Die Saison 2021/21 am Opernhaus Zürich

Opernhaus Zürich ~ Außenansicht (Foto: Andrin Fretz)

Zürich, 17. Mai 2021. Endlich wieder große Oper und großes Ballett. Nach einer abermals von Corona bestimmten Saison, in der vieles abgesagt, verschoben oder ausschließlich online stattfinden konnte, freut sich das Opernhaus Zürich sehr, den Spielplan für die neue Saison 2021/22 bekanntzugeben.

Der erste Vorhang in der Saison hebt sich am 12. September, darauf folgen eine Vielzahl an Premierenabenden, Wiederaufnahmen, Konzerten und Liederabenden, die die volle Kraft und Sinnlichkeit des Live-Erlebens demonstrieren. Sicherlich wird die Pandemie die Welt noch eine Weile begleiten, in der Spielplangestaltung bleibt das Haus aber trotzdem dem Anspruch treu, dem Publikum eine größtmögliche Vielfalt an Stücken, Besetzungen und Interpretationen anzubieten.

Neben einem vollen Spielplan wird auch eine Personalie die kommende Saison entscheidend prägen. Der neue Generalmusikdirektor Gianandrea Noseda feiert seinen Amtsantritt.


PREMIEREN IN DER OPER

EIN NEUER »RING DES NIBELUNGEN«

Im Mittelpunkt der kommenden Spielzeit steht der Beginn eines Mammutprojektes, das die Fähigkeiten jedes Musiktheaters auf die Probe stellt. Ab April 2022 bis zum Herbst 2023 wird das Opernhaus Zürich einen neuen »Ring des Nibelungen« auf die Bühne bringen. Richard Wagners Tetralogie ist dabei auch Kern und Ausgangspunkt der Zusammenarbeit von Gianandrea Noseda und Andreas Homoki. Im »Rheingold« wird Tomasz Konieczny als Wotan sein Hausdebüt geben und die beiden Wagner-Größen Camilla Nylund und Klaus Florian Vogt wagen sich im Verlauf des »Rings« an ihre Rollendebüts von Brünnhilde und Siegfried.

VERDI-REPERTOIRE MIT NEUEM GMD

Seinen Einstand gibt Gianandrea Noseda im Oktober 2021 mit dem Dirigat der Neuproduktion von Verdis »Il trovatore«. Die Pflege des Verdi-Repertoires ist einer der programmatischen Grundpfeiler des Opernhauses. Das Solistenquartett für den letzten Teil der »trilogia popolare« ist erstklassig. Als Leonora debütiert die lettische Sopranistin Marina Rebeka, ebenfalls debütierend als ihr Geliebter Manrico wird Piotr Bezcała wieder zu Gast sein. Sein Gegenspieler Graf Luna ist Quinn Kelsey, den das Zürcher Publikum als Rigoletto in Erinnerung hat, und als Azucena kommt die gefeierte georgische Mezzosopranistin Anita Rachvelishvili zum ersten Mal ans Opernhaus Zürich. Ebenfalls zum ersten Mal in Zürich inszeniert die junge britische Regisseurin Adele Thomas.

DIVEN-SPEZIAL

Cecilia Bartoli kehrt als Isabella im Marz 2022 in »L’italiana in Algeri«, einer Produktion der Salzburger Pfingstfestspiele von 2018, zurück an ihr Stammhaus. Mit der turbulenten Multikulti-Komödie des Regie-Duos Moshe Leiser und Patrice Caurier ist vollendeter Rossini-Genußss garantiert.

An der Seite der »diva assoluta« werden herausragende Interpreten wie Lawrence Brownlee als Lindoro und Ildar Abdrazakov als Mustafa zu sehen sein. Dirigent Gianluca Capuano und das Orchestra La Scintilla versprechen eine spritzig-authentische Interpretation.

Donizettis Königinnen-Trilogie gehört zu den Höhepunkten der Karriere einer Sopranistin. Nur die Großen können diese Partien mit Leben füllen. Wie schon bei »Maria Stuarda« 2018, gibt die Star-Sopranistin Diana Damrau in »Anna Bolena« im Dezember 2021 ein Rollendebüt in der Titelpartie. An ihrer Seite singt Luca Pisaroni Konig Heinrich VIII. und Karine Deshayes die Rivalin Jane Seymour. Die Inszenierung liegt wiederum in den Händen des amerikanischen Regisseurs David Alden. Auch Enrique Mazzola, ein Experte im italienischen Belcanto-Repertoire, steht erneut am Pult der Philharmonia Zürich.

