Die Theater Chemnitz: Der RING ist geschmiedet

Götterdämmerung ~ Die Theater Chemnitz ~ Brünnhilde (Stéphanie Müther) (© Nasser Hashemi)

Nach den erfolgreichen Einzelpremieren erwarten drei Zyklus-Aufführungen im 1. Halbjahr 2019 ihre Gäste

Die Theater Chemnitz haben sich 2018 einer der größten Herausforderungen des Musiktheaters gestellt und Richard Wagners gewaltiges Bühnenfestspiel „Der Ring des Nibelungen“ innerhalb nur eines Jahres als Neuinszenierung auf die Bühne gebracht – erstmals entwickelt von vier Regisseurinnen und ihren Teams. Mit der Premiere der „Götterdämmerung“ am 1. Dezember 2018, dem „Opern-Wunder von Chemnitz“ (Fränkischer Tag), ist dieses ambitionierte Vorhaben – nicht zuletzt dank herausragender Besetzungen mit zahlreichen umjubelten Rollen- und Hausdebüts – erfolgreich abgeschlossen worden.

Vier verschiedenartigste Inszenierungskonzepte haben mit ihrer ganz eigenen Handschrift überregional für Aufmerksamkeit gesorgt – Verena Stoiber mit „Das Rheingold“, Monique Wagemakers mit „Die Walküre“, Sabine Hartmannshenn mit „Siegfried“ und Elisabeth Stöppler mit „Götterdämmerung“. So individuell in Erzählform und Ästhetik die vier Teile inszeniert sind, so ist doch das verbindende Element stets erkennbar: dass der Mensch durch Machtmissbrauch, Gier, Hass und Gewalt nicht nur die zivilisierte Welt zu zersetzen droht, sondern die Natur als Ursprung und Grundlage allen Lebens durch Ausbeutung zu zerstören vermag. Die (Nächsten)Liebe wird immer wieder als ein Anker der Hoffnung ausgeworfen. Gibt es am Ende einen „typisch weiblichen“ Blick auf den „Ring“? An den vier aufeinander folgenden Januar-Samstagen (5., 12., 19. und 26. Januar 2019) kann sich davon jeder selbst ein Bild machen, wenn erstmals alle Musikdramen der Neuinszenierung unter der musikalischen Leitung von Generalmusikdirektor Guillermo García Calvo nacheinander zu erleben sind, bevor sich der Vorhang Ostern (18., 19., 20. und 22. April 2019) sowie Himmelfahrt/Pfingsten (30. Mai, 1., 8. und 10. Juni 2019) für zwei kompakte „Ring“-Zyklen hebt.

Von „Sängerfest“ bis „Opern-Wunder“ – Presseecho zum Chemnitzer RING
Das Publikum hat die Premieren mit Begeisterung aufgenommen. Auch die überregionale Presse reiste nach Chemnitz, um einzelne der Inszenierungen dieses ersten zu schmiedenden „Frauen-Rings“ zu sehen. „Ob es nun eine typisch weibliche Sichtweise auf den Vorabend der Tetralogie war? Zumindest eines ist klargeworden. Von der Deutlichkeit der Sprache hat die weibliche Inszenierung viele der männlichen übertroffen“, konstatierte Andreas H. Hölscher nach der „Rheingold“-Premiere für „O-Ton.online“.

Elisabeth Richter für „Deutschlandfunk“ überzeugte der Auftakt mit „Das Rheingold“: „Die klare, kluge, auch politische, aber vor allem menschliche Sicht von Verena Stoiber ist schlicht ein Glücksfall.“ Auch Judith von Sternburg hat „Lange kein so durchdachtes, gewitztes und ausgefeiltes ‚Rheingold‘ gesehen wie das von Verena Stoiber“ („Frankfurter Rundschau“). Ulrike Kolter resümierte in „Die Deutsche Bühne online“: „Wirklich herausragend ist die Ensembleleistung des Abends, getragen durch das äußerst sängerzugewandte Dirigat des neuen Generalmusikdirektors Guillermo García Calvo.“ Und Roland H. Dippel schrieb in der „Leipziger Volkszeitung“: „Langeweile? Keine Sekunde! Spannungs- und Anspruchspotenzial sind enorm, die musikalische Messlatte hoch.“

