Eine außerordentliche Spielzeit der Burgfestspiele Bad Vilbel 202 endet mit positiver Bilanz

Ende gut – alles gut.

Soll ich Dich einem Sommertag vergleichen ~ Burgfestspiele Bad Vilbel ~ © Eugen Sommer

Im zweiten Jahr im Zeichen der Corona-Pandemie stehend, haben sich die Burgfestspiele Bad Vilbel mehr als wacker für die Kultur geschlagen. 56 200 ZuschauerInnen belohnten das Standvermögen der Burgfestspiele in der 36. Spielzeit. Mit der letzten Vorstellung der Inszenierung „Die Comedian Harmonists“ und von dem Musical für alle ab 6 Jahren „Das Dschungelbuch“ wurden am 12. September Schauspielerinnen und Musicaldarsteller verabschiedet.

Die Verlängerung um eine Woche bis zum 19. September erfolgte, weil die Burgfestspiele Termine nachholten für die Gastspiele, die im Juni und Juli wegen der geringen Anzahl an zugelassenen Plätzen in der Burg nicht hätten auftreten können. Und daher gingen am Sonntagabend die Burgfestspiele endgültig mit einem grandiosen Konzert von Annett Louisan zu Ende.

Nach diesem durchwachsenen Sommer, der sehr oft die Blicke des Intendanten Claus-Günther Kunzmann auf den „Regenradar“ lenkte, konnte die Schlussbilanz doch recht positiv ausfallen. Denn das Wetter spielte eine untergeordnete Rolle in diesem außergewöhnlichen Jahr …

Deutlich erleichtert äußern sich Intendant und Bürgermeister Dr. Thomas Stöhr über die zu Ende gegangenen 36. Burgfestspiele Bad Vilbel. Denn kaum ein Platz war frei bei den meisten Vorstellungen. Und wenn dies der Fall war, dann eher wegen der Corona-Maßnahmen und dem notwendigen Abstand zwischen zwei Menschen, die nicht aus einem Haushalt stammen.

Ihre Entscheidung vom Herbst 2020, als sich Bürgermeister und Intendant darauf verständigt hatten, die Festspiele für den Sommer 2021 so vorzubereiten, als wäre es ein ganz ‚normaler‘ Sommer, erwies sich als richtig. Jederzeit waren die Burgfestspiele bereit, den angesetzten Spielplan zu erfüllen und damit konnten im Mai die beiden ersten Premieren im Bereich „Theater für Kinder“ schon vor ZuschauerInnen stattfinden – die erste noch als interne Vorstellung, die zweite bereits vor ‚richtigen‘ Kartenkäufern. Damit waren die Burgfestspiele Bad Vilbel das erste Theater in Hessen, das seine Toren nach dem Lockdown öffnete, was sogar in überregionalen Medien veröffentlicht wurde. Mit jeder Verordnung und der Auslegung durch das Land Hessen änderten sich die Rahmenbedingungen, die Tribünen wurden angepasst und umgebaut, Trennscheiben eingezogen und beim nächsten Beschluss nochmals verändert, um noch mehr Publikum einlassen zu können.

Im Kartenbüro: umbuchen und tauschen

Eine unglaubliche Leistung musste das Kartenbüro-Team vollbringen, um über die Änderungen der Sitzpläne und die KundInnen über die damit einhergehenden notwendigen Platzänderungen für bereits gekaufte Karten zu informieren. Auch der Umgang mit den Maßnahmen, die sich im Laufe der Monate änderten, wurde in das Hygienekonzept eingearbeitet.

Kontaktfreies Proben

Vor allem in der Zeit der Proben wurde über das Testen, das Impfen und die Abstandsregeln auf der Bühne sehr genau darauf geachtet, dass möglichst kein über eine kurzfristige Begegnung hinausgehendes Aufeinandertreffen inszeniert wurde. Auch Umarmungen oder direktes Ansprechen wurden, soweit möglich, vermieden. Regie und Choreographie standen somit vor herausfordernden Überlegungen, die sie kreativ umsetzten.
Der nackte Wahnsinn“ in der Regie von Adelheid Müther, probte grundsätzlich mit Maske, erst auf der Bühne im Freien konnten die SchauspielerInnen darauf verzichten, doch hinter der Bühne galten sofort wieder alle Maßnahmen. Im Musical „Sister Act“ war zur Unterstützung des Ensembles wie so häufig der Vilbeler Chor dabei, diesen ließ Regisseur Christian H. Voss ausschließlich getrennt von dem Ensemble proben und auf den Burgmauern tanzen, Distanz hieß die Vorsichtsmaßnahme. Gleichzeitig war es Ziel, den Zuschauern und Zuschauerinnen das Gefühl zu vermitteln, dass Corona keine Rolle auf der Bühne spielt. Claus Kunzmann meinte, auch wenn sich die Burgfestspiele in Vorsicht übten, gehöre dennoch ein gutes Quäntchen Glück dazu, dass es zu keinerlei Krankheits- und Quarantänefällen kam, die den Betrieb zum Erliegen gebracht hätten.

Die Inszenierungen

In der Sparte „Theater für Kinder“ brachte Bastian Balthasar Bux in der Regie von Kirsten Uttendorf „Die unendliche Geschichte“ mit der Kraft der Phantasie zu Ende, ein Hingucker für Jung und Alt auch wegen der bis ins kleinste Detail liebevoll ausgearbeiteten Kostüme von Claus Stump.