URAUFFÜHRUNGEN UND SELTEN GESPIELTES

Ausgesprochen rar auf den internationalen Opernbühnen ist Francis Poulencs »Dialogues des Carmelites«. Seine Musik ist theatralisch effektvoll, soghaft und voll von lyrisch-intimen Momenten und wird in einer Inszenierung von Jetske Mijnssen, die zuletzt mit »Hippolyte et Aricie « einen großen Erfolg feierte, im Februar 2022 erklingen. Die Oper halt faszinierende Frauenrollen bereit. Die alte Priorin wird von Evelyn Herlitzius verkörpert, die hier zuletzt als

Janačeks Emilia Marty für Furore sorgte. Eine ebenfalls in Zürich wohlvertraute Stimme ist Olga Kulchynska, die als Blanche debütiert.

Kurz vor der Premiere im November letzten Jahres musste das Barockopern-Projekt »L´Olimpiade « Corona-bedingt abgesagt werden. Nun endlich kann sich im Marz 2022 der ungarische Schauspiel- und Musiktheaterregisseur David Marton mit seinem außergewöhnlichen musiktheatralischen Ansatz dem Schweizer Publikum vorstellen. Gemeinsam mit der österreichischen Filmemacherin Sonja Aufderklamm kombiniert er Arien aus Giovanni Battista Pergolesis selten gespielter Oper »L’Olimpiade« mit einem Dokumentarfilm über Menschen an ihrem Lebensende. Mit Vivica Genaux und Anna Bonitatibus konnte eine hochkarätige Besetzung gewonnen werden. Am Pult des Orchestra La Scintilla steht der Pergolesi-Experte Ottavio Dantone.
Eine der ersten Produktionen, die Corona zum Opfer fielen, war die Uraufführung »Girl with a Pearl Earring« des Schweizer Komponisten Stefan Wirth (*1975). Dieser vom Opernhaus vergebene Kompositionsauftrag soll nun endlich im April 2022 das Licht der Welt erblicken. Die Handlung kreist um die Entstehung eines Gemäldes von Jan Vermeer und basiert auf dem Bestseller von Tracy Chevalier. Die hochkarätige Besetzung bringt ein Wiedersehen mit Thomas Hampson als Malerikone. Felicity Palmer, Laura Aikin und die junge Amerikanerin Lauren Snouffer stehen ebenfalls für den hohen Anspruch dieses Projektes.

Eine lieb gewonnene Tradition sind die Uraufführungen von Familienopern am Opernhaus Zürich. Mit Homers »Odyssee« kommt nun eine der ältesten Erzählungen überhaupt auf die Bühne. Die Musik schrieb der junge holländische Komponist Leonard Evers (*1985), der bereits zuvor erfolgreich Musiktheater-Werke für ein junges Publikum geschrieben hat.

ANFANG UND ABSCHLUSS MIT KERNREPERTOIRE

Der Anfang und der Abschluss dieses vollen Saison-Pakets machen Neuinszenierungen von populären Werken des Kernrepertoires wie »Salome« von Richard Strauss im September 2021 und Mozarts »Le nozze di Figaro« im Juni 2022.

Die Besetzung von »Salome« zeigt eine für Zürich neue und ausgesprochen vielversprechende Stimme auf der Bühne des Opernhauses: Die Russin Elena Stikhina aus dem Ensemble des St. Petersburger Mariinski-Theaters wird unter der musikalischen Leitung von Simone Young und in der Inszenierung von Andreas Homoki die galiläische Prinzessin geben.
Mozarts »Le nozze di Figaro« wird am Ende der Saison von Jan Philipp Gloger auf ihre Gegenwarts-Tauglichkeit überprüft. Das Stuck, das von übergriffigen Männern, selbstbewussten Frauen und dem allgegenwärtigen sexuellen Begehren handelt wird von einem jungen Mozart-Solistenensemble und dem der historisch informierten Aufführungspraxis stilistisch sehr verbundenen Dirigenten Stefano Montanari getragen.