Die Walküre“ zeigt „In der packenden, hochemotionalen Inszenierung von Monique Wagemakers […]
Wotans verzweifelte Kinder – Familientragödie als intimes Kammerspiel. […] Die Robert-Schumann-Philharmonie […] spielt mit Klangschönheit und Facettenreichtum, ganz auf die Kammerspiel-Intimität abgestimmt. Eine Glanzleistung, die die Sänger zu Höchstleistungen animiert“, so Herbert Henning in dem Magazin „Orpheus“. Ebenso überzeugt äußerte Jens Daniel Schubert in der „Sächsischen Zeitung“: „Regisseurin Monique Wagemakers stellt menschliche Beziehungsgeschichten in den Mittelpunkt. Es gelingen ihr starke, bewegende und mitreißende Szenen.“ Roland H. Dippel hob in der „Leipziger Volkszeitung“ Aris Argiris‘ Partiedebüt als Wotan besonders hervor: „Magnet und Zentrum dieser Aufführung ist der Grieche Aris Argiris: Szenenkonform darf er erst mit vokalem Testosteron prahlen. Darauf legt er eine Wotanserzählung hin, bei der nicht nur Brünnhilde Hören und Sehen vergeht.“

Über „Siegfried“ war in der „Frankfurter Rundschau“ von Judith von Sternberg zu lesen: „Bemerkenswert, wie unmittelbar Hartmannshenn in den Kern des Geschehens vorstößt und ihn unverdrossen bebildert. […] In der Chemnitzer Akustik, von diesem hypersensiblen Orchester getragen, entwickelt sich geradezu ein Sängerfest, angeführt vom Titelhelden Daniel Kirch, der einen sympathischen Simpel zeigt und ein grandios kraftvolles, dabei mit zarten Tönen versehenes, schier unerschöpfliches Rollendebüt bietet.“ Roland H. Dippel konstatierte in der „Neuen Musikzeitung“ auf nmz-online: „Starker Applaus, Begeisterung und der hohe Anteil angereister Besucher bestätigen die Anziehungskraft dieses ‚Rings‘ in den Inszenierungen von vier Regisseurinnen, denen das Fürchten vor den inneren Widersprüchen in Wagners Tetralogie fremd ist. Das ist spannender und sinnvoller als ein vor Ehrfurcht starrer Blick.“ Ähnlich überzeugt bemerkte Rainer Kasselt in der „Sächsischen Zeitung“: „Regisseurin Sabine Hartmannshenn […] offeriert ihren kritischen, spöttischen und entlarvenden Blick auf das vermeintlich starke Geschlecht. […] Durchweg stark die Gesangsleistungen.“ Und Barbara Röder fasste auf „www.klassik.com“ zusammen: „Die famose Sängerriege von internationaler, Bayreuth erfahrener Couleur und die intelligente, kammermusikalische Feinarbeit, die die Robert-Schumann-Philharmonie […] aufbietet, machen diesen ‚Siegfried‘ zu einem […] Erlebnis.“

Mit der Premiere der „Götterdämmerung“ am 1. Dezember 2018 schloss sich der fertig geschmiedete „Ring“ in Chemnitz und fand überwältigende Beachtung. Jens Daniel Schubert konstatierte in der „Sächsischen Zeitung“: „Die Oper Chemnitz vervollständigt ihren ‚Ring‘ und zeigt, dass bei Richard Wagner Frauen die eigentlichen Helden sind.“ Tief beeindruckt äußerte Joachim Lange in den „Dresdner Neuesten Nachrichten“: „Der Oper Chemnitz gelingt mit der ‚Götterdämmerung‘ ein triumphaler Ring-Abschluss. […] Elisabeth Stöppler hat aus der Götterdämmerung mit ihrer Balance zwischen Menschenfeinzeichnung und Weltuntergangsszenario kurzweiliges Musiktheater gemacht, das […] das Zeug hat, selbst hartgesottene Wagnerianer aus der Fassung zu bringen. Mehr geht nicht!“

Monika Beer entdeckte für „Der fränkische Tag“ „Das Opern-Wunder von Chemnitz.“ Denn „Richard Wagners ‚Ring des Nibelungen‘ in einer Saison neu zu stemmen, das schaffen selbst größte Opernhäuser nicht. […] Die Theater Chemnitz […] haben heuer den kompletten ‚Ring‘ innerhalb von zehn Monaten herausgebracht und dafür vier Regisseurinnen engagiert – mit sensationellem Ergebnis. […] Insgesamt ist dieser ‚Ring‘ auch dank der überwiegend in ihren Rollen debütierenden Solisten ein Meilenstein in der Rezeptionsgeschichte und Chemnitz für mich das Opernhaus des Jahres.“

