Die neue Spielzeit am English Theatre Frankfurt: Devious, Deadly and Slightly Offensive

The English Theatre Frankfurt eröffnet Spielzeit 2021/2022 am 3. September 21

© The English Theatre Frankfurt

We’ll be back! war das Motto am Anfang der Corona-Krise. Mit einem Sommerjugendprogramm war das English Theatre Frankfurt wenige Monate später zurück – im Herbst 2020 dann mit „Switzerland“, dem Highsmith-Thriller, der allerdings die einzige Produktion der letzten Spielzeit vor Publikum werden sollte. Erneuter Lockdown, Einreisebeschränkungen, neue Virusvarianten und Risikogebiete blockieren die Kultur, insbesondere die internationale Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg. Mit Castings und Proben in London (und den USA) war es für das English Theatre ein längerer Weg aus der Pandemie. Um so mehr freut es sich jetzt verkünden zu können: Back to Live!

© The English Theatre Frankfurt

Back to Live: Teuflischer Spaß in Jubiläumsqualität

Das ETF plant eine “normale” Spielzeit für 2021/2022 – nur größer. Wie im Jubiläumsjahr wird es eine Produktion mehr geben; fürs Abonnentenpublikum inklusive, denn die Rückkehr zum Live-Entertainment ist Grund genug zu feiern. Die neue Spielzeit verspricht mit dem Motto „Devious, Deadly and Slightly Offensive“ („hinterhältig, tödlich und leicht beleidigend “) viel Drama.

Mit viel Spannung eröffnet die Bühnenfassung von Paula Hawkins Bestseller „The Girl on the Train“ (Uraufführung 2019) die Saison. Frisch geschieden träumt sich die depressive Alkoholikerin Rachel auf ihren täglichen Zugfahrten in das Leben eines vermeintlich perfekten Paares. Doch der Schein hält der Realität nicht immer stand, wie sie aus dem Zugfenster heraus beobachtet. Regisseurin Psyche Stott, dem Frankfurter Publikum aus dem Ökothriller „The Children“ (2019) bekannt, inszeniert diese Deutschlandpremiere für das ETF.

Zum Winter wird es lustig und schräg mit Mel Brooks Comedy-Horror-Musical „Young Frankenstein“ (Uraufführung Broadway 2007). Frankenstein-Enkel Friedrich kämpft mit dem Erbe seines berühmten Großvaters und ohne es zu wollen, scheint er dessen Fußstapfen mehr als auszufüllen. Mit „Young Frankenstein“ in der Regie von Derek Anderson (u.a. „Hand to God“, „The Lion in Winter“ beide 2018 und „Sweeney Todd“ 2019) steht eine der größten Mythen der Weltliteratur auf der Bühne des ETFs und parodiert zugleich das gesamte Musical- und Horrorgenre.

In einem dritten Anlauf, in doppelter Regie von erst Psyche Stott und dann Derek Anderson, schließt sich das fix und fertig geprobte „Secret Life of Humans“ (Uraufführung 2017) ans Musical an. David Byrnes Stück ist zugleich Anekdote eines One-Night-Stands, Lebensgeschichte von Jacob Bronowski (TV-Evolutionsreihe „The Ascent of Man“, 1973) und behandelt nicht weniger als die Historie der Menschheit. Inspiriert von Bestsellerautor Yuval Noah Harari („Sapiens. A Brief History of Humankind“, 2011) erörtert “Secret Life of Humans” die große Frage, was den Menschen zu den komplizierten Wesen macht, die wir sind.

In bewährter Koproduktion mit der Ensemble Theatre Company of Santa Barbara (Kalifornien, USA), präsentiert das English Theatre “American Son”. Ursprünglich angesetzt für April 2020, wäre diese Produktion über eine Mutter, die sich den rassistischen Spannungen in den heutigen Vereinigten Staaten von Amerika stellen muss, genau in die erstarkende Black Lives Matter Bewegung gefallen. Trauriger Weise hat dieses Stück auch ein Jahr später an Relevanz kaum verloren.

In der schwarzen Komödie „The Totalitarians“ (Peter Sinn Nachtrieb) versucht Wahlkampagnenschreiberin Francine ihre Karriere zu retten, indem sie der plakativen, politisch inkorrekten Penny Easter zum Wahlsieg verhilft. Diese Karikatur über den Wahnsinn der politischen Bühne reicht weit über Nebraska hinaus und verspricht sommerleichten, bitterbösen Spaß.