Die Reihe der konzertanten Aufführungen setzt das Opernhaus fort. In Vincenzo Bellinis »Il pirata« ist der Zürcher Publikumsliebling Javier Camarena als Pirat Gualtiero zu erleben. Die international gefeierte russische Koloratursopranistin Albina Shagimuratova singt die Partie der Imogene. Auch die jungen Sänger und Sängerinnen des Internationalen Opernstudios werden mit »Il mondo della luna« ihr Können wieder am Theater Winterthur zeigen.

WIEDERAUFNAHMEN IN DER OPER

Auch in den zahlreichen Wiederaufnahmen wird das Publikum mit prominenten großen Stimmen beschenkt. Als wahnsinnige Lady Macbeth kehrt Anna Netrebko nach sieben Jahren zurück ans Haus. Anja Harteros wird in diesem Jahr in ihrer Paraderolle Arabella zu hören sein. Sonya Yoncheva ist als Floria Tosca zu Gast. Der Opern-Doppelabend »Cavalleria rusticana/Pagliacci« wartet mit Prominenz beiderlei Geschlechts auf: Elīna Garanča kehrt als Santuzza zurück und Marcelo Alvarez stellt sich der herausfordernden Aufgabe, sowohl Turiddu als auch Canio zu interpretieren. Noch vor ihrem bevorstehenden Brunnhilde-Debüt im »Ring« wird Camilla Nylund bereits in dieser Saison ihre erste Isolde in Zürich geben. Als Tristan wird der schwedische Tenor Michael Weinius zu hören sein. Julie Fuchs wird abermals als Poppea eine Krönung erleben und Olga Peretyatko gibt die Fiorilla in der Wiederaufnahme von »Il turco in Italia«. Der beste Falstaff der Welt ist Bryn Terfel. Ludovic Tezier bübernimmt »Simon Boccanegra«. Benjamin Bernheim wird Macduff in »Macbeth« und Edgardo in »Lucia di Lammermoor « sein. Joseph Calleja gibt sein Hausdebüt als Cavaradossi. Gianandrea Noseda wird auch bei den Wiederaufnahmen das deutsche mit »Tristan und Isolde« und italienische Fach mit »Falstaff« bedienen.


DAS BALLETT Zürich

Das Ballett Zürich eröffnet die Ballettsaison 2021/22 mit der lang ersehnten Europäischen Erstaufführung von »Angels’ Atlas«. Das neue Stuck von Crystal Pite, die zu den gefragtesten Choreografinnen unserer Zeit zahlt, wurde 2020 vom National Ballet of Canada uraufgeführt und entstand in Koproduktion mit dem Ballett Zürich. Einen spannenden Kontrast dazu verspricht die Schweizerische Erstaufführung von »Almost Blue«. Zu Songs der Blues- und Gospellegende Etta James sowie der US-amerikanischen Band Antony and the Johnsons gibt es ein Wiedersehen mit dem deutschen Choreografen Marco Goecke und dessen unverwechselbarer Bewegungssprache. Pites umjubelte Choreografie »Emergence« komplettiert den dreiteiligen Ballettabend »Angels’ Atlas«.

Nach »Messa da Requiem« oder »Winterreise« vereint Christian Spuck erneut Vokalsolistinnen und -solisten mit dem Ballett Zürich auf der Bühne. Fur seine jüngste choreografische Uraufführung spürt der Ballettdirektor dem Zauber des musiktheatralischen Anfangs nach, der in den Arien, Tanzsätzen und Madrigalen von Claudio Monteverdi erblüht. Im Zentrum des neuen Ballettabends »Monteverdi« steht das Achte Madrigalbuch des bedeutendsten italienischen Komponisten des fruhen 17. Jahrhunderts.

Zur Premiere kommt endlich auch Edward Clugs »Peer Gynt«. In seinem bildgewaltigen Erzählballett, 2015 beim von ihm geleiteten Slowenischen Nationalballett in Maribor uraufgeführt, vereint der slowenische Choreograf die Vorlage von Henrik Ibsen und die darauf basierende Schauspielmusik Edvard Griegs zu einem besonderen Tanzerlebnis.

Einen ganzen Abend voller neuer Werke gibt es mit der Serie »Junge Choreografen« zu erleben, in deren Rahmen die Tänzerinnen und Tänzer des Balletts Zürich und des Junior Balletts die künstlerische Verantwortung für ihre eigenen Choreografien übernehmen.

