Die HfMDK-Künste spielen weiter! Onlineprogramm vom 4. bis 8. Mai

© HfMDK Frankfurt

Farben zum Hören und Klänge zum Sehen? Sie sind neugierig auf einen weiteren Meilenstein der Klavierliteratur oder auf ein hochromantisches Sturmtief?

Oder steht Ihnen doch eher der Sinn nach einem Ausflug in die skandinavische Märchenwelt und der Begegnung mit einem kecken Troll?

Die Studierenden und Lehrenden der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt (HfMDK) machen auch in der dritten Woche dieses außergewöhnlichen Semesters ihre Künste sicht-, hör- und erlebbar – in Live-Streams aus dem Kleinen Saal, in Video-/Audio-Mitschnitten aus vergangenen Semestern oder in Podcasts mit Interviews, Gesprächsformaten, Lesungen.

Hessens Universität der performativen Künste präsentiert jeden Abend von Montag bis Freitag jeweils um 18.30 Uhr eine halbe Stunde lang Musik, Theater, Tanz – live oder produziert. Zugang über play.hfmdk-frankfurt.info

Das Programm für Montag, den 4. Mai bis Freitag, den 8. Mai:

Montag, 4. Mai 2020 (Aufnahmen, Streicherkammermusikabend vom 27. Januar 2020, Kleiner Saal) BELÁ BÁRTOK (1881-1945): „Contrasts“ für Violine, Klarinette und Klavier
1. Verbunkos (Werbertanz); 2. Pihenö (Entspannung); 3. Sebes (Schneller Tanz) Ayane Kawamura, Violine; Shigeya Watanabe, Klarinette; Miharu Ogura, Klavier (Klasse von Prof. Tim Vogler)

Bartók emigrierte 1940 in die USA. Das erste Werk, mit dem er sich dort vorstellte, waren die „Contrasts“. Der Jazzklarinettist Benny Goodman hatte den Auftrag dafür gegeben, die Uraufführung erfolgte in der historischen Besetzung mit Goodman, Joseph Szigeti, Violine und Belá Bartók am Klavier. Der Charakter der Stücke ist zutiefst von ungarischer Folklore beeinflusst und findet in genialer Weise zu einem tiefgehenden, berührenden und mitreißenden Ausdruck.

FARBEN HÖREN – KLÄNGE SEHEN (Mitschnitt Neue Musik Nacht 2017) Improvisationen am Flügel Klemens Althapp, Klavier
Das Experiment im Rahmen der Neuen Musik Nacht: Aus 10 Farbtafeln wurden vom Publikum drei ausgewählt und von Klemens Althapp musikalisch interpretiert – Eintauchen in Farben, akustisch und visuell.

Dienstag, 5. Mai 2020, 18.30 Uhr (Video-Live-Stream aus dem Kleinen Saal der HfMDK) MEILENSTEINE DER KLAVIERLITERATUR: Sonate Nr.2 A-Dur von Ludwig van Beethoven
Allegro vivace; Largo appassionato; Scherzo, Allegretto; Rondo, Grazioso Xi Zhai, Klavier

Nach dem Programmauftakt mit der ersten Sonate in der letzten Aprilwoche, widmet sich Xi Zhai am 5. Mai der Nummer zwei: Die 32 Sonaten von Beethoven (1770-1827) gehören zu den Meilensteinen der Klavierliteratur. Der Klaviervirtuose Hans von Bülow bezeichnete Sie auch als das „Neue Testament“. Beethoven widmete sein gesamtes Leben seiner musikalischen Lieblingsgattung – der Sonate. Das breite Spektrum an Ideen und Bildern – von milden Pastoralen bis hin zur pathetischen Feierlichkeit, von der lyrischen Stimmung bis hin zur revolutionären Apotheose, von innigsten philosophischen Gedanken bis hin zu Volkstänzen, von der Tragödie bis hin zum spritzigen Humor – das alles macht die Sonaten dieses bedeutenden Komponisten zu wahren Schätzen der Musik.

Mittwoch, 6. Mai 2020 (Aufnahme Klavierkammermusikabend vom 28. Januar 2020, Großer Saal) CAMILLE SAINT-SAENS (1835-1921): Violinsonate Nr. 1 d-Moll, op. 75
Allegro agitato – Adagio Juyeon Lee, Violine; Byeonghee Kim, Klavier Klasse von Hansjacob Staemmler
In seiner hochromantischen Violinsonate d-moll schüttelt Saint-Säens alle Fesseln des Klassizismus ab. Selten wurde aus dem Material eines einfachen Moll-Dreiklangs ein Sturmtief mit derartiger Windstärke entwickelt. Aber auch Ruhepunkte werden Musikern und Hörern gegönnt, nicht nur in dem delikaten Adagio.

