Digitale Opern-Uraufführung »Isolation Club« am Theater Chemnitz

Isolation Club ~ Die Theater Chemnitz ~ © Dieter Wuschanski

Die Welt im Lockdown: Hannah ist Youtuberin und gibt fröhliche Durchhalteparolen an ihre Follower aus. Bis Paul dazwischenfunkt. Paul ist auf der Suche nach etwas Echtem, einem Halt und rutscht bald in Verschwörungstheorien ab. Was sie vereint? Die Sehnsucht nach dem Leben, dem wahren Kontakt trotz Social Media und Social Distancing. Und wo könnte man das Leben eher finden als in einem Club? Mit wummernden Beats, verschwitzten Körpern und Alkohol. Hannah und Paul begeben sich auf eine Reise. Die Grenzen zwischen analoger und digitaler Welt verschwimmen, auch musikalisch. Aber welche Isolation ist real, welche findet nur im Kopf statt?

Das junge Autorenduo Florian Stanek und Sebastian Brandmeir haben mit „Isolation Club“ ein Auftragswerk vorgelegt, das die aktuelle globale Lebensrealität vor allem junger Menschen in besonderer Intensität künstlerisch verarbeitet. Zwei Figuren, eingeschlossen in einem Leben auf Distanz, spüren im Rausch der Musik, im unmittelbaren Erleben des Beats der ersehnten Gemeinschaftlichkeit und Verbundenheit nach. Doch nicht nur durch, sondern auch in der Musik werden Grenzen überschritten. Piano, Violine und Kontrabass verleihen der Kammeroper eine klassische bzw. analoge Stilistik. Konterkariert wird sie durch elektronische Sounds, die der renommierte Chemnitzer DJ und Musikproduzent Olaf Bender live erschafft. Mit einer Mischung aus Bach-Fuge, Schubert-Lied, Operette, Zwölfton- und Neuer Musik sowie Pop, Dance, House und Techno streift das Stück durch verschiedenste Stilistiken, um sowohl die Figuren als auch das Publikum über die basale menschliche Erfahrung der Musik zu verbinden.

In der Regie von Veit-Jakob Walter und der Ausstattung von Claudia Weinhart wird die analoge und vor allem digitale Lebensrealität der beiden Figuren in den realen Raum des Chemnitzer Clubs Transit transformiert. Im ehemaligen Südbahnhof gelegen, bietet der Ort authentische Clubatmosphäre im Herzen von Chemnitz und ist Teil der Kulturbahnhof Chemnitz GmbH, die sich der Förderung von Kunst und Kultur, der Jugendhilfe, Kreativwirtschaft, des bürgerschaftlichen Engagements verschrieben hat. Marlen Bieber und Felix Rohleder, Mitglieder des neu gegründeten Chemnitzer Opernstudios, werden in dieser ersten Studioproduktion als Hannah und Paul zu erleben sein.

Die Vorstellungen von „Isolation Club“ sind vorerst nur als Stream zu erleben. Natürlich hoffen alle Beteiligten darauf, diese Produktion zukünftig auch als Live-Theater mit Publikum im Club Transit aufführen zu können.

DAS OPERNSTUDIO DER THEATER CHEMNITZ

Gemeinsam mit der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden haben die Theater Chemnitz mit Beginn der Spielzeit 2020/2021 ein Opernstudio gegründet. Die Sparte Musiktheater der Städtischen Theater und die Hochschule betreuen gemeinsam den Kooperationsstudiengang Gesang Bühnenpraxis Solo für Masterstudierende. Mit dem Opernstudio wird der Weg der Nachwuchsförderung im Musiktheater der Theater Chemnitz konsequent beschritten. Vier junge Sängerinnen und Sänger erhalten die Möglichkeit, sich in einer zweijährigen vertiefenden, praxisorientierten Ausbildung auf ihre Bühnenlaufbahn vorzubereiten, um ihnen den Berufseinstieg zu erleichtern.