Unter dem Titel »Bolero/Le Sacre du printemps« kehren Johan Ingers »Walking Mad« sowie »Le Sacre du printemps« in der Choreografie von Edward Clug zurück in den Spielplan. Wiederaufgenommen werden außerdem »Leonce und Lena« und »Dornröschen« von Christian Spuck sowie »Impulse«, der Abend des Junior Balletts mit Choreografien von Bryan Arias, Craig Davidson und Juliano Nunes. Mit »Anna Karenina« präsentiert sich das Ballett Zürich überdies auf Gastspielen in Bangkok und Istanbul.


KONZERTE, LIEDERABENDE UND EXTRAS

Die Philharmonische Saison steht natürlich ganz im Zeichen des Amtsantrittes von Gianandrea Noseda. Von Wien, London, Amsterdam und Berlin bis Washington und Chicago hat der neue Generalmusikdirektor des Hauses an den Pulten der berühmtesten Orchester gastiert und wird von nun an auch den Klang und die Programme der Philharmonia Zürich prägen. In den drei Philharmonischen Konzerten, die Noseda selbst dirigiert, kombiniert er Sinfonien von Dvořak und Violinkonzerte von Prokofjew und Tschaikowski mit Werken von Bruckner und Brahms. Als Instrumentalsolisten dieser Zürcher Antrittskonzerte wurden der Pianist Daniil Trifonov sowie die Violinisten Janine Jansen und James Ehnes gewonnen. Außerdem ist er in einem Neujahrskonzert mit dem Tenor Juan Diego Florez als Stargast zu erleben. Weiterhin umfassen die Konzerte der Spielzeit 2021/22 barockes Repertoire in historisch informierter Aufführungspraxis ebenso wie exponierte Projekte der zeitgenössischen Musik. So hat das Orchestra La Scintilla und sein Dirigent Riccardo Minasi mit Kristian Bezuidenhout und Mahan Esfahani zwei der derzeit interessantesten Solisten der Alte Musik-Szene zu Gast. Sogar mit einer Uraufführung kann das Orchestra La Scintilla aufwarten: Der französische Komponist Philippe Schoeller hat ein Werk für ein historisches und ein zeitgenössisches Ensemble komponiert, das in einem Gemeinschaftskonzert mit dem Zürcher Collegium Novum zu erleben ist.

Für die Liebhaber romantischer Sinfonik ist Gustav Mahlers Sechste Sinfonie unter dem Dirigat von Manfred Honeck.

Naturlich dürfen die Liederabende mit Starsolisten wie Anja Harteros, Bryn Terfel, Camilla Nylund, Christian Gerhaher, Lise Davidsen, Georg Zeppenfeld, Dagmar Manzel und Stephen Costello auch in der Saison 2021/22 nicht fehlen.

Last but not least zelebriert das Opernhaus Zürich den Beginn der neuen Saison mit einer großen »Saisoneröffnung für alle«. Am zweiten Septemberwochenende werden die Türen endlich wieder weit aufgemacht. Höhepunkt ist die Liveübertragung »Salome« am 12. September. Die erste Saison-Premiere wird im Rahmen von »oper für alle« auf eine Großbildleinwand auf den Sechseläutenplatz übertragen und gleichzeitig online weltweit gestreamt. Zusätzlich wird die Aufzeichnung der Ballett-Produktion »Messa da Requiem« ebenfalls auf dem Platz gezeigt. Im Haus werden eine öffentliche Probe und ein Kinderkonzert angeboten. Alle Angebote sind kostenfrei.
Da das aber nicht genug ist, in einer Saison, die die Kunst und die wiedergefundene Freiheit feiern mochte, beschließt die Ballett-Produktion »Dornröschen« als »ballett für alle« das Ende der Saison.


SERVICE

Der Abonnementverkauf beginnt ab sofort. Der freie Vorverkauf von Einzelkarten startet Anfang September 2021 an der Billettkasse im Opernhaus, unter opernhaus.ch oder per Email: ticket@opernhaus.ch.

Ein großer Dank gilt dem Kanton Zürich, den Freund*innen, Gönner*innen, Sponsoren, den Partnern und dem treuen Publikum, die das Opernhaus Zürich in einer sehr schwierigen Phase seiner Geschichte zur Seite gestanden haben.