Die Spielzeit 21/22 an den Münchner Kammerspielen

Münchner Kammerspiele ~ Kammer 1 (© Gabriela Neeb)

Die Münchner Kammerspiele stellten den Spielplan der neuen Spielzeit 21/22 vor. Intendantin Barbara Mundel mahnt politische Unterstützung für Kulturinstitutionen an und fordert eine neuartige, solidarische Ergänzung des Preissystems für die Kammerspiele.

Die Intendantin Barbara Mundel und das künstlerische Leitungsteam der Münchner Kammerspiele stellten am 8.7. im Schauspielhaus den Spielplan der kommenden Saison sowie zentrale programmatische Schwerpunkte vor und warfen einen Blick zurück auf das vergangene Jahr.

Zuletzt feierten die Kammerspiele in den letzten Wochen mit den Inszenierungen „Der Sprung vom Elfenbeinturm“, „Who Cares“, „Bayerische Suffragetten“, „Die Politiker“ und der Produktion mit Jugendlichen „Alles Gold, nichts glänzt“ noch fünf erfolgreiche Premieren. Außerdem konnte auf dem Königsplatz endlich die Stadtraum-Performance „What is the City but the People?“ mit 150 Münchner*innen gezeigt werden, in der Menschen, deren Geschichten bisher auf der Bühne der Münchner Kammerspiele nicht vorkamen, in ihrer Unterschiedlichkeit gefeiert wurden. „Es geht um neue Erzählungen, neue Perspektiven für neue Zuschauer*innen. Es braucht die Zugänglichkeit, einen anderen gesellschaftlichen Querschnitt im Theaterpublikum. Wir können uns nicht erlauben, unter uns zu bleiben“, so Barbara Mundel. Die Solidarität innerhalb der Stadtgesellschaft beschrieb Mundel als die zentrale Zukunftsaufgabe der nächsten Jahre und forderte deshalb Veränderungen am Bezahlsystem der Kammerspiele: „Unser Bezahlsystem braucht eine Ergänzung, die gesellschaftliche Solidarität fördert und den Theaterbesuch auch für Menschen ermöglicht, die weniger Geld haben: „Pay-as-you-wish“ in der Pandemie hat gezeigt, dass Zuschauer*innen mehr Verantwortung übernehmen wollen und für andere mitbezahlen.“ Barbara Mundel mahnte außerdem Sicherheit für die Kulturinstitutionen in den kommenden Jahren an. Die Antwort auf die Pandemie dürften nicht nur ökonomische sein: „Wir sind uns momentan der Unterstützung der Politik nicht sicher!“

Darüber hinaus sei für die kommenden Jahre ein Ausbau des Bereichs der kulturellen Bildung vonnöten: Kulturelle Bildung durch künstlerisch exzellente Inszenierungen, durch langfristige Kooperationen in der Stadt, konkret in Neuperlach, wo sich die Kammerspiele in den kommenden Jahren schwerpunktmäßig engagieren werden. Künstlerische kulturelle Bildung wird somit für die Kammerspiele zu einer zentralen Programmatik.

Bereits in der ersten Spielzeit der neuen Intendanz konnten trotz der pandemiebedingt auf nur knapp zwei Monate verkürzten Spielzeit erhebliche Erfolge erzielt werden: „9/26 – das Oktoberfestattentat“ wurde zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen, „The Assembly“ gastierte in Düsseldorf bei Theater der Welt. Ensemblemitglied Lucy Wilke wurde mit ihrer Performance „Scores that shape our friendship“ zum Berliner Theatertreffen eingeladen – ebenso die Koproduktion der Kammerspiele „Name her“ von Marie Schleef. Für die weitere Entwicklung der Kammerspiele im Bereich der Inklusion konnte eine große Förderung der Kulturstaatsministerin Monika Grütters sowie für künstlerische und zivilgesellschaftliche Zusammenarbeit mit der Ukraine seitens des Auswärtigen Amtes akquiriert werden.

Die Saison 21/22 beginnt mit einem breiten Panorama internationaler Handschriften, z.B. von Mariano Pensotti, der erstmals eine Arbeit in München zeigt, und dem chinesischen Kollektiv Paper Tiger. Mit Auftragswerken und Uraufführungen neuer Texte von Sivan Ben Yishai, Anne Habermehl, Thomas Köck, Nora Abdel-Maksoud und Wolfram Lotz liegt zudem erneut ein Schwerpunkt auf zeitgenössischer Literatur. Falk Richter, als Autor und Regisseur Teil der künstlerischen Leitung, arbeitet an einem neuen Stück, das zum Anfang der Spielzeit 22/23 zur Uraufführung kommen wird. Mit Emre Akal wird ein weiterer Autor & Regisseur neuer Artist in Residence an den Kammerspielen.

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