim Osterfestival »Seidenstraße« (9. bis 14. April 2020) in Hamburg zusammen, um für das Publikum in der Elbphilharmonie ein vielfältiges, reiches und überaus spannendes Klangpanorama hierzulande kaum bekannter Musik aufzufächern. Die Eröffnung am Gründonnerstag gestaltet der weltberühmte chinesische Komponist und Dirigent Tan Dun, der im Großen Saal mit chinesischen Solisten, den Symphonikern Hamburg und der Internationalen Chorakademie Lübeck seine »Buddha Passion« aufführt. Karten sind ab sofort erhältlich.

Wer an die Seidenstraße denkt, hat meist Bilder von Handelskarawanen im Kopf – schwer beladene Kamele, die auf schier endlosen und gefahrvollen Wegen von Fernost über den Orient bis ins mediterrane Europa und zurück schimmernde Seidenstoffe, Pfeffer, Gewürze, Gold, Wolle oder Edelsteine tragen. Dabei war, was man seit dem 19. Jahrhundert poetisch Seidenstraße nennt, ein ganzes Geflecht an Wegen zwischen Morgen- und Abendland, das schon in vorchristlicher Zeit genutzt wurde. Die Handelsrouten führten vorbei an sagenumwobenen Städten, durch Wüsten und entlang der höchsten Gebirgsketten der Erde. Nicht nur materielle Güter reisten auf diesen Wegen, auch Ideen, Religionen, und Kulturen verbreiteten sich über die historische Seidenstraße. So sehr die Route die Phantasie der Vorfahren beschäftigte und beflügelte, so aktuell ist ihr Konzept bis auf den heutigen Tag geblieben, wie Chinas groß dimensioniertes Infrastrukturprojekt »Neue Seidenstraße« zeigt. Das Osterfestival der Elbphilharmonie, das sich im vierten Jahr in Folge mit historisch-regionalen Musikkulturen aus aller Welt beschäftigt, richtet nach »Transatlantik« (2017), »Kaukausus« (2018) und »Venedig« (2019) im kommenden Jahr nun seinen Blick auf Künstler und Kulturen aus den Ländern entlang der Seidenstraße und holt dafür zahlreiche Großmeister regionaler Musikstile nach Hamburg.

Das Publikum darf sich auf ein Programm freuen, das so vielfältig, farbenreich und für westliche Ohren oft so exotisch anmutet wie die Seidenstraße selbst. Auf das Eröffnungskonzert (9. April, 20 Uhr) mit Tan Duns Oratorium »Buddha Passion« unter der Leitung des Komponisten folgt am Karfreitag ebenfalls im Großen Saal ein Abend unter dem Titel »Eine musikalische Reise auf den Spuren von Marco Polo« mit dem griechischen Ensemble En Chordais um den Sänger und Oudspieler Kyriakos Kalaitzidis, das sich hierfür mit der legendären griechischen Volkssängerin Maria Farantouri, dem iranisch-kanadischen Ensemble Constantinople und weiteren internationalen Gästen zusammengetan hat. Ihr Konzert imaginiert Klangstationen auf der vielleicht realen, vielleicht bloß imaginierten Reise des Händlers Marco Polo aus dem venezianischen Mittelalter von Venedig über Zentralasien bis nach China (10. April, 18 Uhr).

Einen Soloabend auf der traditionellen Dombra, einer zweisaitigen Laute, und dem E-Bass gestaltet Mamer, ein chinesischer Musiker aus Xianjiang, der zur kasachischen Minderheit des Landes gehört. Die Inspiration für seinen von meditativer Innenschau geprägten Sound zieht er sich aus den Liedern der Wüstensteppe seiner Heimat Qatai (10. April, 20:30 Uhr, Kleiner Saal).