ISOLATION CLUB

Uraufführung

Eine Kammeroper mit Beats für Mezzosopran und Bassbariton von Florian Stanek und Sebastian Brandmeir
Ein Auftragswerk der Theater Chemnitz

Onlinepremiere: 11. Juni 2021, 19.00 Uhr
Weitere Onlinetermine: 14. / 17. / 19. Juni 2021
Der Stream ist kostenfrei oder gegen Spende jeweils 19.00 Uhr für 24 Stunden auf theater-chemnitz.de abrufbar
Ort: Club Transit Chemnitz

Team und Besetzung:

Musikalische Leitung: Jeffrey Goldberg
Inszenierung: Veit-Jacob Walter
Bühne und Kostüme: Claudia Weinhart

Hannah: Marlen Bieber
Paul: Felix Rohleder

DJ / Musikalischer Supervisor: Olaf Bender
Klavier: Jeffrey Goldberg
Violine: Ovidiu Simbotin (Robert-Schumann-Philharmonie)
Kontrabass: Jörg Scholz (Robert-Schumann-Philharmonie)

BIOGRAFISCHES ZU TEAM UND BESETZUNG

Jeffrey Goldberg (Musikalische Leitung) studierte u. a. bei Luise Vosgerchian, Sarah Benson, Leonard Bernstein, Joe Maneri und Ivan Tcherepnin und lehrte u. a. an der Harvard University, der Boston Arts Academy, dem Banff Centre, am Rivers School Conservatory sowie am New England Conservatory of Music. Seine Improvisationen hat er auf Konzertbühnen und bei Festivals in Nordamerika und Europa vorgestellt – z. B. beim Palau de la Música Catalana, beim Frankfurter Jazzkeller sowie beim vs. Interpretation Festival & Symposium in Prag. Seine Kompositionen reichen von Werken für Klangheilen, Crossover und Multimedia Events bis hin zu zwei Aufträgen für das Staatstheater Hannover – eine Oper und ein Ballett. Jeffrey Goldberg arbeitete u. a. mit Yo-Yo Ma und Bobby McFerrin für den Film „Yo-Yo Ma at Tanglewood“. Er gibt Workshops in Improvisation und war und ist als Konzertpianist, Dirigent und Repetitor in Deutschland und in den USA sowie als Musikdirektor an mehreren Theatern in Boston tätig. Er promovierte auf dem Gebiet der Pädagogik (Doctor of Education, Harvard University). Seit der Spielzeit 2009/2010 ist er an der Oper Chemnitz engagiert.

Veit-Jacob Walter (Inszenierung) begann früh, sich mit Musik, Literatur, Sprache, Musiktheater und insbesondere dem Stil des Expressionismus zu beschäftigen. Als Regieassistent und Regisseur war er an freien Musiktheaterproduktionen von Barockmusik bis experimentellem Musiktheater beteiligt. Außerdem ist er als freischaffender Musiker (Komposition, Cembalo, Orgel, historische Tasteninstrumente) tätig. Seit 2018 hat er eine Dozentur für Cembalo und Musiktheorie an der Université Antonine Beirut inne, wo er am Aufbau des ersten libanesischen Center for Early Music beteiligt war. Er ist Gründungsmitglied des CAFÉ INTERNATIONAL baroque orchestra, bei dem er als Regisseur und Cembalist mitwirkt. Der Gewinner zahlreicher Preise studierte Orgel und Komposition in Freiburg, Hannover, Berlin und Regensburg. Sein Cembalostudium in Linz sowie seine Studien der frühen Tasteninstrumente an der Schola Cantorum Basiliensis schloss er mit dem Abschluss Master of Arts (M.A.) und Auszeichnung ab. Seit 2020 ist er an der Oper Chemnitz engagiert.

Claudia Weinhart (Bühne und Kostüme) studierte Architektur an der TU München sowie Szenografie an der Hochschule Rosenheim und der Hochschule für Fernsehen und Film München. 1998 bis 2000 war sie als Ausstattungsassistentin an der Bayerischen Staatsoper in München engagiert und arbeitete dort u. a. mit Stefanos Lazaridis, Peter Mussbach und Paul Steinberg. Es folgten Gastassistenzen bei den Bregenzer Festspielen, an der Staatsoper Unter den Linden in Berlin, am Theater an der Wien und an der Nederlandse Opera in Amsterdam. Seit 2002 ist Claudia Weinhart freiberuflich tätig. Sie arbeitete u. a. für die Orff-Festspiele Andechs, am Theater Naumburg, am Landestheater Niederbayern in Landshut, am Pfalztheater Kaiserslautern, am Landestheater Eisenach, am Nordharzer Städtebundtheater in Quedlinburg, an der Oper Breslau, an der Bayerischen Staatsoper in München und am Hessischen Staatstheater Wiesbaden. Als Ausstattungsleiterin des Opernloft in Hamburg erhielt sie 2009 für das Bühnenbild von „Die Perlenfischer“ den Rolf-Mares-Preis der Hamburger Theater. An den Theatern Chemnitz entwarf sie bereits das Bühnenbild für „Die Walküre“ und zeichnete für die Ausstattung von Georg Kreislers „Heute Abend: Lola Blau“ und „Ein Ehemann vor der Tür“ verantwortlich.