Auf „www.concerti.de“ schwärmte Roland H. Dippel: „Was Elisabeth Stöppler spielen lässt, greift an Nerven und Gemüt. […] alle Sängerdarsteller sind als Individuen wie im Zusammenspiel ein Glücksfall par excellence. […] Und was für einen sagenhaften Partner hat Elisabeth Stöppler am Pult! […] Guillermo García Calvo lässt sich Zeit und baut gerade dadurch einen immensen Spannungsdruck auf. Seine Wagner-Farben sind wie edle Orchideen unter dunkelgrauer Gaze. […] Den Chemnitzer ‚Ring‘ sollte man erleben, mit allen Wonnen und Widersprüchen!“ Und Peter Jungblut vom „Bayerischen Rundfunk Klassik“ legt diese „[…] beachtliche, ja imponierende Leistung“ ans Herz: „Eine ungewöhnliche ‚Götterdämmerung‘, die auch eine längere Anreise jederzeit lohnt.“ Gerald Felber von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ bescheinigt „[…] dem grandiosen Finale des mit vier weiblichen Inszenierungsteams spektakulär angegangenen Chemnitzer Projekts zum ‚Ring des Nibelungen‘“ eine ebenso „[…] verschmitzt-ironische wie spielerisch-naive Natürlichkeit“ bis hin „zu einer antikisch monumentalen, erschütternden Größe. In reichlich vier Stunden werden Welten und Leben durchlaufen, bannend und ohne eine Spur von Routine oder Ermüdung“ und resümiert: „[…] sie alle schaffen ein Theatererlebnis, für das man dankbar sein darf.“

Die Besetzungen
Die drei „Ring“-Zyklen unter der Leitung von GMD Guillermo García Calvo warten mit teils aus den vorangegangenen Einzelaufführungen bereits gefeierten Solistinnen und Solisten sowie mit vielversprechenden Neubesetzungen auf. Im „Rheingold“ geben drei Chemnitzer Ensemblemitglieder jeweils ihre Partiedebüts: Andreas Beinhauer als Donner, Siyabongo Maqungo als Froh und Franziska Krötenheerdt als Freia. Darüber hinaus steigen Bernhard Berchtold als Loge, Reto Rosin als Mime, Anja Schlosser als Erda und Anne Schuldt als Fricka neu in die Produktion ein. Wie bereits zur umjubelten Premiere sind weiterhin Krisztián Cser als Wotan und Jukka Rasilainen als Alberich zu erleben.

In der „Walküre“ gibt Viktor Antipenko sein Rollendebüt als Siegmund, nachdem er in Chemnitz bereits als Hermann in „Pique Dame“ und Parsifal zu sehen war. Die international gefeierte Astrid Kessler debütiert in Chemnitz erstmals als Sieglinde. Stéphanie Müther, in der „Götterdämmerung“ umjubelt, stellt sich erstmals in Europa als Brünnhilde in der „Walküre“ vor. Anne Schuldt gestaltet die Fricka. Weiterhin sind Ensemblemitglied Magnus Piontek als Hunding und Aris Argiris als Wotan in überzeugenden Rollenporträts zu erleben.

Der im Herbst 2018 mit beiden Siegfried-Partiedebüts umjubelte Daniel Kirch ist erneut in „Siegfried“ und „Götterdämmerung“ zu hören. Darüber hinaus wirken in „Siegfried“ weiterhin Arnold Bezuyen als Mime, Ralf Lukas als Wanderer, Jukka Rasilainen als Alberich, Magnus Piontek als Fafner, Simone Schröder als Erda, Christiane Kohl als Brünnhilde und Guibee Yang als Waldvogel mit.

Die „Götterdämmerung“ wird jeweils in der gefeierten, unveränderten Premieren-Besetzung zu erleben sein mit Daniel Kirch als Siegfried, Stéphanie Müther als Brünnhilde, Marius Boloş als Hagen, Pierre-Yves Pruvot als Gunther, Cornelia Ptassek als Gutrune, Jukka Rasilainen als Alberich und Anne Schuldt als Waltraute in den Hauptpartien.

Die vollständigen Besetzungen und Biografien sind unter www.theater-chemnitz.de/ring/ zu finden.

RING-Einführungen der besonderen Art
Begleitend zum Januar-„Ring“ dürfen sich sowohl Wagner-Skeptiker als auch Wagner-Fans auf Stückeinführungen der besonderen Art mit Dr. Eske Bockelmann, Experte für klassische Philologie und Germanistik, im Duo mit dem Pianisten Thomas-Michael Gribow im Weltecho (Annaberger Str. 24, 09111 Chemnitz) freuen. Die Oster- und Pfingst-Zyklen werden jeweils mit erfahrungsgemäß kurzweiligen und zugleich tiefschürfenden Vorträgen von Prof. Christoph Fasbender bereichert, der an der TU Chemnitz Deutsche Literatur- und Sprachgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit lehrt. Termine und weitere Infos dazu unter www.theater-chemnitz.de/ring/.