Das Education Department des English Theatre Frankfurts präsentiert „Malala. A Girl with a Book“ über die wohl jüngste Menschenrechtsaktivistin, 2014 ausgezeichnet mit dem Friedensnobelpreis. Auf dem Weg zur Schule wurde die 15-jährige Malala Yousafzai Opfer der Taliban. Als Kämpferin für das Recht auf Bildung und Autorin eines kritischen Blogs über das Taliban-Regime für die BBC, sollte sie mit einem gezielten Kopfschuss hingerichtet werden. In „A Girl with a Book“ konfrontiert der preisgekrönte britische Autor Nick Wood seine eigenen Vorurteile als “weißer Mann mittleren Alters und aus der Mittelschicht”. Kann er das Leben eines pakistanischen Mädchens überhaupt begreifen? Hat er ein Recht auf eine Meinung zum Islam? Aus seiner Perspektive führt er durch Malala Yousafzais Leben, ein Leben, welches zeigt, dass das mutige Handeln eines einzelnen Menschen sehr wohl entscheidend dafür sein kann, wie wir die Welt sehen.

Die geplanten Termine:

The Girl on the Train: 3. September – 6. November 21
Young Frankenstein: 20. November 21 – 6. März 22
Secret Life of Humans: 18. März – 24. April 222
American Son: 6. Mai – 3. Juni 22
The Totalitarians: 15. Juni – 24. Juli 22

Malala. A Girl with a Book (ab 14 Jahren): im Herbst 21

Nach dem gegenwärtigen Stand wird davon ausgegangen, dass ein Zutritt nach den 3-G-Regeln (geimpft, genesen oder getestet) erfolgen wird. Der Abo-Vorverkauf startete bereits, der Ticketvorverkauf wird am 1. August 2021 starten.

An zwei Wochenenden wird die Jugendproduktion Huck Finn als Open-Air Veranstaltung im Hof des Dominikanerklosters Frankfurt zu sehen sein (31. Juli/1. August und 7./8. August 21).
Die beliebten Zusatzformate wie der monatliche Poetry Slam mit Lars Ruppel oder Gastauftritte von Vince Ebert wird es auch in der Spielzeit 2021/22 geben.

english-theatre.de


»The saviour« im Stream

Vom 19. bis 27. Juni 21 wird es in Zusammenarbeit mit dem Cork Midsummer Festival einen Stream von The saviour geben. The saviour ist ein neues Stück der irischen Dramatikerin Deirdre Kinahan. Es wurde Landmark Productions produziert, unter der Regie von Louise Lowe von Marie Mullen und Brendan Gleeson aufgeführt, und präsentiert vom Cork Midsummer Festival. Die Produktion wird gestreamt und ist vom 19. bis 27. Juni online verfügbar.
Weitere Informationen und Tickets für den Stream gibt es unter: corkmidsummer.com

Das Stück stellt den außergewöhnlichen Wandel im sozialen, politischen und religiösen Leben in Irland in den letzten dreißig Jahren dar. Es stellt Fragen zur Verantwortung, zum Umgang mit Traumata und zur heiklen Frage der Vergebung.

© Cork Midsummer Festival

Dazu gibt es am 22. Juni 21 ein besonders Nachgespräch: In the Green Room with The Saviour, in Zusammenarbeit der Botschaft von Irland in Deutschland, dem Generalkonsulat von Irland in Frankfurt/M, dem The English Theatre in Frankfurt, dem English Theatre Berlin, der International Performing Arts Center und dem The English Theatre of Hamburg.
Durch die grenzenlose Natur der aktuellen pandemiebegleitenden Online-Aktivitäten kann das Publikum im Rahmen des Cork Midsummer Festivals auf die Live-Premiere zugreifen und an dieser interaktiven Fragerunde teilnehmen, um tiefere Einblicke in dieses mit Spannung erwartete Stück zu erhalten. Moderiert von der Journalistin Meike Krüger beleuchtet das gefeierte Team aus Autorin Deirdre Kinahan, Regisseurin Louise Lowe, Schauspielerin Marie Mullen und Produzentin Anne Clarke dieses spannende Werk, das tief in den kulturellen Wandel Irlands eintaucht.
Das Gespräch wird live und gratis auf Zoom und den Facebook-Seiten der beteiligten Partner übertragen, eine vorherige Anmeldung ist nötig: eventbrite.ie