Marlen Bieber (Hannah) studiert seit 2016 an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden bei Margret Trappe-Wiel und Lothar Odinius. Weitere wertvolle Impulse erhielt sie in der Liedklasse von KS Olaf Bär und bei zahlreichen Meisterkursen, u. a. bei KS Britta Schwarz, Hedwig Fassbender und Lucja Zarzycka. Erste Bühnenerfahrungen sammelte sie in der Hochschulproduktion „Le nozze di Figaro“. 2018 debütierte sie als 2. Knabe („Die Zauberflöte“) an der Staatsoperette Dresden und sang 2020 dort den 2. Pagen („Die Banditen“). Zudem war sie für mehrere Produktionen am Staatsschauspiel Dresdens verpflichtet. Ihre Leidenschaft gilt außerdem dem Konzertfach. Einen besonderen Höhepunkt stellt ein Liederabend in der Semperoper Dresden 2019 dar. Regelmäßig ist sie in den großen Oratorien von Bach zu hören und arbeitete u. a. mit Hans-Christoph Rademann, Georg Christoph Sandmann und Eckehard Stier zusammen. Marlen Bieber ist Mitglied des Opernstudios der Theater Chemnitz und war hier bereits in der Produktion „Ein Ehemann vor der Tür“ sowie im Konzert zu erleben.

Felix Rohleder (Paul) studiert seit 2016 an der Hochschule für Musik „Carl Maria von Weber“ Dresden in der Klasse von Jörg Hempel und wurde hier von KS Olaf Bär im Liedgesang und von KS Britta Schwarz im Oratorienfach unterrichtet. Weiterhin konnte er als Solist in der Dresdner Konzertreihe „Kantaten im Palais“ unter Hans-Christoph Rademann Erfahrungen im Bereich der barocken Aufführungspraxis sammeln. Verschiedene Meisterkurse bei Georg Zeppenfeld, Roland Schubert, Regina Werner-Dietrich, Thomas Quasthoff und Jukka Rasilainen ergänzen seine Ausbildung. Bereits während seines Gesangsstudiums debütierte er in verschiedenen Rollen auf der Opernbühne, u. a. als Masetto in Mozarts „Don Giovanni“, als Figaro in Mozarts „Le nozze di Figaro“ und als Diktator in Kreneks „Der Diktator“. Im Sommer 2019 nahm er an der Internationalen Sächsischen Sängerakademie teil und konnte den Förderpreis der Dozenten gewinnen. 2021 erhält er das Bayreuth-Stipendium des Richard-Wagner-Verbands Dresden. Felix Rohleder ist Mitglied des Opernstudios der Theater Chemnitz und war hier bereits in Konzerten zu erleben.

Das kreative Schaffen des Chemnitzer Künstlers Olaf Bender (DJ / Musikalischer Supervisor) reicht bis in die 1980er Jahre und zu ersten Experimenten mit dem Medium Film zurück. 1988 wurde er festes Mitglied der ostdeutschen Undergroundband AG Geige, wodurch er Zugang zur Welt der Musik fand. Nach der politischen Wende arbeitete er im Musikvertrieb, wo er sich entschloss, seine eigene Musik selbst zu veröffentlichen. Zusammen mit Frank Bretschneider gründete er 1996 das Label Rastermusic, das sich 1999 mit Carsten Nicolais Sublabel Noton zu Raster-Noton zusammenschloss. Bender leitet nicht nur das Label, das heute unter dem Namen Raster agiert, sondern ist auch für dessen Grafikdesign verantwortlich. Seit der Gründung von Rastermusic war Olaf Bender Mitglied verschiedener Gruppen und produziert Musik solistisch unter dem Namen Byetone. So definierte er ebenso seinen charakteristischen Sound mit einer minimalistischen, rebellischen, auf Beats basierenden Musik. Er entwirft zu seiner Musik außerdem Visuals im Sinne von animiertem Licht, sodass Rhythmus in seine grafische Entsprechung umgewandelt wird. Neben seinen eigenen Platten hat er auch Remixe für Künstler wie Modeselektor und VCMG (Vince Clark and Martin L. Gore) sowie Soundtracks für Modedesigner wie Rick Owens, Nina Ricci oder NikeLab produziert. Er ist Teil des Duos Diamond Version (zusammen mit Carsten Nicolai), das eine Reihe von Aufnahmen bei Mute Records veröffentlichte.