Schamanenklänge aus Kirgisistan, hervorgerufen auf hierzulande eher unerhörten Instrumenten wie Komuz, Sybyzgy, Temir Komuz oder Chopo Choor, lässt ein Trio um die charismatische Sängerin Roza Amanova erklingen (11. April, 17 Uhr, Kleiner Saal). Abends dann gibt es dort sowohl traditionelle als auch moderne Musik aus der Mongolei, wenn bei den beiden Ensembles Egschiglen & Khusugtun neben der Pferdekopfgeige, Lauten und Flöten auch der charakteristische, intensive Kehlkopfgesang und ein bisweilen schwindelerregender Groove zum Einsatz kommen (20 Uhr, Kleiner Saal).

Auch die Blockflötenvirtuosin Dorothee Oberlinger bereist gemeinsam mit dem Ensemble Sarband (Leitung: Vladimir Ivanoff) bei ihrem Programm »A Breath from Paradise« die Seidenstraße in west-östlicher Richtung. Ausgehend vom Venedig Vivaldis führt die Klangexpedition über osteuropäische Volkstänze bis zu Melodien aus Armenien und China, stets geprägt von den luftigen Tönen ihrer vielen Flöten (Ostersonntag, 17 Uhr, Kleiner Saal). Spektakuläres erwartet die Besucher am Ostersonntagabend im Großen Saal (20 Uhr), wenn »Der Ring des Nibelungen« als eine veritable Peking-Oper in Kooperation mit der China National Peking Opera Company präsentiert wird. Libretto und Regie wird von der gefeierten Regisseurin Anna Peschke verantwortet. Die 14 Rollen werden von sieben Sängern, Schauspielern und Tänzern übernommen. Ein zwölfköpfiges Ensemble spielt auf Instrumenten aus China und Europa die Musik von Aziza Sadikova.

Vier Meister der afghanischen Musik an Lauten und Perkussionsinstrumenten sind die Solisten des sechsköpfigen Ensemble Safar, das am Ostermontagnachmittag die Erinnerung an Sufi-Musik und klassische Stücke aus der Blütezeit der afghanischen Musikkultur im Kleinen Saal beschwört (17 Uhr). Am Abend zelebriert ein kleines Ensemble um den grandiosen Sänger Alireza Ghorbani tief bewegende iranische Musik (20 Uhr). Als Gast tritt der Lauten-Virtuose Majid Derakhshani an der Tar auf.

Der Musik der zentralasiatischen Nachbarstaaten Turkmenistan und Usbekistan, zu denen so märchenhaft klingende Städte wie Samarkand oder Buchara gehören, ist der letzte Abend des »Seidenstraße«-Festivals gewidmet. Die Sängerin Gulzoda Khudoynazarova trägt mit ihrem Trio den klassischen usbekischen Gesangszyklus Shashmaqam vor, der den musikalischen Reichtum der Region widerspiegelt. Aus der Tradition der Bakshi-Barden kommt der Turkmene Palvan Hamidov. Sein Gesangsvortrag im zweiten Teil des Konzerts erzählt von den Epen seines Volkes (14. April, 19:30 Uhr, Kleiner Saal).

Insgesamt finden zehn Konzerte statt, drei davon im Großen Saal.

Um die Beschäftigung mit der Seidenstraße über das Hören hinaus anzuregen, gibt es einige Begleitveranstaltungen zum Festival. So startet bereits am 1. April eine Filmreihe im Metropolis Kino zum Thema, und im Speicherstadtmuseum können im Rahmen von Elbphilharmonie+ zur Musik des afghanischen Ensembles Safar charakteristische Aromen und Gewürze verkostet werden, die einst über die Seidenstraße nach Europa kamen (3. April, 20 Uhr). Ein inspirierender Abend im chinesischen Teehaus an der Rothenbaumchaussee spürt den Weisheiten buddhistischer Philosophie auf vielfältige Weise nach – etwa in chinesischer Musik und in einer angeleiteten Meditation (7. April, 19 Uhr). Die Education der Elbphilharmonie richtet ein Gesprächskonzert mit der Gruppe Egschiglen aus, bei dem man etwas über die Geheimnisse mongolischer Instrumente wie die Pferdekopfgeige oder die Schwanenhalslaute erfährt sowie über die Kunst des Obertongesangs (5. April, 19 Uhr, Kaistudio 1, Elbphilharmonie).

