Die Spielzeit 2021/22 an der Deutschen Oper Berlin

Den Erfahrungen der letzten Monate geschuldet, hat die Deutsche Oper Berlin ihren Saisonstart 2021/22 open air auf dem Parkdeck der Deutschen Oper Berlin geplant und lädt bereits am 27. August zur Premiere von Mark-Anthony Turnages GREEK ein. Regie führt Pınar Karabulut, die seit 2020 als Hausregisseurin zum Leitungsteam der Münchener Kammerspiele gehört, und die musikalische Leitung liegt in den Händen von Yi-Chen Lin, seit der Saison 2020/21 als Kapellmeisterin am Haus tätig.

Für die erste Münchener Biennale beauftragte Hans Werner Henze 1988 den damals unbekannten, 28jährige Mark-Anthony Turnage, der durch seine kraftvolle Musiksprache aufgefallen war und bei Miles Davis wie bei Janáček oder Strawinsky Inspiration suchte, mit einer Uraufführung.

Eines seiner bekanntesten Stücke ist bis heute GREEK – eine Bearbeitung und Überschreibung des Ödipus-Mythos. Ödipus wird darin zu Eddy, der in einer Arbeiterfamilie im heruntergekommenen Londoner East End aufwächst und von einer sozial tief gespaltenen Gesellschaft geprägt ist.

Die durch die Pandemie eigenwillige Premierenreihenfolge des RING DES NIBELUNGEN lässt auf das gerade viel gerühmte RHEINGOLD am 17. Oktober die Premiere von GÖTTERDÄMMERUNG folgen, bevor sich – im Rahmen des ersten Zyklus – am 12. November SIEGFRIED anschließt. Generalmusikdirektor Donald Runnicles und Stefan Herheim, dem für seinen Einfalls- und Bilderreichtum vielfach Bewunderung gezollt wurde, haben auf jeden Fall starke Nerven bewiesen, unter den außergewöhnlichen Umständen den Marathonlauf unbeirrt fortzusetzen. Im November stehen zwei komplette Zyklen an und ein dritter im Januar.

Zwei Produktionen aus dem Jahr 2020 gilt es nun nachzuholen: zum einen, mit Premiere am 30. Januar, Rued Langgaards ANTIKRIST, ein Werk das sich allen Zuordnungen entzieht und zwischen Oper, Oratorium und szenischer Sinfonie changiert, zum anderen Marina Abramovićs 7 DEATHS OF MARIA CALLAS, eine internationale Koproduktion, die bislang nur an der Bayerischen Staatsoper vor extrem reduziertem Publikum in wenigen Vorstellungen gezeigt werden konnte. Am 8. und 10. April folgen nun endlich die Berliner Aufführungen mit Marina Abramović, einer erstrangigen Sängerinnenbesetzung und Willem Defoe im Film.

Für ANTIKRIST konnte der junge Regisseur Ersan Mondtag gewonnen werden, dessen hochindividuelle Bildwelten mit der überbordenden Musiksprache Langgaards korrespondieren dürften. Die musikalische Leitung hat der Generalmusikdirektor der Oper Hannover, Stephan Zilias.

Als fünfte Premiere im großen Haus folgt am 20. März LES VÊPRES SICILIENNES, Verdis erste für Paris geschriebene Grand Opéra, die hier in der französischen Urfassung erklingt. Die Interpretation dieses großen historischen Stoffes obliegt dem Team um Enrique Mazzola am Pult und Regisseur Olivier Py, die bereits bei Meyerbeers Grand Opéra LE PROPHÈTE gemeinsam einen packenden Zugriff gefunden haben. Mit Saioa Hernández als Hélène, Piero Pretti als Henri, Roberto Tagliavini als Procida und Thomas Lehman als Montfort dürfte eine exzellente Sängerbesetzung bereitstehen.

Christof Loy setzt mit Schrekers DER SCHATZGRÄBER seine Beschäftigung mit fast vergessenen Werken des beginnenden 20. Jahrhunderts fort und widmet sich außerdem mit der Kneipentochter Els einer weiteren ambivalenten und komplexen Frauenfigur – wie bereits in Korngolds WUNDER DER HELIANE und Zandonais FRANCESCA DA RIMINI. Für diese Produktion können Christof Loy und Marc Albrecht ihre fruchtbare Zusammenarbeit fortführen, die Partie der Els übernimmt Elisabet Strid und Daniel Johansson den Elis. Premiere ist am 1. Mai.

Und zum Ende der Saison, am 12. Juni, werden Jossi Wieler und Sergio Morabito ihre erste Neuproduktion für die Deutsche Oper Berlin vorstellen, mit Sir Donald Runnicles am Pult: Wagners DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG. Als Hans Sachs ist Johan Reuter zu erleben, als Walther von Stolzing Klaus Florian Vogt und in den Partie der Eva und des Beckmesser debütieren Rachel Harnisch sowie Philipp Jekal.

In der Tischlerei, dem Raum für experimentelles Musiktheater, wird gleich zu Beginn der Saison, am 24. September, mit der Uraufführung DIE VORÜBERLAUFENEN mit Musik von Andrej Koroliov und in der Regie von Theresa von Halle gestartet. Basierend auf dem gleichnamigen Prosastück Franz Kafkas beschäftigt sich die Produktion mit dem Thema Zivilcourage.

Das von Fritz Bornemann großartig entworfene Gebäude der Deutschen Oper Berlin feiert an diesem Tag sein 60. Jubiläum. Nicht nur der Zuschauerraum ermöglicht beste Sicht- und Klangerlebnisse, sondern auch die weiträumigen Foyers bieten ebenso dem Publikum Raum zur Zusammenkunft wie der Bildenden Kunst Präsentationsorte, sodass die Deutsche Oper Berlin den Geburtstag mit einer Ausstellung der Künstlerin Ina Weber begehen will. Auf die Vernissage am 18. September folgen eine Reihe an Veranstaltungen, die sich der Besonderheit der Architektur im Kontext ihrer Zeit und ihrer Wirksamkeit bis in die Gegenwart widmen.

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