Christian H. Voss beeindruckte mit seiner lebendigen Inszenierung von „Das Dschungelbuch“ aufs Neue und Mowgli sang sich in die Herzen aller – nur den Tiger Shere Khan konnte er nicht auf seine Seite ziehen. Über 17.500 ZuschauerInnen, Kinder und Familien, kamen insgesamt in die Burg zu diesen beiden Inszenierungen und hatten offensichtlich große Freude am Spiel.

Auf der großen Bühne verabschiedete sich Ende August „Was Ihr wollt“. Regisseurin Milena Paulovics und ihrem Team gelang es, Shakespeares Komödie um die Liebe spannend, aktionsreich und unterhaltsam auf die Bühne zu bringen. Wer sich als was ausgibt und welche Verwirrungen daraus entstehen können, führten zu einem Abend mit Witz und Tiefgang.

Die Boulevardkomödie „Der nackte Wahnsinn“ riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin über den Einblick in ein Theaterleben hinter den Kulissen – ‚Timing‘ heißt das Zauberwort von Regisseurin Adelheid Müther und das Ensemble verwirklichte die Vorgabe bravourös.

Sister Act“ war die bestbesuchte Inszenierung in der Spielzeit 2021 und brachte das Publikum in Schwung durch die Leidenschaft der DarstellerInnen in Tanz und Gesang wie auch die überraschenden Wendungen in der Geschichte um die ‚falsche‘ Nonne.

Für „Die Comedian Harmonists“ setzte Regisseur Ulrich Cyran, gemeinsam mit dem Musikalischen Leiter Horst Maria Merz, einfühlsam auf die dokumentierten Erinnerungen der sechs Sänger, die innerhalb von sieben Jahren (1927 bis 1934) die Musikwelt prägten. Gute Laune verbreiteten die schwungvoll dargebotenen Songs, andererseits wurde durch die Inszenierung, die auf den realen Lebensläufen beruhte, bewusst, wie unbarmherzig die Nationalsozialisten mit Menschen umgingen.

Ein berührender Abend. Im Theaterkeller wurde, als die Coronabedingungen es zuließen, die moderne Liebesgeschichte „Eine Sommernacht“ für zwei Darsteller von Regisseur Ulrich Cyran in Szene gesetzt. Außerhalb der Burgmauern wurde ein neues Format entwickelt, mit dem Audiowalk „Soll ich Dich einem Sommertag vergleichen“ konnten ab dem 28. August im illuminierten Burgpark Shakespeares Sonette über Kopfhörer gehört werden. Das poetisch wirkende und interaktiv aufgebaute Werk der Regisseurin Milena Wichert mit dem Kollektiv Hella Lux erfreute sich regen Zuspruchs.

Zusammenfassend

Bürgermeister wie Intendant zeigen sich hochzufrieden; dass sich der Einsatz gelohnt habe, sind sich beide sicher. Kämmerer Stöhr äußert sich über die Einnahmen verhalten positiv: „Wir haben mehr Karten verkauft als gedacht und liegen bei den Besucherzahlen 20 Prozent über den Erwartungen.“

Dennoch dürfen die Kosten der vielen Maßnahmen zur Sicherung der Gesundheit des Teams wie der ZuschauerInnen nicht vernachlässigt werden. Es gab Abend für Abend mehr Personal im Kartenbüro wie bei den Hostessen, es gab eine Menge Umbauten, die zusätzlich geleistet werden mussten, zusätzliche Geräte im Innenbereich, Desinfektionsmittel und Teststäbchen en masse usw. usf.

Claus Kunzmann betont, dass bei allen Eingriffen durch Corona die qualitativ hochwertige Arbeit der Regie und der Teams keineswegs gelitten habe. Großes Lob zollten Intendant Claus-Günther Kunzmann und Herr Stöhr dem gesamten Team, von der Technik angefangen, über das Kartenbüro und den Hostessen wie der Gastronomie, die sich im Wochentakt auf neue Wege einzustellen hatten. Zumal niemand über den Mehraufwand klagte. Kunzmann dankte den RegisseurInnen und ihren jeweiligen Teams für die Ausstattung der Bühne, für die Choreographien, die Kostüme und/oder die jeweils spezifischen Erfordernisse, vor allem für den kreativen Umgang mit dem Kontaktverbot auf der Bühne – was im Übrigen, je weiter der Sommer voranschritt, umso leichter wurde. Als Motto dieser Spielzeit könnte man formulieren: Phantasie und Flexibilität waren gefragt wie nie!

Die Zahlen

56 200 ZuschauerInnen besuchten 154 Vorstellungen. 87 eigene Inszenierungen im Abendprogramm, 53 Inszenierungen in der Sparte „Theater für Kinder“, 13 Vorstellungen im Gastspielprogramm, verteilt auf abends und „sonntags um 12“. Insgesamt kamen 32 000 BesucherInnen zu den Abendvorstellungen, 17 500 BesucherInnen zum „Theater für Kinder“, das Gastprogramm fand vor insgesamt 5 500 ZuschauerInnen statt: Zu den sonstigen Angeboten kamen ca. 1200 BesucherInnen. Somit kann selbst eine Spielzeit wie diese als erfolgreich und vielversprechend abgeschlossen werden. Was 2022 sein wird? Nun, Thomas Stöhr und Claus Kunzmann äußern sich optimistisch:

Alles wird normal.

Demnächst mehr aus diesem Theater zur neuen Spielzeit 2022 …


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