Die Spielzeit 20/21 am Schauspielhaus Zürich

Anlässlich der heutigen Pressekonferenz haben die Intendanten des Schauspielhaus Zürich Benjamin von Blomberg und Nicolas Stemann das Programm der neuen Spielzeit 20/21 präsentiert.

Spielplan 20/21
«Theater hat immer mit dem Unvorhergesehenen zu tun»

Im Fokus der zweiten Spielzeit der Intendanz von Benjamin von Blomberg und Nicolas Stemann liegen die Arbeiten der acht Hausregisseur*innen und des 35-köpfigen Ensembles. Mit Nicolas Stemann sind dies vonseiten der Regisseur*innen weiterhin Leonie Böhm, Alexander Giesche – der 2020 mit Der Mensch erscheint im Holozän den 3sat Preis des Theatertreffens gewann -, Suna Gürler, Trajal Harrell, Yana Ross, Christopher Rüping und Wu Tsang. Insgesamt sind 7 Uraufführungen (darunter ein Werkauftrag), 19 Inszenierungen und 11 Wiederaufnahmen geplant.

«Das Modell der acht Hausregisseur*innen hat sich nicht nur bei der Gestaltung der vergangenen und der kommenden Saison bewährt, sondern auch bei der Bewältigung der mit der Corona-Krise entstandenen Herausforderungen, denen am Schauspielhaus Zürich mit reicher künstlerischer Experimentierfreude begegnet wurde. Für die künstlerische Leitung ist es daher weiter DAS zukunftsweisende Modell für ein Stadttheater auf der Höhe der Zeit, das sowohl das Kollektiv betont, als auch wirkliche Diversität zulässt – was innerhalb des Betriebs ebenso spürbar ist wie es sich nach aussen über die künstlerischen Handschriften abbildet
», erläutern die Intendanten Benjamin von Blomberg und Nicolas Stemann.

Es ist vor allem auch diesem Konzept zu verdanken, dass die aufgrund der Corona-Pandemie abgesagten Premieren der acht Hausregisseur*innen aus der Saison 19/20 in die neue Spielzeit verschoben werden können, wie auch Das Weinen, Das Wähnen von Christoph Marthaler.

Eröffnung

Während einer Woche (12.-18. September) wird der Choreograf Trajal Harrell mit einer Uraufführung und zwei Zürich-Premieren (The Köln Concert, The Conspiracy of Performance, The Return of La Argentina) den Pfauen bespielen und dabei selbst auf der Bühne zu erleben sein. Diesem Auftakt folgt die Premiere von Leonie Böhms Medea (19. September, Schiffbau-Box), eine Adaption der gleichnamigen Vorlage des griechischen Dramatikers Euripides. Einzig mit der Schauspielerin Maja Beckmann und dem Musiker Johannes Rieder stellt Regisseurin Böhm die Wut und Stimmen von Frauen ins Zentrum. Der Abend mündet in einer von Asmara, Wu Tsang und Gästen kuratiertem «Get-together». Die Spielzeit-Eröffnung findet mit der Uraufführung von Christoph Marthalers Das Weinen (Das Wähnen) seinen Abschluss (20. September, Pfauen).

Alle Neuinszenierungen der Hausregisseur*innen, die coronabedingt abgesagt werden mussten, finden in der Spielzeit 20/21 statt!

Regisseurin Suna Gürler widmet sich in Frühlings Erwachen dem Skandalstück Frank Wedekinds und erarbeitet gemeinsam mit Autor Lucien Haug, Ensemblemitgliedern und jungen Spieler*innen eine generationenübergreifende Inszenierung (Uraufführung, 2. Oktober, Pfauen). Mein Jahr der Ruhe und Entspannung nach dem gleichnamigen Roman der amerikanischen Schriftstellerin Ottessa Moshfegh ist eine Uraufführung, Regie führt Yana Ross (22. Oktober, Pfauen).

Einfach das Ende der Welt wird Christoph Rüpings erste Produktion in der Schiffbau-Halle (Premiere, 03. Dezember, Schiffbau-Halle). Der Autor des Theaterstücks Jean-Luc Lagarce zählt zu den meistgespielten Autoren Frankreichs. Trajal Harrell wird in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Zürich seine Produktion The Deathbed of Katherine Dunham (Uraufführung im März 2021, Kunsthalle Zürich) zur Aufführung bringen. Dabei widmet sich der Choreograf der afro-amerikanischen Tänzerin, Choreografin und Bürgerrechtsaktivistin Katherine Dunham und dem japanischen Butoh («Tanz der Finsternis»).