(Aufnahme Eröffnungskonzert der „Young Academy“ vom 20. November 2020, Kleiner Saal) EDVARD GRIEG (1843-1907): aus der Sonate c-Moll für Violine und Klavier, op. 45
III. Allegro animato Carolin Grün, Violine (ehem. Jungstudentin, derzeit BA 1. Semester, Klasse Prof. Susanne Stoodt) Anna Naretto, Klavier

Das Allegro animato aus der Violinsonate op. 45 Nr. 3 von Edvard Grieg weckt bei mir verschiedene Vorstellungen, die mich in die skandinavische Märchenwelt mit ihren verschiedenen Fabelwesen eintauchen lassen. In diesem Satz stehen sich zwei große musikalische Themen gegenüber. Zum einen ein belebter mitreißender Rhythmus, bei dem ich das Gefühl bekomme, dass Trolle auf der Lauer liegen. Zum anderen ein melancholisch faszinierendes Thema, das letztendlich in einem Prestissimo (Schlusssteigerung) mündet – in überschwänglicher Freude.

Donnerstag, 7. Mai 2020, 18.30 Uhr (Video-Live-Stream aus dem Kleinen Saal der HfMDK) LIEDER VON SCHUBERT, POULENC UND COPLAND
Franz Schubert (1797-1828): Sehnsucht D 636 (Friedrich von Schiller), Memnon D 541 (Johann Mayrhofer), Lied eines Schiffers an die Dioskuren D 360 (Johann Mayrhofer), Ganymed D 544 (Johann Wolfgang von Goethe)
Francis Poulenc (1899-1963): Métamorphoses (Louise de Vilmorin), 1. Reine des mouettes; 2. C’est ainsi que tu es; 3. Paganini

Aaron Copland (1900-1990): aus Twelve Poems of Emily Dickinson Nature, the Gentlest Mother, There Came a Wind Like a Bugle, Why Do They Shut Me Out of Heaven?

Melinda Paulsen, Mezzosopran
Andreas Frese, Klavier

Wir haben ein diverses Programm ausgesucht: in Schuberts Vertonungen von Schiller, Mayrhofer und Goethe-Texten ringen Menschen mit ihrem Schicksal und finden letztendlich einen Weg ins Licht, zur Hoffnung. Die sehr kurzen Lieder von Poulenc sind völlig eigen; Wort-Tongemälde zum Teil mit manischer Energie. In den ersten beiden Copland-Lieder zeigt uns die Dichterin Emily Dickinson zwei Seiten der Natur: die sanfte Mutter und die erbarmungslose Zerstörerin (und doch besteht die Welt weiter). Das Programm endet mit einer wichtigen Frage: Habe ich etwa zu laut gesungen?

Freitag, 8. Mai 2020 (Aufnahmen, Streicherkammermusikabend vom 21. Januar 2020, Großer Saal) PHILIP GLASS (geb. 1937): 3. Streichquartett (Mishima)
1. Award Montage; 2. Ichigaya; 3. Grandmother and Kimitake; 4. Body Building; 5. Blood Oath; 6. Mishima/ Closing

Cheng-Yang Lai & Ai-Ling Chang, Violine Yi-Ling Huang, Viola Wan-Yu Liu, Violoncello (Klasse von Prof. Tim Vogler)

(Aufnahme Klavierkammermusikabend vom 14. November 2016, Großer Saal) ASTOR PIAZZOLLA (1921-1992): Le Grand Tango
Dominik Manz, Violoncello Goun Kim, Klavier (Klasse Prof. Angelika Merkle)

Le Grand Tango ist ein einsätziges Werk aus drei ineinander übergehenden Tangos. Der argentinische Komponist und Bandoneonist Astor Piazzolla etablierte und prägte mit seiner Musik nach seiner Rückkehr aus Europa in den 1950ern in Argentinien den „Tango Nuevo“, eine Weiterentwicklung des traditionellen Tango Argentino. Diese neuartige Form des Tangos ist als Konzertmusik angelegt. Hier greift Piazzolla auf Elemente der europäischen Kunstmusik sowie auf die der argentinischen Folklore und des Jazz zurück und modifiziert so die Form und Rhythmen des herkömmlichen Tangos. 1982 geschrieben, widmete er „Le Grand Tango“ dem russischen Cellisten Mstislav Rostropovich, welcher dieses Werk ab den 1990er Jahren aufführte.