»Die Eroberung des Südpols» – Renommierter Regisseur Manfred Karge inszeniert zum ersten Mal in Magdeburg

Die Eroberung des Südpols ~ Theater Magdeburg ~ Vorabbild ~ © Nilz Böhme

Mit Manfred Karge kommt eine echte Theaterinstitution nach Magdeburg: Der 83-jährige Regisseur, der durch seine provokanten Inszenierungen schon in der DDR für Furore sorgte, bringt in der Domstadt sein eigenes Stück »Die Eroberung des Südpols« auf die Studiobühne im Schauspielhaus. Premiere ist Freitag, 1.10. 2021 um 19.30 Uhr.

Manfred Karge schrieb »Die Eroberung des Südpols« in den 1980er-Jahren in Bochum. Das Stück stellt eine Gruppe junger Arbeitsloser im Ruhrpott in den Mittelpunkt. Um ihrer Tristesse zu entfliehen, spielen die Freunde Slupianek, Büscher, Braukmann und Seiffert die Südpol-Reise des Norwegers Roald Amundsen nach. Auf einem muffigen Dachboden wird die heroische Phantasie-Reise zur Flucht vor der Leere. Sie hängen Bettlaken auf, verteilen die Rollen und träumen sich in die vereiste Welt Amundsens.

»Die Eroberung des Südpols« wurde nach seiner Uraufführung 1986 schnell in viele Sprachen übersetzt. Der Stoff wurde sogar unter der Regie von Gillies MacKinnon in Edinburgh verfilmt. Das Stück schaffte den Weg auf Theaterbühnen der ganzen Welt wie Sydney, Oslo und Los Angeles – und wird nun in Magdeburg von Manfred Karge selbst inszeniert. Dazu verlegt er die Handlung aus dem Ruhrpott in den Osten nach der Wendezeit, wo Jugendarbeitslosigkeit eines der beherrschenden Themen war: »Diese Bearbeitung hat mich gereizt«, sagt Karge. Dafür hat er sich intensiv mit der Nachwendegeschichte der Domstadt beschäftigt, etwa der Abwicklung des SKET-Werks über die Treuhand.

Auf der Bühne gibt es eine Skyline Magdeburgs, denn Karge schwärmt für diese Stadt, hat er doch selbst hier vor Jahrzehnten als Volontär bei einer Zeitung gearbeitet. Für die Kostüme zeichnet Jessica Karge, seine Tochter, verantwortlich. Für das Theaterurgestein Karge sind die Rollen in »Die Eroberung des Südpols« gleichwertig: »Es gibt nur schöne Rollen«, betont er. Darsteller Felix Tittel (Rolle: Slupianek), der zum ersten Mal in Magdeburg gastiert, hat am Berliner Ensemble unter Manfred Karge unter anderem schon in »Der kaukasische Kreidekreis« gespielt. Tobias Schwencke, der schon die musikalische Leitung bei »Der gute Mensch von Sezuan« in dieser Spielzeit übernahm, kehrt mit der gleichen Funktion für »Die Eroberung des Südpols« nach Magdeburg zurück.

Manfred Karge ist vor allem durch seine Regietätigkeit gemeinsam mit Matthias Langhoff, seinem künstlerischen Weggefährten bekannt geworden. Ihre Inszenierungen sorgten schon bald für Aufsehen, besonders »Sieben gegen Theben« gefiel der DDR-Führung nicht. Nach einer längeren Tätigkeit am Schauspielhaus Bochum und im Ausland begann er dann in den 90er-Jahren wieder regemäßig als Regisseur am Berliner Ensemble zu arbeiten. Zuletzt inszenierte Karge in Berlin sein Stück »Jacke wie Hose« am Kleinen Theater.


Die Eroberung des Südpols

Von: Manfred Karge

Premiere am Theater Magdeburg: 1. Oktober 21 (Schauspielhaus Studio)

Regie / Bühne: Manfred Karge
Kostüme: Jessica Karge
Musik: Tobias Schwencke
Dramaturgie: Laura Busch

Besetzung:

Slupianek: Felix Tittel
Büscher: Christoph Förster
Seiffert, genannt »Elch von Herne«: Andreas C. Meyer
Braukmann: Michael Ruchter
Die Braukmann: Undine Schmiedl
Frankieboy: Florian Appelius
Rudi: Christoph Bangerter
Rosi: Carmen Steinert

theater-magdeburg.de