Weitere Uraufführungen & Premieren

Das Weihnachtsmärchen für Familien bleibt Chefsache: Co-Intendant Nicolas Stemann widmet sich nach Schneewittchen Beauty Queen einem weiteren Märchen der Gebrüder Grimm und arbeitet mit König der Frösche (Uraufführung, 14. November, Pfauen) weiter am Genre der generationenübergreifenden satirischen Märchenüberschreibung.

Leonie Böhm beleuchtet Anton Tschechows (Drei) Schwestern (Premiere, 16. Januar, Pfauen) und sucht in ihrer ersten Pfauen-Produktion nach persönlichen und gesellschaftlichen Utopien, die um das Thema der Handlungsmacht kreisen.

Nachdem der dritte Teil der Compositions – einer Reihe von Veranstaltungen, die an verschiedenen Orten im Schauspielhaus und im Jazzclub Moods stattfanden – aufgrund der Pandemie eine andere Form annehmen musste als geplant, beschloss die Gruppe Moved by the Motion rund um Wu Tsang, den Prozess fortzusetzen, der in Improvisation, Wiederholung und Kollaboration wurzelt. Das neue Projekt, das für das Repertoire vorgesehen ist, wird die Politik und Poetik der Unsichtbarkeit durch genreübergreifende Formen des Geschichtenerzählens erforschen.

2021 wird der 100. Geburtstag von Friedrich Dürrenmatt mit einem großen Fest (5. Januar) und einer Neuinszenierung von Der Besuch der alten Dame gefeiert. 65 Jahre nach der Uraufführung (durch Oskar Wälterlin) und 3 Jahre nach Beginn der #MeToo-Bewegung wird Co-Intendant und Regisseur Nicolas Stemann gemeinsam mit seinen Faust-Darsteller*innen Patrycia Ziolkowska und Sebastian Rudolph den Stoff neu betrachten (Premiere 05. Februar, Pfauen).

Den Titel Kurze Interviews mit fiesen Männern trägt die für die Schiffbau-Halle erarbeitete Produktion von Yana Ross (Premiere, 12. Februar). Als Grundlage dient ihr der gleichnamige Erzählband des US-Autors David Foster Wallace. Mit ihm rückt die Hausregisseurin den Mann zurück ins Zentrum. Lustig, zynisch – und fies.
Im Frühjahr wird Christopher Rüping sich zusammen mit dem Autor Necati Öziri mit Richard Wagners Oper Der Ring der Nibelungen (Uraufführung, 27. März, Pfauen) in einem Werkauftrag befassen.
Der Titel von Alexander Giesches nächster Arbeit im Frühjahr wird zu einem späteren Zeitpunkt kommuniziert. Er will sich Zeit nehmen, um dem rasenden Wandel, in dem wir uns alle befinden, etwas Durchdachtes entgegenzusetzen.

Related Artists – Christoph Marthaler, Christiane Jatahy, Milo Rau

Teil des bewährten Netzwerks des Schauspielhauses sind weiterhin die Regisseur*innen Christiane Jatahy, Christoph Marthaler und Milo Rau, mit deren bestehendem und entstehendem Werk das Schauspielhaus Zürich sich langfristig verknüpft. Milo Rau zeigt seine Stücke Familie (24. Oktober, Pfauen) und Antigone im Amazonas (15. Mai, Pfauen), Christiane Jatahy wird im Mai die Schiffbau-Halle mit zwei Inszenierungen bespielen und Christoph Marthaler wird in Die Sorglosschlafenden, die Frischaufgeblühten (Zürich-Premiere, Juni, Schiffbau-Box) Hölderlins Dichtung mit der Kunst der Fuge von Johann Sebastian Bach verbinden.

