Doku »Der weiße Blick – Expressionismus und Kolonialismus« am Sonntag auf ARTE

Emil Noldes Gemälde "Palmen am Meer" (1914) - Südseeromantik durch malerische Raffinesse. In den Werken des expressionistischen Künstlers wird der Einfluss der Kolonisierung ausgeblendet. © Nolde Stiftung Seebüll

„Der weiße Blick – Expressionismus und Kolonialismus“ erzählt die Geschichte des deutschen Expressionismus erstmals im Kontext kolonialer Ausbeutung und rassistischer Menschenkunde.

Als Emil Nolde und Max Pechstein um 1910 zum damaligen Deutsch-Neuguinea und zu den Palau-Inseln reisten, war ihr „Südsee-Paradies“ bereits durch die europäischen Kolonialherren zerstört. Sie wollten die Malerei in Deutschland revolutionieren und sich dazu an der Ursprünglichkeit der indigenen Kunst schulen. Sie blendeten den Untergang der fremden Welt aus und malten in der Südsee so, wie sie es als „weißen Blick“ mitgebracht hatten:

Max Pechsteins Gemälde „Ronmay“ (1917): In seinen Aufzeichnungen betont er, wie gern er die schöne Häuptlingstochter malte- und lässt dabei offen, ob auch außerhalb der Kunst eine intime Beziehung zwischen ihnen bestand.
© Max Pechstein-Urheberrechtsgemeinschaft

Ernst-Ludwig Kirchner blieb zu Hause, baute sich im Atelier die Südseeexotik als Ambiente nach. Nolde und Pechstein, die von ihren Ehefrauen begleitet wurden, blendeten vor Ort den Untergang der fremden Welt aus. Ihre Südsee-Sehnsucht hatten Nolde, Kirchner und Pechstein durch Besuche in den Völkerkundlichen Museen in Berlin und Dresden genährt, wo sie ersten Kontakt mit der Kunst fremder Kulturen hatten

Der Franzose Paul Gauguin war ein Vorbild, wie mit Bildern über das vermeintlich „Wilde“ und „Primitive“ auf dem Kunstmarkt Aufmerksamkeit und Erfolg zu erzielen war. Die Malreisen von Nolde und Pechstein waren durch Schulden finanziert. Für beide endete das Südsee-Abenteuer in einem Fiasko.

1914 brach der Erste Weltkrieg aus, Emil Nolde konnte Deutsch-Neuguinea gerade noch verlassen, verlor unterwegs viele seiner Bilder. Max Pechstein geriet in japanische Gefangenschaft und musste nach dem Krieg neu beginnen.

Mit vielen erstmals gezeigten Fotos von den Südseereisen zeichnet der Film die Geschichte einer künstlerischen „Ausbeutung“ nach.

TV-Ausstrahlung: Sonntag, 14. November 2021 um 16:10 Uhr (Erstausstrahlung)
Online verfügbar
vom 14. November 2021 bis 11. Februar 2022

arte.tv


Regisseur Wilfried Hauke

Wilfried Hauke studierte Germanistik, Geschichte und Nordistik in Kiel und Kopenhagen und promovierte mit einem Buch über skandinavische Theaterliteratur. Ab 1991 war er Kulturredakteur beim NDR und ab 2001 Producer bei Studio Hamburg. Seit 2018 produziert und realisiert Wilfried Hauke dokumentarische Filme und Serien mit der eigenen Firma IDA Film & TV Produktion

Haukes Film SCHWESTERN IM LEBEN mit den skandinavischen Stars Liv Ullman, Bibi Andersson und Ghita Nørby eröffnete 2002 die Nordischen Filmtage in Lübeck. Mit den Dokumentarspielen LINCOLNS LETZTE NACHT 2008 und EINE KÖNIGLICHE AFFÄRE 2010, die in amerikanischer und skandinavischer Koproduktion entstanden, wurde er auch international zu einem namhaften Regisseur. Das Doku-Drama CHRISTINA WASA / Die wilde Königin, eine Koproduktion von SVT, ARTE, ZDF und DR, war 2015 eines der erfolgreichsten TV-Programme in Schweden. Für die ARTE/ARD-Serie DER LUTHER CODE, die auch weltweit in vielen Sprachen über die Deutsche Welle DW zu sehen war, erhielt er 2017 den Hauptpreis des Comenius-Awards. Sein Film DER WEISSE BLICK (ARTE/NDR 2021) erzählt erstmals die Geschichte des deutschen Expressionismus im Kontext von kolonialer Ausbeutung und rassistischer Menschenkunde.Zurzeit arbeitet Wilfried Hauke für ARTE/ZDF und France 3 an einem Doku-Drama über die Raubgeschichte des Bildteppichs von Bayeux durch die SS. Mit der Studio Hamburg-Tochter NORDFILM realisiert er als Creative Producer den TV-Spielfilm „Hauke Haiens Tod“ für ARDDegeto, der nach der berühmten Novelle „Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm und einem Roman von Robert Habeck entsteht.

Filmografie (eine Auswahl)

2021 2021 „Der weiße Blick – Expressionismus und Kolonialismus“, Dokumentation (ARTE/ NDR), 53 Min.
20202020 „Karl V. – Wunsch und Wirklichkeit“, Dokumentation (ARTE/ZDF), 52 Min.
20192019 „Max Pechstein – Geschichte eines Malers“, Dokumentarfilm, (NDR/MDR), 85 Min.
20182018 „Die Penicillin Story“, Dokumentation, (ARTE/ZDF), 52 Min.
20162016 „Der Luther-Code“, Dokudrama, (ARTE/rbb/SWR/RB), 6 X 52 Min.
20152015 „Bismarck – Härte und Empfindsamkeit“, Dokumentation, (ARTE/ZDF), 52 Min.


Stab:

Buch & Regie: Wilfried Hauke
Kamera: Boris Mahlau / Adam Morris
Schnitt & Animation: Sonja Kieschnick
Musik und Sepcial Effects: Goerge Kochbeck
Ton: Torsten Reimers / Katrine Philip
Mischung: Stefan Schumacher
Sprecher: Stephan Schad

Produktion und Redaktion:

Produktionsleitung: Fabian Preuss (IDA) / Melanie Clausen (ARTE / NDR)
Redaktionsassistenz: Juliane Kirchberger (ARTE/NDR)
Redaktion:
Ulrike Dotzer (ARTE/NDR)
Philipp Abresch (ARTE/NDR)
Christoph Bungartz (NDR)
Olaf Rosenberg (ARTE G.E.I.E.)