Ein Angebot an verschiedenen Workshops rundet das Festival ab.

Karten für die Konzerte des Festivals »Seidenstraße« sind ab sofort im Internet unter elbphilharmonie.de und an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

Programm

Elbphilharmonie+ Spicy Silk Road
Speicherstadtmuseum
Fr, 3.4.2020, 20 Uhr
Ensemble Safar

Elbphilharmonie+ Wenn die Pferdekopfgeige singt…
Elbphilharmonie Kaistudio 1
So, 5.4.2020, 19 Uhr
Gruppe Egschiglen

Elbphilharmonie+ Buddhas Weisheit
Teehaus Hamburg Yu Garden
Di, 7.4.2020, 19 Uhr

China: Buddha Passion
Elbphilharmonie Großer Saal
Do, 9.4.2020, 20 Uhr
Symphoniker Hamburg / Internationale Chorakademie Lübeck / Tan Weiwei / Batubagen / Yining Chen / Tan Dun

Elbphilharmonie+ Workshop: »Saitenstraße« – Eine musikalische Reise
Elbphilharmonie Kaistudio 1
Fr, 10.4.2020, 12 Uhr
Majid Derakhshani

Auf den Spuren von Marco Polo
Elbphilharmonie Großer Saal
Fr, 10.4.2020, 18 Uhr
Maria Farantouri / En Chordais / Ensemble Constantinople

Solo-Abend mit Dombra und E-Bass
Elbphilharmonie Kleiner Saal
Fr, 10.4.2020, 20:30 Uhr
Mamer

Elbphilharmonie+ Workshop: »Saiteninstrumente der Seidenstraße«
Elbphilharmonie Kaistudio 3&4
Sa, 11.4.2020, 12 Uhr / 14 Uhr

Kirgisistan: Epenlieder und Schamanenklänge
Elbphilharmonie Kleiner Saal
Sa, 11.4.2020, 17 Uhr
Roza Amanova / Aibek Kanybekov / Elaman Kanybekov

Mongolei: Die Musik der Nomaden
Elbphilharmonie Kleiner Saal
Sa, 11.4.2020, 20 Uhr
Gruppe Egschiglen

Elbphilharmonie+ Workshop: »Saiteninstrumente der Seidenstraße«
Elbphilharmonie Kaistudio 3&4
S0, 12.4.2020, 12 Uhr / 14 Uhr

Elbphilharmonie+ Workshop: Zwischentöne: Persische und afghanische Mikrotonalität
Elbphilharmonie Kaistudio 1
S0, 12.4.2020, 14 Uhr
Ensemble Safar

A Breath from Paradise
Elbphilharmonie Kleiner Saal
So, 12.4.2020, 17 Uhr
Dorothee Oberlinger / Ensemble Sarband

China: Peking-Oper trifft »Der Ring des Nibelungen«
Elbphilharmonie Großer Saal
So, 12.4.2020, 20 Uhr
Mitglieder der China National Peking Opera Company / Aziza Sadikova / Qiu Xiaobo / Anna Peschke / Wang Huquan

Afghanistan: Sufi-Musik und Verlorengegangenes aus Kabul
Elbphilharmonie Kleiner Saal
Mo, 13.4.2020, 17 Uhr
Ensemble Safar

Iran: Alireza Ghorbani / Majid Derakhshani
Elbphilharmonie Kleiner Saal
Mo, 13.4.2020, 20 Uhr
Alireza Ghorbani / Majid Derakhshani / Saman Samimi / Milad Mohammadi / Saraei Pouya / Zakaria Yusefi

Usbekistan & Turkmenistan
Elbphilharmonie Kleiner Saal
Di, 14.4.2020, 19:30 Uhr
Gulzoda Khudoynazarova / Bekzod Safarov / Farruh Vohidov / Palvan Hamidov / Atakov Spartak / Aydogdyev Kerven

elbphilharmonie.de