Internationale Gastspiele und Kooperationen

Leonie Böhm zeigt ihre erfolgreich an den Münchner Kammerspielen erarbeitete Produktion Die Räuberinnen (Zürich-Premiere, 09. April, Pfauen) und es kommt zu einer Übernahme aus München: Nicolas Stemann bringt seine Inszenierung Der Vater (Zürich-Premiere, 30. April, Pfauen), die 2018 an den Kammerspielen erstmals präsentiert wurde. Mit Netflix & Chill (Zürich-Premiere, 06. Mai, Schiffbau-Halle) kehrt Regisseur Sebastian Nübling mit dem Choreografen Ives Thuwis zurück und zeigt eine generationenübergreifende Koproduktion mit dem jungen theater basel, Kaserne Basel, HELLERAU, dem Europäischen Zentrum der Künste in Dresden und dem Schauspielhaus Zürich. Der Intendant des Schauspielhaus Bochum Johan Simons bringt coronabedingt statt seiner Woyzeck-Inszenierung Shakespeares King Lear nach Zürich in den Pfauen.

Wiederaufnahmen

Diese bestehenden Stücke werden für die Spielzeit 20/21 wiederaufgenommen:
Der Mensch erscheint im Holozän (Alexander Giesche)
Der Kirschgarten (Yana Ross)
Faust I & II (Nicolas Stemann)
Flex (Suna Gürler)
Früchte des Zorns (Christopher Rüping)
Greta (Suna Gürler)
Hans Schleif (Matthias Neukirch & Julian Klein)
Juliet + Romeo (Trajal Harrell)
Leonce & Leonce (Leonie Böhm)
Schneewittchen Beauty Queen (Nicolas Stemann)
Werther (Nicolas Stemann)

Extras

In der Reihe 6×4 erhalten Künstler*innen des Schauspielhauses fünf Abende lang eine freie Plattform für ihre Kreativität, der sechste Abend geht als Carte Blanche an die Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK). Zudem finden sich auf dem Spielplan: die Gefahr-Bar™ von Nicolas Stemann und den Musikern Thomas Kürstner und Sebastian Vogel, Partyformate mit DJane Asmara, Sibylle Bergs Salon Alles Meins sowie das Zürcher Kammerorchester, die L-Literarturreihe, Führungen hinter die Kulissen und das Labor zur künstlerischen Forschung in Zusammenarbeit mit der ZHdK.

Junges Publikum

In vier Jugendclubs schnuppern junge Menschen jede Woche Theaterluft und beweisen am Ende der Spielzeit in Abschlusspräsentationen ihre Talente. Zusätzlich erhalten jede Spielzeit fünf junge Theaterinteressierte die Möglichkeit, ein ganzes Jahr im Schauspielhaus zu arbeiten. Sie agieren alternierend in allen Branchen des Hauses und wechseln von der Bühne zur Technik in weitere Abteilungen und erhalten so einen vollumfänglichen Blick in die Arbeit des Schauspielhaus Zürich.


Die Abos 2020/21 sind ab dem 10. Juni an der Theaterkasse erhältlich. Das in der Spielzeit 19/20 neu eingeführte U-30 Abo hat sich bewährt und wird weiterhin jungen Menschen kostengünstigen Zugang zu allen Programmpunkten gewähren.

Spielzeit 2020/21 Hotline

Die während des Lockdown eingerichtete Hotline wird rege genutzt und bis zum Spielzeitende verlängert. Ab Mittwoch, 12. Juni bis inklusive Freitag 26. Juni gibt es unter der Telefonnummer 044 258 72 72 jeden Mittwoch und Freitag von 10 – 12 Uhr Gespräche und Auskunft zur kommenden Spielzeit.

Danke!

Das Schauspielhaus Zürich dankt seiner Subventionsgeberin, der Stadt Zürich sowie dem Kanton Zürich und den Mitglieder Kantonen der Interkantonalen Kulturlastenvereinbarung (ILV) Luzern, Uri, Schwyz, Zug und Aargau für ihre grosszügige Unterstützung. Auch den Kantonen Nidwalden und Obwalden sowie dem Lotteriefonds des Kantons Zürich sei gedankt. Ohne die finanzielle Unterstützung der Partner Swiss Re, Zürcher Kantonalbank, Migros-Kulturprozent liesse sich das ambitionierte Programm nicht durchführen. Ein besonderes Dankeschön gilt den engagierten Stiftungen, Sponsoren und privaten Gönnern. Sie ermöglichen Gastspiele, besondere Produktionen, Übertitel und Projekte für und mit jungen Menschen.

Weitere Informationen können dem Spielzeitheft entnommen werden, das auf der Webseite des Schauspielhauses heruntergeladen werden kann: schauspielhaus.ch