Sebastian Brandmeir (Komposition) studierte an der Musikhochschule München und am Konservatorium der Stadt Wien (heute MUK Wien). Er ist musikalischer Leiter des jungen Ensembles und Dirigent der Grand Show am Friedrichstadt-Palast Berlin. Er komponierte die Musicals „Tee um drei“ (UA 2012, Wien), „Der eingebildete Kranke“ (UA 2016, Bad Freienwalde), „Die fürchterlichen Fünf“ (UA 2018, Graz) sowie für den ORF das Opening zur Nestroy-Gala 2020. Für die Show „Im Labyrinth der Bücher“ (UA 2019, Berlin) schrieb er die Songtexte. Seine Stücke wurden beim internationalen MUT-Autorenwettbewerb mit dem Medien- und Publikumspreis ausgezeichnet. Als Sänger war er in zahlreichen Musicals und Operetten zu sehen, u. a. in „Elisabeth“, „Mozart“ und „La cage aux folles“. Für letzteres Engagement erhielt er am Grenzlandtheater Aachen den Karl-Heinz Walther-Schauspielpreis. Bekannt wurde er als Professor Abronsius in „Tanz der Vampire“, den er in Wien, St. Gallen, Köln und Berlin spielte.

Florian Stanek (Libretto) studierte an der Musik und Kunst Universität MUK Wien sowie an der Clown- und Körpertheaterschule École Internationale de Théâtre „Jacques Lecoq“ in Paris und besuchte die Akademie für Poesie und Musik SAGO in Mainz und Wasungen. Seine Autorentätigkeit umfasst Texte, Bearbeitungen und dramaturgische Beratung für Bühne, Film und Fernsehen mit einem Fokus auf Musiktheater und Komödie. Bisherige Projekte als Autor waren u. a. „Die Hochzeit des Figaro“ und „Carmen“ (Opernbearbeitungen, Festival Kittsee), „Kalahari Gemsen“ (Sketchshow, ORF 1), „Die fürchterlichen Fünf“ (Buch und Liedtexte, Next Liberty Graz), „Der eingebildete Kranke – Eine total kranke Revue“ (Buch und Liedtexte, Sommerkomödie Bad Freienwalde), „Ein großes Gwirks“ (Sketch, Kabarett Simpl), „Tee um drei“ (Buch und Liedtexte, Konservatorium Wien), „Waiting For Romance“ (Buch, UA Konservatorium Wien), „Premierenfieber am Olymp“ (Buch, Theater Willendorf), „Plötzlich Prinz“ (Erweiterte Liedtexte, Metropol Wien), „Kommt noch wer?“ (Liedtexte und Musik, Sommerkomödie Bad Freienwalde), „Sing, Baby sing!“ (Buch, Sommerkomödie Bad Freienwalde), „Des Teufels Griller“ (Kurzfilm, Uni Wien), „SPIELtrieb!“ (Liedtexte und Musik, Int. Schiller Tage).

UNTERSTÜTZUNG UND FÖRDERUNG

Ein herzlichen Dank geht an die Kulturbahnhof Chemnitz gGmbH und den Club Transit.
„Isolation Club“ wird gefördert vom Deutschen Literaturfonds im Rahmen der „Initiative Neustart Kultur – Neue Stücke für ein großes Publikum“. Die Initiative widmet sich Bühnenschriftsteller:innen, die mit ihren Texten aufgrund der aktuellen Situation ihr Publikum nur sehr eingeschränkt oder gar nicht erreichen können. Die Texte werden auf den Websites der jeweiligen Theater veröffentlicht, sodass sie eigenständig und für ein breiteres Publikum, als das im Theater zugelassene, rezipierbar sind. Das Libretto zu „Isolation Club“ ist unter theater-chemnitz.de einsehbar.