»Don Quichotte« als Oper und als Theaterstück bei den Bregenzer Festspielen

Don Quichotte ~ Bregenzer Festspiele ~ Ensemble (© Bregenzer Festspiele / Karl Forster)

Jules Massenets Oper Don Quichotte feiert am 18. Juli 2019 Premiere im Festspielhaus Bregenz. Zwei Tage später zeigt das Deutsche Theater Berlin den Schauspiel-Klassiker Don Quijote als Premiere und Koproduktion in der Inszenierung von Jan Bosse (mit Ulrich Mathes und Wolfram Koch) im Theater am Kornmarkt.


Der „Ritter von der traurigen Gestalt“ mit seiner Großzügigkeit und Phantasie ist eine der faszinierendsten Figuren der Weltliteratur. Don Quijotes Kampf gegen die Windmühlen, in denen er furchtbare Riesen sieht, wurde zum Symbol seiner Identität. Auf der Opernbühne machte ihn der französische Komponist Jules Massenet zum leidenschaftlich Liebenden. Don Quichotte singt Dulcinée ein wunderschönes Ständchen und bringt ihren gestohlenen Schmuck aus den Händen gefährlicher Räuber zurück, dennoch lehnt sie seinen Heiratsantrag ab. Anders als in Miguel de Cervantes‘ Vorlage wird seine Angebetete zur realen Bühnengestalt, die, so Massenet, „das Element weiblicher Schönheit“ und „einen mächtigen poetischen Anreiz“ ins Stück trage. Für sie begibt sich der Ritter in Lebensgefahr und erlangt heldenhaft ihren Schmuck zurück.

Dem Wechselspiel von Phantasie und Wirklichkeit spürt Massenet in seiner Musik nach. Gekonnt verleiht der Komponist den unterschiedlichen dramatischen Situationen ihren eigenen musikalischen Stil. Mit Kastagnetten und prägnanten Rhythmen illustriert er das spanische Dorfleben. Dulcinées Verehrer besingen ihre Schönheit in madrigalartigem Ton, schillernde Farben im Orchester begleiten Don Quichottes Liebeserklärung.

Die Regisseurin Mariame Clément hat mit Inszenierungen unter anderen im Theater an der Wien, an der Opéra national du Rhin Strasbourg, Opéra national de Paris, Royal Opera House Covent Garden und beim Glyndebourne Festival auf sich aufmerksam gemacht.


Don Quichotte
Bregenzer Festspiele
Don Quichotte (Gábor Bretz)
© Bregenzer Festspiele / Karl Forster

Don Quichotte
Comédie héroïque in fünf Akten (1910)
Von: Jules Massenet
Libretto von Henri Cain nach Jacques Le Lorrains Le Chevalier de la longue figure (1904)

Premiere bei den Bregenzer Festspielen: 18. Juli 19 (Festspielhaus)

Musikalische Leitung: Antonino Fogliani
Inszenierung: Mariame Clément
Bühne: Kostüme Julia Hansen

Besetzung:

Dulcinée: Anna Goryachova
Don Quichotte: Gábor Bretz
Sancho: David Stout
Pedro: Léonie Renaud
Garcias: Vera Maria Bitter
Rodriguez: Paul Schweinester
Juan: Patrik Reiter

Wiener Symphoniker
Prager Philharmonischer Chor


Don Quijote

Ein verarmter Junker aus La Mancha kann nicht mehr zwischen Dichtung und Wahrheit unterscheiden. Nach der Lektüre unzähliger Ritterromane – die Zeit der Ritter ist längst vorbei – ernennt er sich selbst zu Don Quijote von der Mancha und überträgt sich die ehrenvolle Aufgabe, seine Mitmenschen gegen böse Mächte zu verteidigen und für Gerechtigkeit zu sorgen.

Aus Pappdeckeln bastelt er einen Helm, putzt die rostige Rüstung und gibt seinem alten Gaul den wohlklingenden Namen Rocinante. Selbstverständlich braucht es auch noch einen treuen Knappen, den er im nur scheinbar naiven Sancho Panza mit seinem Esel fndet. So ist alles bereitet für Heldentaten und Ruhm. Vor allem soll aber die Herzensdame, ein einfaches Bauernmädchen alias Dulcinea von Toboso, erobert werden. Doch die Schlachten gegen Windmühlen, in denen Don Quijote Riesen sieht, münden in krachende Niederlagen, an deren Ende er brutal verprügelt wird. Beschützt von Sancho Panza kehrt er erfolglos als Ritter von der traurigen Gestalt in seine Heimat zurück. In dieser Koproduktion werden die beiden durch ein ebenso kongeniales Paar verkörpert, zwei Recken der Schauspielkunst: Ulrich Matthes und Wolfram Koch. Gemeinsam mit Jan Bosse — Regisseur für phantastische Stoffe und Erzähler großer Geschichten — begeben sie sich in ein gleichermaßen theatrales wie gesellschaftspolitisches Rollenspiel und gehen den Fragen nach, worin der Reiz liegt, jemand anderes zu sein und ob wir nicht vielleicht wieder einen Don Quijote brauchen könnten, um dem eindimensionalen Denken und begrenzten Zukunftsglauben unserer Zeit etwas Utopisches entgegenzusetzen.

Don Quijote
Roman von: Miguel de Cervantes
Bühnenfassung: Jakob Nolte nach Miguel de Cervantes (in der Übersetzung von Susanne Lange)
Koproduktion mit Deutsches Theater Berlin

Premiere bei den Bregenzer Festspielen: 22. Juli 19

Inszenierung: Jan Bosse
Bühne: Stéphane Laimé
Kostüme: Kathrin Plath
Musik: Arno Kraehahn
Dramaturgie: David Heiligers

Mit: Ulrich Matthes, Wolfram Koch


Die Bregenzer Festspiele 2019 finden von 17. Juli bis 18. August 2019 statt. Tickets und Infos unter +43 (0)5574 407-6 und bregenzerfestspiele.com.