Die Themen von „ttt – titel thesen temperamente“ am Sonntag (6. Juni)

ttt - titel thesen temperamente, sonntags im Ersten. Max Moor gibt Informationen über aktuelle Ereignisse und wichtige Trends im deutschen und internationalen Kulturleben. ttt stellt Künstler aller Genres in den Mittelpunkt der Betrachtung, macht Kunst optisch erfahrbar, zeigt Zusammenhänge auf und stellt den Wettstreit der Meinungen in der Kulturszene dar. © ARD/Herby Sachs

Die geplanten Themen:

Wie kann Frieden gelingen?

„ttt“ im Gespräch mit Carla Del Ponte über Bedeutung und Gefährdung des internationalen Rechts

Es soll ihr „J’accuse!“ sein, ihre Anklage. Carla Del Ponte, die ehemalige Chefanklägerin des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag, erhebt ihre Vorwürfe diesmal gegenüber der Weltgemeinschaft. Sie sagt: Es fehle der politische Wille, um weltumspannend für die Einhaltung der Menschenrechte und Gerechtigkeit zu sorgen. Obwohl die Institutionen dafür und die internationale Gerichtsbarkeit gegeben sind. Die UNO sei maximal geschwächt und nur noch in Form von humanitärer Hilfe aktiv, die Sicherung des Friedens bleibe außen vor. Das schlage sich brutal nieder, im Leiden der Zivilbevölkerung in den weltweiten Konflikten, in der neuen Eskalation im Nahen Osten genauso wie in Syrien oder in Myanmar. Der Internationale Gerichtshof in Den Haag befinde sich in einer tiefen Krise, deren Konsequenzen fatal seien.
„Ich bin keine Heldin“ heißt das neue Buch von Carla Del Ponte, in dem sie minutiös wie in einem Schlussplädoyer darlegt, dass wir in Sachen internationaler Justiz schon einmal weiter waren. Sie selbst ermittelte als Chefanklägerin in den Tribunalen von Jugoslawien und Ruanda und hat Staatsoberhäupter wie Slobodan Miloševićvor den Strafgerichtshof gebracht. Damals dachte Carla Del Ponte, dieser Prozess sei der Beweis, dass niemand dem Gesetz entkommen könnte. Als Mitglied der UN-Untersuchungskommission in Syrien wurde sie dann eines Besseren belehrt. Trotz Beweisen auf allen Seiten der Kriegsparteien führten ihre über sechs Jahre andauernden Ermittlungen nicht zu einem Beschluss des UN-Sicherheitsrats. Dessen Zustimmung aber ist Voraussetzung für einen Prozess vor dem Internationalen Strafgerichtshof. „Frustrierend ist das“, sagt Del Ponte und warnt: „Wenn sich nichts ändert, wird das schlimme Folgen haben für die Weltgemeinschaft.“ Dabei nimmt sie nicht nur die USA in die Pflicht, die einst der Motor der internationalen Justiz waren, sondern auch Europa – das endlich außenpolitisch mit einer Stimme sprechen müsse.
„ttt“ spricht mit Carla Del Ponte über die große Krise der internationalen Justiz und darüber, warum sie die Hoffnung nicht aufgibt – auch weil sie nicht ihr Leben lang umsonst gekämpft haben möchte.

Außerdem bei „ttt“:

Von Robotern und anderen Menschen – Literaturnobelpreisträger Kazuo Ishiguro über den Kern des Menschlichen: Klara ist aufgeweckt, wissbegierig, einfühlsam. Ein Mädchen im Teenageralter, scheinbar. In Wahrheit ist Klara eine künstliche Freundin, eine K.I. in menschlicher Gestalt, gebaut, um einsamen Kindern zur Seite zu stehen. Geschrieben hat Ishiguro seinen neuen Roman „Klara und die Sonne“ aus der Perspektive der Künstlichen Intelligenz Klara. „ttt“ hat mit dem Literaturnobelpreisträger über sein kluges wie hartes Buch gesprochen, das letztlich auch ein Werk über die Mechanismen der Macht ist.

Die 80er und wie sie unsere Welt bis heute prägen – Jens Balzer schreibt in „High Energy“ über ein entscheidendes Jahrzehnt: Die 80er, so Balzer in seinem Buch, waren ein Jahrzehnt der Angst – vor dem Atomkrieg, vor AIDS, vor Arbeitslosigkeit – und ein Jahrzehnt des Hedonismus und Individualismus. Das zeigte sich nachts in den Clubs, aber gerade auch am Tage, in den Büros einer neuen Arbeitswelt, denn damals nahm der Hyperkapitalismus, wie wir in heute kennen, so richtig an Fahrt auf. „ttt“ hat Balzer in den Ruinen des alten Kreuzberger Postamts getroffen und mit ihm darüber gesprochen, was geblieben ist, von diesem folgenreichen Jahrzehnt.

Wie werden wir in Zukunft miteinander leben? – Die Architekturbiennale in Venedig und der deutsche Pavillon: „ttt“ ist in Venedig, spricht mit Kurator*innen des deutschen Pavillons, dem Schriftsteller Leif Randt, der das Drehbuch für die Filmfiktion „Interrail 2038“ geschrieben hat, und mit dem Biennale-Kurator Hashim Sarkis darüber, wie eine Architektur, die sich weg vom Bauwerk und hin zu systemischen Aufgaben entwickelt, Lösungen finden kann für Klimakrise, Migrationskrise und Wirtschaftskrisen.

„ttt – titel thesen temperamente“ ist am Sendetag ab 20:00 Uhr in der ARD-Mediathek verfügbar.

Moderation: Max Moor

DasErste.de/ttt